Auf dem Weg zur Arbeit (Homeoffice in San Francisco)

Leicht nebelig ist es heute wieder vor dem Fenster. Die obersten Etagen der Hochhäuser der Umgebung liegen noch im Frühnebel. Unter mir pulsiert die Stadt mit ihren morgendlichen Geräuschen. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob die Stadt unter mir überhaupt jemals zum Schlafen kommt. Die Geräusche auf den Straßen und Wegen verändern sich lediglich mit der Tageszeit, so erscheint es mir.

Market Street

Market Street

In wenigen Tagen werde ich meinen Arbeitsplatz wieder verlagern und mich überkommt jetzt schon eine stille Sehnsucht zurück zu dieser Aussicht, in eine Welt, die so viele Extreme und vielfältige Ausprägungen dazwischen zulässt. Eine Welt, die einen dauernd mit neuen Impulsen anregt und aus der man sich, um diese Impulse zu verarbeiten, auch einmal bewusst zurück ziehen muss.

Nach etwa zwei Wochen sucht mein Blick noch immer fragend die einzelnen Häuserblöcke ab. Die Frage hinter diesem Blick ist mir nicht völlig bewusst, vielleicht ist es die nach der Entstehung oder nach dem Sinn (für wen?) oder was ich davon lernen kann, von dem was da vor mir liegt.

Mein Blick geht die Market Street bis zum Financial District hinunter. Auf der Straße ist erstaunlich wenig Verkehr. Das Verhältnis zwischen den Straßenbahnen, den Bussen, den Autos und den Fahrrädern nehme ich als ausgewogen war. Ich bin erstaunt, wie viele Fahrradfahrer sich auf ihr bewegen. Viel befahrende Seitenstraßen kreuzen jedoch die Market Street. Im Hintergrund erhebt sich zwischen den einzelnen Hochhäusern die Oakland Bay Bridge, deren Straßen ebenfalls zu fast jeder Tageszeit mit Autos verstopft scheinen. Rechts von mir wird der Blick vom Industriehafen fast meditativ aufgefangen. Die Containerschiffe bewegen sich langsam, kaum erkennbar in Millimetern. Der Hafen besänftigt die Augen vom ruhelosen Hin- und Herhuschen der Beobachtungen auf den Straßen und Wegen. Oasen der Entspannung entdecke ich auch hier und da auf den einzelnen Dächern vor mir.

Bevor ich heute mit der Arbeit beginne, starte ich mit einem kleinen Arbeitsweg(Spaziergang), inspiriert von Wibke Ladwigs rituellen frühmorgendlichen Arbeitsweg zum Homeoffice. Nur wird mein Weg, wohl kein Ritual werden.

Es ist 7:45 Uhr morgens und es geht mit dem Fahrstuhl 28 Stockwerke nach unten. Der Service (Empfang und Sicherheitsservice) begrüßt uns freundlich. Wieder wird der Eindruck bestätigt, dass die Bewohner San Franciscos früh aufstehen. Das Fitnesscenter ist voll und die ersten verlassen es schon wieder, um sich auf dem Weg zur Arbeit zu machen. Fitnesscenter scheint es hier in jedem Apartment Townhouse zu geben. Da diese nicht auszureichen scheinen, werden noch einzelne externe angeboten. Alle sind früh morgens sehr gut besucht (In den Instagramstories, die mit dem Ort San Francisco vertagt sind, kann man gefühlt 60 % der Stories aus Fitnesscentern entdecken).

Noch sind wenige Touristen auf der Straße zu sehen, lediglich eine große Reisegruppe wartet mit riesigen Koffern auf der Straße. Ich begegne Unmengen von Menschen mit einem Kaffeebecher in der Hand, die wohl auf ihrem Weg zur Arbeit sind. In den Cafés an denen ich vorbei gehe, bilden sich lange Schlangen. Während ich sie beobachte fällt mir ein, dass sich zwei Kaffeeketten hier in den Straßen von San Francisco versuchen nicht nur sich gegenseitig auszubooten, sondern auch den kleinen lokalen Kaffeegeschäften ihre Kundschaft wegzunehmen. Philz Coffee, San Francisco’s Startup Antwort auf Starbucks soll überall dort zu finden sein, wo sich Startup Unternehmen niederlassen. Peet’s Coffee versucht diesen Status anzugreifen und stellt sich gerne mit mobilen Kaffeestationen gegenüber von Philz Coffee auf.

