Marcel Philipp: wir fragen den OB zu seiner Smartphone-Nutzung

By Euku (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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Zur bevorstehenden Kommunalwahl ist das Maskottchen von GeoSurfen zum OB Marcel Philipp geflogen und hat ihm ein paar Fragen rund um die Smartphone-Nutzung gestellt. 

Frage: Welche Geschichte / persönliches Erlebnis verbindet Sie mit Aachen?
Marcel Philipp: Nahezu mein ganzes Leben … Aachen ist eine tolle Stadt!!

Frage: Wofür nutzen Sie Ihr Smartphone / Handy und welchen Sinn sehen Sie in Apps (einzelne Anwendungen)?
Marcel Philipp: Ich besitze zwar zwei Handys, die ich aber nur sehr selten benutze. Ich telefoniere viel im Auto. Allerdings ist das IPad mein ständiger Begleiter. Täglich nutze ich z.B. die Zeitungs-App von AZ/AN, die ALLRIS-App, auf der alle Ratsunterlagen zu finden sind, natürlich facebook, GoodNotes zur Bearbeitung von pdf´s, die Notizfunktion bei manchen Reden, iThoutsHD für Mindmaps und als Spiel zur Zeit „2048“. Klasse ist auch die Bus-App ASEAG mobil.

Frage: Haben Sie eine Lieblingsapp? Welche ist das und warum setzen Sie diese gerne ein?
Marcel Philipp: Alles, was die Arbeit erleichtert, setze ich gerne ein. Am besten finde ich die ASEAG-App, aber ich fahre nicht täglich Bus.


Frage: Ich sehe immer wieder Leute, die in jeder Situation zum Smartphone greifen und ihre E-Mails prüfen oder Nachrichten versenden müssen. Auch in wichtigen Meetings oder bei intimen Treffen werden wir immer wieder von unseren Smartphones begleitet. Was macht Ihr Smartphone in diesen Situationen?
Marcel Philipp: Im Normalfall habe ich gar kein Smartphone dabei. Das IPad nutze ich aber auch manchmal bei Veranstaltungen, wenn ich etwas nachschauen möchte … solange es nicht die Veranstaltung stört.

Frage: Existiert im Aachener Rathaus eine Regelung für die Smartphone Nutzung während der Rathaussitzungen? Beobachten Sie die Nutzung der Smartephones Ihrer Kollegen?
Marcel Philipp: Einige jüngere Ratsmitglieder nutzen Smartphones auch während der Sitzung, wir haben bisher keine festen Regeln dafür. Es ist eine Frage des Respektes gegenüber den jeweils Redenden.

Frage: Wie gehen Sie selbst mit der Preisgabe/ Zugriffe und Speicherung der Daten der Apps, wie zum Beispiel Standorte, Kontakte etc. um?
Marcel Philipp: Ich bin sicher viel zu offen im Umgang mit meinen Daten. Das liegt aber daran, dass in meinem Amt ohnehin alles öffentlich ist, wo ich gerade bin, was ich mache, mit wem ich Kontakt habe … die Privatsphäre ist sehr begrenzt.


Frage: Können Sie sich vorstellen, dass Tablets oder Smartphones im Unterricht eingesetzt werden? Wie könnte so eine Nutzung aussehen?
Marcel Philipp: Ja, mittelfristig wird das so kommen, so selbstverständlich wie die Nutzung des Taschenrechners früher. Aber es darf nicht alles auf Tablets ausgerichtet sein, Kinder lernen ja auch zunächst im Kopf und schriftlich zu rechnen.

Frage: Identifizieren Sie sich mit einem besonderen mobilen Konzept für Aachen?
Marcel Philipp: Wir arbeiten an einem überall verfügbaren WLAN für alle. Das ist machbar, wird aber noch eine Weile dauern.


