Social Games auf Facebook sind für Kinder nicht geeignet!

Einblick in meine Erfahrungen mit Social Games:

Über einen längeren Zeitraum setze ich mich im Zusammenhang mit meinem Forschungsprojekt mit den webbasierten Spielewelten auseinander. Woher dieses Interesse kommt? Wahrscheinlich wurde es von den vielen Hypes rund um die Social Games auf Facebook ausgelöst. Die ersten Monate hatte ich noch sehr aktiv mitgespielt. Langsam lässt das Interesse jedoch mehr und mehr nach. Für mich allein ist es nicht mehr interessant, ob ich meine Felder rechtzeitig ernte oder ob der zu erwartende Gewinn auf den virtuellen Feldern langsam aber stetig verrottet. Vor allem fällt mir immer auf, wie viel Zeit ich in das virtuelle Bewirtschaften stecke, die ich in andere Aktivitäten viel sinnvoller einsetzen könnte. Dabei geht es mir nicht darum, von einer produktiven Tätigkeit zur nächsten zu hasten. Mir ist der Wert des aktiven Entspannens durchaus bewusst (Aristoteles bezeichnet die Muße „scholḗ“ nicht als Untätigkeit, sondern als Bedingung all‘ derjenigen Tätigkeiten, die nicht in der Hast gelingen können, weil sie der Sammlung und Besinnung bedürfen, und um ihrer selbst vollzogen werden). Verlasse ich jedoch das Spiel mit einer negativen Emotion, kann ich für mich behaupten, dass  dieses Spiel für mich nicht die anstrebenswerte Freizeitgestaltung ist. Farmville zu verlassen, habe ich dennoch nicht vor, da ich den Aspekt des gemeinsamen Bewirtschaftens (des partizipativen Spielanteils) zum aktuellen Zeitpunkt zu mindestens faszinierend finde.

Social Games, wie sie auf Facebook zu finden sind, gehören nicht in Kinderhand:

Letztendlich hat mich der Artikel „Tipps zum sicheren Umgang mit Farmville & Co.- Kooperation mit saferinternet.at“ auf klicksafe.de zum Schreiben diesen Artikels motiviert (saferinternet.at). Da auch ich mich mittlerweile mit der „Brille: webbasierte  Perspektiven für die Förderung von Bildung bei Kindern und Jugendlichen“ durch das Web bewege, habe ich mich in den letzten Wochen mit den verschiedenen Social Games auseinander gesetzt.

Trotz langwieriger Recherche, habe ich dennoch seit ein paar Wochen keinen Artikel über die Social Games, die sich auf Facebook befinden, geschrieben. Der Gedanke, Social Games auf Facebook mit Kindern zu verbinden, war für mich letztendlich nicht logisch. Facebook sollte für Kinder (vor allem webunerfahrenen Kindern) tabu sein. Warum sollte ich also einen Artikel schreiben, indem ich zwei Themen zusammenbringe, die sich nicht so einfach miteinander verbinden dürfen? Umso überraschter war ich, als ich heute Morgen den bereits erwähnten Artikel auf Klicksafe.de entdeckt hatte, in dem Kindern Tipps zum sicheren Umgang mit Social Games auf Facebook gegeben werden. Für mich gehören beide Themenbereiche immer noch nicht zusammen und ich bin einerseits enttäuscht, dass Klicksafe.de nicht auf diesen Umstand hinweist, andererseits habe ich dennoch die Notwendigkeit dieser Verhaltensorientierung erkannt. Kinder richten in der Regel ihr Surfverhalten nicht danach aus, was für diese Zielgruppe verhältnismäßig ist und was nicht.