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Ein paar Schritte weiter, entdecke ich eine Absperrung von fünf Quadratmetern, die von drei Leuten betreut wird. Wieder staune ich über den Einsatz von Servicepersonal in dieser Gegend. Mein Blick nach oben verrät, dass der Teil des Weges gesperrt ist, weil zwei weitere Personen auf einem Gerüst die Fenster des Hochhauses säubern. Meine Gedanken wandern weiter zur Digitalisierung und ich höre mich leise fragen, ob das die Jobs sind, die von Robotern zukünftig ausgeübt werden sollen?

Die Gedanken werden vom ausgelösten Feueralarm im Hotel nebenan erstickt. Zuerst

Fahrrad

verstehe ich nicht, dass es sich bei dem Lärm um einen Feueralarm handelt, ich bemerke lediglich die Menschen, die um das Haus beobachtend herumstehen. Daraufhin erscheint die Feuerwehr mit mehreren Autos. Bemerkenswert in welcher Geschwindigkeit die Feuerwehr vor Ort anwesend ist und wiederum bemerkenswert ist, mit wie viel Personal sie anrückt. Sekunden später ist der Feueralarm verstummt.

Mein Blick verfängt sich noch an einer Säule bevor es zu meinem Arbeitsplatz geht. Digital wird die Anzahl der Fahrradfahrer gezählt, die täglich vor dem Headquarter von Twitter vorbeifahren. Daneben ist eine der vielen Fahrradstationen in San Francisco aufgebaut. Ich frage mich, ob die bei meinem letzten Besuch in SF vor zwei Jahren schon da war oder ob San Francisco auch hier anfängt, sich zu ändern.

Weiterhin entdecke ich auf meinem Weg zur Arbeit wundervolle Graffiti an vielen Wänden. Ich bemerke eine Tai Chi Gruppe unter den Bäumen des Platzes vor der City Hall, vorbei hastende Jugendliche mit Radiokoffern auf den Schultern, aber auch vielen Obdachlosen.

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Fernstudium im digitalen Zeitalter – ein Bildungsformat im Wandel! Wie könnte sich dieser Wandel gestalten?

Viele Merkmale, die Kennzeichnen von Netzwerken sind, sind keine Folge der Digitalisierung. Jedoch beschleunigt die digitale Technologie einige Merkmale von Netzwerken. (Janowitz 2015, Stalder 2017, Weber 2012, Castells 2002) Teilweise empfinde ich es schwer Digitalisierung und Netzwerke unabhängig voneinander zu betrachten. Dennoch sollte auf den Entwicklungsstrang verwiesen werden, um die Unabhängigkeit und Beeinflussung zwischen diesen beiden Clustern besser verstehen zu können.

Auf beide Begrifflichkeiten, Netzwerk und Digitalisierung, wird in diesem Blogbeitrag eingegangen und konkret auf das FernUniCamp bezogen

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Poster vorgestellt auf DGWF: Jahrestagung der AG-F 2017 in Berlin 06/2017

 

Unter dem Begriff des #vernetzten Individualismus kann eine personalisierte Vergemeinschaftung verstanden werden. Für personalisierte Verbindungen wurde der Begriff #consociality gewählt. Über Erlebnisse, Interessen, Neigungen, bzw. allgemeine Merkmale teilen verschiedene Individuen Merkmale miteinander. Die Möglichkeit, sich darüber zu verbinden oder auch verbunden zu werden ergeben ganz neue Perspektiven. Die forcierten Vernetzungsoptionen erlaubt dem Einzelne komplexere Identitäten auszubilden, die abhängig von Leidenschaft, Überzeugungen, Lebensstile, berufliche Interessen sind. Vernetzte Individuen pflegen partielle Mitgliedschaften in vielen

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Vernetzung von Studierenden und Mitarbeitenden der FernUniversität in konkreten Projekten

Netzwerken oder sozialen Gruppen und sind weniger auf eine ständige Mitgliedschaft in einer etablierten Gruppe angewiesen. In vielen Lebensbereichen und sozialen Umgebungen verschwimmen die Grenzen untereinander. Damit einher gehen neue Erwartungen und Realitäten in Bezug auf Transparenz, Verfügbarkeit und Privatsphäre der Menschen.  Der Diversitätscharakter wird durch den vernetzten Individualismus ausgeprägter und betont.

