„Vergessene Orte der Demokratie“ via Geocaching (wieder)entdecken

Zusammen mit Guido Brombach und hoffentlich vielen anderen Helfern versuche ich an dem Projekt: „Geocaching: Vergessene Orte der Demokratie“ mitzuwirken. Die Idee finde ich klasse, da mit diesem Projekt auf spielerische Weise mehrere Elemente verbunden werden. „Vergessene Orte der Demokratie“ richtet sich speziell an Erwachsene. Auch Erwachsene sind immer wieder mal für spielerische Ansätze offen! Es geht um Wandern! Es geht um „Schnitzeljagd“! Es geht um versteckte Rätsel! Bei der Virtualität und Realität handelt es sich jetzt schon um zwei Wirklichkeitsbereiche, die kaum noch voneinander zu trennen sind. Mit dem Geocaching verschwimmen beide Wirklichkeiten mehr denn je. Das Web, präsentiert durch ein Portal, auf dem man sich interessante Routen heraussuchen und anderen von den erlebten Suchen berichten kann, bedingt die Suche in unserer gesellschaftlichen Realität. Die Geokoordinaten (geocaching.com) werden auf ein GPS fähiges Endgerät übertragen und führen den Wanderer durch zahlreiche und vielfältige Orte. Mitunter werden vergessene Orte neu entdeckt. Genau das ist das Ziel dieses Projektes. Vergessene Orte der Demokratie bzw. außergewöhnliche und perspektivische Erinnerungen sollen aufgespürt werden. Vielleicht führen diese Pfade zu Personen mit besonderen Erfahrungen oder Denkmälern? Ideen von Euch sind gerne Willkommen!

Link der Präsentation des Projektes: http://prezi.com/69780/

Medientreffpunkt: Leipzig

An einem Ort, wo Medien gemacht und gedacht werden, fand  in der letzten Woche (04.05.09 -06.05.09) der Medientreffpunkt Mitteldeutschland statt. Diese Worte formulierte Jochen Fasco als Abschlussworte dreier sehr ereignisreicher Tage. Kurz, knapp und treffend fängt er die Stimmung des Medientreffpunktes Mitteldeutschland in wenigen Sekunden ein, der sich für mich von Tag zu Tag gesteigert hatte.

Prägend für den ersten Tag war für mich die Veranstaltung: Jugendliche in neuen Medienwelten  – wohin geht die Jugend? Hierbei handelte es sich um eine Präsentation der Universität Leipzig über Medienwelten von Jugendlichen mit Maren Würfel, Jan Keilhauer und Matthias Kießling unter der Leitung von Prof. Dr. Bernd Schorb. Leitfragen für diese Präsentation waren: Wie hat sich der Umgang von Jugendlichen mit Medien in den letzten Jahren entwickelt? Wie gestaltet sich das Leben der Jugendlichen im Netz? Macht das Internet die traditionellen Medien für Jugendliche überflüssig? Die Medienwelten von Jugendlichen wandeln sich rasant. Das „Medienkonvergenz Monitoring“ der Universität Leipzig (Förderung SLM) begleitet seit 2003 als Langzeitforschungsprojekt den Weg der Jugendlichen in den neuen Medienwelten.

Kritisch fand ich Aussagen, wie „Das Internet bleibt vorwiegend ein Rezeptionsmedium und kein Mitmachweb.“. Weiterhin wiesen die Referenten ausdrücklich daraufhin, dass die Jugendlichen keine scharfe Trennung mehr zwischen der „Online-Welt“ und der „Offline-Welt“ wahrnehmen, dennoch hat sich das Team der Studie dafür entschieden eine Trennung in der Beobachtung vorzunehmen. Es wurde das Verhalten am „Offline-Computer“ und „Online-Computer“ erfragt. Woher jedoch nehmen Jugendliche beispielsweise bei der Bildbearbeitung am Computer ihre Bilder her? Oder wem zeigen sie diese Bilder? Fragen dieser Art hinterließen eine offene Lücke bei mir! Eine Trennung zwischen on- und offline könnte für mich dann sinnvoll erscheinen, wenn man sich die Entstehung von Wissen in diesem Zusammenhang betrachtet. Einmal könnte Wissen selbständig und allein erarbeitet werden (offline-Prozess), wenn ausschließlich der Prozess betrachtet wird, indem das Individuum Anregungen von außen mit sich selbst ausmacht. (Allerdings finde ich schon hier diese Trennung als sehr schwierig.) Zum anderen könnten einzelne Teile eines Wissensprozesses als Gruppenprozess wahrgenommen werden (online-Prozess). Ein Beispiel für die Aufhebung dieser Trennung findet man bei Christian Spannagel und Mostafa Akbiri.
Ebenso fand ich die Definition des Internets als Massenmedium nicht ausreichend begründet. Vielleicht ließ die Zeit eine nähere Definition nicht zu, das in diesem Zusammenhang angebrachte Beispiel das Internet als Massenmedium anhand der Benutzung von YouTube zu erklären, finde ich zumindest zweifelhaft.
Die Zeit war kurz und der Rahmen einer Diskussion über meine Einwände leider nicht gegeben (jedenfalls habe ich dies so interpretiert), so dass ich meine Chance, mich einzubringen, verpasst habe. Die Abschlussworte, dass man jedes Jahr über dieses Projekt berichtet, so auch nächstes Jahr, haben mich zudem erschreckt, da mir keine Gesprächsbereitschaft signalisiert wurde. Mit einem Verweis auf die Homepage wurde ich entlassen. Das man auch über das Podium hinaus mit Interessierten in Kontakt bleiben kann, hat schon Christian Spannagel von der PH Ludwigsburg bewiesen.

