Qype: Kabarett academixer GmbH in Leipzig

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Academixer-Kabarett / Leipzig

Academixer-Kabarett / Leipzig

Im Rahmen der Lachmesse 2008 durfte ich in den letzten 11 Tagen zwei Veranstaltungen bei den Academixern besuchen.

Der erste Gast war die Diestel aus Berlin, ein wahrscheinlich recht bekanntes Kabarettensemble an das meine Erwartungen (als Berliner-Kabarett-Fan) hoch geschürt waren. Enttäuscht war ich nicht, da die Aufführung gewohnt gut war. Pointierte Unterhaltung und giftige Spitzen sorgten immer wieder für Höhepunkte während der Aufführung.
Vielleicht ist meine Ernüchterung darauf zurückzuführen, dass ihnen das berliner-politische Umfeld in Leipzig fehlte, vielleicht habe ich aber auch ihre Anspielungen nicht verstanden, als sie aus meiner Sicht das Leipziger Publikum mehrfach beleidigten. Vielleicht hätte ich in Berlin darüber gelacht, wo sie momentan aebenfalls mit dem aktuellen Stück: „Die Experten auftreten“.

Skeptisch und nicht wissend, was mich erwarten sollte, bin ich in das Kabarett „Faust“ von Michael Quast und Philipp Mosetter gegangen. Die Frage, die ich mir immer wieder vor der Vorstellung stellte war, wie kann Goethes Faust auf kabarettistische Art dargestellt werden? Beide Kabarettisten aus München haben eine wunderbare Vorstellung gegeben. Selten habe ich das Publikum so herzhaft lachen sehen und zu keinem Zeitpunkt wurde das Niveau den Goethe mit seinem Faust in „schwindelerregende“ Höhen getragen hat, angegriffen.

In allem waren während der Lachmesse Gäste vertreten, die dem Publikum der Academixern neue satirische Perspektiven angeboten haben.
Mein Beitrag zu Kabarett academixer GmbH – Ich bin gophi – auf Qype

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Forderungen an die Politik bezüglich des Wandels in der Lehre

Das Web, vor allem die Möglichkeiten der sozialen Kooperationen, die unter dem von O’Reilly geprägten Schlagwort „Web 2.0“ ermöglicht neue Nutzungen bspw. in der Lehre, aber auch des eigenständig motivierten Lernens. Das Web im Einsatz in der Lehre, als Werkzeug, unterstützt und modifiziert die Ausbildung, mit der wir uns die Welt erklären und in ihr handeln wollen.

Vergleichende Ergebnisse der klassischen Ausbildung und computergestützter (webgestützter) Ausbildung sind ein Teil der Dissertation Ralf Feuersteins, mit denen er sich zu dem Thema: „Strukturmerkmale des Lernens computerinteressierter und begabter Schüler“ auseinandersetzt. Anhand von Interviews mit begabten und computerinteressierten Schülern leitet er ein neues theoretisches Konzept ab, das er als ergänzend verstanden wissen will. Inwieweit dieses Konzept aus der Schule heraus zu nehmen und in andere Umgebungsbedingungen zu integrieren ist, diese Frage, muss an dieser Stelle vorläufig unbeantwortet bleiben. Phänomenologische Betrachtungen eröffnen die Eigenschaften und Charakterisierungsmöglichkeiten von Lernprozessen.

Gerne wird in der Pädagogik von einem notwendigen Erwerb von Schlüsselqualifikationen gesprochen. Schlüsselqualifikationen in einer (dieser) Zeit zunehmender Informationsflut sollen dem Lernenden als Werkzeug wechselnden Spezialwissens einzelner Individuen dienen, ihr Tun ordnen zu können. Zudem sollen sie den Lernenden anleiten, übergreifender Qualifikationen mit anderen zu vernetzen, die für die Bewältigung zukünftiger Aufgaben von übergeordneter Bedeutung sind (anschauliches außerschulisches Bsp. ist NEURON ).

In Anlehnung an Johannes Commenius, der als einer der ersten die Pädagogik vom Kind her entwickelte, setzte sich in Deutschland der Kompetenzbegriff Klafkis durch.
Der Kompetenzbegriff wird in den Diskurs der Lehr- und Lernstrukturen von Klafki eingeführt und geht zurück auf Klafkis Kompetenzmodell der kritisch-konstruktiven Didaktik. Klafkis Ziel war die Herausbildung vielseitiger Interessens- und Kompetenzentwicklung. Seine Forderungen führten letztendlich zur Erweiterung des Lernbegriffs.