„Moving among relationships and mileus, networked individuals can fashion their own complex identities depending on their passions, beliefs, lifestyles, professional associations, work interests, hobbies, or any number of other personal characteristics (Rainie & Wellmann, S. 15)“

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„space of flow“ – Kurz-Video Produktion für Instagram (Fotocommunity)

In den digitalen Medien wird beispielsweise das social tagging, einer freien Verschlagwortung mit „consocial“ verbunden. Die bei diesem Prozess erstellten Sammlungen von Schlagwörtern werden Folksonomien genannt. Eine solche Verschlagwortung entfaltet sich auf Twitter unter einem #hashtag.

Der vernetzte Individualismus ermöglicht es einzelnen Individuen eine größere Öffentlichkeit zu erreichen. Durch Technologien wird der vernetzte Individualismus forciert und verbindet die Personen direkt miteinander, anstatt, wie bisher über Institutionen oder anderen statisch angelegten Orten (Wellmann 2002). Zudem erhöhen digitale Technologie die Zugangsmöglichkeiten und die Wahlmöglichkeit ganz

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360° Umgebung des Veranstaltungsortes (holobuilder.com)

unterschiedlich ausgeprägter Netzwerke für den Einzelnen. Hierbei handelt es sich um Orte, zu Begegnungen und zum Austausch motivieren, sogenannte  #spaces of flow. Das Internet spielt dabei eine bedeutende Rolle. Vernetzte Individuen werden durch das Internet ermächtigt, ihre Vision und Stimme dem erweiterten Publikum vorzustellen und sie zu einem Teil ihrer sozialen Welt einzuladen. Die Linien zwischen Kommunikation, Information und Handlung verschwimmen dabei zunehmend, da vernetzte Personen das Internet, Mobiltelefone und soziale Netzwerke nutzen, um sofort Informationen zu erhalten und darauf zu reagieren. Weniger formal ausgeprägte Interaktionen, Peer-to-Peer Beziehungen und die Involvierung in konkrete Projekte (#Lernen an konkreten Projekten) unterstützen den Prozess des vernetzten Individualismus und ermöglichen auf diese Weise einen #kollaborativen und dezentralen Austausch. #Experimentell werden dafür immer mal wieder neue #Dienste und Plattformen, bzw. neue Technologien eingesetzt, wie bspw. die Einbindung von 360° Umgebungen zum FernUniCamp 2016, um den Veranstaltungsort bzgl. der Orientierung vorzustellen. Bewährte Konzepte, wie zum Beispiel der Blog zum FernUniCamp setzen sich über die Zeit in Form von #Educational User Experience durch.

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Mitbestimmung durch Sessiongestaltung

In einer vom vernetzten Individualismus geprägten Gesellschaft, die mit weniger Hierarchie verbunden ist, und mehr Information und lockerer Beziehungen die Netzwerke prägen, gibt es größere Unsicherheit als je zuvor (Lee Rainie und Barry Wellman, 2012). Vernetzter Individualismus bedeutet ein mehr an offenen sozialen Systemen und weniger geschlossene soziale Systeme. Teilnehmende vor Ort konnten über die Inhalte der Sessions mitbestimmen und Teilnehmende von Außen konnten diese Inhalte mitdiskutieren, womit eine #offene und partizipative Gestaltung unterstützt wurde. Unter Berücksichtigung von mobilen Formaten oder Impulsen aus dem Netzwerk bewegen sich die Teilnehmenden vorwiegend #spontan und allgegenwärtig.

 

re:publica 2017 und ich

Was ist die re:publica?

Auf der re:publica treffen sich jedes Jahr die Personen in Berlin, die über den gegenwärtigen und zukünftigen digitalen Einfluss auf Gesellschaft diskutieren wollen. Da das Netz ein weiterer Diskussions- und Anregungsraum für aktuelle gesellschaftliche und politische Ereignisse ist, spiegeln sich auch hier die Emotionen wieder, die den Umgangston und Verhaltensweisen beeinflussen. Unser Umgangston im Netz, die Wertschätzung Andersdenkender und Handelnder  im Netz (sogenannte Filterbubbles) steht dieses Jahr im Zentrum der elften re:publica mit dem Motto „Love out Loud“. Das Motto ist ein Aufruf zur digitalen Zivilcourage, um im Netzwerk Betroffenen solidarisch beiseite zu stehen gegen Mobbing, Hatespeech, Fakenews, Trollen, Zensur und für Pressefreiheit, Kommunikationsfreiheit, etc…

Ich empfinde das Motto weiterhin als Aufruf, den Mut aufzubringen, sich Ausprobieren zu können, ja gar zu müssen egal in welchem Alter man sich selbst befindet, wie Gunter Dueck (YouTube-Aufzeichnung ab 11. Minute) in seinem Vortrag fast nebenbei erwähnte. Dasselbe hatte ich bei Tanja Haeusler in der Eröffnungsrede gehört, als sie meinte, dass viele von uns im Herzen immer (Teenager-)Rebellen bleiben werden, egal wie alt wir tatsächlich sind, weil wir uns nie mit den aktuellen gesellschaftlichen und politischen Ereignissen abfinden wollen, an diesen gar verzweifeln und wütend werden.

