Unschärfen im Web sollten nach Medien unterschieden und nicht verallgemeinert werden

Hier erklärt am Beispiel Bild und Text:

Merkmal eines Textes sind neben dem Aufweisen einer Struktur von diskursiver Logik, ebenso Berechenbarkeit, Verknüpfung von Grund und Folge. Natürlich kann Wissen dieser Art nicht vollständig sein, da in einer Kausalitätskette immer der letzte Satz, bzw. der letzte Grund formuliert werden muss, um diese Kette zu schließen.
Dennoch besteht die Aufgabe von Texten in der Hervorbringung und der Überprüfung von Wahrheitsansprüchen.

Ein Bild wird von den Merkmalen der Visualität mitgestaltet. Visualität versucht das Unsichtbare sichtbar zu machen. Visualität produziert somit Evidenz.

Visualität steht, wie schon Ludwig Wittgenstein anmerkte in einem eigenen Wissensdiskurs.

„Gibt es eine bevorzugte, etwa besonders unmittelbare Art der Abbildung? Ich glaube nein! Jede Art der Abbildung ist gleichberechtigt.“

(Philosophischen Bemerkungen)

Meine Schlussfolgerung dementsprechend wäre, zwischen den Medien zu unterscheiden. Sie als etwas gänzlich anderes (nicht in hierarchischer Reihenfolge stehend) zu betrachten.
An dieser Stelle muss die Bildung mit „ins Boot“ geholt werden. Der Bildung schreibe ich eine harmonisierende Funktion zu, die die Möglichkeit bietet, Widersprüche in sich aufzulösen und somit beide Medienformen nebeneinander, sich einander ergänzend stehen zu lassen.

Aus diesem Grund kann ich mich der nachfolgenden These nicht anschließen, wie sie zum Bsp. im Weblog von Michael Kratky allgemein formuliert ist, bzw. auf der Diskussionsplattform um Plagiarismus 2.0.
Geschwindigkeit und Vernetzung sind die kennzeichnenden Merkmale von Webaktivitäten. Wobei Vernetzung mit Netzwerken in Form von Zusammenschlüssen und Zusammenarbeiten verstanden werden muss. Zitate auszuweisen ist somit vernachlässigbar, weil das zu lange dauern würde.

Weiterführende Links:

Michael Kratky’s Weblog zu Unschärfen

Unschärfen im Web, eine Zusammenfassung der Diskussion zu Plagiarismus 2.0

Chrisp’s virtual comments: Der öffentliche Wissenschaftler

Verlinkung im eigenen Blog:

Plagiarismus 2.0

Forschertagebuch zur subjektiven Wahrnehmung von der Generierung gemeinsamen Wissens:

In den letzten Tagen nehme ich vermehrt folgende Erscheinung auf kommunikationsgestützten Plattformen wahr.

allgemeine Hinführung zur Beobachtung:

Gemeinsames Wissen wird aus individuellem Wissen gebildet. Die Plattform, wo gemeinsames Wissen herausgebildet werden soll, wird mit individuellem Wissen der Teilnehmer gespeist. Individuelles Wissen wird an der Schnittstelle der Transformation gemeinsamer Wissensgenerierung zu einer Information, die von der Gruppe anschließend geprüft wird. Hierbei handelt es sich um einen kollaborativen Prozess. Das individuelle Wissen, das sich auf einer impliziten Ebene befindet kann auf die explizite Ebene verlagert werden. Im individuellen Wissensfundus befindet sich bereits kollektives Wissen (Bspw. Form von Gesetzen), das ebenfalls in expliziter Form vorliegt und somit bei Bedarf von der Gruppe mit anderem expliziten Wissen kombiniert werden kann.
Nonaka und Teukechi bezeichnen beide Prozesse der kollektiven Wissensentwicklung als Externalisierung und als Kombination. Die Prozesse der Sozialisation und Internalisierung vernachlässige ich in dieser Anschauung, da beide Prozesse den Kreislauf kollektiven Wissens vervollständigen, indem sie gemeinsam konstruiertes Wissen lehren. Mein Augenmerk soll an dieser Stelle auf die Generierung einer gemeinsamen Wissensbasis beruhen.

