Mein #barcampkoeln 2015

Der Duft von gutem Kaffee kann Menschen zu jeder Uhrzeit inspirieren. Mit seinem Aroma lädt ein zum Netzwerken und sein Temperament unterstützt Diskussionen in ihrer Tiefe und Dynamik. Kaffee ist dementsprechend der ideale Begleiter für BarCamps. (inspiriert vom Sponsor des BarCamp Köln @Sonntagmorgen)

Vorneweg: Ich fand das BarCamp Köln 2015 toll, es hat mich inspiriert und es hat mich nachdenklich gemacht. Ich habe neue und bekannte Gesichter getroffen, die mich einerseits an alte und aufgegebene Projekte erinnerten und mich zu neuen oder auch wiederbelebenden Schritten ermutigten. Euch sage ich allen DANKE! Genauso, wie den Organisatoren und den Sponsoren, die diese Plattform erst ermöglichten.

Ausgangs- und Orientierungspunkt war die Plattform des BarCamps: http://www.barcamp.koeln/2015/. Organisatorische Informationen zum Wann?, Wie? Wo?, Wer? etc. konnten dort entnommen werden, aber auch erste Sessionideen, die Betreuung des Empfangs etc. wurden dort an- und abgesprochen und wahrscheinlich werden dort auch einige Beiträge und Ergebnisse gesammelt. Es lohnt sich also immer mal wieder auf dieser Plattform vorbei zusehen.
Auch ich habe mir eine Aufgabe gesucht, um an dem BarCamp teilgeben zu dürfen (so wie alle Anwesenden auch) und so spiele ich „Empfangsdame“ :). Diese Rolle wollte ich doch schon immer einmal ausprobieren.
Nachfolgend ist der Beitrag in Inspirierendes, Nachdenkliches, Ausprobierendes und den Dank unterteilt.

Inspirierendes!

Session: Best of 165+ Social Media Tools von @GetOliverLeon

In dieser Session wurde in rund 1 Stunde ein Ritt durch verschiedene Social Media Tools und ihre Anwendungsbereiche unternommen. Sehr beeindruckt hat mich, dass Oliver immer auch Alternativen aufgezählt hat und so bleibt es einem selbst überlassen, einmal auszuprobieren mit welchen Tools er am besten zurecht kommt. Einige Tools klangen dabei so spannend, dass ich diese nach näherer Betrachtung gerne auf unserem Social Software Blog (FernUni) unseren Studierenden vorstellen möchte, die damit vielleicht ihr Studium unterstützen können.

Session: Persönliches Wissensmanagement von @weltenkreuzer:

Aus dieser Session nehme ich mit, dass ich (m)einen persönlichen Informationsfluss in der Verarbeitung von Informationen aus dem Web oder wissenschaftlicher Literatur für unsere Studierenden, für ein besseres Verständnis, visualisieren könnte. Auf der zweiten Ebene könnte man diesen Informationsfluss mit entsprechenden unterstützenden Tools unterlegen.

Sessions zum Bloggen: Erstens: Pers. Blogs & Jobsuche mit @christinawunder und @bloggerabc und Zweitens: Blog positiontieren mit @end_phase

Beide Sessions und ihre Teilgebenden/nehmende haben mich motiviert, mich wieder einmal intensiver mit meinem persönlichem Blog auseinander zusetzen. Ich blogge sehr gern und ich habe es die letzten Wochen auch nicht vernachläsigt, dennoch habe ich erkannt, dass ich noch eine Menge an meinem eigenem Blog arbeiten kann. Ich kann es beispielsweise für meine Leser freundlicher gestalten, indem ich die Anregungen von @end_phase aufnehme und mein Blog thematisch in Reiter aufteile, die jeweils einzeln über einen RSS-Feed abonniert werden können. Ich habe in den Diskussionen nämlich festgestellt, wie schwer ich mich auf ein bestimmtes Thema festlegen kann, dass aber dadurch meine Leser verunsichert sind.

Insgesamt scheint es mir, dass Blogger, die neu anfangen besser geraten ist, sich thematisch festzulegen, um überhaupt in den öffentlichen Disput zu gelangen.