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Am nächsten Tag war ich bei der Podiumsdiskussion: Verändertes Verhalten – Wer kommuniziert was wo? Leitfragen waren: Wie können klassische Medien neue Kommunikationsräume erschließen? Welche Ansprache wird als authentisch empfunden? Zieht Journalismus in den neuen Räumen? Eingeladen waren Vertreter verschiedenster Medienformate: Johnny Haeusler als Vertreter des Webs, Lars Reckmann als Vertreter des Films. Michael Schiewack als Vertreter des Radios und Andreas Arntzen als Vertreter der Zeitung.
Diese Session sollte der Zuschauer als Experiment begreifen, in dem er sich selbst aktiv einbringen konnte. Via Twitter- und SMS“Wall“ (Twitter: @PublicFutureLab) wurde der „virtuelle anwesende Gast“ jedoch manchmal vom Moderator viel mehr wahrgenommen als das vor ihm sitzende Publikum. Aufgefallen ist mir besonders Johnny Haeuslers Verständnis von Kommunikation, die den Anwesenden teilweise befremdlich erschienen. Statt in der Diskussion ein Gegeneinander verschiedensten Medienformate zu unterstützen, verwies er meiner Meinung nach zurecht, auf die jeweils einzelnen Vor- und Nachteile der unterschiedlichsten Medien hin, weswegen ein nebeneinander bzw. Unterstützung der Medien anzustreben wäre. Jeder, egal in welchem Medienformat er arbeitet, muss sich dementsprechend mit anderen ergänzenden Medienformaten auseinandersetzen. Kritik wird in Form einer möglichen Zerfaserung der Aufmerksamkeit geübt, wie am Moderator der Diskussion bereits zur Geltung gekommen ist.
Das Experiment stößt Anfangs aufgrund der offenen Gestaltung auf Interesse. Doch das fehlen des thematischen roten Fadens, lässt das Interesse langsam wieder verstummen. Johnny Haeusler versucht mehrmals Impulse zu geben, doch erst die direkte und provokante Äußerung „Mir ist langweilig!“, gibt der Diskussion einen Wendepunkt, die er mit den Worten: „Wer meckert, muss auch besser machen“ einleitet und auf das aktuell im Web kreisende Thema der Internetsperren mit der Frage an die Anwesenden verweist, warum klassische Medienformate Inhalte des Webs nicht aufnehmen.

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Am letzten Tag waren die Gespräche konstruktiv und  harmonisch gestaltet. Deutlich kam herüber, dass die einzelnen Interessensgruppen zusammen arbeiten und somit Deutschland mitgestalten wollen. Die Podiumsdiskussion Medien, Kinder? Thüringen? mit Jochen Fasco (TLM), Steffen Kottkamp (KI.KA), Udo Reiter (MDR), Markus Schächter (ZDF), Manfred Schmidt (MDM), Gerold Wucherpfennig und Susanne Führer (Deutschland Radio) waren zukunftsorientiert. Woran wird in der Ideenschmiede gearbeitet? Welche Rahmenbedingungen müssen verbessert werden? Wo hat der Standort Wachstumspotenziale?,  waren nur einige Leitfragen in dieser Diskussion. Erfurt wird mit seiner Bezeichnung eines Kindermedienstandortes als Vorreiter wahrgenommen. Der Blick nach Veränderung in der Kindermedienlandschaft richtet sich dementprechend nach Erfurt, das mit kurzen Wegen zwischen den verschiedensten Medienformaten und Unterstützer, sowie guten Bedingungen  in Deutschland heraus sticht. Baden-Württemberg eifert bereits Erfurt nach, indem es scho’ einmal den Begriff des Kindermedienlandes auf sein Bundesland überträgt. Hiermit wird ein Wettbewerb offiziell eröffnet, der inspirierend und wichtig ist. Einen möglichen zukünftigen Weg sieht Manfred Schmidt in seiner Forderung nach internationalen Projekten.
In einer weiteren Veranstaltung des Tages „Wie weiter mit der Filmförderung?“  informieren Uli Aselmann, Claus Grewenig, Hans Ernst Hanten, Andreas Kramer, Detlef Roßmann, Frank Völkert und Helmut Goerlich, dass gemeinsam ein Weg aus der Krise der Filmförderung gefunden werden kann. Eingeleitet wurde diese Krise nach einer Klage mehrer Kinobetreiber zur eine Abgabegerechtigkeit. Die Kläger hatten an der bestehenden Regelung bemängelt, dass Fernsehsender ihre Abgaben über Verträge aushandeln können, wohingegen Kinobetreiber feste Abgaben zahlen müssen. Fragen, wie: Müssen die Abgabepflichtigen weiter ihre Zahlungen an die FFA leisten? Wie kann Abgabengerechtigeit erreicht werden? Inwieweit setzt die Rundfunkfreiheiteine Abgabepflichtigkeit für Fernsehveranstalter Genzen? und: Wie weit reicht die Kompetenz des Bundes für Kulturförderung?, gilt es gemeinsamin den nächsten Wochen zu beantworten.

