Johannes Heinlein / edX: „Cat is out of the bag“: Interviewreihe (Hochschulen der Zukunft)

In den letzten Wochen und den nächsten Wochen, habe ich und werde ich sehr interessante Persönlichkeiten zum Thema, wie könnten Hochschulen zukünftig aufgestellt sein, interviewen. Erste Eindrücke der Interviews gehen in ihrer Vielfalt mit dem Verlauf der Zeit gerne verloren. Um diesem entgegen zu wirken, versuche ich diese über meinen persönlichen Blog zu bewahren.

Erinnerung: Raum für Begegnungen

Wir entschieden uns an diesem kalten Tag (Dezember 2017) mit der U-Bahn zu fahren. Glücklicherweise war der Treffpunkt, der Gebäudekomplex von edX, nah am MIT gelegen. So fuhren wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, U-Bahn und Bus, trotz eisigen Wetters von mehreren Minusgraden, bis zum MIT. Durch eine Campusführung am vorherigen Tag, wussten wir, dass ein Großteil des Gebäudekomplexes über den riesigen Campus des MIT miteinander verbunden war. Um der Kälte zu entkommen, suchten wir den Weg durch die warmen fast labyrinthartigen Gänge des MIT, um zu dem Ausgang zu gelangen, der dem edX Gebäude am nächsten lag.

Während wir auf Johannes Heinlein beim Empfang warteten, kamen immer wieder Mitarbeiter aus den verschiedenen Büros, um im Empfangsbereich die Kaffeemaschine zu bedienen. Uns wurde ebenfalls Kaffee angeboten und ich beobachtete beim Trinken die zufälligen Begegnungen an der Kaffeemaschine an dieser ungewöhnlichen Stelle. Eine Sitzlandschaft lud die Menschen, die länger in einer Diskussion verweilten ein, auf ihr Platz zu nehmen. Ich war beeindruckt, welche Wirkung guter Kaffee und ein paar einladende Sessel auf die Gesprächskultur am Empfang haben konnten. Jedes neue Gesicht, wurde von dieser warmen, geschäftigen und dennoch einladenden Atmosphäre empfangen.

Zu edX:

EdX ist eine Plattform für MOOCs (Massive Open Online Courses) auf der weltweit Kurse aus den verschiedensten Themenbereichen angeboten werden.  Die Mission von edx ist:

  1. Kostenlose Inhalte für Lernende (weltweit) bereit zu stellen
  2. Hochschulen zu verändern
  3. Durch Forschung Lernergebnisse verbessern

 

harvardx

HarvardX – Videostudio

EdX ist eine Kooperation von Harvard und dem MIT. Ihr Ziel ist es als unabhängige und das Gemeinwohl unterstützende Stiftung die Diskussion zur digitalen Transformation in der Bildung positiv mitzugestalten. EdX agiert unabhängig, ist aber einem Aufsichtsrat (bestehend aus MIT und Harvard) rechenschaftspflichtig. EdX Ziel ist es, verschiedene Reaktionsmöglichkeiten auf Digitalisierungsprozesse und den damit einhergehenden Veränderungen zu sammeln und mit seinen Partnern (Hochschule, Industrie, Politik), zusammen zu evaluieren und dann strategische Lösungen aufzuzeigen.

 

 

Johannes Heinlein ist als Vicepresident für strategische Partnerschaften seit Beginn dieses Projekts bei edX tätig. Davor war er in Harvard tätig, wo er für strategische Transformationsprojekte zuständig war. EdX ist eines dieser Projekte. Er ist dementsprechend seit der Gründung, 2012, in dieses Projekt involviert.

Aus dem Interview hat mich am Stärksten beeindruckt:

 

harvardx2

HarvardX – Büro

Bemerkenswert finde ich, dass sich zwei sehr gute Universitäten zu einer Kooperation zusammengeschlossen haben, um der Digitalisierung und ihre Einflüsse auf Hochschulen als der zukünftig stärksten Veränderungsbewegung nachzugehen. EdX weiß/wusste nicht, inwieweit sich Hochschulen im Zuge der Digitalisierung verändern werden, edX wusste nur, dass sie verändert werden. Um diesen Gestaltungsprozess von Vornherein aktiv mit zu gestalten, haben sich diese beiden Eliteuniversitäten zu der Kooperation zusammengeschlossen und bereits mehr als 80 Millionen Dollar in das Projekt investiert. Bemerkenswert finde ich an dieser Stelle, dass gerade diese beiden Universitäten, von einem Wandel am Spätesten betroffen wären. Jährlich nehmen diese nur etwa 5% der Bewerber an und das bei Gesamtstudiengebühren von etwa 80.000 $. Harvard und MIT sind in einer exzellenten Situation, sie könnten abwarten, beobachten und dann erst auf Digitalisierung reagieren. Genau das, so Johannes Heinlein, sei aber die deutsche Herangehensweise. EdX will hingegen nicht aus dem Nachgang reagieren, sondern maßgeblich den Diskussionsprozess zur Digitalisierung mitgestalten und alle Interessierten in diesen Diskussionsprozess einladen.

  • Das MIT (Massachusetts Institut of Technology) , gilt als eine der weltweit führenden forschungsintensiven Eliteuniversitäten.
  • Die Harvard University ist die älteste Universität der Vereinigten Staaten. Harvard erreicht ebenfalls in internationalen Vergleichen einen Spitzenplatz unter den besten Eliteuniversitäten.

Im weiteren Gesprächsverlauf wurde diese Haltung immer deutlicher. EdX (und damit

harvardx1

HarvardX

Harvard und MIT) macht Ernst! Die Studienkosten in den USA sind immens und verhindern vielen einen Besuch an der Uni. Aus diesem Grund versucht edX nicht nur die Linearität des Lernens über modalisierte und personalisierte Angebote aufzubrechen, sondern schafft es mit Hilfe von MicroMaster Programmen die Kosten der Studierenden fast zu halbieren. So bietet MIT einzelne Kurse bis hin zu ganzen Programmen jeden auf der Welt Interessierten an, diese online zu absolvieren. Wird das Programm erfolgreich abgeschlossen, so kann der Teilnehmende gegen eine kleine Gebühr ein Zertifikat erwerben. Diese Vorgehensweise von diversen MOOC-Plattformen ist mittlerweile weitgehend bekannt. Der Schritt weiter ist, dass die an dem MicroMaster zertifizierten Teilnehmenden, dieses Zertifikat als einen Teil des Studiums bei ihrer Bewerbung am MIT anrechnen lassen können und ihre Campuskosten um die Hälfte reduziert werden können, da diese Studierenden nicht mehr mit den Einführungskursen anfangen brauchen, da sie diese online abgeschlossen haben, sondern schon weiter fortgeschritten in ihrem MIT Studium sind. Ihre Anwesenheitspflicht auf dem Campus wird auf das aktuell Notwendigste reduziert.

Aktuell können auf der edX-Plattform bis zu 50 MicroMaster Programme gefunden werden.

Erinnerung: Verabschiedung

Ich erinnere mich noch, wie wir nach dem Interview innerhalb von 30 Minuten bei HarvardX sein sollten, um von den Mitarbeitern vor Ort einen kleinen Einblick in ihre täglichen Aufgaben und Arbeitsumgebung zu erhalten. An und für sich war die Entfernung zwischen dem MIT Campus und dem Harvard Campus mit dem Auto leicht innerhalb weniger Minuten zu bewerkstelligen. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln jedoch sollte sich die Zeit bis ins Unendliche dienen. (Das verriet uns Google-Map, ein Dienst, der in den USA um ein Vielfaches detaillierter und serviceorientierter arbeitet.) Johannes Heinlein war, wie auch schon vorherige Begegnungen in Bosten, überrascht, dass wir nicht Uber oder Lyft benutzten. Diese Dienste hätten mittlerweile den Stellenwert von öffentlichen Verkehrsmitteln. Wir bezweifelten allerdings die Anrechenbarkeit dieser Dienste im deutschen Bürokratiewahnsinn.

Noch während wir diskutierten, bestellte uns Johannes Heinlein über seinen Account einen Uberfahrer, der uns Minuten später zum gewünschten Ort brachte. Danke.

Im Nachhinein muss ich über diese Verabschiedung schmunzeln, da in dieser Verabschiedung der im Interview diskutierte kulturelle Unterschied zwischen den USA und Deutschland anhand eines Beispiels praktisch vor Augen führt. Wir als Deutsche möchten erst wissen, was passiert und wie etwas im Zusammenhang steht.

Advertisements

Sree Sreenivasan: Interviewreihe (Hochschulen der Zukunft)

In den letzten Wochen und den nächsten Wochen, habe ich und werde ich sehr interessante Persönlichkeiten zum Thema, wie könnten Hochschulen zukünftig aufgestellt sein, interviewen. Erste Eindrücke der Interviews gehen in ihrer Vielfalt mit dem Verlauf der Zeit gerne verloren. Um diesem entgegen zu wirken, versuche ich diese über meinen persönlichen Blog zu bewahren.

Erinnerung: Abenteuer bei der Locationsuche

Eine gute halbe Stunde standen wir vor dem Lower East Side Tenement Museum in Manhattan/New York und versuchten einen Raum für das später anstehende Interview zu organisieren. Ganz spontan! Trotz aller Gastfreundlichkeit war dieser Ansatz dann

nys3

Interview mit Sree Sreenivasan am 15.12.2017 / New York

doch zu spontan! Gerne hätte man uns unterstützt, zumal unser nächster Interviewpartner hier einen Mittagstermin mit der Geschäftsführung hatte. Jedoch war in diesem Museum jedes Büro; jede freie Räumlichkeit an diesem Morgen vergeben. Mehrere Schulklassen wurden erwartet. Laute und entdeckende Kinderstimmen waren dann im Museum nicht mehr zu überhören. Eine ruhige Ecke für unser Interview schien es in diesem Museum nicht mehr zu geben. Darüber war ich erstaunt und freute mich auf der anderen Seite. Erstaunt war ich, weil man in diesem Museum laut sein durfte. Ich beneidete ein wenig die kleinen Besucher. Ich hatte Museen in meiner Kindheit oft als Orte der Stille wahrgenommen.

 

Bildschirmfoto 2018-01-04 um 03.14.42

Sreenshot / Google Maps

Einen Tag vorher waren wir schon einmal vor Ort gewesen und hatten uns die Umgebung angesehen. Unser Interviewpartner hatte uns wenige Tage vorher gebeten nach einer geeigneten Location für das Interview Ausschau zu halten. Ich fand diese Bitte abenteuerlich und herausfordernd! Uns blieb aber keine andere Wahl! Einem von uns fiel auf, dass sich in der Nähe das Goethe Institut befand. Normalerweise unterstützte das Goethe Institut Anliegen der FernUni in Hagen, wenn da nicht die Kooperation nur wenige Wochen vorher aufgelöst worden wäre und wenn das Interview nicht an einem Morgen stattgefunden hätte!

 

So blieben uns nur noch die Kaffees. In Deutschland hatte ich mit diesen Orten gute Erfahrungen gemacht, hier in New York hatte ich den Eindruck, waren alle (guten) Kaffees eng, laut und immer sehr gut gefüllt! Glücklicherweise befand sich noch ein Hotel vor dem Museum. Die Lobby war ruhig und hätte sich für unser Interview eignen können. Ein kurzes Gespräch mit dem Geschäftsführer offenbarte jedoch, dass er keine Videoaufnahmen von diesem Ort wünschte, dennoch bot er uns an das Interview per Audio aufzunehmen. Immerhin, wir freuten uns doch irgendwie darüber.

Denn die winterliche New York Kälte fraß sich langsam durch meine Stiefel und den zwei Paar Socken hindurch.

Begegnung:

nys2

Interview mit Sree Sreenivasan im „New York Street Style“ am 15.12.2017

Unser Interviewpartner, Sree Sreenivasan, erzählte uns bei seiner Ankunft, dass er sich ein wenig verfahren hatte. Ich war überrascht und schmunzelte, als er seine Geschichte erzählte. Lebte er doch schon viele Jahre in New York und auch er stieg in die falsche Subway ein und bemerkte es dank Kopfhörer und dem Blick auf dem Handy erst, als das Tageslicht für ihn gefühlt zu früh auf der Fahrt auftauchte (ähnliche Situationen kennen wohl einige ;)).  Auch hierbei handelt es sich um ein Aspekt der Digitalisierung und genau darum sollte unser Interview gehen. Wir wollen/wollten von Personen wissen, welche Erfahrung sie mit der Digitalisierung in der Hochschulbildung gemacht haben.

Wir berichteten ihm hingegen von unserem Abenteuer nach der Suche einer ruhigen Location. Erstaunlich gelassen nahm er die Umstände an und meinte, dass er eine kurze Zusammenfassung im „New York Street Style“ auf der Straße einsprechen konnte. Ich fand den Begriff „New York Street Style“ auf der Stelle sympathisch. Für mich bedeutete er in diesem Moment Flexibilität, Spontanität und Unkompliziertheit.

zur Person:

Sree Sreenivasan arbeitet heute freiberuflich als Digital & social strategist in der ganzen Welt.

Er verfügt über Erfahrungen als Chief Digital Officer (CDO) beim New York Governement, dem Metropolitan Museum of Art und der Columbia University. Zudem lehrte er an der Columbia University Graduate School of Journalism.

Er ist auf vielen Social Media Kanälen sehr präsent und es war spannend für mich, ihm bereits vor dem Interview zu folgen und von ihm zu lernen.

aus dem Interview nehme ich mit:

Sree Sreenivasan stellt eindringlich und deutlich heraus, dass Hochschulen ihrer Zielgruppe zuhören müssen, indem, was diese benötigen. Er prangert an, dass die Studierenden Inhalte lernen, die sie nur selten bis nie gebrauchen können. Oft befinden sich diese auf einer hohen abstrakten und theoretischen Ebene, welche aber nur ein Bruchteil von Studierenden jemals einsetzen wird.

nys1

Selfie mit Sree Sreenivasan am 15.12.2017 / New York

Er fordert, dass Hochschulen bzw. Ausbildungsinstitutionen dazu auf, die bestgeeignesten Personen in das Lehrkonzept zu integrieren. Als Befürworter von blended learning Konzepten wäre dies für ihn bspw. folgendermaßen möglich. Die besten Personen können durch online Elemente von jedem Ort aus ihre Inhalte transportieren und in einer kleineren Runde vor Ort kann sich der Lernende mit den Inhalten konkret mit einer kleineren Anzahl von Interessierten auseinandersetzen. Sree Sreenivasan bezeichnete dies als magischen Moment, in dem etwas eigenes und vorher nicht Geplantes ausgelöst werden kann. Interessant fand ich seinen Vergleich mit einem Gemälde, das man sich über Internet und/oder in einem Museum mit anderen Besuchern ansehen kann. Den Austausch mit anderen vor Ort bezeichnete er als einen Moment, in dem „magic happen“.

 

Charles Fadel: Interviewreihe (Hochschulen der Zukunft)

In den letzten Wochen und den nächsten Wochen, habe ich und werde ich sehr interessante Persönlichkeiten zum Thema, wie könnten Hochschulen zukünftig aufgestellt sein, interviewen. Erste Eindrücke der Interviews gehen in ihrer Vielfalt mit dem Verlauf der Zeit gerne verloren. Um diesem entgegen zu wirken, versuche ich diese über meinen persönlichen Blog zu bewahren.

Schnee lag auf den Straßen in Boston, als wir uns an diesem Morgen nach Harvard aufmachten. Ich war neugierig auf diese altehrwürdige Universität und wollte wissen, wie es sich anfühlt meine Füße auf dieses sagenumwobende berühmte Gelände zu setzen.

Der Regen setzte mit unserer Ankunft auf den Campus ein und ich musste mir eingestehen, dass mich der „Spirit“ zwischen und in den Häusern viel mehr interessierte, als der Campus selbst. Dieser war aber aufgrund des Regens und meines Beobachterstatus nicht mal in ein bis drei Stunden zu erfahren.

Aufmerksam war ich durch Jöran auf Charles Fadel geworden, als er im September 2017 das Buch „Vier Dimensionen der Bildung“ in Hamburg vorstellte (Blogartikel). Anfangs war ich etwas skeptisch. Mein erster Verdacht war, dass Charles Fadel vielleicht zu nah an der Schule und zu weit weg von den Universitäten war. Ein wenig Recherche zeigte, dass er für unsere Fragestellung nach den Hochschulen der Zukunft, die ich mit meinem Kollegen an der FernUniversität in Hagen verfolge, sehr interessant war. Er bietet für Studierende selbst Kurse an und leitet das Center for Curriculum Redesign. Die Kontaktaufnahme gestaltete sich zu meiner Überraschung sehr unkompliziert und innerhalb eines Tages hatten wir einen Termin und einen Ort für ein gemeinsames Treffen ausgemacht.

Interview mit Charles Fadel

Interview mit Charles Fadel, 12.12.2017 in der Gutman Library Harvard Graduate School of Education

Der Treffpunkt war ein wenig abseits des Hauptcampus von Harvard und die Gutman Library sah von Außen gar nicht so beeindruckend und einladend aus. Allerdings offenbarte sie von Innen einen einladenden und kreativen Coworking Space.

Unkompliziert suchten wir einen Raum, der unseren Ansprüchen nach einer Video- und Tonaufnahme halbwegs gerecht werden konnte. Zukünftig sollten wir uns aber vielleicht lieber informieren, ob man einen Raum mieten kann. Offene und kreative Räume stellten sich auf unserer Interviewreise nicht selten als schwierige Räume für Video- und Tonaufnahmen heraus. Auffällig war für mich, dass wir viele Interviews trotz interessanter Kulisse oft vor einer weißen Wand führen mussten. Eine transportabler Greenscreen wäre vielleicht in Zukunft eine Alternative?

Folgende drei Aspekte sind für Charles Fadel in der zukünftigen Bildung (unser Fokus lag auf den Universitäten) wichtig:

  1. Aspekt: motivation factor
    • Die Motivation muss aus den Mitarbeitenden (Forschenden/Lehrenden/etc.) selbst herauskommen. Insbesondere Forschende sollten über ein starkes Eigeninteresse verfügen, sich über Projekte weltweit mit anderen Forschenden/peer groups zu vernetzen und mit- und voneinander zu lernen.
    • Universitäten sind nicht dazu angehalten zwanghaft alle ihre eigenen Mitarbeitenden mitzunehmen. Die Weiterentwicklung der eigenen Mitarbeitenden erfolgt im jeweils unterschiedlichen individuellen Tempo.  Hierbei handelt es sich um eine Frage der persönlichen Initiative. Selbst in Harvard ist man unterschiedlich weit in der Umsetzung der Digitalisierung.  Charles Fadel rät mit den Early Adopter (20%) anzufangen zusammen zu arbeiten, der Rest kommt von selbst nach.
  2. Aspekt: connecting factor
    • Es ist vorteilhaft, wenn Universitäten Ressourcen miteinander teilen. Charles Fadel versteht dies jedoch nicht unbedingt als notwendig, dennoch sieht er klare Vorteile darin, gemeinsam Ressourcen zu nutzen. Des Weiteren berücksichtige ich bei dieser Aussage, dass er an einer der Universitäten lehrt, die wahrscheinlich über weitrechende Mittel verfügt und sich daher in einer sehr exklusiven Lage befindet. Dennoch fördert die Harvard University zusammen mit dem MIT (beide sitzen in Boston) Studierende in gemeinsam finanzierten/organisierten Programmen.
    • Charles Fadel bedauert, dass viele Fakultäten in ihren „eigenen Silos verbleiben“. Studierende und die Universitätsadministration sind aufgefordert diese Silos aufzubrechen. Studierende sollten diesen Aufbruch viel mehr einfordern und die Administration diesen Aufbruch viel mehr unterstützen.
  3. Aspekt: „holy gray aspect“ of technology for education
    • In einer Dekade der Algorithmen erwartet man in der Bildung eine unendliche hohe Anzahl an Möglichkeiten, wie unsere Lernweisen durch intelligente Algorithmen verbessert werden können. So existieren bspw. Ansätze eines intelligenten Tutors. Aktuell wird die Frage wie wir zukünftig lernen, begleitet von der Frage, was wir zukünftig lernen sollten. Studierende benötigen “What we need to test for is Transfer – the ability to use something we have learned in a completely different context. This has always been the goal of an Education, but now algorithms will allow us to focus on that goal even more, by ‘flipping the curriculum’.” (The Global Search for Education: Knowledge in the Age of AI, 3.12.2017) In der Konsequenz, was wie gelernt werden muss, sollten sich die Fakultäten danach orientieren, was die Studierenden benötigen!
    • Bildung sollte von jedem Interessierten eingefordert werden können. Die Digitalisierung hilft dabei, diesen Prozess und den Zugang so einfach, wie möglich zu gestalten. Aus der Perspektive der USA wird der Zugang zu preiswerter Bildung noch einmal notwendiger, als in Deutschland. Allein die Studiengebühren sind im Vergleich zu Deutschland recht hoch (Quelle: Education in USA) Anhand eines Beispiels veranschaulicht Charles Fadel einen einfachen Zugang mit der Unterstützung digitaler Elemente: Die Installation einer Kamera und eines Mikrofons im Klassenraum unterstützt den preiswerten Zugang, da diese Anschaffungen nicht mit hohen Kosten verbunden sind. Ist beispielsweise der Weg zum Klassenraum durch Schnee und Eis zu gefährlich, könnte man sich von zu Hause dazu schalten. Aber auch insbesondere Studierende, die entweder nicht vor Ort wohnen oder über die finanziellen Mittel für ein Studium vor Ort verfügen, können somit auf Bildungsinhalte zugreifen. Fadel verweist damit indirekt auf das von edX entwickelte Kurskonzept des MIT’s des MicroMasters, über das ein Teil der Lehre zu einem geringeren Preis von der Ferne aus absolviert werden kann. Insgesamt können über das blended learning Konzept des MicroMasters die Studiengebühren gesenkt werden und man verwendet die Wartezeit bis man einen Platz für das Studium am MIT erhält sinnvoll, da der MicroMaster über edX als reguläre Studienleistung anerkannt wird.

Die drei Askepkte sind nicht immer eindeutig zu trennen und bedingen sich in einigen Erscheinungen. Zudem versteht Charles Fadel, dass die Digitalisierung keine Fragen der Kosten ist. Sondern versteht darunter eher eine Frage der Öffnung bzw. Skalierung! Auf unseren Weg, auf dem sich die Hochschulen in Deutschland in ihrem Digitalisierungsprozess befinden, gibt er uns mit: Ignoriert Barrieren! Macht einfach und reagiert erst auf Probleme , wenn sie eingetreten sind.

 

Was ist dein wichtigstes Anliegen im Transformationsprozess von Hochschulen?

Ziel dieses Blogartikels ist es den explorativen Prozess in unserem Forschungsprojekt zu unterstützen: „Hochschulen der Zukunft – Anforderungen der Digitalisierung an Hochschulen, hochschulstrategische Prozesse und Hochschulpolitik  (HdZ)“ über die von uns definierten Expertinnen und Expertenmeinungen hinaus zu öffnen. Dazu verfolgen wir zwei Ansätze, den der analogen und der digitalen Mitgestaltung, die ich euch im Folgenden vorstellen will.

analoge Mitgestaltung

Zum einem wurden zum mobile learning day an der FernUni in Hagen die Anwesenden gebeten (Bericht einer Teilnehmerin: Silke Westpfahl), die an drei  Pinnwänden aufgeführten verschiedene Aspekte, des Digitalisierungsprozesses an Hochschulen „Widerstände“ , „Transformation“, „Lernformen und Lernorte“ mit ihren Themen zu verbinden. Die Bandbreite an Aspekten des Digitalisierungsprozesses sehr mannigfaltig sind und der Raum in dem die Pinnwänden nur begrenzt war, wurden drei differenzierte Aspekte ausgesucht, mit denen eine große Teilnehmerzahl am mobile learning day erreicht werden sollte. Zudem versuchten wir die Aspekte der Digitalisierung so allgemein, wie möglich zu halten, um die verschiedenen möglichen Impulse der Teilnehmenden aufnehmen zu können, ohne diese vorher in eine bestimmte Richtung zu lenken. Dennoch war uns bewusst, dass ein leeres Blatt mit einem Schlagwort eine Hürde zur Beteiligung sein kann, weswegen einzelne kontroverse Statements aus den bereits geführten Interviews zu einer Beteiligung motivieren könnten. Das Brainstorming wurde als Methode der kreativen Ideenfindung und des Abrufen von Vorwissen gewählt. Mit dieser Art des Brainstormings wird oberflächig eine Tendenz der Interessen der Teilnehmenden wahrgenommen, da auf diese Weise keine Erklärungen oder Hintergründe mitaufgenommen werden können (Wolcott, 1994). Eine Vertiefung der unterschiedlichen aufgeführten Themen versuchen wir nach dem Brainstorming einerseits in den Interviews zu realisieren, dennoch versuchen wir auch den Prozess wieder zu öffnen.

Die Ergebnisse werden am Ende des Blogartikels aufgeführt.

digitale Mitgestaltung

Zum anderen haben wir für Interessierte, die sich über den mobile learning day hinaus an diesem explorativen Prozess beteiligen wollen, ein Padlet umgesetzt. Ein Padlet ist eine digitale Pinnwand, die mit Notizen, Bildern, Videos, Posts, Links, Fotos, etc. individuell oder gemeinschaftlich mittels Drag-and-Drop oder Doppelklick gestaltet werden kann. An diesem Padlet kann jeder auch ohne Anmeldung zu diesem Tool teilnehmen. Die Padlets sind unter folgenden Links zu finden:

  1. Padlet: „Lernformen/Lernorte
  2. Padlet: „Transformation
  3. Padlet: „Widerstände

Ich lade euch gerne zu diesem Brainstorming ein.

In der von Jane Hart (2017) geführten Liste der Top 100 Tools for Education, die auf dem Voting von „learning professionals“ aus 64 Ländern basiert, rangiert Padlet 2017 auf Platz 36. Dies unterstreicht die Beliebtheit des kostenfreien, unkomplizierten Tools und seiner kreativen Einsatzmöglichkeiten.

Ergebnis der analogen Mitgestaltung

Auffällig ist die Beteiligung an den Aspekten. Der Aspekt „Widerstand“ hat mit 23 Beteiligungen das Interesse der Teilnehmenden weitaus mehr getroffen als die Aspekte „Transfer“ mit 18 Beiträgen und den Aspekt „Lernformen/Lernorte“ mit 13 Beiträgen. Wiederholungen von thematischen Beiträgen wurden von den Teilnehmenden versucht zu umgehen, indem sie sich vorher einen Teil der bereits erstellten Beiträge duchlassen und offen artikulierten, dass der Beitrag ja schon an der Pinnwand stehe.

Die Ergebnisse werden in der nachfolgenden Übersicht lediglich dargestellt.

erste Pinnwand:

Lernformen / Lernorte

zweite Pinnwand:

Transfer

dritte Pinnwand:

Widerstände

–       Hochschulen als Anlaufstationen

–       integrierte Lernergebnisse

–       fließende Übergänge in den Alltag

–       keine On/Offline Differenzierung

–       intuitiver technischer Support durch KI

–       Öffnung für Kooperationen (vgl. Weiterbildungssektor)

–       Von Tim O’Reilly Verlag lernen

–       Lernform: kooperativ und gemeinsam

–       Lernort: Mix von Ort/ Zeit (flexibel)

–       Studenten ernst nehmen (Menschenbild)

–       Flexible Anwendung von Zertifikaten

–       Flexible Lernorte / Lernzeiten

–       inhaltliche Aufarbeitung (visuelle Darstellung (UX)

–       Bildung vs. Berufsbezogenheit

–       neue strategische Partnerschaften

–       Studierendenbildung Aufrecht erhalten

–       Was kommt nach dem Abschluss?

–       Lebenslanges Mentoring – Unis haben einen Startvorteil

–       Vermehr Kooperationen mit der Wirtschaft

–       Das Curriculum wird sich grundsätzlich ändern

–       Durchlässige Prozesse

–       Baukastensystem auch fachübergreifend

–       Inhaltliche intuitive visuelle Darstellung der Aufgabe / Angebote

–       Sehr gut gemachter Dauer-MOOC und barcamps

–       Öffnung für Kooperationen

–       Wer macht Weiterbildungsqualifikationen?

–       Die Kooperationsfähigkeit wird sich ändern müssen: mit anderen Hochschulen, mit anderen Unternehmen

–       Kombination / Stärkung von bottom up und top down Struktur

–       Strategie häufig unklar

–       Sie (die Uni) wird ein Unternehmen oder die Kurve bekommen

–       Sie (die Uni)wird konventionelle Strukturen aufgeben müssen; Privatisierung zulassen

 

–       Festhalten am Bewährten

–       Überlastung (cognitive overload)

–       Vorhandene Bürokratie

–       Kompetenzen in digitalen didaktischen-math. Bereich sind selten

–       Change-Prozess

–       Unterschiedliche Kompetenzen der Teilnehmenden

–       Keine Unterstützung bei übergreifenden Themen (nicht mein Thema)

–       Schlechte technische Qualität bei Ausstattung

–       Zeitliche Überlastung des Lehrpersonals

–       Technische Infrastruktur / finanzielle Mittel

–       Noch hoher Klärungsbedarf bzgl. rechtlicher Rahmen (u.a. Datenschutz)

–       Haltung & Menschenbild

–       (In)kompetenzen auf Seiten der Lehrenden

–       Unwilligkeit, mangelnde Affinität zu Medien

–       In den Köpfen der Menschen in Bezug auf „richtiges“ Lernen

–       Dozenten müssen liebgewonnene Methodenkonzepte verlassen

–       Rechtl. Rahmen: Anerkennung von E-Learning Zeiten

–       Lehre wie in der Schule

–       Effektivität ist nicht gleich Qualität (Lehre / Struktur)

–       Nicht alles erheben, was möglich ist (Wirtschaft), sondern sinnvoll

–       Medieneinsatz eher oberflächig

–       Wertschätzung von nicht standartkonformen Lernwegen

–       Umgang mit hoher Selbstverantwortung (ist nicht selbstverständlich)

 

Heraus aus der eigenen Blase?

Aktuell arbeite ich an dem Projekt: „Hochschulen der Zukunft – Anforderungen der Digitalisierung an Hochschulen, hochschulstrategische Prozesse und Hochschulpolitik  (HdZ)„.

In dem Projekt wollen wir, mein Kollege Rüdiger Wild und ich, verschiedene mit der Digitalisierung verbundene Entwicklungen aufgreifen und weiter diskutieren. Wir setzen unsere Fragestellungen bei den Hochschulen an, um entsprechende Folgen von Digitalisierungsprozessen für die Hochschule der Zukunft zu erkunden. Um herauszufinden was von Hochschulen zukünftig erwartet wird und wie der Transformationsprozess von statten gehen kann, suchen wir den kommunikativen Austausch mit Experten und Expertinnen.

Die ersten Gespräche mit den Expertinnen und Experten, sowie Interessierten haben in mir einen Reflektionsprozess, bezüglich unserer Ausgangsbedingungen, ausgelöst, der noch nicht abgeschlossen ist.

Von diesen ersten Gedanken möchte ich in diesem Blogartikel berichten. Gerne seid ihr eingeladen, weitere Gedanken und Impulse mit in diesen Gedankenprozess einzubringen. 

So ist mir durchaus bewusst, dass allein in dieser Ausgangsdefinition „Hochschulen der Zukunft – Anforderungen der Digitalisierung an Hochschulen, hochschulstrategische Prozesse und Hochschulpolitik  (HdZ)“ mehrere diskussionswürdige Ansätze enthalten sind. Gerne greife ich für meinen Blogbeitrag vier Ansätze auf, die ich aktuell als die für mich wichtigsten identifiziere:

  1. Ich frage aus der Perspektive der Selbsterhaltung der Hochschule!

Das heißt, ich bin daran interessiert, dass es Hochschulen auch zukünftig, in welcher Form auch immer, geben wird. Ob das der zukünftige Fall ist, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. In der Orientierung an Castells Netzwerkgesellschaft, könnte geschlussfolgert werden, dass die Hochschule, wenn sie für die Gesellschaft nicht mehr von Bedeutung ist, umgangen wird (Castells 2002).

Stellen wir uns vor, dass in der Zukunft Hochschulen nicht mehr von Bedeutung wären, müsste ich unter dieser Annahme in dem Projekt nicht von einem anderen Ansatz ausgehen?

  1. Ich wähle die Institution der Hochschule mit ihren kulturellen Codes als Akteur aus.

Nach Castells (2003) könnte eine Hochschule als Netzwerk definiert werden, welches verschiedene Knoten, die ein gemeinsames, partikuläres und funktionales Interesse haben, verbindet. In einem gegenseitigen Austausch legt das Netzwerk fest, wer dazugehört und wie sich die Strukturen des Netzwerkes ausgestalten (Bommes und Tacke 2006). Voraussetzung, dass eine Hochschule in die Definition eines Netzwerks nach Castells fällt, ist, dass mehrere Knoten miteinander verbunden werden. Dabei versteht Castells Netzwerke als ein Gegenmodell zu hierarchisch organisierten Organisationen. Aktuell sind Hochschulen hierarchisch strukturiert. In Netzwerken gewinnt die individuelle Wahl Vorrang vor traditionellen Pfaden (Castells 2001a). „Unsere Gesellschaften sind immer mehr um den bipolaren Gegensatz zwischen dem Netz und dem Ich herum strukturiert“ (Castells 2003).

Müsste ich, wenn Netzwerke im Zentrum des zukünftigen Interesses stehen, meine Betrachtungen bei einzelnen Projekten, die sich innerhalb und außerhalb der Institution Hochschule befinden, starten?

  1. In der Fragestellung wird nachgegangen, wie Hochschulen einzelne Digitalisierungsaspekte aufgreifen und umsetzen können! Die Digitalisierung wirkt dementsprechend in die Richtung der Hochschulen!

Mit der Wirkrichtung einher geht, dass Hochschulen auf Digitalisierung reagieren und weniger agieren. Im extremen Fall folgt der technologische Instrumentalismus in der Bildung. So könnten Bildungsbereiche bspw. lediglich digital aufrüsten und das Möglichste mit Learning Analytics erfassen. Ein Netzwerk, dessen Netzwerkknoten sich im ständigen gegenseitigen Austausch der kulturellen Codes befinden, müsste mit seinen Beiträgen zur weiteren Ausprägung/Entwicklung des Netzwerks beitragen.

Wäre die Umdrehung der Wirkrichtung von Digitalisierung daher nicht folgerichtiger? Wie kann sich Hochschule am Diskurs über Digitalisierungsprozesse in der Gesellschaft beteiligen?

  1. Um der Frage, welchen Einfluss die Digitalisierung auf die Hochschulen hat (Ausgangsfrage) wurden Experten und Expertinnen für ein Interview angefragt.

Dabei stellt sich zugleich die Frage, wer als Experte und Expertin definiert werden kann? Wir identifizierten mehrere Bereiche, mit denen sich ein Experte und eine Expertin unserer Meinung nach auseinandergesetzt, bzw. diese erfahren haben muss. Dazu zählen Erfahrungen in:

  • hierarchischen Organisationen, wie auch Netzwerkorganisationen,
  • in der Zusammenarbeit mit Hochschulen oder aus der Hochschule selbst kommend,
  • öffentliche und über einen längeren Zeitraum andauernde Kommunikationsbeiträge im Digitalisierungsprozessen und
  • internationalen Kontexten.

Da Digitalisierungsprozesse nicht an den Ländergrenzen enden und in einigen Projekten hochschulübergreifend und international zusammengearbeitet wird. Haben wir uns dazu entschlossen, dass etwa die Hälfte der Experten und Expertinnen aus dem internationalen Kontext stammen muss. Ein wichtiger Aspekt lag dabei auf den USA, da von dort aus wesentliche und beeinflussende Entwicklungen ausgingen (etwa 30% der internationalen Experten und Expertinnen).

Wir haben auch darauf geachtet, dass die Zugehörigkeit der Expertinnen und Experten zur Hochschule stark variiert. Konkret ausgedrückt, öffnet sich eine Spanne zwischen zwei Extremen, den Hochschulmitarbeitenden auf der einen Seite und der Expertin bzw. den Experten in der Wirtschaft/Ehrenamt auf der anderen Seite, die über einzelne Projekte in Kontakt mit der Hochschule gelangen.

Meistens ergaben sich aus den von uns vorab formulierten Kriterien Expertinnen und Experten, die im traditionellen Hierarchiesystem von Organisationen weit aufgestiegen sind oder die sich bewusst gegen traditionelle Karrieren entschieden haben. Dadurch eröffnete sich mir ein Konflikt. Die interviewten Experten und Expertinnen verwiesen immer wieder darauf, dass mit der Digitalisierung die Möglichkeit entstanden ist, dass sich jeder an Kommunikationsprozessen beteiligen kann. Durch die Definition des Experten bzw. Expertinnenbegriffs wird der Kreis der Beteiligung von Vornherein eingeschränkt.

Ist die Einschränkung der Interviews auf die von uns definierten Expertinnen und Experten in Bezug zu dem Thema Digitalisierungsprozesse nicht entgegengesetzt? Wie kann die Organisation und Struktur des Forschungsprojektes, welche Digitalisierungsprozesse in ihrer Struktur nicht aufgreift, inhaltliche Digitalisierungscharakteristiken erfassen?

An diesen Punkten möchte ich gerne weiter denken und diese versuchen an der einen oder anderen Stelle durch praktische Umsetzung auszuprobieren. So kann ich mir vorstellen den Prozess des Austausches über Digitalisierungsprozesse im Kontext der Hochschule zu öffnen. In einem ersten Ansatz versuche ich die nächsten Tagen den explorativen Prozess zu öffnen, mit dem die wichtigsten Aspekte und Kategorien gefunden werden können.

San Francisco: Eine Perspektive, verschiedene Tageszeiten

Micro-Klima:

San Francisco ist eine Stadt mit verschiedenen Micro-Klimazonen und Sub-Micro-Klima-Zonen. Durch die vielfältige Topographie können die Wetterbedingungen bis zu 5 Grad Celsius von Block zu Block variieren. So ist beispielsweise die San Franciso Seite der Golden Gate Bridge kälter als die Seite auf der Sausalito liegt. Die Interaktionen von unterschiedlichen Oberflächentemperaturen, Wasserströmungen und Winde, Wolkendecken, des nah gelegenen Ozeans, die verschiedenen Buchten, Parks und Hügel, etc. verursachen lokal variierende Wetterverhältnisse, Sonne, Regen, Wind, Temperaturabweichungen, etc.

Beispiel des Aufeinandertreffens verschiedener Wetterzonen

Ich bin oft auf der Market Street in der Nähe des Twitter Hauptquartiers mit Jacke auf die Straße gegangen und wurde von einem kühlen Wind in der Häuserschlucht empfangen. Ein paar Blocks die Straße zum Hafen bis zum Ferry Building hinunter, wechselte das Wetter hinüber zu einem sehr sonnigen, fast heißen Sommertag.

Perspektiven:

Ausgelöst wurde mein Interesse durch folgende Fotos, die entstanden, weil ich wissen wollte, mit welcher Geschwindigkeit sich die Schiffe im Hafen von San Francisco fort bewegen.

Ich bin aktuell so sehr an eine schnelle Abfolge von Bewegungen (Scannen von Inhalten in Texten, „immer währender“ Blick auf das Smartphone, schnell von hier nach dort kommen, …) gewöhnt, so dass ich mir nicht sicher war, ob die Schiffe im Hafen an dem Abend vorher auch schon an derselben Stelle standen oder ob sie sich etwas bewegt hatten. Ich kann mir den Zeitablauf, der einem Hafen inne wohnt, nicht vorstellen und ich habe meinem Gedächtnis nicht getraut, so dass ich mit Fotos als Dokumentationsmittel den Bewegungen des Hafens auf die Spur kommen wollte.

Ich war letztendlich über die vielfältigen Aussichten aus dem Fenster heraus, erstaunt. Anstatt etwas über den Hafen zu lernen, habe ich etwas über die schnellen Wetterveränderungen und Mikroklimate innerhalb der Stadt San Francisco gelernt.