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Ziel der Stadt Leipzig: Charakter „kinder- und familienfreundlich“

Gestern fand im Leipziger Rathaus eine Podiumsdiskussion zu „Leipzig auf dem Weg zum Rechtsanspruch auf einen Kindertagesstättenplatz“ statt. Am 18. November hatte Oberbürgermeister Burkhard Jung den Leipzigern über einen Stadtratsbeschluss mitgeteilt, dass Kinder und Familien in seiner Legislaturperiode Priorität haben. (Quelle: L-iz.de) Doch was kann sich der Leipziger unter so einer Aussage vorstellen? Der Stadtrat erklärt einen bis 2015 reichenden Aktionsplan (lange Version; kurze Version) , mit dem Kindergärten und Schulen vorrangig saniert werden und die Anzahl der Kita-Betreuungsplätze gesteigert werden sollen. Das ist auch dringend notwendig, wenn man sich die Entwicklungsprognosen der Stadt Leipzig anschaut. Das Amt für Statistik und Wahlen der Stadt Leipzig geht in seinem statistischen Quartalsbericht von einer im Aufwind befindlichen Geburtenrate aus. Interessant ist, dass noch vor einem Jahr ein Kita-Streik in Leipzig organisiert wurde, der auf das Problem des Abbaus von Kitas in kommunaler Trägerschaft in den letzten Jahren hinwies. Mike Nagler verweist in seinem Blog auf den Streik. Radio Mephisto 97.6 nahm den Streik ebenso in das Programm auf.

Die höhere Geburtenrate kostet der Stadt allerdings auch Geld, weswegen Anfang des Jahres schon eine Erhöhung der Elternbeiträge für Kindertagesstätten beschlossen wurde, Juliane Nagel (Stadträtin für DIE LINKE) berichtete auf ihrem Blog. Deswegen war es den Vertretern der Stadt Leipzig gestern besonders wichtig darauf hinzuweisen, dass sich die Stadt Leipzig schon seit Jahren für den Ausbau der Betreuungsplätze energisch einsetzt. Besonders stolz ist Dr. Siegfried Haller (Leiter des Jugendamtes der Stadt Leipzig) darauf, dass sich der Etat für die Unterstützung dieser Leistungen in den letzten Jahren nicht verringert, sondern bei gleicher Höhe halten konnte, und das obwohl der Gesamtetat der Stadt Leipzig geschrumpft ist. Rein rechnerisch hat sich damit sogar der Anteil am Gesamtetat erhöht. Tatsache ist jedoch, dass Leipzig hilflos gegenüber den zukünftigen Ansprüchen der Leipziger Bevölkerung ist. Auch beschönigende Reden, dass im westlichen Teil Deutschlands die Betreuungssituation noch wesentlich dramatischer ist und Leipzig durch seine Ost-Vergangenheit hier einen wesentlichen Vorsprung hat, hilft der Stadt letztendlich nicht weiter. Weiterhin lässt auch die Aussage seinerseits nicht über zukünftige Probleme hinwegtäuschen, „dass bis jetzt noch jedes Kind unter gekommen ist und wenn er selbst dafür sorgen müsste ….“ Ich hatte eher den Eindruck, dass die Podiumsdiskutanten der Meinung waren, dass sie ihr bestmöglichstes Tun und eigentlich ja nur das Land dieses Missverhältnis von Betreuungsangeboten und Betreuungsnotwendigkeit lösen könne, in dem die Stadt Leipzig mehr Geld bekommen müsse. Auch diese Herangehensweise erschreckte mich.

Leipziger, die dieser Diskussion erst beiwohnten und dann ihre eigenen Erfahrungen, Ängste und Hoffnungen einbringen durften, waren in erstaunlich kleiner Anzahl vorhanden. Zwei Beiträge haben mich besonders nachdenklich gestimmt. Ein junger Vater berichtete davon, dass er und seine Frau überlegen den wirtschaftlichen Standort der eigenen Firma aufzugeben, da die schlechte Betreuungssituation die Eltern in Zugzwänge bringe. Leider war die Antwort darauf, dass „man“ bisher noch von keinem solchen Fall gehört hätte und „man“ zur Not eigenhändig für einen Betreuungsplatz sorgen würde. Höhere Geburtenraten und eine hohe Betreuungsrate für Kinder gehören mittlerweile zu den Standortfaktoren, die darüber entscheiden, ob eine Stadt attraktiv für Unternehmensansiedlungen ist.