Sein Lernbegriff schließt kognitives, soziales und emotionales Lernen mit ein. Sein Verständnis von Lehre ist nicht ergebnis- und produktinteressiert, sondern versteht sich als Prozess. Ein Prozess, der sich nicht nur auf den klassischen Bildungskanon beschränkt, sondern der seine Themen und Inhalte an Jugendliche und Kindern orientiert. Unterricht im Verständnis Klafkis soll die vergangene und gegenwärtige Kultur weitergeben und die zukünftige vorwegnehmen (In diesem Zusammenhang passt Christian Spannagels Bericht einer Lernsituation seiner Lehre, die er in seinem Blog unter „In die Zukunft und zurück“ beschreibt.).

Der Kompetenzbegriff hat gegenüber älteren pädagogischen Zielbeschreibungen, wie den Lernzielen mehrere Vorteile. Zum einem wird es als wenig sinnvoll und hilfreich verstanden, wenn einzelne Wissens- und Könnenselemente abgefragt werden. Koordinierte Anwendungen verschiedener Einzelleistungen an einem Problem oder praxisorientierten Beispiel erhöhen die Kompetenz des Lernenden.
Ein weiterer Vorteil ist somit die integrierte Aktualität der zu unterrichtenden Lehrvorgaben. Der Lernende kann sich an lebensweltlichen Bezügen bewähren (vgl. Rudolf / Messner 2003)

Notwendige herauszubildende Kompetenzen werden von jedem Lehrenden unterschiedlich untergliedert (vgl. Spannagel: teachingphilosophy , Klafkis Kompetenzmodell, Kompetenzmodell nach Lehmann / Nieke )

Auf dem zweiten Educamp, das vom 10-12.Oktober in Berlin stattfand, wurde aus der Einsicht die Lehre grundsätzlich ändern zu müssen 7 Forderungen für eine zeitgemäße Lehre formuliert, die sich an die Politik richten soll. Die Endfassung der Formulierung ist derzeit noch in Arbeit. Wer Lust und Interesse oder anderweitige Eingebungen hat, darf sich gerne beteiligen.

Die Forderungen sind:
1. Größere Autonomien der Schulen
2. Medienkompetenz als verpflichtender Inhalt jeder Schul-, Aus- und Weiterbildung (nach dem Magdeburgeransatz müsste man an dieser Stelle noch einmal Medienbildung von Medienkompetenz trennen und vl. sogar den Begriff in der Formulierung ersetzen.)
3. Volle Transparenz von Lehre und Forschung
4. Anerkennung der Öffentlichkeitsarbeit als Teil der Forschung- und Lehrarbeit
5. Effizienter, ergebnisorientierter Umgang mit Lehr- und Forschungsgeldern
6. Zugängliche Ausstattung mit zeitgemäßen technischen Produktionsmitteln
7. Entwicklung eines sicheren Rechtsrahmens für den Umgang mit neuen digitalen Lehrmedien

Social Learning Summit 08: Keynote: „Spielend lernen – zukunftsweisende Wissensvermittlung“

In die zweite Keynote des Social Learning Summit 08 leitet Marc Prensky mit der Ausrichtung „Spielend lernen – zukunftsweisende Wissensvermittlung“ ein.
In diesen Blog soll das Video “A Vision of Students Today” in das Thema einleiten, in dem Marc Prenskys Ansatz übertragen wird.

Marc Prensky setzt dort an, wo die Diskussion um die Keynote von Benjamin Jörissen aufgehört hat. Die in meinem Verständnis für mich wichtigsten Stichpunkte waren:

– Medien unterschiedlichster Art werden in alltäglichen Handlungspraxen integriert
– Medienkonvergenz
– immersives Lernen

Spiele sind Marc Prenskys Hintergrund, an denen exemplarisch die allgemeiner gehaltene Keynote 1 veranschaulicht wird. Unsere Umwelt hat sich medial in den letzten Jahren sehr gewandelt, sowie deren medialen Nutzung. Das folgende Video macht darauf aufmerksam, dass der Alltag eines Studenten von den neuen Medien (Handy, Internet, …) stark gerahmt wird und viele Stunden des Tages bestimmen. Mit diesem Video versucht Michael Welsch auf neue Lehransätze aufmerksam zu machen, die notwendig sind, damit der Mensch (Student) seinen Alltag mit den Medien sinnvoll, in Form von Werkzeugen, strukturiert.