Eine ganze Zeit lang habe ich mich gefragt, wie die Entstehungsgeschichte zum „Love out Loud“ sein könnte? Woher kommt der Ursprung dieser Begrifflichkeit? Im Kontext des Corporate Learning 2025 MOOCathons, der parallel zur re:publica startete, bin ich auf die Methode des „Working Out Loud“ (über den Blogartikel von Harald Schirmer, Twitter: @haraldschirmer) gestoßen. Bei „Working Out Loud“ handelt es sich um eine Methode, bei der nachhaltiges Lernen im digitalen Zeitalter im Fokus steht. In öffentlicher (transparenter) einer privaten Umgebung teilt eine Personengruppe ihr Wissen/Informationen und Erfahrungen zu einem konkreten Ziel miteinander (Danke für den Hinweis Harald Schirmer). Der Grundgedanke dabei ist, die digitale Vernetzung und soziale Netzwerke als Chance zu nutzen: Kontakte zu knüpfen und Beziehungen aufzubauen, Inspiration zu finden und eigene Arbeitsergebnisse breiter zugänglich zu machen mit dem Ziel, die Resonanz des Netzwerks zu nutzen und (Zwischen-)Ergebnisse durch Diskussionen kontinuierlich zu verbessern. Die Eingrenzung auf fünf Personen, die Schirmer in seinem Blog vornimmt, verstehe ich eher als Hinweis, dass diese intensive Zusammenarbeit für kleinere Gruppen ideal ist. „Love out Loud“ ist in diesem Sinne ein Statement für Neugiere, Respekt, positives Nach vorne Denken, Offenheit und der Wunsch nach Vielfalt.

Zahlen:

Um die 9.000 Teilnehmende aus 71 Ländern, über 1.000 Sprecher (47% davon waren weiblich, verkündete Johnny Häusler beim „Welcome“ (YouTube-Aufzeichnung ab der 9.Min)  auf der elften re:publica) auf 20 Bühnen, 500 Stunden Programm.

Etwa 96k Tweets von etwa 30k Twitter-Usern wurden auf Twitter gezählt. Eine Übersicht von talkwalker zeigt deutlich, dass die re:publica international auf Twitter Beachtung fand.

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Die Infografik von MonitorinMatcher zeigt auf, dass neben Twitter weitere Kanäle während der re:publica intensiv genutzt wurden.  Stefan Evertz weist in dieser Infografik aber auch darauf hin, dass einige Kanäle aktuell statistisch gar nicht erfasst werden können, wie bspw. Insta-Stories, Snapchat, etc.. Weitere Social-Insights können in dem Artikel von brandwatch nachgelesen werden.

infografik

  1. Tag: Anreise zur re:publica

2. Tag: Eröffnung der re:publica

3. Folgetag: re:publica

Mit welcher Motivation war ich angereist und was nehme ich mit?

Das Programm der re:publica war umfangreich, 500 Stunden Programm, zusätzlich angebotene Meetups, diverse Treffen, verschiedene Ausstellungen an Ständen und zusätzliche Aktivitäten hier und da, rund um die re:publica stellten mich schon vor der Anreise vor eine riesige Herausforderung. Ohne einen konkreten Plan wäre meine Teilnahme an der re:publica nicht zu meiner Zufriedenheit abgelaufen. Ich wollte mich nicht, wie ein Blättchen im Wind vom Zufall treiben lassen, sondern mit einer konkreten Vorstellung das Event besuchen. Räume für Zufälle haben sich dennoch ergeben, da ich an meiner eigenen Programmplanung sehr flexibel festhielt.

Dennoch habe ich mir die Mühe gemacht, mir über mehrere Stunden (wozu sollte man sonst lange Bahnfahrten nutzen ;)) das Programm durchzulesen. Über eine von der re:publica angebotenen App wurden interessante Vorträge, Workshops etc. festgehalten.