Session: BarCamp in Unternehmen mit @hirnrinde

Bei dieser Session war ich persönlich nicht anwesend, dennoch weiß ich, dass diese sehr lohnenswert ist und so durfte ich auch in den Kontakt mit drei BarCamperinnen treten, die diese sehr inspirierende und ermutigende Session besucht haben und mir von ihrem Projekt berichteten an der FH Köln ein BarCamp umzusetzen, welches dazu dient ihre Studierenden auch nach dem Besuch der Fachhochschule eine Plattform des Austausches zu ermöglichen. Ich werde das Projekt weiter beobachten und bin auf die Ergebnisse sehr gespannt. Auch ich arbeite an der FernUni in Hagen an einem Forschungsprojekt, dessen Ziel es ist, herauszufinden, wie FernStudierende in ihrem Bestreben sich auszutauschen unterstützt werden können.
Folgender Blogartikel auf Cortexdigital ist in diesem Zusammenhang spannend: „7 Gründe für ein internes BarCamp“ (30.08.2014)

Nachdenkliches!

Die Gespräche zwischen den einzelnen Sessions haben mich entgegengesetzt zur ansteckenden Begeisterung aus den Sessions heraus, nachdenklich werden lassen. Unter anderem haben @hirnrinde und @anachorete bei mir Gedanken der Reflexion bezüglich des #educamps (Plattform: educamps.org) bestärkt. In Gesprächen wurde für mich deutlich, dass der Umgang mit Sponsoren von Seiten des EduCamps auf anderen BarCamp-Formaten kaum nachvollzogen werden kann. Das EduCamp „schneidet sich quasi ins eigene Fleisch“ in dem es mit ihrer Handhabung potenzielle Sponsoren abschreckt, bzw. mögliche Sponsoren aus dem Wissen um das Prozedere der Abstimmung heraus, kein Interesse haben ein EduCamp zu unterstützen, wenn die EduCampenden laufende Sponsorenanfragen beeinflussen können (Hintergrundinfo: Es können bestehende Sponsorenanfragen von der Community um das EduCamp wiederrufen werden.).

Worin die Motivation gründet, dass aus dem EduCamp heraus eine Diskussion um Sponsoren entstanden ist, kann bspw. im Blogeintrag von Birgit Rydlewski: Ansichten einer Landtagsabgeordneten (01.09.2012) nachgelesen werden.

Das EduCamp ist für mich ein BarCamp welches stetig und nie aufgebend versucht und Zielgruppen (Lehrer) zu motivieren, dass BarCamp-Format zu nutzen, um sich in lockerer und wertschätzender Atmosphäre über Möglichkeiten des Webs/Internets/Technik zu informieren und damit ihre eigenen Veranstaltungen aufzuwerten bzw. bei Bedarf zu bereichern. So können Lehrende (aus Brandenburg) das EduCamp 2015 in Berlin als Lehrerfortbildung anerkennen lassen bzw. wird das EduCamp in diesen Tagen an die GMW angegliedert, um auch dortigen Teilnehmern das BarCamp Format näher zu bringen. Diese stetigen Anstrengungen finde ich bewundernswert. Genauso wie die Wertschätzung, dass auch Jugendliche und Kinder Sessions, aus eigenem Antrieb heraus, auf dem EduCamp angeboten haben.

Ausprobierendes!

Besonders gefallen hat mir am BarCamp Köln, dass auch nicht zu wenige Sessions angeboten wurden, in denen man sich selbst ausprobieren und experimentieren durfte.

Stolz bin ich vor allem auf diese Kreation mit Vine, die wir zu Dritt erstellt haben 😀

Dank!

QSC AG (Location-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoeln Sijox (Premium-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoeln sparhandy (Basis-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoelnachtung! THE LAB (Basis-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoeln
BVCM Bundesverband für Community Management (gehört zu den Basis Sponsoren BarCamp Köln 2015) #barcampkoelnsonntagmorgen (Basis-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoeln
Delinat (Basis-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoelnCarsten Rossi (Basis-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoeln
VICO Research & Consulting (Basis-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoelnJobportal REWE Digital (Basis-Sponsor BarCamp Köln 2015) #barcampkoeln

zusätzliche Empfehlungen/Links (,die ich gerne mitnehme):

 Auf storify ist diese Zusammenfassung ebenso zu finden: https://storify.com/gophi/mein-barcampkoeln
//storify.com/gophi/mein-barcampkoeln.js[<a href=“//storify.com/gophi/mein-barcampkoeln“ target=“_blank“>View the story „Mein #barcampkoeln 2015“ on Storify</a>]
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EduCamp 2014 in Berlin, was will ich mitbringen?