This Video „A Vision of Students Today“ was created by Prof. Michael Welsch and his cultural anthroplogy students (200) at Kansas State University about our need for educational reform. “It began as a brainstorming exercise, thinking about how students learn, what they need to learn for their future, and how our current educational system fits in.” (Mediaculture 12.10.2007)

Das Video versucht einen Anstoß zur Veränderung von Lehre zu geben. Der Anspruch an die medial geprägte Umwelt des Menschen ist heute höher, denn je. „Learning to Change“ und „Changing to Learn“ können als Motive von Lernenden und Lehrenden einer neuen Ära von Lern-/und Lehrkonzeption verstanden werden und zwar nicht als eine einmalige Situation, sondern immer wieder.

Marc Prensky bezieht sich in seiner Keynote „Spielend lernen – zukunftsweisende Wissensvermittlung“ auf Lernprozesse. Seiner Unterscheidung von „digital natives“ und „digital immigrants“ vollführt er an Computerspielen.
Interactive Digital Storytelling ist eine methodische Spezialform von Wissensvermittlung. Die Vermittlung von umfangreichen Inhalten erfordert komplexe Handlungsmöglichkeiten in Spielen. Der Spieler lernt mit höherer Konzentration, Leidenschaft und Motivation (Prensky nennt es Engagement). „Games make better doctors, better sport players and better managers, better workers …“ Spiele lehren dem Spieler zu kooperiere, Situationen zu analysieren, Risiken abzuschätzen, die beste Entscheidung zu finden, etc.. Spiele sind nach Prensky somit immer „educational games“.

Abschließend stellt Prensky zwei Paradigmen der Lehre gegenüber. In dem alten Paradigma wird den Lernenden etwas gelehrt (These:, woher auch die Unterscheidung des Rollenverständnis „Lehrer und Lerner“ herrührt) und es droht bei dem Lernenden Langeweile. Für das neue Paradigma der Lehre fordert Prensky, das die Lernenden sich selbst unterrichten und der Lehrer die Rolle der Coach übernehmen sollte. In diesem Fall lernen die Lernenden mit „Engagement“. Christian Spannagel formulierte diese Forderung auf dem Edu-Camp 2008 in Berlin noch weiter, indem er darauf verwies, dass er seine Lehre auf Projekte anwendet, mit denen seine Studenten direkt erfahren, welche Veränderungen sie in der Lernsituation bewirken können. Studenten, die Informationen / Wissen übermittelt bekommen, die sie in ihrer Umwelt nicht integrieren können und dessen Nutzen sie dementsprechend erkennen, fördern das Desinteresse seiner Studenten. Jedoch erfordert dieser Wandel in der Lehre Courage.

“It is not about games. It is abut angagement. It is about 21st century learning. We have to engage with students.
Feel the fear and do it anyway. That is the definition of courage. I hope we have the courage.”

(PPT von Marc Prensky, nicht identisch mit dem Vortrag bei dem social Learning Summit 2008, inhaltlich identisch bis etwa Folie 70)

Ich möchte an dieser Stelle den Organisatoren des Social Learning Summit 2008 für die Erfahrung dieses Nachmittags meinen Dank aussprechen, dass sie diese Zusammenkunft im anregenden Ambiente ermöglicht haben.

Anschließend setzt das Edu-Camp in Berlin 2008 an den nächsten beiden Tagen am inhaltlichen Thema dieses Nachmittages dort an, wo der Abend aufhörte.

(Lutz Berger)

Quellen:

Mediacultures “A Vision of Students Today” (12.10.2007)

Scope 08 “The Future of Learning + Working

Social Learning Summit 08; Keynote: „Zukunft Bildung in der digitalen Erlebnisgesellschaft“

Freitag gegen 13 Uhr (10.10.2008) treffe ich in Berlin ein. Mein Weg führt mich sofort zum technischen Museum, wo ich im Rahmen des Social Leraning Summit 08 zu einigen Vorträgen (Brain-Floor) eingeladen bin.
Der Weg zu dieser Veranstaltung gestaltet sich labyrinthartig durch das Technikmuseum. Glücklicherweise stehen überall die freundlichen Frauen und Herren von der scoyo, die den Gast freundlich in den gewünschten Bereich leiten. Bei einer Wdh. weiß ich, dass ich eher anreisen sollte. Wann könnte ich sonst einen kostenlosen Besuch im Technikmuseum erhalten? Selbst wenn nicht, die durch die Türen des geleiteten Weges hereinblickenden technischen Spielereien / Ausstellungen rufen mit sirenenartiger Stimme nach mir. Verwundert hatte uns, dass die Organisatoren keine Ahnung davon hatten, wie groß die eingeladenen Kinder sein könnten. Des Weiteren hatten sie sich gewundert, wie Kinder sind.