Vor allem die persönlichen Treffen und Gespräche waren jedoch der treibende Motor meines Entschlusses eines Besuchs der re:publica. Mit dem ersten Atemzug meiner Ankunft in Berlin, tauchte ich in dieses einzigartige Flair, welches Gedanken und Emotionen anregen und beschleunigen kann, ein.

Die Schwerpunkte meines Besuches der re:publica lagen auf:

1. Zukunft der Arbeit, Bildung und Gesellschaft

Am Sonntag traf ich ein paar der Personen, die sich mit zukünftigen Gesellschaftsveränderungen  (Inkl. Bildung und Arbeit) bedingt durch den ständigen und schnellen Wandel der Arbeits- und Lebenswelt, der mit der Digitalisierung einhergeht, die u. a. durch disruptive Veränderungen ausgelöst werden, auseinandersetzen. Über den kürzlich zu Ende gegangene MOOC „Leuchtfeuer 4.0“ habe ich einige kennengelernt und war neugierig auf sie geworden (weitere Infos zum Inhalt des MOOCs sind im Blogartikel von Johannes Schmidt-Mosig zusammengefasst).

Ellen Euler (Twitter: @EllenEuler) Diskussionsbeitrag auf der re:publica stellte ich diesen Zusammenhang. Sie vertrat die Deutschen Digitalen Bibliothek und diskutierte den Stellenwert des kulturellen digitalen Gedächtnisses (YouTube). Das kulturelle Gedächtnis wird als generationsübergreifende, interaktionslose Kommunikation über aufgezeichnete kulturelle Äußerungen verstanden. Die Frage wie kulturelle Artefakte in die Zukunft transportiert, kommuniziert und anschlussfähig gehalten werden können, umreißt viele Herausforderungen bzgl. politischer Unklarheiten, rechtlicher Zwänge und Großprojekten mächtiger Konzerne (Google).

2. 360°-Videoproduktion!

Susanne Dickels (auf Twitter: @Flight_1) Workshop (der aufgrund der Größe eher einem (sehr gut gehaltenen) Vortrag) zu „Extend your vision – die DOS and Don’ts der 360° – Videoproduktion“ glich, traf mich bei einem meiner großen Interessen. Als sie dann auch noch die für mich wichtigste Unterscheidung zwischen Virtual Reality und 360° einging, war ich davon überzeugt, mich auf ihren Vortrag einlassen zu können. Auf der Facebookseite von Kreative Kommunikations Konzepte, einer Firma in Essen, die ich für ihren qualitativen Content zu Virtual Reality und 360° schätzen gelernt habe, habe ich die Unterscheidung zwischen den beiden Medienarten sehr anschaulich begriffen.

Susanne Dieckels holte mich bei meinen Vorerfahrungen ab (passend dazu der Slot von Elisabeth Wehling (Twitter: @E_Wehling) : „Die Macht der Sprachbilder – Politisches Framing“, ein sehr zu empfehlender Vortrag).

3. Szenario-Methode

Die Hans Böckler Stiftung traf ich an einem Ausstellungsstand. Aufmerksam wurde ich auf sie, da an diesem Stand eine Methode vorgestellt wurde, mit der die Stiftung sich dem Zukunftsfeld der Arbeit, über vier entwickelte Szenarien, genähert hatte. Diese können im PDF „Mitbestimmung 2035“ nachgelesen werden.

Grundlage der Entwicklung der vier Szenarien ist der Begriff der Mitbestimmung. Im Laufe der industriellen Entwicklung Deutschlands hat sich ein gesellschaftlicher Konsens herausgebildet, dass die Modernisierungsfähigkeit der industriellen Wirtschaft auf einer langfristigen Bindung von Fachkräften ans Unternehmen beruht, und zwar durch Mitbestimmung, so die Begründung der Grundlagenbegriffs. Daraufhin wurden mehrere mögliche Zukunftszenarien für Mitbestimmung entworfen. Diese sind jedoch nicht allgemeingültig, sondern für die Hans Böckler Stiftung aus der aktuellen Entwicklung heraus, plausible Szenarien für kommenden zwei Jahrzehnte.

Folgende vier Szenarien werden kommuniziert: Wettbewerb, Verantwortung, Fairness und Kampf.

ZUKUNFT BEGINNT HEUTE

Das Kernteam der Szenarienentwicklung bestand aus sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stiftung. Die Szenarien wurden aus einer onlinegestützten Befragung abgeleitet und mit 8 einstündige qualitative Interviews ergänzt. Nach einer Verdichtung der Materialen auf wesentliche Begriffe (durch das Kernteam) wurden in drei Workshops mit allen Mitarbeitern der Stiftung, Schlüsselmotive, Übereinstimmungen, sowie Unterschiede in den Zukunftserwartungen entworfen und diskutiert.