Auch die Reaktion auf einen weiteren Diskussionsbeitrag fand ich interessant. Hier berichtete ein Leipziger von der Eröffnung eines bilingualen (Englisch – Deutsch), aber privaten Kindergartens namens „Voices“ mit eigenem Bauernhof. Weiterhin fragte er, wenn die Stadt Leipzig Probleme in der Betreuungssituation hätten, dann könnte sie so einen Kindergarten mit einem gewissen Anteil unterstützen. Die Reaktion bestand erst einmal vorsichtig in der Gegenfrage „Warum sich dieser Kindergarten denn nicht in den Bedarfsplan der Stadt Leipzig integriere?“ Dann wurden die Geschoße um ein vielfaches härter. Die Stadt Leipzig ist dagegen Zugangskriterien für Kinder einzuführen. Zugangskriterien bestünden bei diesem Kindergarten, da der monatliche Beitrag der Eltern für ein Kind bei etwa 550,00 € liegt. Nicht jede Familie könnte sich dementsprechend einen solchen Kindergarten leisten. Daraufhin folgte der Vorwurf, dass private Einrichtungen die soziale Schieflage für eigene Gewinne ausnutzen. Die Erfahrung der Stadt Leipzig zeigt, dass die Qualität solcher Kindergärten durchschnittlich schlecht seien. Aus dieser Argumentationskette kann deutlich die Abneigung der Stadt gegen private Kindereinrichtungen gelesen werden.

Irritiert war ich von der Schlussaussage, dass wir uns in zwei bis zweieinhalb Jahren zum gleichen Thema wieder sehen könnten und ich dachte das Problem ist jetzt akut …

I voted!

Ich finde es köstlich 😉

Gefunden auf Patrick Brauckmanns Blog

Nachtrag (04.11.2008): Artikel auf Heise.de: Warum in den USA Wahlen eine Zitterpartie sind, von Florian Rötzer

Bedienprobleme und ein fehlerhafter Umgang mit der Technik von Wahlcomputern können die Wahlen beeinflussen. Selbst, wenn die benutzerfreundlichste Technik im Einsatz sein sollte, so verwenden nach Hochrechnungen immer zu drei Prozent der Wähler einen Wahlcomputer falsch. „Mit den Touchscreen-Wahlcomputern würden allerdings am wenigsten Fehler gemacht.“

Des Weiteren weist Rötzer daraufhin, dass bei dem Wahlcomputer des Herstellers ES&S beispielsweise, die Technik so eingestellt werden kann, dass ein Druck auf den Touchscreen an einer Stelle der Gegenkandidat registriert wird.

Forderungen an die Politik bezüglich des Wandels in der Lehre

Das Web, vor allem die Möglichkeiten der sozialen Kooperationen, die unter dem von O’Reilly geprägten Schlagwort „Web 2.0“ ermöglicht neue Nutzungen bspw. in der Lehre, aber auch des eigenständig motivierten Lernens. Das Web im Einsatz in der Lehre, als Werkzeug, unterstützt und modifiziert die Ausbildung, mit der wir uns die Welt erklären und in ihr handeln wollen.

Vergleichende Ergebnisse der klassischen Ausbildung und computergestützter (webgestützter) Ausbildung sind ein Teil der Dissertation Ralf Feuersteins, mit denen er sich zu dem Thema: „Strukturmerkmale des Lernens computerinteressierter und begabter Schüler“ auseinandersetzt. Anhand von Interviews mit begabten und computerinteressierten Schülern leitet er ein neues theoretisches Konzept ab, das er als ergänzend verstanden wissen will. Inwieweit dieses Konzept aus der Schule heraus zu nehmen und in andere Umgebungsbedingungen zu integrieren ist, diese Frage, muss an dieser Stelle vorläufig unbeantwortet bleiben. Phänomenologische Betrachtungen eröffnen die Eigenschaften und Charakterisierungsmöglichkeiten von Lernprozessen.