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Pressemitteilungen vom 06.05.09: Streit um Filmabgabe / Bundesregierung möchte, dass deutsche Kinolandschaft erhalten bleibt

Learning networks – online und offline

In dieser Session dient die Neuronenmetapher als Grundlage. Die Kernaussage der Neuronenmetapher geht davon aus, dass wir gemeinsam Probleme lösen können. Das Grundgerüst gemeinsamer Problemlösung beschreibt Jean-Pol Martin in seinem Blog als eine Architektur der anwesenden Gehirne. „Insofern können wir, wenn ein Problem gelöst werden soll, eine Gruppe als Gehirn strukturieren und zur fruchtbaren Interaktion müssen die einzelnen Menschen sich dann wie Neuronen verhalten.“
In dem „Erich Hammer Bericht“ auf Christan Spannagels Blog wird sehr deutlich, dass die Gesamtheit einer Klasse durchaus in der Lage ist von selbst bestimmte Fehler zu erkennen und gemeinsam zu korrigieren, bzw. der anwesende Lehrer die Klasse auf den entsprechenden Weg lenken kann.
Peter Nieschmidt (siehe mein Blogeintrag vom 17.03.2009: Unterschiedliche Formen der Sozialisationserfahrungen während der Kindheit: Ausschaltungskonkurrenz – Entfaltungskonkurrenz) weist als einer von vielen Lehrenden darauf hin, dass Fehler in einem Lehrprozess sogar erwünscht sein können. Falsches darf gesagt werden! Die bisherige Fehlerkultur, also der Umgang mit Fehlern, löst bei Kindern und Jugendlichen Versagensängste und somit Blockaden aus. Um sich dieser Blöße nicht freizugeben, lernen Kinder sehr früh lieber nichts zu tun, als sich dem Risiko einer Niederlage auszusetzen. Dabei wiesen schon Albert Schweizer mit Aussagen, wie „Unsere Fehler sind lehrreicher als unsere Erfolge“ und James Joyce mit „Fehler sind das Tor zu neuen Entdeckungen.“ auf den Mehrwert von Fehlern hin. Interessant finde ich dazu den Einsatz eines Klassenblogs „Elefantenklasse.de“, da in diesem Blog sogar der Schritt an die Öffentlichkeit außerhalb der eigenen geschützten Gruppe gewagt wird.

Soziale Netzwerke helfen zu lernen. Dabei spielt die soziale Motivation eine herausragende Rolle. Durch soziale Eingebundenheit in Form von Rückmeldungen und Austausch fühlt sich der Einzelne aufgehoben und fängt an sich ‚Dinge’ zu wagen, die er sich sonst nicht selbst zugetraut hätte. Durch die Erfahrung eines sozialen Rückhaltes wird er aufgefangen.

Hierbei handelt es sich um einen Prozess gemeinsamer Wissensgenerierung. Das einzelne NEURON (Individuum) bringt seine individuellen Erfahrungen und sein Wissen in die Gruppe durch Kommunikationskompetenz und Partizipationskompetenz ein. Individuelles Wissen wird somit für andere verfügbar und diese werden wiederum angeregt, ihr Wissen ebenso dem Gehirn (Gruppe) beizusteuern. Die Gruppe einigt sich daraufhin in einem gemeinsamen Diskurs auf grundlegende Begrifflichkeiten, Vorgehensweisen und Ziele (kollaborative Wissensgenerierung). Kollektives Wissen entsteht in einem kollaborativen Prozess und Vernetzung. Der Anteil kollaborativer und kollektiver Merkmale setzt sich in jeder Wissenskonstruktion unterschiedlich zusammen. Ein Phänomen, das während dieses kollaborativen Prozesses der Erzeugung von Wissen auftritt kann, ist die Emergenz. Kollektives Wissen zeichnet sich dadurch aus, dass es sich durch erfolgreiche Anwendung bewährt hat. Dann kann es von anderen Gruppen, die sich in ähnlichen Situationen befinden, aufgegriffen und an deren spezifische Situation angepasst werden. Kollektives Wissen wird hierbei als Zustand verstanden, während kollaboratives Wissen stets einen Prozess des Wissenserwerbes beschreibt. (Quelle Neuron Wiki, )

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