4. Wissenschaftskommunikation!

Aktuell ist eine Durchdringung verschiedener bisher klar abgegrenzter Bereiche in allen gesellschaftlichen Ebenen, so auch bspw. im Feld der Wissenschaftskommunikation zu beobachten. War der Elfenbeinturm, in dem angeblich die Wissenschaftler wohnen und arbeiten vor einigen Jahren noch eine Auszeichnung, so wandelt sich der Begriff in meiner Wahrnehmung eher ins negative, elitäre und arrogante. Mit den digitalen Partizipationsmöglichkeiten können Forschende ihre Inhalte auf verschiedenen Wegen erzählen, so Patrick Breitenbach (Twitter: @breitenbach). Sie können Einblicke in Forschungsprozesse geben, erzählen von Fehlern oder Misserfolgen, beteiligen sich an aktuellen Diskussionen und werden greifbarer und authentischer. Der Wissenschaftspodcast ist ein solcher Ansatz, genauso, wie die Science Slams, etc..

5. Braindate!

Die Idee dieser Plattform  hat mich sehr angesprochen, bei der man sein Expertenwissen zum Teilen anbieten könnte oder für vorab formulierte Fragen den passenden Wissenskommunikator fand, der einem an seinem Wissen teilhaben ließ. Sobald das Inserat oder Angebot  abgegeben und der/die passende Gegenüber gefunden wurde, vereinbarten beide eine Uhrzeit des Braindates. Martina Pumpat (Twitter: @martinapp2 ) hatte es ausprobiert und mir mit begeisterten Augen davon berichtet. Leider hatte ich diese Möglichkeit der Partizipation zu spät entdeckt.

Es war wunderbar sich mit Nicole Bauch, abseits der großen Fragen auch mit kleinen, fast banal wirkenden Fragen austauschen zu können, wie bspw. ob Bilder auf Instagram mit pinkem Anteil mehr geliked werden als andere Bilder oder dem Erfahrungsaustausch zu Instagramstories.

Der Erfahrungs- und Gedankenaustausch mit allen Begegnungen war sehr bereichernd. Vielen lieben Dank euch allen!

Artikelveröffentlichung: Gestaltung und Erforschung eines Mixed-Reality-Lernsystems

In diesem Artikel (veröffentlich in der Medienpädagogik Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung) wird ein Entwurf eines Lernsystems vorgestellt, in welchem Mixed-Reality (MR) Technologien und didaktischen Modelle für den Einsatz in der industriellen Weiterbildung kombiniert werden. Mit diesem System soll das Erlernen von Problemlösekompetenzen über visuelle Einblendung simulierter Problemsituationen und Anwendungsaufgaben, die in der realen Welt schwer abzubilden sind, verbessert werden.

Diese Technologie wird in einem didaktischen Setting eingebunden, welches die Lernenden schrittweise von einfacheren an komplexere Aufgaben heranführt. Über ein Lerntagebuch werden die Lernenden zusätzlich motiviert ihre Erfahrungen mit dem didaktischen Setting zu reflektieren. Über das, in das MR Lernsystem integrierte Lerntagebuch werden den Betreuenden Feedbackangaben zu den simulierten Problemsituationen und Anwendungsaufgaben ermöglicht. Weiterhin können Lernende über dieses Tagebuch Kontakt zum Betreuenden aufnehmen. Das Lernsystem bietet den Betreuenden eine nutzerfreundliche Funktion, die Anwendungsaufgaben und MR-Einblendungen abzuwandeln bzw. neukonstruieren.

Wir empfehlen für die Einführung und Erprobung dieses Konzeptes einen Design-Based-Research Ansatz, durch den der Entwicklungs- und Einführungsprozess strukturiert und gleichzeitig erforscht werden kann. Ziel der Erforschung sollten Leitlinien sein, die es ermöglichen, die gewonnenen Erkenntnisse auf ähnliche Kontexte zu übertragen und weiter einen Beitrag zur theoretischen Konstruktion zu leisten.

