Mediennutzung im Wandel der Zeit

Die TU Graz hat zwei interessante Videos zum Medienwandel der letzten Jahre herausgebracht. (Quelle: e-learning Blog der Technischen Universität Graz,  13.11.2008)

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IT: Einladung mit der Möglichkeit auf gleicher Augenhöhe miteinander zu kommunizieren

Viele Meldungen über den IT-Gipfel gingen in den letzten Stunden und Tagen über die verschiedensten Kanäle. Interessiert habe ich diese und andere Botschaften mit meinen Erinnerungen abgeglichen und war fasziniert, wie einzelne Meldungen zusammengefasst, verpackt, bzw. adressiert wurden.

Eingeladen wurden wir in der Rolle des Digital natives, die in der Gruppe der DNAdigital die Chance hatte, mit Unternehmensführern, sich über die Arbeitsorganisation auszutauschen. Aus unternehmerischer Perspektive wurde deutlich signalisiert, dass sie daran interessiert sind, mit welchen Selbstverständnissen und Vorstellungen neue Mitarbeiter zukünftig in Firmen arbeiten wollen. Die neuen und vielfältigen Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten des Webs verändern die Vorstellungen von Arbeit.

Aufregend war die Erfahrung rund um und auf dem IT-Gipfel sein zu dürfen. Aufregend, weil viele „Top-Entscheider“ den Dialog mit uns nicht gescheut haben. Neugierige Blicke und die Erkenntnis, dass sich die Kommunikationsstrukturen in Unternehmen zukünftig gewaltig ändern werden und auch müssen, ebneten den Weg zu einem gemeinsamen Gespräch. Die ersten Einschüchterungen, die (noch; leise Hoffnung meinerseits) Bestandteil des flexiblen Kapitalismus (nach R. Sennett) sind, waren mit ihrer Hilfe schnell überwunden.

Auf der Vorabendveranstaltung suchte beispielsweise René Obermann das Gespräch mit jedem Einzelnen von uns. Als Gastgeber nahm er sich den Interessen des Einzelnen an und begleitete ihn für einen kurzen Augenblick mit in seine Welt der Telekom. Der Auftritt auf der Bühne hingegen ging hingegen leider etwas unter.

Am nächsten Tag auf dem eigentlichen IT-Gipfel konnten neue Gespräche initiiert werden. Einige suchten gezielt unseren Stand auf, andere nutzten die Chance im Forum mit uns ins Gespräch zu kommen. Wir wurden ermuntert weiter zu machen, motiviert angebotene Kontakte als Unterstützung zu nutzen, eingeladen, etc… Genügend Gesprächsbedarf ist auf beiden Seiten vorhanden, ebenso der Wille gemeinsam an der Zukunft zu arbeiten.

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Mathias Holzmann und Willms Buhse weisen unter anderem darauf hin, dass wir unsere Position nun bestätigen müssen, anhand konkreter Projekte.

Die Kommunikation und Interaktion im Web verläuft dezentral, auch wenn hier und dort notwendige hierarchische Formen aufgefunden werden können. Die Organisation und den „Mehrwert“ (unter anderem in der Bildung) eines solchen Austausches wird längst erkannt und dennoch nur ansatzweise umgesetzt. Pilotprojekte sind durchaus vorzufinden (siehe PH Ludwigsburg: Die Maschendraht-Community (1) / (2). Zahlreiche Projekte und Umsetzungen ähnlichen Ansatzes existieren bereits im Bildungsbereich, dennoch bilden Projekte dieser Art im Vergleich zur Bevölkerung Deutschlands noch immer die Ausnahme. Es fehlt an Medienbildung im Allgemeinen und Medienkompetenz im Speziellen. Die zahlreichen Werkzeuge, die für eine sinnvolle Verzahnung der bisher getrennter Welten notwendig sind, da sie sich nun gegenseitig bedingen, müssen in Bildung und Wirtschaft verstanden und umgesetzt, bzw. weiterentwickelt werden.

Wir haben die Chance dazu und werden bei diesem anspruchsvollen Vorhaben unterstützt.

weiterführende Verweise:

Gipfelblog

Interview: Dr. Willms Buhse und Sören Stamer


Social Learning Summit 08; Keynote: „Zukunft Bildung in der digitalen Erlebnisgesellschaft“

Freitag gegen 13 Uhr (10.10.2008) treffe ich in Berlin ein. Mein Weg führt mich sofort zum technischen Museum, wo ich im Rahmen des Social Leraning Summit 08 zu einigen Vorträgen (Brain-Floor) eingeladen bin.
Der Weg zu dieser Veranstaltung gestaltet sich labyrinthartig durch das Technikmuseum. Glücklicherweise stehen überall die freundlichen Frauen und Herren von der scoyo, die den Gast freundlich in den gewünschten Bereich leiten. Bei einer Wdh. weiß ich, dass ich eher anreisen sollte. Wann könnte ich sonst einen kostenlosen Besuch im Technikmuseum erhalten? Selbst wenn nicht, die durch die Türen des geleiteten Weges hereinblickenden technischen Spielereien / Ausstellungen rufen mit sirenenartiger Stimme nach mir. Verwundert hatte uns, dass die Organisatoren keine Ahnung davon hatten, wie groß die eingeladenen Kinder sein könnten. Des Weiteren hatten sie sich gewundert, wie Kinder sind.

Die erste Keynote hält Benjamin Jörissen zu dem Thema: „Zukunft Bildung in der digitalen Erlebnisgesellschaft“. Er stellt die entwickelten Ideen und Vorstellungen der Universität Magdeburg vor. (Slideshare , Handout )
Die digitale Welt geht nahtlos in den Alltag des Menschen ein. Die nahtlose Integration digitaler Medien in den Alltag und in die alltäglichen Handlungspraxen bei zunehmender Medienkonvergenz sowohl auf Nutzerseite als auch auf der Content-Seite, sowie bei zunehmender Individualisierung erfordert Strategien und Kompetenzentwicklungen der User. Hier ist die Pädagogik aufgefordert Konzepte anzubieten.
Vor allem in Japan ist dieser nahtlose Übergang gut zu beobachten, wo der Nutzer mit seinem Handy mehrere Stunden täglich im Web ist und darüber seinen Alltag strukturiert bzw. mit dem Handy in seinem Alltag handelt. Als anschauliches Beispiel habe ich im Blog Mobile2Null eine Alltagsbeschreibung mit Handyeinsatz aufgespürt.
Somit befindet sich der Alltag ständig zwischen den Polen von Gestaltung und Konsum. Jörissen verbindet in dieser Vorstellung der Pole den Gedanken, dass Kinder unterer /bildungsarmer Bevölkerungsschichten in ihrem Alltag überwiegend passiv Medien konsumieren und Kinder gebildeter Bevölkerungsschichten mit den Medien ihren Alltag aktiv gestalten. Divergente Nutzungsstile sind abhängig vom Bildungshintergrund.

Die unterschiedlichsten Medien beinhalten kulturelle Komplexität. Die komplex gestalteten Medienumgebungen, erfordern didaktische Konzepte, der Vermittlung von Strategien / Fähigkeiten der User, sich in dieser Medienumwelt (sinnvoll) zu bewegen. Die immersive Didaktik, die am deutlichsten in Computerspielen wahrzunehmen ist, sich aber nicht ausschließlich auf Computerspiele beschränkt, ist ein Versuch der Übermittlung notwendiger Kompetenzen. Immersives Lernen versteckt sich in Nischen jenseits der Pädagogik. Sehr interessant in diesen Bezug fand ich den von Jörissen kurz vorgestellten Ansatz, der ebenfalls aus der Uni Magdeburg kommt, der Dezentrierung und Reframing, entwickelt von Johannes Fromme. Reframing ist die Fähigkeit Komplexität, Relativität und Kontingenz wahrzunehmen. D.h. ein Mensch kann durchaus unterscheiden, ob er sich gerade in der Virtualität oder in der sozialen Realität bewegt.
Gefordert sind somit die Ausbildung von Schlüsselkompetenzen gesellschaftlicher Partizipation, wie der Kompetenz sich im öffentlichen Raum darzustellen und zu bewegen, Selbstkompetenz Kommunikation, Vernetzung und Orientierung.

Die anschließende Diskussion wird mit einer provokativ formulierten Feststellung eingeleitet, indem der Magdeburger Ansatz ein zu positiv formuliertes Bild aufzeigt. Zudem wird kritisiert, dass wichtige Begriffe, wie Bildung und Lernen, die seit Humboldt geprägt wurden, heute nicht mehr diskutiert werden.
Ergebnis der Diskussion ist das Bekräftigen der Forschung, die sich mit den Grenzen von formellen und informellen Lernen etc. auseinandersetzt.
Um mehr Interaktion und Feedback im medialen Ansatz scoyos bei einer nächsten Diskussion zu erhalten, empfiehlt sich bspw. eine Twitterwand. So würden zukünftig weniger 10 minütigen Statements gehalten, da der Diskutant erkennt, dass lange Monologe keinen Austausch fördern.
Auch der Hinweis, die Handys auszumachen, wies auf wenig Verständnis von interaktiver Nutzung des Webs im Alltag.

Wie ich so eben bemerke, habe ich eine Nachricht von Steffen Büffel erhalten, zwecks Anfrage, leider muss ich an dieser Stelle eingestehen, dass ich diese Nachricht viel zu spät wahrnehme. Die Wahrnehmungsreaktion von zwei Tagen später, entspricht wohl nicht den Anforderungen, die die heutige Welt in dieser Umgebung an einen stellt. Ich muss mir unbedingt Kompetenzen / Strategien im Umgang mit dem Handy und dem Web erarbeiten, oder einfach das nächste mal meinen Laptop mitnehmen. Mit einem Notebook wäre dies wohl nicht passiert.

Andere Eindrücke/Berichte:

Benjamin Jörissen
scoyo