Meine These, die auf allgemeiner Beobachtung beruht lautet:

Individuelles Wissen, das von der Gruppe aufgegriffen wird, ist von der Aktivität des Teilnehmers, der Länge seiner Teilnahme an der Gruppe, seiner Zugehörigkeit zu dieser Gruppe, seiner Beliebtheit und gemeinschaftlichen Stellung in dieser Gruppe abhängig.

Die Auswirkungen auf den Wissensprozess sehen dann dementsprechend aus:

Informationen, die ein Teilnehmer in den Prozess gemeinsamer Wissensentwicklung hineinstellt, werden unterschiedlich aufgegriffen, wobei die Qualität seiner Information nicht ausschlaggebend ist. Die Reaktions- und Verarbeitungsgeschwindigkeit ist bei Personen, die aktiv sind, die eine lange Mitgliedschaft aufweisen können etc.(wie eben benannt) um ein Vielfaches höher, als bei Teilnehmern, die sich nicht in allen Merkmalen herausbilden konnten. Wobei individuelles Wissen von Teilnehmern, mit nicht so intensiv ausgeprägten Merkmalen, der Gefahr ausgesetzt ist, nicht oder nur sehr langsam aufgegriffen zu werden.

Mit Hilfe von Aktionssozigrammen (Rekonstruktion sozialer Wirklichkeit) versuche ich meine allgemeine Beobachtung wissenschaftlich zu hinterlegen. In so einem Soziogramm sollen die Beziehungen zu den anderen Teilnehmern festgehalten werden, indem sie diese zitieren oder benennen, auch indirekte Verweise, indem sie dasselbe Thema aufgreifen oder dieselben Worte offensichtlich verwenden. Das Eingeben von neuem Input in Form von Beiträge oder Verweise per Link in das World Wide Web werden in diesem Soziogramm ebenso operationalisiert. Die Basis der Operationalisierung ergibt sich somit auf das Einfügen von neuem individuellen bzw. kollektiven Wissens, sowie dem Aufgreifen dieses neuen Inputs (Kategorisierung).
(weiterführende Gedanken: Intra-Rater-Reliabilität (Heranziehen von Blog-Kommentaren; Gespräche in der Gruppe))

mögliches Problem: Instrument der teilnehmenden Beobachtung

„Unschärfe entsteht durch eine hochgradig interaktive Kommunikation im Web, speziell social networks. Dadurch kommt es während des Prozesses der Interaktion selbst schon zur Selbstreflexion.
Eine weitere Schwierigkeit sind geschlossene Netzwerke. Dynamische Interaktionen, wie sie zum Beispiel in einer Google–Anwendung zu beobachten sind, können erst durch aktive Teilnahme des Forschers beobachtet werden. Die Methode der teilnehmenden Beobachtung wird in diesem speziellen Punkt durch unmittelbare Interaktion vor einer großen Herausforderung gestellt. Aus diesem Grunde ist eine notwendige Transparenz der eigenen Perspektive und ständige Reflexion für den teilnehmenden Beobachter im Web von besonderer Wichtigkeit. „

Was unterscheidet NEURON von anderen Projekten?

Vorreiterposition:

Die Idee, dass der Lernende im Mittelpunkt jeglicher Organisation und Gestaltung von Lernumgebungen stehen soll, existiert schon seit etwa 30 Jahren. Wie viele Ideen, so muss auch diese auf den richtigen Zeitpunkt warten, um anerkannt zu werden. Die Entwicklung zum Web 2.0 kann diese Anerkennung bei der „breiten Masse“ noch zusätzlich beschleunigen. Das Web 2.0 hat sich zum Kulturwerkzeug entwickelt, dass den Lernenden in den Mittelpunkt stellt. Jeder User ist nun aufgefordert die Web 2.0 Werkzeuge für sich herauszufinden und zu nutzen, mit denen er sein Lernen, selbständig und effektiv, am besten noch gepaart mit Spaß, organisieren kann.
Diese Entwicklung spitzt die Aussage, dass der Lernende im Mittelpunkt steht, zusätzlich zu.