Storytelling des Leuchtfeuers 4.0

Eine der ältesten Methoden in der Geschichte der Menschheit ist das „Geschichten erzählen“ – Storytelling. Wir Menschen brauchen Geschichten, um beispielsweise Kultur und Wissen aus der Vergangenheit in die Gegenwart transportieren zu können. Damit uns eine Geschichte emotional erreicht, muss man sie „erfühlen“ können, so Wieskamp (2016). Storytelling reicht von der kurzen Metapher über das Gleichnis und die Fabel hin bis zur Anekdote und Story. So eignet sich storytelling hervorragend um Visionen und gemeinsame Zielsetzungen „sichtbar“ zu machen. Zudem ist storytelling eine Erzählmethode mit der Wissen in Form von Metaphern weitergeben wird  (Milling 2017).

CC0 Public Domain

Auf das Element des storytellings (erklärt im Artikel von Nina Oberländer  „Wie aus entflammter Neugier ein Leuchtfeuer wird“ und „7 Werkzeuge für das Erkunden neuer Lernorte„) greift auch das Projekt „Regionale Bildung 4.0“ auf, indem gestern der MOOC mit dem Motto: „Leuchtfeuer 4.0: Arbeit 4.0 trifft Bildung 4.0“ dazu gestartet war (Artikel „Der MOOC Leuchtfeuer 4.0 ist gestartet“ (19.04.2017) von Christoph Schmitt).

Der Ausgangspunkt ist das „Basislager“, in dem wir uns alle tummeln. Das Basislager, so interpretiere ich es, befindet sich mit uns, den Teilnehmenden, den Gastgebenden, etc., in der Gegenwart. In der Ferne am Horizont, da wo sich das Neuland befindet, so bemerken die temporären Bewohner des Basislagers, brauen sich Veränderungen zusammen, die auch in absehbarer Zeit das Lager mit seinen Bewohnern erreichen werden. Auf was für Veränderungen müssen sich die Organisatoren und zukünftigen Bewohner einstellen? Wie ist das Basislager in Zukunft zu organisieren, damit die Bewohner von hieraus neugierig und gestärkt weiterhin zu ihren Expeditionen aufbrechen? Um das herauszufinden treten sie zu einer gemeinsamen Expedition ins „Neuland“ an.

Gemeinsam wollen sie erkunden, welche Veränderungen auf sie zukommen, um dann gemeinsam zu diskutieren, in welcher Art und Weise sich das Basislager verändern muss. Auf dem Weg ins Neuland beginnen schon die ersten Veränderungen. Werkzeuge und Ausrüstung (siehe Sketchnotes von Andrea Brücken) werden an die veränderten Bedürfnisse angepasst. Neue Werkzeuge (bspw. Instagramstories von Nicole Bauch) werden entworfen und auf ihre Wirkung getestet und vielleicht ins Repertoire aufgenommen oder wieder verworfen.

Auffällig ist, dass die Teilnehmenden der Expedition sehr wertschätzend, aufmerksam und empathisch miteinander umgehen. Sie trauen sich einander um Rat zu fragen. Sie sind mutig genug eigene (vermeintliche) Schwächen einzugestehen. Sie stellen offen und mit voller Zuversicht ihre eigenen Ideen in der Gruppe vor, um die Impulse der anderen mit aufzunehmen. Sie übernehmen selbstständig Verantwortung für einen Teil der Aufgaben in der Gruppe, um zum Gelingen des übergeordneten Ziels beizutragen zu können.

Regionale Bildung 4.0 – Eindrücke des ersten Tages

Heute begann das Projekt „Regionale Bildung 4.0“ und ich freue mich sehr darauf, mit Hilfe dieses Projektes bei den eigenen Überlegungen durch den anstehenden Austausch voranzukommen. Weiterhin habe ich auch die Hoffnung mit eigenen Impulsen etwas der Community zurück geben zu können.

Das Projekt ist in zwei Stufen unterteilt.

  1. Stufe: ist der Leuchtfeuer 4.0 MOOC. Hierbei handelt es sich um einen zweiwöchigen Online-Kurs, der auf der MOOC Plattform mooin. Dieser MOOC stellt folgende Themen in den Vordergrund:Bildschirmfoto-2017-04-16-um-13.18.51-600x330
    1. Neue Entwicklungen
    2. Neue Berufe
    3. Neue Räume
    4. Öffnungsprozesse
    5. Motivation & Nutzen
    6. Finanzen & Organisation
  2. Stufe: besteht in einer Expedition zu verschiedenen regionalen und digitalen Modellansätzen im ländlichen und städtischen Raum. Was lernt man an Orten wie Makerlabs und CoWorking Spaces und inwiefern wandeln sich Institutionen wie Bibliotheken und Volkshochschulen, um mithalten zu können? (Zusammenfassung auf edysssee (Esther Debus-Gregor) am 16.04.2017 „Neue Lernräume entdecken: Leuchtfeuer 4.0 – der MOOC„)

