… vom ewigen Warten

Mit Spannung harrte ich dem Ausgang der Verhandlung im Fall des „Supernature Forums“ entgegen. Fast ein Jahr schon … und immer wieder wird der Ausgang der Verhandlung verschoben … so auch heute. Dabei dachte ich noch im Sommer, dass hier nun endlich über die Zukunft von Communities entschieden wird …
In letzter Zeit (auch ich war schon Opfer) haben sich einige Anwälte (Sie scheinen nichts Besseres und Sinnvolleres mit ihrer begrenzten Zeit anfangen zu können.) auf Beiträge in Foren spezialisiert und eine regelrechte Abmahnwelle gestartet.

Anmerkung: Wie soll ein 14jähriger in einem Forum die entsprechende Medienkompetenz erlernen, wenn er beim ersten kritischen Beitrag, so in der virtuellen Welt empfangen wird? Die Schule versucht sich ja auch, weitestgehend in der Übermittlung dementsprechender Kompetenzen herauszuhalten …

Eine sehr kreative Anmerkung hatte das Hamburger Landgericht 2005 getätigt. Der Forumsbetreiber könne oder müsse die Forumsbeiträge auf kritischen Inhalt prüfen lassen, bevor sie veröffentlicht werden. Da drängt sich mir doch die Frage nach der Meinungsfreiheit auf. Zudem; welches Forum, das in der Freizeit betrieben wird, um anderen ebenfalls die Möglichkeit zu geben mit ihnen ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten, soll zusätzlich Kraft und vielleicht Geld in diese „Überwachung“ stecken können. Viele Foren kommen geradeso mit +/- Null heraus.

… die Hoffnung besteht darin, dass auch schon anders entschieden wurde, bspw. das Landgericht Köln.

Mittlerweile spielt das kommende Urteil vielleicht auch nur noch eine untergeordnete Rolle und wird eher ‚nen „Fingerzeig“ angeben, in wieweit Communities in der realen Welt wahrgenommen werden.
Wer das Internet mit einem Buch vergleicht, ist in der Realität noch nicht ganz angekommen.
Doch auch mit negativen Urteil glaube ich mittlerweile nicht mehr, dass sich die Nutzer des Internets aufhalten lassen, ihre Meinungen zurückzuhalten. Erstens ist die Rechtssprechung besetzt mit Personen, die das „Know-how“ der alten Zeit gelernt haben und sich jetzt sicher in ihren Stühlen wissen. Zweitens kann man die Server aufgrund der nicht eindeutigen Rechtssprechung in andere Länder auslagern. Und drittens erobert der User grad das Internet für sich zurück ….

Soll ich? Soll ich nicht? … ich muss!

Die Welt da draußen ist schon eigenartig?

In meiner Studienzeit, als ich noch in Berlin wohnte, war ich schon Blogger. ( ja, im Nachhinein hört sich das immer doof an) Damals nannte ich es nur „Online-Tagebuch“. Es war gerade die Zeit des Trends, heute würde man wohl Hype dazu sagen, als diese Form der Tagebücher ihren vorübergehenden Höhepunkt unter dieser Bezeichnung erreichten. Viele Communities hatten deshalb auf den Profilen der User die Funktion ermöglicht, ob sie es nun Tagebuch nannten oder anders, ist egal …
Ganz entrüstet, dass immer mehr diesem Trend folgten, beschloss ich damit aufzuhören oder diese Form der Öffentlichkeit nur noch ganz sporadisch nachzuholen. (nachzuvollziehen auf meiner HP www.gophi.de)

Allerdings jetzt, einige Jahre später muss ich wohl zugeben, dass ich an der falschen Stelle ausgestiegen war. Das „Tagebuch“, mittlerweile „Blogging“ genannt ist populärer als je zuvor. Und aufgrund dieser Popularität darf ich mich als Online-Forscher dem „Blogging“ wohl nicht mehr versagen …. was für ein Jammer … wieder mal muss man einen Trend mitmachen, wenn man wenigstens ansatzweise mitreden will.

Schon damals fragte ich mich, welchen Sinn und Zweck Tagebücher im Internet haben sollten. Der eigentliche Inhalt vom Tagebuch sollte der Öffentlichkeit ja verborgen bleiben. Das online Stellen des Tagebuchs macht etwas ganz anderes. Ich versuchte mir den Sinn, mit der Beschreibung von „neckischen Features“ mehr schlecht als recht herzuleiten. Heute ist der Sinn klarer und offensichtlich, es geht um Öffentlichkeit, darum an dieser Öffentlichkeit aktiv teilzunehmen und Öffentlichkeit selbst herzustellen.

Das Internet ermöglicht uns eine neue Form der Öffentlichkeit … und deswegen bin ich wieder dabei ;), muss ich nur noch sowas, wie persönliches Öffentlichkeitsmanagment erlernen …

Und ja, dem aufmerksamen Leser wird wohl aufgefallen sein, selbst die eigene Sprache des „Bloggens“ muss ich noch erlernen … (mein Rechtschreibprogramm müsste dies wohl auch)