Am Wochenende öffnet das EduCamp wieder seine Türe.

educamp-berlin

Diesmal wird dem EduCamp ein spannendes Format in Form eines LernLabs voran gestellt. Einen ganzen Tag will die Heinrich von Stephan Gemeinschaftsschule  nicht nur über mobiles Lernen sprechen, sondern auch mobiles Lernen in Form von webbasierten kollaborativen Plattformen und Tablets praktisch anwenden.

Die Integration einer ganzen Schule mit ihren Lehrern und Schülern, wobei auch Lehrer von außerhalb willkommen sind, finde ich großartig. Gleichzeitig bin ich darauf gespannt, welche Ergebnisse und Vorstellungen von diesem Tag mitgenommen und ins EduCamp hinein getragen werden.

Zum EduCamp selbst, möchte ich verschiedene Themen anbieten:

  • Oft rutscht man ja am früheren Nachmittag in eine kleine Phase der Müdigkeit / Erschlappung an diesen Tagen hinein. Gerne möchte ich diese Zeit für ein wenig Bewegung an der „frischen Luft“ nutzen. Dazu nutze ich ein mobile game „geosurfen„, mit dem in einer digitalen Tour (virtuelle Schnitzeljagd oder Rallye) Inhalte, wie bspw. Unterrichtseinheiten, spielerisch (verschiedene Gamification-Elemente) vermittelt werden können. Anschließend möchte ich mit euch über diese und auch weitere Anwendungsmöglichkeiten diskutieren.
  • Als zweite Session am sogenannten Qualitätssonntag, wie er in barcamp-Kreisen gern genannt wird (Bsp.: barcamp cologne 2009), will ich der Frage nachgehen, wie das Storytelling in einer virtuellen Tour (Rallye / educaching / virtuelle Schnitzeljagd) angepasst werden sollte, um begeistern zu können. Wie sollte der Aufbau sein? / Welche Elemente können integriert werden? etc…

Ich freu mich auf viele bekannte und neue Gesichter in Berlin.

 

 

 

 

 

#Tag-Cloud zum #echb11

Erläuterung:

Zum EduCamp in Bremen Anfang des Jahres (#echb11) wurden 1.745 Tweets mit dem Tag #echb11 verknüpft. (Im Vergleich zu Aachen waren es 1.148 Tweets (#ecac10). Der Erhebungszeitraum erstreckt sich vom 19.03.2011 – 28.03.2011. Darin enthalten sind folgende meistwiederholten Meme: (Quelle)

  • educamp (150)
  • ipad (33)
  • mlcb (30)
  • kbom11 (17)
  • larbig (17)
  • Bremen (15)
  • drmem (15)
  • ipadklasse (14)
  • lehrerbeifacebook (14)
  • hirnrinde (13)
  • vinyl (13)
  • Geniestreich (12)
  • knut (12)
  • ARG (11)
  • ff (11)
  • lernen (11)
  • medien (11)
  • Googlequiz (10)
  • ksd2011 (10)
  • LRS (10)