Zielgruppen

  1. Entscheidungsträger/innen, Kreative, Nerds, Selbstständige, KMU und an der Zukunft interessierte Menschen im ländlichen Raum
  2. In nahezu allen Verbänden, Unternehmen und Institutionen existiert eine Innovationsspitze an Personen, die ca. 10-15% der Beteiligten umfasst und die bereit sind für innovative Transformationen angesichts der Herausforderungen, vor denen wir gesellschaftlich stehen.
  3. Mit diesen Vorreitern gemeinsam „Bildung“ (also: Weiterentwicklung) quer zu denken zu den etablierten Routinen, ist das Ziel.

Ein humorvoller Beginn war der Anruf von Jöran im Jahr 2027 (JRA059) bei der Bildungsgestalterin Nina Oberländer. Bei #feuer40 geht es im Kern um konsequente Kollaboration – also um eine gemeinsame Verantwortung für das gemeinsame Weiterkommen …

Google-Hangout (Live-Talk): Begrüßung

 

Was fällt mir an diesem ersten Tag auf?

  • Die Diskussion der Inhalte findet auf verschiedenen Kanälen statt. Es ist interessant und es weckt meine Neugierde auf den verschiedenen Kanälen den Diskussionen zu folgen. Welche Inhalte werden auf welchen Kanälen überwiegend kommuniziert? Werden Inhalte doppelt gepostet?
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    Screenshot aus der Facebook Gruppe (19.04.2017)

    • Zum einem nehme ich auf Twitter eine Diskussion unter #feuer40 wahr, die ich tagsüber doch ausgeprägter (Tweets im schnelleren Ablauf) erwartet hätte.
    • Überrascht bin ich hingegen über die Diskussionsbeiträge auf der MOOC-Plattform „mooin“. In einer klassisch angeordneten Thread-Diskussion beteiligen sich (gefühlt) sehr viele Teilnehmende. Ob das vielleicht an den zu verteilenden Badges und/oder der von vornherein festgelegten Moderation liegt?
    • Dann ist da noch die Facebook Gruppe „Leuchtfeuer 4.0 – Basislager-Küche“ in der sich Kaffee, Kuchen und auch Musikplaylisten virtuell geteilt werden. Auch hier scheinen sich Diskussionen sehr schnell, einfach, weniger fachlich, aber sehr anregend zu entwickeln.

 

  • Ich muss zugeben, ich finde die entwickelten Metaphern, humorvoll und kreativ.

    //platform.twitter.com/widgets.js Da wären die „Basislager-Küche“, die „Expedition“, die „Werkstatt“, das „Neuland-Fernglas“, etc. Diese Umschreibungen machen mich neugierig, aber sie verwirren mich auch. Ich ertappe mich bei den Gedanken, warum die Organisatoren dem anspruchsvollen Projekt Metaphern überstülpen? Lenken diese eher ab oder vereinfachen sie den Inhalt im Verständnis?

 

  • Die sehr ansprechenden Sketchnotes zum Projekt wurden von Andrea Brücken erstellt.Bildschirmfoto 2017-04-19 um 19.47.13 Sie regen zum Querdenken an. Weitere sind auf Andreas Pinterest-Seite zu finden.

 

  • Beeindruckend finde ich für mich, dass die Entwicklungsphase dieses Projektes bereits ab Oktober 2016 begann. Es ist ist für mich manchmal nicht fassbar, wie sehr Projekte im Voraus geplant werden und wie schnell diese dann doch vorbei sind.  Meine Wahrnehmung fühlt sich da hin und hergerissen:
  1. Entwicklungsphase (Oktober 2016)
  2. Produktionsphase
  3. Marketingphase                                                           (Vorträge/Messen/Konferenzen/Live-Interviews/Online-Marketing)
  4. MOOC-Livephase (Mitte April 2017)               (Moderation/Evaluation/Zusammenfassung (E-Book)
  5. Communityphase                                                                                 (Netzwerkaufbau/Spaces-Entwicklung/Partnersuche/Projektbeispiele)
  6. Evaluationsphase (Spätherbst 2017)(Videodokumentation/Präsentation/Workshop/Auswertung/Lessons Learned)

 

Ich freue mich auf die nächsten Tage 🙂