Gerne wird in der Pädagogik von einem notwendigen Erwerb von Schlüsselqualifikationen gesprochen. Schlüsselqualifikationen in einer (dieser) Zeit zunehmender Informationsflut sollen dem Lernenden als Werkzeug wechselnden Spezialwissens einzelner Individuen dienen, ihr Tun ordnen zu können. Zudem sollen sie den Lernenden anleiten, übergreifender Qualifikationen mit anderen zu vernetzen, die für die Bewältigung zukünftiger Aufgaben von übergeordneter Bedeutung sind (anschauliches außerschulisches Bsp. ist NEURON ).

In Anlehnung an Johannes Commenius, der als einer der ersten die Pädagogik vom Kind her entwickelte, setzte sich in Deutschland der Kompetenzbegriff Klafkis durch.
Der Kompetenzbegriff wird in den Diskurs der Lehr- und Lernstrukturen von Klafki eingeführt und geht zurück auf Klafkis Kompetenzmodell der kritisch-konstruktiven Didaktik. Klafkis Ziel war die Herausbildung vielseitiger Interessens- und Kompetenzentwicklung. Seine Forderungen führten letztendlich zur Erweiterung des Lernbegriffs.

Sein Lernbegriff schließt kognitives, soziales und emotionales Lernen mit ein. Sein Verständnis von Lehre ist nicht ergebnis- und produktinteressiert, sondern versteht sich als Prozess. Ein Prozess, der sich nicht nur auf den klassischen Bildungskanon beschränkt, sondern der seine Themen und Inhalte an Jugendliche und Kindern orientiert. Unterricht im Verständnis Klafkis soll die vergangene und gegenwärtige Kultur weitergeben und die zukünftige vorwegnehmen (In diesem Zusammenhang passt Christian Spannagels Bericht einer Lernsituation seiner Lehre, die er in seinem Blog unter „In die Zukunft und zurück“ beschreibt.).

Der Kompetenzbegriff hat gegenüber älteren pädagogischen Zielbeschreibungen, wie den Lernzielen mehrere Vorteile. Zum einem wird es als wenig sinnvoll und hilfreich verstanden, wenn einzelne Wissens- und Könnenselemente abgefragt werden. Koordinierte Anwendungen verschiedener Einzelleistungen an einem Problem oder praxisorientierten Beispiel erhöhen die Kompetenz des Lernenden.
Ein weiterer Vorteil ist somit die integrierte Aktualität der zu unterrichtenden Lehrvorgaben. Der Lernende kann sich an lebensweltlichen Bezügen bewähren (vgl. Rudolf / Messner 2003)

Notwendige herauszubildende Kompetenzen werden von jedem Lehrenden unterschiedlich untergliedert (vgl. Spannagel: teachingphilosophy , Klafkis Kompetenzmodell, Kompetenzmodell nach Lehmann / Nieke )

Auf dem zweiten Educamp, das vom 10-12.Oktober in Berlin stattfand, wurde aus der Einsicht die Lehre grundsätzlich ändern zu müssen 7 Forderungen für eine zeitgemäße Lehre formuliert, die sich an die Politik richten soll. Die Endfassung der Formulierung ist derzeit noch in Arbeit. Wer Lust und Interesse oder anderweitige Eingebungen hat, darf sich gerne beteiligen.

Die Forderungen sind:
1. Größere Autonomien der Schulen
2. Medienkompetenz als verpflichtender Inhalt jeder Schul-, Aus- und Weiterbildung (nach dem Magdeburgeransatz müsste man an dieser Stelle noch einmal Medienbildung von Medienkompetenz trennen und vl. sogar den Begriff in der Formulierung ersetzen.)
3. Volle Transparenz von Lehre und Forschung
4. Anerkennung der Öffentlichkeitsarbeit als Teil der Forschung- und Lehrarbeit
5. Effizienter, ergebnisorientierter Umgang mit Lehr- und Forschungsgeldern
6. Zugängliche Ausstattung mit zeitgemäßen technischen Produktionsmitteln
7. Entwicklung eines sicheren Rechtsrahmens für den Umgang mit neuen digitalen Lehrmedien

„Computerspiele töten nicht“

Die Junge Union (JU) Leipzig begrüßt die Verabschiedung eines Antrages zum Thema Jugendschutz und Computerspiele auf dem Landestag der Jungen Union Sachsen & Niederschlesien am vergangenen Wochenende.