1. Gefahr durch die Struktur von Social Games

Besonders aufgefallen ist mir, dass es sich bei den Social Games in der Regel um vordergründig kostenlose Spiele handelt. Schnell und fast unbemerkt wird dem Spieler dabei das Gefühl vermittelt, dass seine spielinternen Fortschritte zu langsam sind und er durch den Zukauf nur kommerziell erhältlicher Güter/Tiere etc. sein Spiel attraktiver gestalten kann und somit mehr in der Wahrnehmung seiner Freunde aufsteigt. Die Währung in diesen Spielen heißt ebenso wie in anderen Teilen des Social Webs: Aufmerksamkeit. Wer eine besonders große Spielfläche (bspw. in Form eines Grundstücks) oder seltene Tiere in seinem Zoo halten kann etc. ist sich der Aufmerksamkeit seiner Freunde sicher. Zudem sammeln Kinder gerne. Für die Spielehersteller handelt es sich um ein lukratives Geschäftsmodell mit kostenfreier Einstiegsoption.

Mit zunehmendem Alter lernen Kinder komplexe Emotionen. Die Entwicklung von selbst bezogenen und sozialen Emotionen setzen gewisse kognitive Entwicklungen und ein differenziertes Emotionsverständnis voraus (Wertfein, 2006). So sind Kinder ab etwa sieben Jahren stolz darauf, wenn sie gelobt werden. Ab etwa acht Jahren können Kinder bereits erste Vergleichsmaßstäbe, die das eigene Handeln und damit die Fähigkeit eigener Leistungen eigenständig einzuschätzen, entwickeln.  Erkennen Kinder, in welchen Situationen welche Gefühle in ihnen ausgelöst werden, entwickeln sie allmählich auch ein Verständnis für die Emotionen anderer. Beobachtet ein Kind Anerkennung durch andere Kinder, weil der eine Spieler ein seltenes (nur mit realem Geld zu kaufendes) Tier in eigenem virtuellem Zoo besitzt, so ist es bemüht dieselbe Aufmerksamkeit für sich heranzuziehen, um Anerkennung zu erfahren und Teil dieser Gruppe zu werden. Befinden sich Kinder in dieser Entwicklungsstufe ist die Gefahr groß, dass sie sich den kommerziellen Angeboten bedienen, die die Spielehersteller für die Spieler bereitstellen.

Begegnen könnte man dieser Gefahr durch strukturelle Veränderungen von Social Game–Formaten, allerdings mit dem Nachteil weniger Einnahmen durch den Spielehersteller. Im Sinne der Kinder ist es dennoch förderlich die quantitativen Merkmale durch qualitative zu ersetzen. Nicht die Masse der sogenannten Freunde bringt den einzelnen Spieler im Spiel voran, sondern die Qualität der Hilfe der Freunde bzw. Spielerverbänden. Beispielsweise können Spielerkooperationen besonders seltene Artefakte/Güter/Tiere für ihr Grundstück erhalten. Die kommerziellen Links müssten natürlich vollständig aus diesem Spiel verschwinden. Zudem müsste man sich Gedanken über den Spielfaktor „Zeit“ machen. Kinder sollten nicht durch äußere Anreize, bspw. der Notwendigkeit ein Feld abzuernten, zu ständigem Internetkonsum angeregt werden.

2. Gefahr durch fehlerhafte Inhaltsvermittlung von Social Games

Interessant ist ebenso, dass die Vermittlung von Inhalten wenig bzw. gar nicht stattfinden. In der nachfolgenden Grafik (Zoo Paradise) wird beispielsweise eine nicht artgerechte Tierhaltung veranschaulicht. Zebras mit Pinguinen zusammen zu halten bzw. Eisbären mit Raubkatzen in ein Gehege zu sperren, entspricht nicht einer artgerechten Haltung.

Auch Tierarten, die der Fantasie und den Märchen entspringen, entsprechen keiner realistischen Abbildung eines Zoos, wie beispielsweise Dinosaurier, feuerspeiende Drachen und Einhörner (gesehen bei Zoo World).

Um dieser Herausforderung zielgruppengerecht zu begegnen, könnten sich die Inhalte an die natürlichen Lebensverhältnisse der Abbildung orientieren. Wobei die dargestellten Inhalte zielgruppengerecht adressiert werden sollten. Was passiert beispielsweise, wenn man einen Löwen und eine Gazelle in ein gemeinsames Gehege sperrt?

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