Die erste Keynote hält Benjamin Jörissen zu dem Thema: „Zukunft Bildung in der digitalen Erlebnisgesellschaft“. Er stellt die entwickelten Ideen und Vorstellungen der Universität Magdeburg vor. (Slideshare , Handout )
Die digitale Welt geht nahtlos in den Alltag des Menschen ein. Die nahtlose Integration digitaler Medien in den Alltag und in die alltäglichen Handlungspraxen bei zunehmender Medienkonvergenz sowohl auf Nutzerseite als auch auf der Content-Seite, sowie bei zunehmender Individualisierung erfordert Strategien und Kompetenzentwicklungen der User. Hier ist die Pädagogik aufgefordert Konzepte anzubieten.
Vor allem in Japan ist dieser nahtlose Übergang gut zu beobachten, wo der Nutzer mit seinem Handy mehrere Stunden täglich im Web ist und darüber seinen Alltag strukturiert bzw. mit dem Handy in seinem Alltag handelt. Als anschauliches Beispiel habe ich im Blog Mobile2Null eine Alltagsbeschreibung mit Handyeinsatz aufgespürt.
Somit befindet sich der Alltag ständig zwischen den Polen von Gestaltung und Konsum. Jörissen verbindet in dieser Vorstellung der Pole den Gedanken, dass Kinder unterer /bildungsarmer Bevölkerungsschichten in ihrem Alltag überwiegend passiv Medien konsumieren und Kinder gebildeter Bevölkerungsschichten mit den Medien ihren Alltag aktiv gestalten. Divergente Nutzungsstile sind abhängig vom Bildungshintergrund.

Die unterschiedlichsten Medien beinhalten kulturelle Komplexität. Die komplex gestalteten Medienumgebungen, erfordern didaktische Konzepte, der Vermittlung von Strategien / Fähigkeiten der User, sich in dieser Medienumwelt (sinnvoll) zu bewegen. Die immersive Didaktik, die am deutlichsten in Computerspielen wahrzunehmen ist, sich aber nicht ausschließlich auf Computerspiele beschränkt, ist ein Versuch der Übermittlung notwendiger Kompetenzen. Immersives Lernen versteckt sich in Nischen jenseits der Pädagogik. Sehr interessant in diesen Bezug fand ich den von Jörissen kurz vorgestellten Ansatz, der ebenfalls aus der Uni Magdeburg kommt, der Dezentrierung und Reframing, entwickelt von Johannes Fromme. Reframing ist die Fähigkeit Komplexität, Relativität und Kontingenz wahrzunehmen. D.h. ein Mensch kann durchaus unterscheiden, ob er sich gerade in der Virtualität oder in der sozialen Realität bewegt.
Gefordert sind somit die Ausbildung von Schlüsselkompetenzen gesellschaftlicher Partizipation, wie der Kompetenz sich im öffentlichen Raum darzustellen und zu bewegen, Selbstkompetenz Kommunikation, Vernetzung und Orientierung.

Die anschließende Diskussion wird mit einer provokativ formulierten Feststellung eingeleitet, indem der Magdeburger Ansatz ein zu positiv formuliertes Bild aufzeigt. Zudem wird kritisiert, dass wichtige Begriffe, wie Bildung und Lernen, die seit Humboldt geprägt wurden, heute nicht mehr diskutiert werden.
Ergebnis der Diskussion ist das Bekräftigen der Forschung, die sich mit den Grenzen von formellen und informellen Lernen etc. auseinandersetzt.
Um mehr Interaktion und Feedback im medialen Ansatz scoyos bei einer nächsten Diskussion zu erhalten, empfiehlt sich bspw. eine Twitterwand. So würden zukünftig weniger 10 minütigen Statements gehalten, da der Diskutant erkennt, dass lange Monologe keinen Austausch fördern.
Auch der Hinweis, die Handys auszumachen, wies auf wenig Verständnis von interaktiver Nutzung des Webs im Alltag.

Wie ich so eben bemerke, habe ich eine Nachricht von Steffen Büffel erhalten, zwecks Anfrage, leider muss ich an dieser Stelle eingestehen, dass ich diese Nachricht viel zu spät wahrnehme. Die Wahrnehmungsreaktion von zwei Tagen später, entspricht wohl nicht den Anforderungen, die die heutige Welt in dieser Umgebung an einen stellt. Ich muss mir unbedingt Kompetenzen / Strategien im Umgang mit dem Handy und dem Web erarbeiten, oder einfach das nächste mal meinen Laptop mitnehmen. Mit einem Notebook wäre dies wohl nicht passiert.