Überschneidung von Grenzen:

Individuum/Gemeinschaft:

Mit Hilfe von Web 2.0 Werkzeugen, die von jedem Einzelnen auf sich zugeschnitten werden, können gemeinsame (kollektive) Lernprozesse ausgelöst werden. Damit kommt es zu einer breiten Streuung von Informationen, die wiederum andere, die nicht der Gruppe angehören, ergänzen und korrigieren und diese dann als neue Information vom Individuum in die Gemeinschaft eingebracht werden und diese bereichert. Von der persönlichen Orientierung des Individuums profitiert die Gemeinschaft im Prozess gemeinsamen Lernens.

Realität / Virtualität
Virtuelles erfolgreiches Lernen ist an die Realität geknüpft. Erfolgreiche virtuelle Kommunikationskompetenz ist die Erweiterung der erfolgreichen realen Kommunikationskompetenz mit den entsprechenden Werkzeugen Medien. Zudem beziehen sich virtuelle Projekte und Kommunikationen auf reale Erfahrungen und Erfolge, ebenso, wie umgedreht.

Lehrer/Schüler:

In dieser Vorreiter Situation mit dem neuen (aktuellen) Kulturwerkzeug müssen alte Machtverhältnisse hinterfragt werden. Potenzielle Ressourcen (Neue, sich Interessierende) können nicht wie bisher mit der Begründung abgelehnt werden, dass diese das System nicht kennen und dessen Dynamiken sowieso nicht. Mit einer solchen negativen Situation wird „die potenzielle Ressource“ vertrieben und man hat mit dieser Einstellung der Gemeinschaft geschadet.
D.h. auch ein Lehrer kann von seinem Schüler etwas erfahren, wenn er ihm das Gefühl gibt, wahrgenommen und in seiner Art angenommen zu werden. Das Lehrer-Schüler Verhältnis wird somit neu strukturiert, ebenso wie unsere Vorstellungen über Hierarchien und Machtverhältnisse.


Weiterführender Link:

* NEURON – Profilfindung
* NEURON – Plattform

gefühlte Feiertags"atmosphäre" ?

Ich habe den Eindruck, dass es den Menschen, die heute arbeiten müssen, größtenteils schwer fällt sich zu motivieren. Der katholische Anteil Deutschlands befindet sich in Feiertragslaune. Natürlich möchte ich nicht von den wenigen gehörten Meinungsäußerungen (Bspw. bei Twitter) darauf schließen, dass es allen Arbeitenden schwer fällt, ihrer Aufgabe am heutigen Tage nachzukommen. Sicherlich gibt es in Deutschland auch einige Hochmotivierte ;), meine Wahrnehmung ist dennoch eine andere.

Ist der Grund dieser Unmotiviertheit darin zu finden, dass die Arbeitenden wissen, dass der katholische Anteil Deutschlands heute „ruhen“ darf und sie deswegen neidvoll auf den „ruhenden Körper“ hinunter schauen? Oder liegt es darin, dass eine Atmosphäre (so wie es ein Semiotiker ausdrücken würde) von Feiertag „in der Luft liegt“, somit quasi von den Arbeitenden unbewusst erfühlt wird?

Vom Web 2.0 zum Web 3.0; von Bildung 2.0 zu …

Zusammenfassung der Diskussion:

Vom Web 2.0 zum Web 3.0; von Bildung 2.0 zu …

Was macht den entscheidenden innovativen Moment aus, damit durch Web 2.0 Implementierungen das Verständnis von Lehren und Lernen im Bildungsbereich sich weiterentwickelt?

These 1: Der Lernende steht im Mittelpunkt der Überlegungen (in der Organisation und Gestaltung von Lernumwelten).

Dieser Aspekt ist in seiner Formulierung an sich nicht neu. In unterschiedlichen Dimensionen und Perspektiven wird er bereits über Jahrzehnte diskutiert. (Stichworte: Selbstorganisiertes Lernen, Lernumgebungen, LdL, Projektorientiertes Lernen …)

Dennoch haben die Web 2.0 Techniken und der dahinter stehenden Philosophie den Lernenden weiter in das Zentrum gerückt. Die Web 2.0 Erscheinungen machen diesen Gedanken auf ganz neue Weise bei einer breiten Masse populär. Jeder User kann seine persönliche Lernumgebung selbst zusammensetzen, wobei er soziale reale, wie auch virtuelle Beziehungen aufbaut.
In diesem Prozess des Lernens verschwimmen die Grenzen von Virtualität und Realität immer mehr. Medial vermittelte Kommunikation wird als real erlebt, Kommunikation in realen Situationen werden medial fortgeführt. Soziale Verbindungen werden unabhängig von Ort und Zeit gebildet und gepflegt und soziale Hierarchien durchbrochen.