Learning networks – online und offline

In dieser Session dient die Neuronenmetapher als Grundlage. Die Kernaussage der Neuronenmetapher geht davon aus, dass wir gemeinsam Probleme lösen können. Das Grundgerüst gemeinsamer Problemlösung beschreibt Jean-Pol Martin in seinem Blog als eine Architektur der anwesenden Gehirne. „Insofern können wir, wenn ein Problem gelöst werden soll, eine Gruppe als Gehirn strukturieren und zur fruchtbaren Interaktion müssen die einzelnen Menschen sich dann wie Neuronen verhalten.“
In dem „Erich Hammer Bericht“ auf Christan Spannagels Blog wird sehr deutlich, dass die Gesamtheit einer Klasse durchaus in der Lage ist von selbst bestimmte Fehler zu erkennen und gemeinsam zu korrigieren, bzw. der anwesende Lehrer die Klasse auf den entsprechenden Weg lenken kann.
Peter Nieschmidt (siehe mein Blogeintrag vom 17.03.2009: Unterschiedliche Formen der Sozialisationserfahrungen während der Kindheit: Ausschaltungskonkurrenz – Entfaltungskonkurrenz) weist als einer von vielen Lehrenden darauf hin, dass Fehler in einem Lehrprozess sogar erwünscht sein können. Falsches darf gesagt werden! Die bisherige Fehlerkultur, also der Umgang mit Fehlern, löst bei Kindern und Jugendlichen Versagensängste und somit Blockaden aus. Um sich dieser Blöße nicht freizugeben, lernen Kinder sehr früh lieber nichts zu tun, als sich dem Risiko einer Niederlage auszusetzen. Dabei wiesen schon Albert Schweizer mit Aussagen, wie „Unsere Fehler sind lehrreicher als unsere Erfolge“ und James Joyce mit „Fehler sind das Tor zu neuen Entdeckungen.“ auf den Mehrwert von Fehlern hin. Interessant finde ich dazu den Einsatz eines Klassenblogs „Elefantenklasse.de“, da in diesem Blog sogar der Schritt an die Öffentlichkeit außerhalb der eigenen geschützten Gruppe gewagt wird.

Soziale Netzwerke helfen zu lernen. Dabei spielt die soziale Motivation eine herausragende Rolle. Durch soziale Eingebundenheit in Form von Rückmeldungen und Austausch fühlt sich der Einzelne aufgehoben und fängt an sich ‚Dinge’ zu wagen, die er sich sonst nicht selbst zugetraut hätte. Durch die Erfahrung eines sozialen Rückhaltes wird er aufgefangen.

Hierbei handelt es sich um einen Prozess gemeinsamer Wissensgenerierung. Das einzelne NEURON (Individuum) bringt seine individuellen Erfahrungen und sein Wissen in die Gruppe durch Kommunikationskompetenz und Partizipationskompetenz ein. Individuelles Wissen wird somit für andere verfügbar und diese werden wiederum angeregt, ihr Wissen ebenso dem Gehirn (Gruppe) beizusteuern. Die Gruppe einigt sich daraufhin in einem gemeinsamen Diskurs auf grundlegende Begrifflichkeiten, Vorgehensweisen und Ziele (kollaborative Wissensgenerierung). Kollektives Wissen entsteht in einem kollaborativen Prozess und Vernetzung. Der Anteil kollaborativer und kollektiver Merkmale setzt sich in jeder Wissenskonstruktion unterschiedlich zusammen. Ein Phänomen, das während dieses kollaborativen Prozesses der Erzeugung von Wissen auftritt kann, ist die Emergenz. Kollektives Wissen zeichnet sich dadurch aus, dass es sich durch erfolgreiche Anwendung bewährt hat. Dann kann es von anderen Gruppen, die sich in ähnlichen Situationen befinden, aufgegriffen und an deren spezifische Situation angepasst werden. Kollektives Wissen wird hierbei als Zustand verstanden, während kollaboratives Wissen stets einen Prozess des Wissenserwerbes beschreibt. (Quelle Neuron Wiki, )

Weiterführende Links:

Interne Verlinkung:

Micro – Learning

Auffällig auf BarCamps ist die immer wieder anzutreffende Twitterwall. Der Einsatz von Twitter befindet sich noch im experimentellen Status. Oftmals schimmert diese Twitterwand hinter dem Referenten, der mit krampfhaften Bewegungen ab und zu einen Blick auf diese Wand zu werfen versucht, um ein paar Rückkoppelungen zu seinem aktuellen Auftritt vor Ort zu erhaschen. Der Umgang mit einer Twitterwall an öffentlichen Orten erscheint noch krampfhaft und ungeübt. Nur wenige haben bereits erfolgreiche Konzepte entworfen, Twitter in größeren Gruppen einzubinden.
Ein Vorteil, der sich aus dem Einsatz von Twitter ergeben kann, ist dass Andere nicht vor Ort Anwesende, die aber den Mitschnitt verfolgen können, sich mit ihren eigenen Gedanken in die aktuelle Auseinandersetzung einbringen. Die Twitterwall, eingesetzt auf Podiumsdiskussionen oder anderen Vorträgen, bzw. Konferenzformaten, versucht die Trennungslinie zwischen den Zuhörern und den Rednern, den Anwesenden und den nicht vor Ort Anwesenden zu durchbrechen. Der Content ist zugegebenermaßen gering und auf wenige Zeichen begrenzt. Daher können nur Impulse versendet werden und haben die Chance hier und da anzudocken. Vielleicht wäre eine Idee, einen speziellen Moderator für die Twitterwand einzusetzen, der in der Lage ist, Impulse aufzugreifen und vor Ort einzubringen. Der Sprecher muss sich dann nicht einer zusätzlichen Anforderung von Verrenkungen stellen, sondern kann den Austausch vor Ort fokussieren. Diese Idee haben wir zusammen auf dem educamp 2009 in Ilmenau besprochen.

Andere mögliche Einsatzgebiete von Twitter in größeren Gruppen kann im Bildungsbereich sein. Ralf Appelt greift hier und da in dem Blog „Love it or Change it“ verschiedene Ansätze von einem eventuellen sinnvollen Einsatz im Bildungsbereich auf. Allerdings verweist er auch auf die noch vorherrschende Ratlosigkeit im Einsatz von Twitter. Besonders stellt er die Aspekte, Vernetzung: „Den Aspekt der Vernetzung halte ich ebenfalls für interessant.“ und der Präsenz: „Interessant finde ich auf jeden Fall das Phänomen, dass sie und andere Wissenschaftler, Lehrer, Studenten über diese Kanäle auch über die Inhalte ihrer Arbeit berichten.“, hervor.

Weiterführende Links:

  • Blog: Love it or Change it: Microblogging im Bildungsbereich, Ralf Appelt, 09.02.2009
  • Slideshare: Using microblogging in education. Case study: Cirip.ro von Carmen Holotescu Politehnica University of Timisoara Director Timsoft Gabriela Grosseck West University of Timisoara Romania 6th Conference on eLearning Applications, Cairo January, 10-12, 2009

Information Overload

Tag für Tag, Stunde für Stunde und Sekunde für Sekunde erreichen uns unzählige Informationen. Twitter ist nur eine Applikation, die die zahlreichen Informationen zum Teil sichtbar gestaltet. Weswegen gerade Twitter immer wieder auch als Rauschen bezeichnet wird (Beispiel: „Wie reduziere ich das Twitter rauschen?“ von Viralbuzz vom 11.12.2009 ). Als Nutzer gestaltet es sich schwierig diese Tools kompetent zu nutzen. Die Herausfordrung des Nutzers besteht darin Informationen zu filtern, die für ihn relevant sein können und dennoch so viel Spielraum zuzulassen, um auf neue für ihn bedeutsame Hinweise durch andere aufmerksam zu werden.

In der heutigen Welt sind wir aufgefordert eine dementsprechende Kompetenz zu entwickeln, die allerdings nicht neu ist! Zygmunt Bauman beschreibt 1993 auf S.17 eine bereits weit verbreitete Grunderfahrung der Menschen in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. „Heutzutage scheint sich alles gegen … lebenslange Entwürfe, dauerhafte Bindungen, ewige Bündnisse, unwandelbare Identitäten zu verschwören. … die Bindung gilt von vornherein nur ‚bis auf weiteres’, die intensive Bindung von heute macht Frustrationen morgen nur umso heftiger:“ Bauman vergleicht den Menschen der Spätmoderne mit einem Vagabunden, der ruhe- und orientierungslos seine Aufenthaltsorte wechselt, fortgetrieben von der nie versagenden Hoffnung, der nächste Ort wird frei sein von den bisher erlebten Mängeln. Mit dieser chronischen Rastlosigkeit und fieberhaften Suche haben wir uns bis heute noch nicht ausreichend auseinandergesetzt. Noch immer fehlt es uns an der notwendigen Kompetenz eine Auswahl zu treffen und uns zu entscheiden, wer wir sein wollen. Ulrich Beck beschreibt diese Einstellung in „Riskante Freiheiten: Individualisierung in modernen Gesellschaften“  als Individualisierung, mit der neue Freiheiten und Handlungsspielräume entstanden sind.