„Wir sprechen uns damit gegen jede weitere Verschärfung der Gesetzeslage zu Computerspielen aus.“ sagte Johanna Lippold, Vorsitzende der Jungen Union (JU) Leipzig. Der entsprechende Antrag aus den Kreisverbände Leipzig, Dresden und Zwickau ist mit überwältigender Mehrheit verabschiedet worden. [PI]

http://www.ju-leipzig.de/presse/070514_computerspiele.shtml

erster Entwurf gegen eine Verschärfung von Gesetzen, die sich gegen Computerspiele richten

Die Junge Union spricht sich gegen eine Verschärfung der Gesetzeslage zu Computerspielen aus. Vielmehr sollte die Einhaltung bestehender Gesetze effektiver kontrolliert und eine stärkere Förderung der Medienkompetenz vor allem bei Kindern und Jugendlichen erfolgen.

Begründung

26. April 2002

Der 19jährige Robert Steinhäuser erschießt gezielt 13 Lehrer und einen herbeigeeilten Polizisten. Zwei Schüler werden getötet, als er durch die Tür schießt, danach richtet er sich selbst.

20. November 2006

Der 18 jährige Sebastian Bosse betritt gegen 9:30 Uhr maskiert das Gelände seiner ehemaligen Schule und schießt wahllos auf Schüler und Lehrer. Er verletzt 27 Menschen zum Teil schwer und begeht anschließend Suizid.

[06. Dezember 2006

Die Polizei nimmt in München einen 21 Jährigen fest, der im Internet einen Amoklauf angekündigt hatte. Nach dem Amoklauf-Alarm häufen sich bundesweit Meldungen über angedrohte Gewalttaten an Schulen. Die Polizei nimmt danach mehrere Nachahmungstäter und Trittbrettfahrer fest, deren Absichten teilweise echt, teilweise scherzhaft waren.]

Spätestens seit diesen schockierenden Ereignissen werden so genannte gewalttätige Computerspiele im öffentlichen Diskurs kritisch betrachtet. Der zentrale Vorwurf lautet: Die Spiele halten vom Lernen ab und fördern antisoziales Verhalten. [Jedoch ist die Debatte um die Auswirkungen, so genannter Killerspiele heute festgefahren.]
Die öffentliche Meinung gipfelt darin, dass Politiker nun über ein Verbot derartiger Computerspiele nachdenken.

Die Auswirkungen dieses Diskurses sind beinahe ebenso katastrophal. Erstens, verunsichern solche Diskussionen die Eltern, [die nicht mehr wissen, wonach sie ihre Erziehung ausrichten sollen.]
Zweitens, verliert die Politik an Glaubwürdigkeit. Mittlerweile existieren unzählige Gesetze bezüglich von Computerspielen, von Gewalt in Medien etc…, dass sie selbst den Überblick darüber verloren haben. Der Bürger registriert natürlich die Ahnungslosigkeit der Politiker. Zudem verlieren sie an Einfluss und Respekt bei Jugendlichen, denn die Politik ignoriert ihre Wünsche mit zudem nicht einhaltbaren Verboten. [Denn das Internet erfüllt auch verbotene Wünsche.]

[Die Wissenschaft hat die Notwendigkeit einer sinnvollen Auseinandersetzung mit dem Problem von Egoshootern erkannt und am 22. März 2006 die erste „International Computer Game Conference“ in Köln ins Leben gerufen. Weiter sollen jährlich folgen.]

Nun ist [auch] die Politik gefordert über eine sinnvolle Reaktion im Umgang mit Computerspielen nachzudenken.

Tatsache ist, dass solche Spiele unseren Nachwuchs gewaltig faszinieren. Zudem hat Armin Laschet (CDU) [ebenfalls] erkannt, dass Computerspiele einen Teil unserer heutigen Medienkultur ausmachen. [Jugendliche agieren selbstverständlich mit Maus, Keybord und Joypad. Sie haben eine eigene Sprachkultur entwickelt, wie viele Generationen vor ihnen.]
Tatsache ist, auf den PC’s und Spielekonsolen tobt der Krieg. Computerspiele sind nicht mehr wegzudenken.
Tatsache ist, Jugendliche verbringen viele Stunden mit dem Spielen.

Auch wenn die Auswirkungen gewalttätiger Computerspiele noch nicht konkret belegt sind, [schließlich fehle es an geeigneten Langzeitstudien], könne man wissenschaftliche Untersuchungen im Bereich des Fernsehens zur Hilfe heranziehen.
Diese Untersuchungen weisen deutlich auf einen Zusammenhang erlebter und gelebter Gewalt hin. Auch unter der Berücksichtigung von sozioökonomischen Faktoren, [wie Einkommen und Bildung der Familie oder Wohnumgebung] sprechen die Ergebnisse eine eindeutige Sprache. Von den Jugendlichen, die mit 14 weniger als eine Stunde täglich vor der Mattscheibe verbracht haben, fallen später nur 5,7 Prozent durch gewalttätiges Verhalten gegenüber anderen auf. Bei Dauerglotzen mit mehr als drei täglichen Fernsehstunden stieg die Quote dagegen auf 28,8 Prozent. Daraus wird geschlossen, dass die gesehene Gewalt zu Nachahmungen anregt – nicht zuletzt, weil sie im Spiel mit Belohnung verbunden wird.
Gerade auf Teenager zwischen zehn und zwölf Jahren bergen Computerspiele erhebliche Risiken. Denn in diesem Alter entwickeln und verfestigen sich Moralvorstellungen, die den Menschen dann sein ganzes Leben lang begleiten. Das Kind lernt sein eigenes Verhalten an den Regeln zu messen, die ihm vorgelebt werden, und vergleicht sich mit dem Verhalten anderer. [Psychologin Jeanne B. Funk] [Die Gefahr, dass brutale PC-Spiele den Lernprozess in eine falsche Richtung lenken, ist dann natürlich gegeben.]
Die Hemmschwelle ist mit der Darstellung von Gewalt, nicht nur in Computerspielen gesunken. Laut einer amerikanischen Untersuchung schossen im Zweiten Weltkrieg nur 15 % der Soldaten gezielt auf ihre Feinde. Die Mehrheit zielte lieber absichtlich daneben. Seit 1960 wurden die kreisförmigen Zielscheiben durch menschlich aussehende Pappsilhouetten ersetzt, die im simulierten Häuserkampf blitzschnell auftauchten und wieder verschwanden. Schon mit der Umstellung der Übung stieg bereits im Vietnamkrieg die Rate der gezielten Schüsse auf neunzig Prozent. Ein 14 Jähriger stahl sich zu diesem Zeitpunkt eine Waffe, ging in seine Schule und schoß in 20 Sekunden achtmal, auf acht verschiedene Kinder. Jeder Schuss war ein Treffer und zwar ausschließlich in die Köpfe und Oberkörper der Opfer.
Jedoch schlummert nicht in jedem Doom-Fan ein potenzieller Amokläufer! Der Mensch ist zu komplex, als dass er sich nur von einem Impuls bestimmen ließe. [Für eine Tat, wie oben aufgeführt, müssten viele Auslöser zusammengekommen.] [Steinhäuser war bspw. der Schule verwiesen wurden. Den Umgang mit realen Waffen hatte er im Schützenverein gelernt. Jeder Spieler sucht sich das Spiel aus, das zu seinen Wünschen und Gefühlen passt. [(Jürgen Fritz)] Ob es verboten ist oder nicht, bildet dabei kein ernst zunehmendes Hindernis für den Jugendlichen. [Der durchschnittliche Spieler übt auch andere Interessen, wie Sport, Lesen, Freunde usw. in seinem Leben aus.]

Aber auch neue Chancen bietet das Computerspiel. [Die Kritik sollte den Blick darauf nicht verstellen.] Das Ergebnis einer Studie, [die von der britischen Regierung in Auftrag gegeben wurde,] zeigt, dass die regelmäßigen Spieler bei Tests in Bezug auf Koordinationsvermögen und Konzentrationsfähigkeit [(Ralf Feuerstein)] den Nichtspielenden deutlich überlegen sind. Computerspiele können somit die mentale Beweglichkeit junger Menschen in hohem Maße schärfen. Computerspiele erweitern das Spektrum menschlicher Tätigkeit. [Jeder kann morgens Snowboarder und nachmittags Spezialagent sein.]
Computerspiele ermöglichen verschiedenste Rollen, die ein Jugendlicher annehmen kann. [Rollenspiele sind für die Entwicklung und die Sozialkompetenz der Kinder unverzichtbar.] Dabei bieten Computerspiele unendlich viele Möglichkeiten. Der Blick auf die Gewalt sollte die weiteren Möglichkeiten nicht verstellen. [Computerspiele sind hinsichtlich ihres Gewaltpotenzials genauso problematisch wie Shakespeares „Romeo und Julia“ oder das Märchen der Gebrüder Grimm „Hänsel und Gretel“ oder das „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel“.]

Kinder und Jugendliche können mit der Verarbeitung dieser Spiele entwicklungsbedingt überfordert sein, wenn sie mit dem Medium nicht vertraut sind oder wenn sie die moralischen Implikationen nicht verarbeiten zu können. Darum benötigen sie Hilfe ihrer Umgebung, sei es der Familie, Freunde, Bekannte sowie der sozialen Institutionen oder der Politik. Diese Hilfe muss darauf zielen, dass sie selbst mit diesen Problemstellungen umzugehen lernen. Steht ihnen diese Hilfe zur Seite, werden sie selbstbewusster und solidarischer.
[Ballerspiele ermöglichen eine Identifikation mit dem Killer, aber sie psychologieren nicht. Aus diesem Grunde gibt es in diesen Spielen eine große Distanz zum Killer. Der Grund für die fehlende Psychologisierung ist in der Funktionsweise von Spielen zu finden. Mit einer Psychologisierung der Spielfiguren würde die Spielidee zerstört werden: Regeln werden auslegungsbedürftig, Punkte können nicht mehr vergeben werden und der Sieger wäre nicht mehr zu ermitteln. Hierbei handelt es sich aber um die Voraussetzungen aller Regelspiele.]
Die Inhalte und die spezifischen medialen Eigenschaften von Computerspielen müssen bei der Suche von Ursache und Wirkung mitberücksichtigt werden. Für das Spielen von Computerspielen wird eine spezielle Lesekompetenz benötigt.

Aus den bisher angeführten Gründen ist es unglaublich wichtig, das Computerspiele in der Gesellschaft akzeptiert werden und sie sich für eine vernünftige Reflexion ausspricht und zudem die bisherigen Gesetze bewusster einsetzt. Eine Akzeptanz wird nicht durch Verbote erreicht. Der Mensch kann durch Reflexion zwischen Simulation und Wirklichkeit unterscheiden.

Daher verlangen wir:
Bisher bestehende Gesetze sollen zielgerichteter angewendet und ausgeschöpft werden.

Die Reflexionsfähigkeit der Kinder muss gestärkt werden. So kann bspw. die Schule im Unterricht diese Aufgabe mitübernehmen, indem sie die Kinder und Jugendlichen auffordert, sich mit den Computerspielen in Verhältnis setzen zu können. Zudem brauchen Kinder abschreckende Gewaltdarstellungen in ihrer Entwicklung. [(Florian Rötzer)]

Wir fordern, dass die Politik die Vermarktungsstrategie der Spieleindustrie, die sich direkt an Kinder und Jugendliche richtet, überwacht und gegebenfalls einschreitet.

Eine weiter Möglichkeit wäre die Förderung spezieller Computerprogramme, die das Kind nur auf bestimmte Seiten lässt.

Es wäre absurd, egal ob Kindern oder Erwachsenen, [allen Menschen], nicht mehr die Gewalt in der Welt zu zeigen, [die täglich die Menschenwürde verletzt]. Nur, wenn wir wissen, können wir uns gegen Gewalt entscheiden. Die Gefahr der Abstumpfung ist real gegeben. Jeden Tag sterben tausende Menschen durch Unfälle, Katastrophen, Verbrechen und Kriege qualvoll oder leiden. Die Nachrichten sind voll von Gewaltdarstellungen.