Warum lernt der Mensch? Eine mögliche Antwort wäre, dass er mit den erworbenen Kompetenzen seine Umwelt nach seinen Vorsellungen mitgestalten kann.
Das übergeordnete Ziel besteht somit in der „Weltverbesserung“. Dem Ziel ist man schon dann näher gerückt, wenn man Usern erklärt, wie eine positiv besetze Kommunikation mit Motivationsgrundlagen für das Fortbestehen dieser Kommunikation, gestaltet werden kann.

These 2: Bildung, die der Lernende selbst Organisiert ist nicht notwendiger Weise an bestimmte Werkzeuge gebunden.

Das Web 2.0 verdrängt daher auch keine anderen Werkzeuge, mit deren Hilfe selbst organisiertes Lernen umgesetzt werden kann. Jeder Einzelne kann die für sich optimalen Werkzeuge heraussuchen und anwenden.

Das Web 2.0 ist dabei in diesem Augenblick als Kulturwerkzeug zu begreifen, das wir sinnvoll, innovativ, zielgerichtet usw. einsetzen bzw. mit dem Lernen verknüpfen können. Auseinandersetzungen über den Sinn und Zweck von bestimmten Medien sind dementsprechend sinnvoll, solange sie dem Nutzer aufzeigen, wie sie Inhalte verändern können. Verbote auszusprechen gegenüber bestimmten Medien sind hingegen nicht sinnvoll, da jedes Werkzeug im richtigen und vernünftigen Gebrauch einen bestimmten Zweck erfüllt, der auf spezielle Lernsituationen durchaus anerkannt werden kann.
Um Web 2.0 Werkzeuge zielgerecht einsetzen zu können, muss das neue Kulturwerkzeug entsprechend in der Gesellschaft seinen Platz finden, der einen Sinn ergibt.

These 2.1 zu Blogs: Blogs (ein Teil der Web 2.0 – Anwendungen) dienen der Ausdifferenzierung. Integration vernachlässigen sie. Blogs sind mit Privathäusern zu vergleichen, die einen Aufenthalt in Gemeinschaftsräumen, der der Funktion der Integration nachgehen, Konkurrenz machen. Das Forum kann bspw. mit einem Gemeinschaftsraum assoziiert werden. Wird mehr Kraft und Aufwand in das eigene Blog gesteckt, veröden gemeinsame Projekte.
In einem dialektischen Prozess von Integration, Differenzierung und daran anschließender Integration liegt auch die Chance, dass die nächste Stufe der Integration auf einer höheren Ebene erfolgt.

Gegenthese 2.1 zu Blogs: Der scheinbare Widerspruch von Blogs (Individuum) und Forum (Gemeinschaft) muss kein wirklicher Widerspruch sein. Bei gleichwertigem Stellenwert, kann der Blogger beispielsweise gemeinsam konstruiertes Wissen veröffentlichen und somit weiter verbreiten, aber auch wiederum durch selbst erhaltenen Input, diesen an die Gruppe weiter geben.
Ein weiterer Aspekt stellt die Vernetzung von Blogs untereinander dar. Mit dieser Vernetzung kann ebenfalls der Interessentenkreis vergrößert werden. Bei Interesse greifen andere diesen Blog auf, andere eben so etc…
Egoismus bildet den Antrieb für gemeinschaftliches Arbeiten.