Es wird helfen, wenn wir die Kompetenz erlernen, eine auf uns abgestimmte Auswahl treffen zu können. Dazu bedarf es jedoch an Orientierung in Form eines reflektierten Selbst- und Weltverhältnisses. Mit Hilfe selbstreflexiver Lern- und Orientierungsprozesse, setzen wir uns immer wieder neu  mit der Frage nachdem, was und wie wir sein wollen, auseinander. Mit einem herbeigeführten Entscheidungsprozess entfliehen wir der Entscheidungsunfähigkeit und damit im „Sumpf“ der Möglichkeiten starr zu versinken.
Unsere gesellschaftliche, politisches und technologische Umwelt wird immer komplexer. Web 2.0 baut auf dem Web auf, dass noch nicht mal bei allen in der Bevölkerung angekommen ist. Setzen wir uns nicht aktiv mit unserer Umwelt auseinander, verlieren wir die Zusammenhänge einzelner Ereignisse aus dem Blick. Mit den Fortschritten in der Informationstechnologie und dem Informationsüberfluss, den die vielen Medien verursachen, verschärft sich die Problematik des Verstehens zusätzlich. Immer weniger Menschen sind in der Lage mit dem Fortschritt die gesellschaftlichen, politischen und technologischen Problemen in ihrer Ganzheit zu verstehen. Vielen ist es unmöglich geworden die Vielzahl an Informationen in einen richtigen Zusammenhang zubringen.
Dabei haben wir einen digitalen Vorteil! Jörg Wittkewitz schreibt: „Wir leben in den Zeiten des Überflußes, nicht Überfluß an Geld oder Wasser aber eben an digitalisiertem Wissen. […]Jetzt gibt es viele sehr gute Texte und Ideen überall im Web kostenfrei.“ Damit haben Probleme nicht mehr eine richtige oder eine falsche Lösung, sondern denkbar sind mehrere Lösungen, die alle ihre Vorteile und Nachteile haben. Deshalb bedeutet Entscheidungsfindung immer mehr ein Abwägen von Vor- und Nachteilen und nicht mehr ein Suchen nach dem absolut Richtigen.

Diese Form der Entscheidungsfindung erfordert ein breites Orientierungswissen, um Auseinandersetzungen mit sich und der Umwelt einzuleiten (deklaratives Wissen). Des Weiteren müssen wir in der Lage sein, Hypothesen anderer zu beurteilen, um die Vor- und Nachteile auf das eigene Selbst abschätzen zu können (prozedurales Wissen). Peter Kruse weist in diesem Zusammenhang daraufhin, dass wir berücksichtigen müssen, in welchem Kontext dieses Wissen entstanden ist und welche Wertemuster dem Entstehungsprozess zugrunde lagen. Die Intuition nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein, die auf einem langen Lernprozess beruht (Peter Kruse ab Minute: 2:15 und  3:46).

In diesem Zusammenhang möchte ich auf den Neuerscheinung von Silbermond hinweisen. Ich war beeindruckt, als ich das erste Mal dieses Lied gehört und es unter der Perspektive „Riskanter Freiheiten und dem Wunsch nach Sicherheit“ in Form von Ulrich Beck betrachtet habe. Es fasst auf emotionaler Weise diesen Artikel zusammen.

Weiterführende Links:

  • Educamp-Wiki: Podiumsdiskussion mit Graham Attwell und Steffen Büffel als Moderatoren und Cristina Costa, Thomas Sporer, Philipp Königs, Karsten Wolf, Helen Kagan und Andrea Back als Experten
  • Jörg Wittkewitz auf digitalpublic.de über „David Weinberger: Wissen im Überfluss“ (19.02.2009)
  • Vgl. strukturale Medienbildung (Marotzki/Jörissen)

Interne Links: