Sree Sreenivasan: Interviewreihe (Hochschulen der Zukunft)

In den letzten Wochen und den nächsten Wochen, habe ich und werde ich sehr interessante Persönlichkeiten zum Thema, wie könnten Hochschulen zukünftig aufgestellt sein, interviewen. Erste Eindrücke der Interviews gehen in ihrer Vielfalt mit dem Verlauf der Zeit gerne verloren. Um diesem entgegen zu wirken, versuche ich diese über meinen persönlichen Blog zu bewahren.

Erinnerung: Abenteuer bei der Locationsuche

Eine gute halbe Stunde standen wir vor dem Lower East Side Tenement Museum in Manhattan/New York und versuchten einen Raum für das später anstehende Interview zu organisieren. Ganz spontan! Trotz aller Gastfreundlichkeit war dieser Ansatz dann

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Interview mit Sree Sreenivasan am 15.12.2017 / New York

doch zu spontan! Gerne hätte man uns unterstützt, zumal unser nächster Interviewpartner hier einen Mittagstermin mit der Geschäftsführung hatte. Jedoch war in diesem Museum jedes Büro; jede freie Räumlichkeit an diesem Morgen vergeben. Mehrere Schulklassen wurden erwartet. Laute und entdeckende Kinderstimmen waren dann im Museum nicht mehr zu überhören. Eine ruhige Ecke für unser Interview schien es in diesem Museum nicht mehr zu geben. Darüber war ich erstaunt und freute mich auf der anderen Seite. Erstaunt war ich, weil man in diesem Museum laut sein durfte. Ich beneidete ein wenig die kleinen Besucher. Ich hatte Museen in meiner Kindheit oft als Orte der Stille wahrgenommen.

 

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Sreenshot / Google Maps

Einen Tag vorher waren wir schon einmal vor Ort gewesen und hatten uns die Umgebung angesehen. Unser Interviewpartner hatte uns wenige Tage vorher gebeten nach einer geeigneten Location für das Interview Ausschau zu halten. Ich fand diese Bitte abenteuerlich und herausfordernd! Uns blieb aber keine andere Wahl! Einem von uns fiel auf, dass sich in der Nähe das Goethe Institut befand. Normalerweise unterstützte das Goethe Institut Anliegen der FernUni in Hagen, wenn da nicht die Kooperation nur wenige Wochen vorher aufgelöst worden wäre und wenn das Interview nicht an einem Morgen stattgefunden hätte!

 

So blieben uns nur noch die Kaffees. In Deutschland hatte ich mit diesen Orten gute Erfahrungen gemacht, hier in New York hatte ich den Eindruck, waren alle (guten) Kaffees eng, laut und immer sehr gut gefüllt! Glücklicherweise befand sich noch ein Hotel vor dem Museum. Die Lobby war ruhig und hätte sich für unser Interview eignen können. Ein kurzes Gespräch mit dem Geschäftsführer offenbarte jedoch, dass er keine Videoaufnahmen von diesem Ort wünschte, dennoch bot er uns an das Interview per Audio aufzunehmen. Immerhin, wir freuten uns doch irgendwie darüber.

Denn die winterliche New York Kälte fraß sich langsam durch meine Stiefel und den zwei Paar Socken hindurch.

Begegnung:

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Interview mit Sree Sreenivasan im „New York Street Style“ am 15.12.2017

Unser Interviewpartner, Sree Sreenivasan, erzählte uns bei seiner Ankunft, dass er sich ein wenig verfahren hatte. Ich war überrascht und schmunzelte, als er seine Geschichte erzählte. Lebte er doch schon viele Jahre in New York und auch er stieg in die falsche Subway ein und bemerkte es dank Kopfhörer und dem Blick auf dem Handy erst, als das Tageslicht für ihn gefühlt zu früh auf der Fahrt auftauchte (ähnliche Situationen kennen wohl einige ;)).  Auch hierbei handelt es sich um ein Aspekt der Digitalisierung und genau darum sollte unser Interview gehen. Wir wollen/wollten von Personen wissen, welche Erfahrung sie mit der Digitalisierung in der Hochschulbildung gemacht haben.

Wir berichteten ihm hingegen von unserem Abenteuer nach der Suche einer ruhigen Location. Erstaunlich gelassen nahm er die Umstände an und meinte, dass er eine kurze Zusammenfassung im „New York Street Style“ auf der Straße einsprechen konnte. Ich fand den Begriff „New York Street Style“ auf der Stelle sympathisch. Für mich bedeutete er in diesem Moment Flexibilität, Spontanität und Unkompliziertheit.

zur Person:

Sree Sreenivasan arbeitet heute freiberuflich als Digital & social strategist in der ganzen Welt.

Er verfügt über Erfahrungen als Chief Digital Officer (CDO) beim New York Governement, dem Metropolitan Museum of Art und der Columbia University. Zudem lehrte er an der Columbia University Graduate School of Journalism.

Er ist auf vielen Social Media Kanälen sehr präsent und es war spannend für mich, ihm bereits vor dem Interview zu folgen und von ihm zu lernen.

aus dem Interview nehme ich mit:

Sree Sreenivasan stellt eindringlich und deutlich heraus, dass Hochschulen ihrer Zielgruppe zuhören müssen, indem, was diese benötigen. Er prangert an, dass die Studierenden Inhalte lernen, die sie nur selten bis nie gebrauchen können. Oft befinden sich diese auf einer hohen abstrakten und theoretischen Ebene, welche aber nur ein Bruchteil von Studierenden jemals einsetzen wird.

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Selfie mit Sree Sreenivasan am 15.12.2017 / New York

Er fordert, dass Hochschulen bzw. Ausbildungsinstitutionen dazu auf, die bestgeeignesten Personen in das Lehrkonzept zu integrieren. Als Befürworter von blended learning Konzepten wäre dies für ihn bspw. folgendermaßen möglich. Die besten Personen können durch online Elemente von jedem Ort aus ihre Inhalte transportieren und in einer kleineren Runde vor Ort kann sich der Lernende mit den Inhalten konkret mit einer kleineren Anzahl von Interessierten auseinandersetzen. Sree Sreenivasan bezeichnete dies als magischen Moment, in dem etwas eigenes und vorher nicht Geplantes ausgelöst werden kann. Interessant fand ich seinen Vergleich mit einem Gemälde, das man sich über Internet und/oder in einem Museum mit anderen Besuchern ansehen kann. Den Austausch mit anderen vor Ort bezeichnete er als einen Moment, in dem „magic happen“.

 

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Charles Fadel: Interviewreihe (Hochschulen der Zukunft)

In den letzten Wochen und den nächsten Wochen, habe ich und werde ich sehr interessante Persönlichkeiten zum Thema, wie könnten Hochschulen zukünftig aufgestellt sein, interviewen. Erste Eindrücke der Interviews gehen in ihrer Vielfalt mit dem Verlauf der Zeit gerne verloren. Um diesem entgegen zu wirken, versuche ich diese über meinen persönlichen Blog zu bewahren.

Schnee lag auf den Straßen in Boston, als wir uns an diesem Morgen nach Harvard aufmachten. Ich war neugierig auf diese altehrwürdige Universität und wollte wissen, wie es sich anfühlt meine Füße auf dieses sagenumwobende berühmte Gelände zu setzen.

Der Regen setzte mit unserer Ankunft auf den Campus ein und ich musste mir eingestehen, dass mich der „Spirit“ zwischen und in den Häusern viel mehr interessierte, als der Campus selbst. Dieser war aber aufgrund des Regens und meines Beobachterstatus nicht mal in ein bis drei Stunden zu erfahren.

Aufmerksam war ich durch Jöran auf Charles Fadel geworden, als er im September 2017 das Buch „Vier Dimensionen der Bildung“ in Hamburg vorstellte (Blogartikel). Anfangs war ich etwas skeptisch. Mein erster Verdacht war, dass Charles Fadel vielleicht zu nah an der Schule und zu weit weg von den Universitäten war. Ein wenig Recherche zeigte, dass er für unsere Fragestellung nach den Hochschulen der Zukunft, die ich mit meinem Kollegen an der FernUniversität in Hagen verfolge, sehr interessant war. Er bietet für Studierende selbst Kurse an und leitet das Center for Curriculum Redesign. Die Kontaktaufnahme gestaltete sich zu meiner Überraschung sehr unkompliziert und innerhalb eines Tages hatten wir einen Termin und einen Ort für ein gemeinsames Treffen ausgemacht.

Interview mit Charles Fadel

Interview mit Charles Fadel, 12.12.2017 in der Gutman Library Harvard Graduate School of Education

Der Treffpunkt war ein wenig abseits des Hauptcampus von Harvard und die Gutman Library sah von Außen gar nicht so beeindruckend und einladend aus. Allerdings offenbarte sie von Innen einen einladenden und kreativen Coworking Space.

Unkompliziert suchten wir einen Raum, der unseren Ansprüchen nach einer Video- und Tonaufnahme halbwegs gerecht werden konnte. Zukünftig sollten wir uns aber vielleicht lieber informieren, ob man einen Raum mieten kann. Offene und kreative Räume stellten sich auf unserer Interviewreise nicht selten als schwierige Räume für Video- und Tonaufnahmen heraus. Auffällig war für mich, dass wir viele Interviews trotz interessanter Kulisse oft vor einer weißen Wand führen mussten. Eine transportabler Greenscreen wäre vielleicht in Zukunft eine Alternative?

Folgende drei Aspekte sind für Charles Fadel in der zukünftigen Bildung (unser Fokus lag auf den Universitäten) wichtig:

  1. Aspekt: motivation factor
    • Die Motivation muss aus den Mitarbeitenden (Forschenden/Lehrenden/etc.) selbst herauskommen. Insbesondere Forschende sollten über ein starkes Eigeninteresse verfügen, sich über Projekte weltweit mit anderen Forschenden/peer groups zu vernetzen und mit- und voneinander zu lernen.
    • Universitäten sind nicht dazu angehalten zwanghaft alle ihre eigenen Mitarbeitenden mitzunehmen. Die Weiterentwicklung der eigenen Mitarbeitenden erfolgt im jeweils unterschiedlichen individuellen Tempo.  Hierbei handelt es sich um eine Frage der persönlichen Initiative. Selbst in Harvard ist man unterschiedlich weit in der Umsetzung der Digitalisierung.  Charles Fadel rät mit den Early Adopter (20%) anzufangen zusammen zu arbeiten, der Rest kommt von selbst nach.
  2. Aspekt: connecting factor
    • Es ist vorteilhaft, wenn Universitäten Ressourcen miteinander teilen. Charles Fadel versteht dies jedoch nicht unbedingt als notwendig, dennoch sieht er klare Vorteile darin, gemeinsam Ressourcen zu nutzen. Des Weiteren berücksichtige ich bei dieser Aussage, dass er an einer der Universitäten lehrt, die wahrscheinlich über weitrechende Mittel verfügt und sich daher in einer sehr exklusiven Lage befindet. Dennoch fördert die Harvard University zusammen mit dem MIT (beide sitzen in Boston) Studierende in gemeinsam finanzierten/organisierten Programmen.
    • Charles Fadel bedauert, dass viele Fakultäten in ihren „eigenen Silos verbleiben“. Studierende und die Universitätsadministration sind aufgefordert diese Silos aufzubrechen. Studierende sollten diesen Aufbruch viel mehr einfordern und die Administration diesen Aufbruch viel mehr unterstützen.
  3. Aspekt: „holy gray aspect“ of technology for education
    • In einer Dekade der Algorithmen erwartet man in der Bildung eine unendliche hohe Anzahl an Möglichkeiten, wie unsere Lernweisen durch intelligente Algorithmen verbessert werden können. So existieren bspw. Ansätze eines intelligenten Tutors. Aktuell wird die Frage wie wir zukünftig lernen, begleitet von der Frage, was wir zukünftig lernen sollten. Studierende benötigen “What we need to test for is Transfer – the ability to use something we have learned in a completely different context. This has always been the goal of an Education, but now algorithms will allow us to focus on that goal even more, by ‘flipping the curriculum’.” (The Global Search for Education: Knowledge in the Age of AI, 3.12.2017) In der Konsequenz, was wie gelernt werden muss, sollten sich die Fakultäten danach orientieren, was die Studierenden benötigen!
    • Bildung sollte von jedem Interessierten eingefordert werden können. Die Digitalisierung hilft dabei, diesen Prozess und den Zugang so einfach, wie möglich zu gestalten. Aus der Perspektive der USA wird der Zugang zu preiswerter Bildung noch einmal notwendiger, als in Deutschland. Allein die Studiengebühren sind im Vergleich zu Deutschland recht hoch (Quelle: Education in USA) Anhand eines Beispiels veranschaulicht Charles Fadel einen einfachen Zugang mit der Unterstützung digitaler Elemente: Die Installation einer Kamera und eines Mikrofons im Klassenraum unterstützt den preiswerten Zugang, da diese Anschaffungen nicht mit hohen Kosten verbunden sind. Ist beispielsweise der Weg zum Klassenraum durch Schnee und Eis zu gefährlich, könnte man sich von zu Hause dazu schalten. Aber auch insbesondere Studierende, die entweder nicht vor Ort wohnen oder über die finanziellen Mittel für ein Studium vor Ort verfügen, können somit auf Bildungsinhalte zugreifen. Fadel verweist damit indirekt auf das von edX entwickelte Kurskonzept des MIT’s des MicroMasters, über das ein Teil der Lehre zu einem geringeren Preis von der Ferne aus absolviert werden kann. Insgesamt können über das blended learning Konzept des MicroMasters die Studiengebühren gesenkt werden und man verwendet die Wartezeit bis man einen Platz für das Studium am MIT erhält sinnvoll, da der MicroMaster über edX als reguläre Studienleistung anerkannt wird.

Die drei Askepkte sind nicht immer eindeutig zu trennen und bedingen sich in einigen Erscheinungen. Zudem versteht Charles Fadel, dass die Digitalisierung keine Fragen der Kosten ist. Sondern versteht darunter eher eine Frage der Öffnung bzw. Skalierung! Auf unseren Weg, auf dem sich die Hochschulen in Deutschland in ihrem Digitalisierungsprozess befinden, gibt er uns mit: Ignoriert Barrieren! Macht einfach und reagiert erst auf Probleme , wenn sie eingetreten sind.

 

Artikelveröffentlichung: Gestaltung und Erforschung eines Mixed-Reality-Lernsystems

In diesem Artikel (veröffentlich in der Medienpädagogik Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung) wird ein Entwurf eines Lernsystems vorgestellt, in welchem Mixed-Reality (MR) Technologien und didaktischen Modelle für den Einsatz in der industriellen Weiterbildung kombiniert werden. Mit diesem System soll das Erlernen von Problemlösekompetenzen über visuelle Einblendung simulierter Problemsituationen und Anwendungsaufgaben, die in der realen Welt schwer abzubilden sind, verbessert werden.

Diese Technologie wird in einem didaktischen Setting eingebunden, welches die Lernenden schrittweise von einfacheren an komplexere Aufgaben heranführt. Über ein Lerntagebuch werden die Lernenden zusätzlich motiviert ihre Erfahrungen mit dem didaktischen Setting zu reflektieren. Über das, in das MR Lernsystem integrierte Lerntagebuch werden den Betreuenden Feedbackangaben zu den simulierten Problemsituationen und Anwendungsaufgaben ermöglicht. Weiterhin können Lernende über dieses Tagebuch Kontakt zum Betreuenden aufnehmen. Das Lernsystem bietet den Betreuenden eine nutzerfreundliche Funktion, die Anwendungsaufgaben und MR-Einblendungen abzuwandeln bzw. neukonstruieren.

Wir empfehlen für die Einführung und Erprobung dieses Konzeptes einen Design-Based-Research Ansatz, durch den der Entwicklungs- und Einführungsprozess strukturiert und gleichzeitig erforscht werden kann. Ziel der Erforschung sollten Leitlinien sein, die es ermöglichen, die gewonnenen Erkenntnisse auf ähnliche Kontexte zu übertragen und weiter einen Beitrag zur theoretischen Konstruktion zu leisten.

Meine Tätigkeit in 5, 10 oder 15 Jahren?

Impulse zu Arbeit4.0 und Bildung 4.0 werden von den Teilnehmenden des MOOC’s (mooin-Plattform) #feuer40 (Twitter) gerade zahlreich abgefeuert. Auch wenn mich nur ein paar der Impulse erreichen, reichen diese aus, um meine Gedanken der Zukunft entgegen schweifen zu lassen.

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Quelle: Pinterest Andrea sketcht

So kreisten sie um eine Teiltätigkeit meines aktuellen Berufs: Erwachsene im Hochschulsystem weiterzubilden. Wie könnte diese Tätigkeit in den nächsten Jahren aussehen? Unter welchen Bedingungen könnte sie stehen? Wenn ich die aktuellen Veränderungen, die vielleicht mit den folgenden Schlagworten einhergehen, weiterdenke und viel konsequenter dynamischer miteinander verzahnen lassen und diese dann auf meine Tätigkeit übertrage: der Digitalisierung, der Vernetzung, der Disruption, der Individualisierung, der Selbstorganisation, etc.

Und auf einmal befand ich mich in meiner erdachten Welt der Zukunft wieder und ich begleitete eine diffus erschienene Person, die das Bedürfnis hat, sich einer Fragestellung zu nähern. Irgendwo im Alltag der Person war ein Hindernis oder Wunsch entstanden, ein Ziel zu erreichen oder Antworten auf eine Frage zu finden.

Ich stellte mir vor, dass dieses Individuum von jedem Ort und zu jeder Zeit auf eine digitale Bibliothek zugreifen kann. Kostenlos gelangte es an alle Informationen/Wissen, welches jemals von Menschen gespeichert wurden. Eine Suchfunktion ermöglichte der Person einen schnellen Überblick über die Inhalte zu erlangen. Inhalte, die vielleicht, wie in dem nachfolgenden YouTube-Video aufbereitet sein könnten:

In der weiteren Verfolgung der individuellen Fragestellung oder des individuellen Zieles nimmt der Lernwillige Kontakt zu einem Lernbegleiter auf. In einem persönlichen Gespräch wird eine Zielsetzung mit entsprechenden Zwischenzielen festgehalten. Dieses könnte beispielsweise so aussehen, wie Facebook gerade social virtual reality vorgestellt hat „Facebook Spaces makes virtzual reality a social experience„:

Gemeinsam werden die Bedürfnisse und Möglichkeiten des Lernwilligen erkundet. Das könnten Fragen zur Lebenssituation sein, zum Lebensumfeld, Lerntyp, Priorisierung der Zielerreichung, vorhandene Kompetenzen etc. An die Zielerreichung/Fragestellung kann auch implizites gesellschaftliches Wissen (Kulturkompetenzen) gebunden sein, die der Lernbegleiter in der Erstellung des individuellen Lernplans berücksichtigt.

Das erste Zwischenziel des Lernenden wird mit einer möglichen Zeitangabe, an der das Zwischenziel von dem Lernenden erreicht werden könnte, festgehalten. Nach dem Erreichen des Zwischenzieles passt der Lernbegleiter weitere Zwischenziele immer wieder an die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten des Lernenden an. Darüber hinaus unterbreitet der Lernbegleiter dem Lernenden Angebote das theoretische Wissen, das sich der Lernende aus der digitalen Bibliothek selbst erarbeitet, mit praktischem (Erfahrungs-)Wissen anzureichern.

Entsprechend der Fragestellung des Lernenden vernetzt und eröffnet der Lernbegleiter dem Lernenden Angebote aus Firmen bzw. Unternehmen. Der Lernbegleiter weist zum einen auf öffentliche Veranstaltungen der Unternehmen, die zum gegenseitigen Netzwerken und Kennenlernen des Lernenden und des Unternehmens genutzt werden können. Des Weiteren ist es dem Lernbegleiter aus einer digitalen Datenbank möglich unterschiedliche Szenarien auszuwählen, die den Lernenden im Lernprozess unterstützen. Bei einem Teil dieser Lernszenarien arbeiten der Lernbegleiter und das Unternehmen zusammen. So könnten in Lernszenarien holometrische Ansätze eingesetzt werden:

Das Unternehmen speist kleine Teilaufgaben in die Datenbank, die vom Lernbegleiter mit dem entsprechenden Lernszenario verbunden werden. Diese Lernszenarien verfügen über unterschiedlich ausgeprägte Hilfestellungen und Schwierigkeitsgrade. Verfügt die Datenbank nicht über das entsprechende Lernszenario, um einer Teilaufgabe nachgehen zu können, entwickelt der Lernbegleiter in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen dieses. Auf diesem Wege wird der praktische Lernanteil stets aktuell gehalten und entwickelt sich ständig weiter.

Der Lernbegleiter zertifiziert das Erreichen des Lernziels in einem digitalen Portfolio mit entsprechenden Kontaktierungsmöglichkeiten zum Lernbegleiter.

Und auf einmal ist mir klar, dass diese Zukunft sich gar nicht so weit entfernt von mir befinden kann. Es existiert ja schon alles!

 

 

Geht das? SnapChat in der Bildung?

Allgemein

Snapchat ist ein kostenloser Instant-Messaging Dienst. Der Messanger ermöglicht es, Fotos und kleine Videoeinheiten, die nur für einen begrenzen Zeitraum sichtbar sind, zu teilen.

Der Dienst hat in einem enormen Tempo insbesondere jungen Nutzer erreicht, so dass sich zahlreiche Berufs- und gesellschaftlichen Gruppen fragen, was sich hinter Snapchat verbirgt. Eine häufige Reaktion ist Unverständnis ob der Bedienung und der Grundmechanismen von Snapchat. Die App war auch für mich anfangs zugegebenermaßen schwer zu durchdringen, da sie alles andere als intuitiv gestaltet ist und nicht meinem angewöhnten Nutzungsverhalten, in der sich viele Apps gleichen, entsprach.

In meinem Blogbeitrag vom Mai 2016 habe ich zu Anfang des Jahres eine erste Einschätzung zu SnapChat in der Bildung gegeben. Mittlerweile denke, dass ich doch noch viel mehr Lust habe mit diesem Medium zu experimentieren.

Der nachfolgende Artikel ist unterteilt in:

  1. Merkmale von Snapchat, in der Unterscheidung zu anderen Sozialen Netzwerken
  2. Snapchat kennen lernen
    1. Start
    2. Erstellen, Bearbeiten und Veröffentlichen eines Snaps
    3. Meine Story
  3. Beispiele in der Wissenschaft
  4. Entwicklung
  5. Zahlen

Was unterscheidet Snapchat von anderen Sozialen Netzwerken, wie zum Beispiel Facebook?

Snapchat ist intim und exklusiv. Snapchat trennt klar zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern. Nicht-Nutzer haben nicht die Möglichkeit auf einige Inhalte von außen einzusehen, wie es zum Beispiel Facebook anbietet. Snapchat setzt bisher auf die mobile only Strategie. Nur über eine App auf dem Smartephone oder einem Tablet ist Snapchat aufrufbar. Des Weiteren kommunizieren die Snapchat-Nutzer nur mit ausgewählten Personen.

Die Aufmerksamkeit auf Snapchat hat einen qualitativen Charakter. Die Aufrufzahlen sind im Gegensatz zu den Facebook Views qualitativ hochwertig, da der Betrachter den Inhalt aktiv anklicken und warten muss, bis der neue Beitrag erscheint oder zumindest bereits bekannte Inhalte durch das Antippen mit dem Finger überspringt. Je nachdem, ob eine persönliche Nachricht versendet oder eine allgemeine „Geschichte“ geteilt wird, löschen sich die Inhalte nach wenigen Sekunden oder nach 24 Stunden.

Snapchat ist ein Dienst für den Moment! Bei Snapchat ist weder eine öffentliche Diskussion möglich noch eine Verlinkung von außen. Im Deutschlandradio Kultur sagte Marcus Richter (@monoxyd) dazu: „das ist im Prinzip wie Radio und Fernsehen – ich produziere Inhalte, versende die und dann sind die weg – wie früher“.

Snapchat kennen lernen

Start

Wird Snapchat geöffnet (als Vorlage dient ein Android-Gerät, Abweichungen zu anderen Geräten sind möglich), begrüßt einen sofort die geöffnete Kamera. Von hier aus kann nach links, rechts, oben und unten zu jeweils anderen Bereichen navigiert werden.

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Abbildung 1: Navigation in SnapChat 

Abbildung 1: Startscreen von SnapChat

Abbildung 2: Startscreen von SnapChat

Die App ist wie eine Fläche aufgebaut, links vom Kamera-Bildschirm findet sich die Liste der Freunde, nochmal weiter links die Chats mit den einzelnen Personen. Oben das eigene Menü, Profil und Einstellungen, rechts sind die Geschichten, noch weiter rechts der Discover-Bereich. Mit einem Wisch nach Unten können abgespeicherte Inhalte aufgerufen werden (vgl. Abbildung 1).

Im Kamera-Bereich gibt es zahlreiche Tools: Links oben der Blitz (1), in der Mitte das eigene Menü (2), rechts können Front-/und Rückkamera umgestellt werden (3). Unten Links der Button für Chat (4), der Zugriff auf abgespeicherte Inhalte (6) unten rechts das Menü für Geschichten (7) (vgl. Abbildung 2).

Erstellen, Bearbeiten und Veröffentlichen eines Snaps

In der Mitte des Home-Screens gibt es die Aufnahme-Taste (5 in der Abbildung 2): einmal drücken bedeutet Foto, lange drauf bleiben zeichnet Video in der Länge des „gedrückt Haltens“ auf, maximal 10 Sekunden.

Im Bearbeitungs-Bildschirm, der dann folgt, kann der eigenen Kreativität freien Lauf gelassen werden. Folgende Bearbeitungsmöglichkeiten stehen einem zur Verfügung:

  • Text
  • Zeichnungen
  • Emojis
  • Geo-Filter
  • Lenses

Alle Optionen können miteinander kombiniert werden.

Meine Story

In Snapchat kann der Nutzer eine Geschichte bzw. Sammlung von Bildern und Videos, die an einem Tag gepostet wurden, zusammenstellen. Diese werden ohne Unterbrechung in einem langen Bild/Filmstreifen wiedergegeben. Jedes neue Bild/Video wird an den Bild/Filmstreifen angehängt und ist für 24 h sichtbar. Sieht sie sich jemand an, erhält diese Geschichte in der Statistik einen Aufruf. Jedes weitere Bild/Video, was dem Bild/Filmband angefügt wird, erhält ebenfalls eine individuelle Aufrufzahl.

Snapchat in der Wissenschaft

Beispiel 1:

Im Herzen der europäischen Raumfahrt: Astronauten-Trainer Thomas Uhlig gewährt bei ZDFblickwechsel exklusive Einblicke: Per Snapchat nimmt er die User mit in den Kontrollraum für die ISS – hier war noch nie eine Kamera!

Beispiel 2:

Patrick Breitenbach, seines Zeichens Digitalberater und Blogger, hat ein neues Snapchat-Bildungsformat SNPCHT WSSN entwickelt.

Beispiel 3:

Gettysburg College ist ein privates Liberal Arts-College in Gettysburg im Süden von Pennsylvania. Das College hat 2.600 Studenten aus 35 Ländern und 180 Mitarbeiter. Seit kurzem wird an dem College auch Snapchat für die Hochschulkommunikation genutzt. Videos zeigen z.B. die besten Coffeeshops auf dem Campus oder die Möglichkeit für ein Auslandsstudium. Besonders interessant für die Hochschulkommunikation ist aber das Video, in dem sich der Studiengang Health Science vorstellt.

Beispiel 4:

Auch die Kölner Agentur Mediomix experimentiert mit Snapchat in der Wissenschaftskommunikation.

Beispiel 5:

In dieser Ausgabe von Science Daily bespricht Luke Holtham eine neue Studie zum Thema Luftverschmutzung und ihre Auswirkungen. Forscher der Duke University in Durham ließen Ratten Pekinger Stadtluft atmen. Die Folge: Sie nahmen deutlich an Gewicht zu und litten an Stoffwechselstörungen. Nun bleibt zu prüfen, ob sich diese negativen Auswirkungen auch bei Menschen in verschmutzten Städten zeigen.

Die Studie: (Journal of the Federation of American Societies for Experimental Biology, 2016; doi: 10.1096/fj.201500142)

Entwicklung

Als Studenten der Stanford University legten Evan Spiegel (heute: CEO) und Bobby Murphy im Sommer 2010 den Grundstein für Snapchat (Philip Steuer, 2016). Gegründet wurde Snapchat Inc. 2011 mit Firmensitz in Los Angeles, Kalifornen.

Facebook Inc. bot den Gründern 2013 zunächst eine Milliarde US-Dollar, später dann 3 US-Milliarden an, die von den Gründern abgelehnt wurden (Charles Engelken: In: mobiflip.de mobiFlip Facebook wollte den Chat-Dienst Snapchat für 1 Milliarde US-Dollar kaufen, 27.Oktober 2013).

Zahlen

  • Im September 2013 versandte der Dienst 350 Millionen Nachrichten pro Tag (Charles Engelken: In: mobiflip.de mobiFlip Facebook wollte den Chat-Dienst Snapchat für 1 Milliarde US-Dollar kaufen, 27.Oktober 2013)
  • Im April 2016 sahen ca. 100 Millionen aktive Nutzer täglich 10 Milliarden Video-Clips

Jöran ruft an: WAS IST DAS FERNUNICAMP UND GIBT ES IRGENDEINEN ZUSAMMENHANG ZUM EDUCAMP?

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FOTO VON MARKUS DEIMAN PRIVAT UND JANA HOCHBERG CC BY 4.0

In ein paar Tagen wird das #FernUniCamp16 an der FernUniversität in Hagen stattfinden. Als Organisatoren wurden Markus und ich von Jöran in seiner kleinen PodCast-Reihe zu „Jöran ruft an“ dazu befragt:

  1. was sich hinter dem FernUniCamp verbirgt und
  2. in welchem Zusammenhang die Organisatoren oder auch das FernUniCamp zu den EduCamps stehen.

Jöran ruft an“ ist kurz, schnell und greift aktuelle Bildungsinhalte auf. Eingeleitet wird diese Folge von Jöran auf seinem Blog Jöran und Konsorten mit:

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