Andere Eindrücke/Berichte:

Benjamin Jörissen
scoyo

Reisebeobachtungen: vom jugendlichen Tausch der Glasmurmeln, über Pokemon zu Video und Audioclips und Annäherungsversuchen … soziale Interaktionen über den Vermittler „Handy“

„Jetzt hast Du es.“, sagt mein Sitznachbar zu einem der zwei Mädchen eine Sitzbank weiter vorn. „Ich sende Dir das Lied jetzt noch ganz schnell.“, warf er ihr hinterher, bevor er sich wieder seinem Handy zuwandte.

Das andere Mädchen neben ihr sitzt nervös auf ihrem Platz, rutscht von einem Ende zum anderen, bis sie sich letztendlich dazu entschließt den Jungen aufzufordern: „Gib mal die 111 ein.“ Der Junge schaut das Mädchen überrascht an: „Wieso?“, schallt es monoton aus seiner Kehle. Das Mädchen, das ihn so eben angesprochen hatte, wird leicht rot. Glücklicherweise ergreift ihre Freundin das Wort: „Ihr Handy findet Dich grad nicht.“ Die Antwort des Jungen: „Das dauert, wir haben noch nicht mal die Hälfte, ich hoffe wir schaffen es bis xxx. Es fehlen noch 700 kb!“

Was zeigt dieser flüchtige Einblick von einer Stunde Zugfahrt mir von der „Welt“ der Jugendlichen auf?

Zuerst einmal finde ich es erstaunlich, inwieweit neue technologische Möglichkeiten kulturelle Akzeptanz (bei Jugendlichen) erfahren. Marc Prensky hat 2001 schon auf den Unterschied von „digital natives“ und „digital immigrants“ hingewiesen. Die beobachteten Jugendlichen können ohne Zweifel als digitale „Eingeborene“ natives verstanden werden.

(Bei Interesse, in den nächsten Tagen erscheint auf scoyo im Rahmen einer Interviewreihe ein Videointerview von Steffen Büffel mit Marc Prensky. Unter der Organisation von scoyo findet unter anderem heute Abend im Technischen Museum in Berlin eine Diskussionsrunde statt, deren Keynote Marc Prensky setzt.)

Des Weiteren ist ein Kennzeichen neuer medialer Anforderungen im Umgang mit dem Web und neuen technologischen Möglichkeiten die Entwicklung eines Flow-Erlebnisses durch kollaboratives Zusammenwirken. In dem Augenblick, indem das Mädchen den Jungen bittet „111“ einzugeben, einen Code der anscheinend zum Suchen anschlussfähiger Handys in unmittelbarer Umgebung ermöglicht, grenzt sich die Gruppe „Jugendlicher“ von den anderen Reisenden ab. Sie haben die Möglichkeit entwickelt über neue technologische Anwendungen eine Art Clique/ Peer-Group, nämlich in dieser Stunde des „Tauschens von Audio- und Videodateien“, abzubilden. Das sich daran beteiligen des Musik- und Videosharings über Handy gilt als soziale Währung dieser Gruppe. Sie helfen Kontakte zu Gleichaltrigen (in Abgrenzung von den Nichtbeteiligten) zu knüpfen und zu pflegen.

Das Tauschen von Audio- und Videoclips muss somit als relevant für die eigene Identitätsbildung anerkannt werden und auch zur Positionierung innerhalb der Gruppe nützlich sein. Ingrid Paus-Hasebrink sagt dazu: „Im Endeffekt ist das Produkt der sozialen Währung nicht einmal das Ausschlaggebende für die erfolgreiche Bewährung in der Gruppe. Letztendlich zählt das richtige Auftreten. Die „dominierende Lesart“, also wie in der Gruppe mit den Medienmarken umgegangen wird, muss erkannt und angewendet werden. Wer diesen Code entschlüsselt, findet Einlass in die Clique. Das alleinige Vorweisen von Merchandising-Produkten.“

Quelle:

Ingrid Paus-Hasebrink :“Kinder als Konstrukteure ihrer Alltagsbeziehungen – zur Rolle von ‚Medienmarken‘ in Kinder-Peer-Groups“ SWS-Rundschau (Heft 1/2007).