These 2.2 zu Aufmerksamkeit:
Aufmerksamkeit könnte die Währung der Zukunft sein. Deshalb versucht ein „Aufmerksamkeits-Kapitalist“ über Aufmerksamkeitsströme (Bspw. Mailinglisten) zu verfügen. Aufmerksamkeitsressourcen gewinnt man dadurch, dass man nachhaltig in diversen Feldern wirkt und auf diese Weise Vertrauen aufbaut. Daher ist Nachhaltigkeit (nicht zu oft das Feld wechseln) im positiven, sichtbaren Wirken, eine Vorraussetzung für die Kapitalisierung von Aufmerksamkeit (Währung)(Dieses Thema hat Michael Kratky in seinem Blog aufgegriffen; 27.042008)

(Anmerkung: 23.05.2008: Nach einer längeren Diskussion mit Mo müsste neu über den Begriff von Währung und Wert nachgedacht werden. Ist Aufmerksamkeit eher einer Währung oder ein Wert? Mittlerweile bin ich zu dem Entschluß gelangt, Aufmerksamkeit eine Einheit bildet, die von Person zu Person unterschiedlich in ihrem Wert ausgeprägt sein kann. Aufmerksamkeit entspricht damit einer Funktion der Währung (Einheit), die in ihrem Wert (niedrig/hoch) ausgeprägt sein kann.)

Offene Fragen:
1 . Wie gehen wir mit Personen um, die nicht in der Lage sind, sich solche Lernumgebungen selbst zu organisieren?

2. Was passiert, wenn Bildung immer weiter weg von Bildungsinstitutionen verlagert wird?

3. Wird der Mensch noch zusätzlich überfordert, wenn er nun auch noch seinen Bildungsprozess selbst mitgestalten kann? Nach Ulrich Beck ist der Mensch schon in die Orientierungslosigkeit mit den vielfältigsten Angeboten an Lebensweisen gefallen.

„Die Möglichkeit auf so viel Wissen, wie noch nie in der Geschichte zugreifen zu können, ermöglicht einigen, die die Fähigkeit besitzen, mit der Masse umzugehen, Wissenspotenzierung. (Ich glaube in Form kollektiver Zusammenarbeit)

Andere, die sich nicht dieser Herausforderung stellen, fallen wohl noch weiter in die Orientierungslosigkeit ab.“ (April 08 / Educamp-Plattform)

Quellen:

Diskussion im Forum
Ulrich Beck; Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. (1986)


vertiefende Interessen:

Cory Doctorow „Backup“

Plagiarismus 2.0

allgemeine Einführung in das Thema:

„Copy und Paste hier, unzitierte Übernahmen dort … Der Service- und Weltverbessergedanken der schönen neuen Web-Welt wird in einer Diskussion kritisch hinterfragt. „Das Google-Copy-Paste-Syndrom“ nennt der Medienwissenschaftler Dr. Stefan Weber den drohenden Zerfall von Hirn und Verstand. Insbesondere in Bildung und Wissenschaft führt dies zu massiven Problemen.

Unter einem Plagiat wird dementsprechend die Herausgabe fremden geistigen Eigentums als das Eigene verstanden.

Diskussion:

Die Zusammenstellung eines kohärent wertvollen Textes aus bereits existierenden Einzelteilen wird als hochkomplexe Leistung verstanden. Der erste Schritt ist dabei das so genannte „copy-paste“. Die eigentliche Leistung wird in einem zweiten Schritt vollzogen, in der Redaktion und das In-Kohärenz bringen der einzelnen Texte. Die Komplexität vieler Texte wird auf den wesentlichen Kern der eigenen benötigten Aussage reduziert. Eine hochkomplexe Leistung liegt jedoch erst dann vor, wenn Informationen aus verschiedenen Texten herausgeholt werden, um diese dann zusammenzufassen und diese in einem neuen Text (mit Belegen) zu integrieren.

„copy & paste“ ist dabei ein erster notwendiger Schritt und die digitalen vorliegenden Texte sprechen eine willkommene Einladung aus.

Das „copy paste“ Syndrom ist nicht neu. Plagiate können in allen Epochen der Menschheit gefunden werden. So verwendete Bertolt Brecht in seiner Dreigroschenoper Verse von François Villon in der von K.L. Ammer ins Deutsche übertragenen Fassung. Brecht hielt sich natürlich zugute, dass er durch sein zitierend-plagiierendes Vorgehen die Verse Villons der Vergessenheit entrissen und ihren Wert damit erhöht habe. (Bertolt Brecht: Werke. Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Band 29. S. 57)

Da das Problem des Plagiats außer Vorwürfe zu äußern nur selten nachgegangen wird, wird von den Lehrenden gefordert, dass sie ihre Schüler und Studenten unterstützen, in der Entwicklung einer Methode für neue Texte. Der Arbeitsschritt von „copy & paste“ ist dabei in seiner Notwendigkeit zu erkennen und zu verstehen. Darauf aufbauend sollte das Verständnis von einem eigenständigen Text geschaffen werden.
Die Rolle des Lehrers wäre die der Unterstützung und Sensibilisierung. Wenn er sich selbst als „Polizist“ begreift, der ständig kontrollierend „über die Schulter des Lernenden sieht“ entwickeln sich statt Zutrauen und spielerische Neugier, Angst vor dem Versagen.

Darstellung zweier gegensätzlicher Standpunkte:
1. (Standpunkt, der das Zitieren bekräftigt):
Problematisch in der Diskussion ist der Begriff „copy & paste“, weil mit ihm negative Assoziationen geweckt werden. Umso mehr erscheint es wichtig bei der Fülle an Informationen, die täglich in das Netz gegeben werden, woher eine Information kommt. Diese Offenheit, woher eine Information genommen wird und welche Auswirkung diese auf die eigene Aussage hat, zeichnet sich durch Transparenz ab, durch die sich ein Mensch im „neuen Paradigma“ auszeichnen könnte. (Chrisp’s virtual comments: Der öffentliche Wissenschaftler) Zudem wird eine Vernetzung dargestellt, die das Web ausmacht. Wird jemand im Netz zitiert, erhält derjenige einen „Ping“ und wird wiederum selbst über den Trackback-Mechanismus referenziert. Web 2.0 – Netze entstehen gerade durch Referenzierung. Der Begriff, der diesen Gedanken versucht festzuhalten, nennt sich „information literacy“. Vertrauen und Ehrlichkeit werden mit dem Blogger, der diesen Anforderungen nachkommt, verbunden.


2. (Standpunkt, der den Sinn des Zitierens hinterfragt)

Andererseits kann auch die negative Assoziation „copy & paste“ in eine Provokation umgewandelt werden. Mit dem vermehrten Auftreten (im Web) von gemeinsamen Wissenskonstruktionen werden alte Muster der Wissensverwendung neu überdacht. Zitate bei kleinsten und trivialen Sätzen werden eingefordert, aber sind sie noch sonnvoll? Immer wieder wollen sich Wissenschaftler gerne zitiert sehen.
Wenn Gruppen gemeinsam eine Wissensbasis erarbeiten, wer ist dann zu erwähnen? Zudem kann es schwer werden im Web, das von überflutenden Informationen und ständig ändernden Inhalten geprägt ist, den Informationsgeber wieder zu finden. Rechtfertigt der Aufwand der Suche das Ergebnis?
Geschwindigkeit und Vernetzung, nach der Gehirnmetapher, stellen in der Gegenposition die kennzeichnenden Merkmale dar. Wobei Vernetzung in der Gegenposition mit Netzwerken in Form von Zusammenschlüssen und Zusammenarbeiten verstanden werden muss. Zitate sind vernachlässigbar sind dann mit folgender Begründung vernachlässigbar: Neurone zitieren keine anderen Neurone. Das würde zu lange dauern.

Beiden Positionen gemeinsam sind, dass der kollektive Anteil des Wissenerwerbs zunimmt. Ein Austausch von Wissen nützt dem Geber und Nehmer, wobei die Rollen auch unterschiedlich eingenommen werden. Zusätzliche Gedanken, bzw. Einwände anderer zwingen den Autor zum nachdenken und somit zum Lernen. Bestes Beispiel ist der Entstehungsprozess eines Wikipedia Artikels.

Gegensätzlich in beiden Positionen ist der Umgang mit Unschärfen.

Weiterführende Links:

Zusammenfassung der Diskussion
Chrisp’s virtual comments: Der öffentliche Wissenschaftler
Chrisp’s virtual comments: Kooperatives Schreiben
Chrisp’s virtual comments: Ein Plädoyer für eine wissenschaftsmündige Gesellschaft