Forderungen an die Politik bezüglich des Wandels in der Lehre

Das Web, vor allem die Möglichkeiten der sozialen Kooperationen, die unter dem von O’Reilly geprägten Schlagwort „Web 2.0“ ermöglicht neue Nutzungen bspw. in der Lehre, aber auch des eigenständig motivierten Lernens. Das Web im Einsatz in der Lehre, als Werkzeug, unterstützt und modifiziert die Ausbildung, mit der wir uns die Welt erklären und in ihr handeln wollen.

Vergleichende Ergebnisse der klassischen Ausbildung und computergestützter (webgestützter) Ausbildung sind ein Teil der Dissertation Ralf Feuersteins, mit denen er sich zu dem Thema: „Strukturmerkmale des Lernens computerinteressierter und begabter Schüler“ auseinandersetzt. Anhand von Interviews mit begabten und computerinteressierten Schülern leitet er ein neues theoretisches Konzept ab, das er als ergänzend verstanden wissen will. Inwieweit dieses Konzept aus der Schule heraus zu nehmen und in andere Umgebungsbedingungen zu integrieren ist, diese Frage, muss an dieser Stelle vorläufig unbeantwortet bleiben. Phänomenologische Betrachtungen eröffnen die Eigenschaften und Charakterisierungsmöglichkeiten von Lernprozessen.

Gerne wird in der Pädagogik von einem notwendigen Erwerb von Schlüsselqualifikationen gesprochen. Schlüsselqualifikationen in einer (dieser) Zeit zunehmender Informationsflut sollen dem Lernenden als Werkzeug wechselnden Spezialwissens einzelner Individuen dienen, ihr Tun ordnen zu können. Zudem sollen sie den Lernenden anleiten, übergreifender Qualifikationen mit anderen zu vernetzen, die für die Bewältigung zukünftiger Aufgaben von übergeordneter Bedeutung sind (anschauliches außerschulisches Bsp. ist NEURON ).

In Anlehnung an Johannes Commenius, der als einer der ersten die Pädagogik vom Kind her entwickelte, setzte sich in Deutschland der Kompetenzbegriff Klafkis durch.
Der Kompetenzbegriff wird in den Diskurs der Lehr- und Lernstrukturen von Klafki eingeführt und geht zurück auf Klafkis Kompetenzmodell der kritisch-konstruktiven Didaktik. Klafkis Ziel war die Herausbildung vielseitiger Interessens- und Kompetenzentwicklung. Seine Forderungen führten letztendlich zur Erweiterung des Lernbegriffs.

Sein Lernbegriff schließt kognitives, soziales und emotionales Lernen mit ein. Sein Verständnis von Lehre ist nicht ergebnis- und produktinteressiert, sondern versteht sich als Prozess. Ein Prozess, der sich nicht nur auf den klassischen Bildungskanon beschränkt, sondern der seine Themen und Inhalte an Jugendliche und Kindern orientiert. Unterricht im Verständnis Klafkis soll die vergangene und gegenwärtige Kultur weitergeben und die zukünftige vorwegnehmen (In diesem Zusammenhang passt Christian Spannagels Bericht einer Lernsituation seiner Lehre, die er in seinem Blog unter „In die Zukunft und zurück“ beschreibt.).

Der Kompetenzbegriff hat gegenüber älteren pädagogischen Zielbeschreibungen, wie den Lernzielen mehrere Vorteile. Zum einem wird es als wenig sinnvoll und hilfreich verstanden, wenn einzelne Wissens- und Könnenselemente abgefragt werden. Koordinierte Anwendungen verschiedener Einzelleistungen an einem Problem oder praxisorientierten Beispiel erhöhen die Kompetenz des Lernenden.
Ein weiterer Vorteil ist somit die integrierte Aktualität der zu unterrichtenden Lehrvorgaben. Der Lernende kann sich an lebensweltlichen Bezügen bewähren (vgl. Rudolf / Messner 2003)

Notwendige herauszubildende Kompetenzen werden von jedem Lehrenden unterschiedlich untergliedert (vgl. Spannagel: teachingphilosophy , Klafkis Kompetenzmodell, Kompetenzmodell nach Lehmann / Nieke )

Auf dem zweiten Educamp, das vom 10-12.Oktober in Berlin stattfand, wurde aus der Einsicht die Lehre grundsätzlich ändern zu müssen 7 Forderungen für eine zeitgemäße Lehre formuliert, die sich an die Politik richten soll. Die Endfassung der Formulierung ist derzeit noch in Arbeit. Wer Lust und Interesse oder anderweitige Eingebungen hat, darf sich gerne beteiligen.

Die Forderungen sind:
1. Größere Autonomien der Schulen
2. Medienkompetenz als verpflichtender Inhalt jeder Schul-, Aus- und Weiterbildung (nach dem Magdeburgeransatz müsste man an dieser Stelle noch einmal Medienbildung von Medienkompetenz trennen und vl. sogar den Begriff in der Formulierung ersetzen.)
3. Volle Transparenz von Lehre und Forschung
4. Anerkennung der Öffentlichkeitsarbeit als Teil der Forschung- und Lehrarbeit
5. Effizienter, ergebnisorientierter Umgang mit Lehr- und Forschungsgeldern
6. Zugängliche Ausstattung mit zeitgemäßen technischen Produktionsmitteln
7. Entwicklung eines sicheren Rechtsrahmens für den Umgang mit neuen digitalen Lehrmedien

One thought on “Forderungen an die Politik bezüglich des Wandels in der Lehre

  1. Hallo Jana,

    schön, wie du in diesem Artikel die Prozessorientierung herausstellst! Das finde ich ganz wichtig: Man sollte mehr von den Prozessen aus denken und weniger von den Inhalten aus (obwohl diese natürlich auch wichtig sind).

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