Johannes Heinlein: Aufruf zur Gestaltung von vielfältigen und durchlässigen Kooperationen in der Bildung!

„Die Zukunft der Hochschulen besteht darin, stärker auf die gesellschaftlichen Bedürfnisse einzugehen.“ (Johannes Heinlein)

Am 22.03.2018 habe ich die Veranstaltung „Die Zukunft im Blick? – Hochschulen in Zeiten der Digitalisierung“ in Berlin mitorganisiert. Fünf Impulsreferenten hatte die FernUniversität in Hagen eingeladen, die innerhalb von wenigen Minuten kurz, prägnant und vielleicht etwas provokativ zum Thema hinleiten sollten. Der erste Impulsreferent war Johannes Heinlein (Vizepresident für strategische Partnerschaften und Mitglied des Vorstandes edX).

Seinen Impulsvortrag gestaltet er um die Kernaussage „Hochschulen müssen sich verändern, die Lehre muss sich verändern, das Lernen muss sich verändern – und heute ist dies wichtiger als je in den letzten 70 plus Jahren war.“ Damit verbindet er den Begriff der Freiheit, die nach Popper (1991) sehr ungemütlich werden und Menschen überfordern kann. Diese Form der Freiheit geht einher mit Vielfältigkeit und Innovationen. So bezeichnet er offene Hochschulsysteme als vorteilig, da sie sich ständig selbst reflektieren und in einem ständigen Austausch mit anderen Systemen stehen. „Sie erlauben das Ausprobieren.“

Im Vortrag eröffnet Johannes Heinlein anhand konkreter Ansätze, wie sich Hochschullehre ändern kann bzw. muss. Am Beispiel des MIT (Massachusetts Institute of Technology) zeigt er Umsetzungen eines flexiblen Studiums, welches wiederum Auswirkungen auf Präsenzlehre, Zertifikate etc. haben. Im Vortrag geht er sogar soweit, dass insbesondere in den USA Micro Credentials anerkannter sind als Master- oder Bachelorabschlüsse.

Sein Aufruf nach Zusammenarbeit und die unterschiedlichen Menschen in Bildungsprozesse und -wandel zu integrieren, verlangt nach Hochschulöffnungen und Deutschland befindet sich da in einer sehr guten „Situation“, wenn da nicht die Angst vor der Freiheit wäre.

Der ganze Vortrag ist im Video: „Hochschulen der Zukunft“: Vortrag Johannes Heinlein (Vizepresident für strategische Partnerschaften und Mitglied des Vorstandes edX; Twitter: @edXOnline) zu finden:

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Johannes Heinlein / edX: „Cat is out of the bag“: Interviewreihe (Hochschulen der Zukunft)

In den letzten Wochen und den nächsten Wochen, habe ich und werde ich sehr interessante Persönlichkeiten zum Thema, wie könnten Hochschulen zukünftig aufgestellt sein, interviewen. Erste Eindrücke der Interviews gehen in ihrer Vielfalt mit dem Verlauf der Zeit gerne verloren. Um diesem entgegen zu wirken, versuche ich diese über meinen persönlichen Blog zu bewahren.

Erinnerung: Raum für Begegnungen

Wir entschieden uns an diesem kalten Tag (Dezember 2017) mit der U-Bahn zu fahren. Glücklicherweise war der Treffpunkt, der Gebäudekomplex von edX, nah am MIT gelegen. So fuhren wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, U-Bahn und Bus, trotz eisigen Wetters von mehreren Minusgraden, bis zum MIT. Durch eine Campusführung am vorherigen Tag, wussten wir, dass ein Großteil des Gebäudekomplexes über den riesigen Campus des MIT miteinander verbunden war. Um der Kälte zu entkommen, suchten wir den Weg durch die warmen fast labyrinthartigen Gänge des MIT, um zu dem Ausgang zu gelangen, der dem edX Gebäude am nächsten lag.

Während wir auf Johannes Heinlein beim Empfang warteten, kamen immer wieder Mitarbeiter aus den verschiedenen Büros, um im Empfangsbereich die Kaffeemaschine zu bedienen. Uns wurde ebenfalls Kaffee angeboten und ich beobachtete beim Trinken die zufälligen Begegnungen an der Kaffeemaschine an dieser ungewöhnlichen Stelle. Eine Sitzlandschaft lud die Menschen, die länger in einer Diskussion verweilten ein, auf ihr Platz zu nehmen. Ich war beeindruckt, welche Wirkung guter Kaffee und ein paar einladende Sessel auf die Gesprächskultur am Empfang haben konnten. Jedes neue Gesicht, wurde von dieser warmen, geschäftigen und dennoch einladenden Atmosphäre empfangen.

Zu edX:

EdX ist eine Plattform für MOOCs (Massive Open Online Courses) auf der weltweit Kurse aus den verschiedensten Themenbereichen angeboten werden.  Die Mission von edx ist:

  1. Kostenlose Inhalte für Lernende (weltweit) bereit zu stellen
  2. Hochschulen zu verändern
  3. Durch Forschung Lernergebnisse verbessern

 

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HarvardX – Videostudio

EdX ist eine Kooperation von Harvard und dem MIT. Ihr Ziel ist es als unabhängige und das Gemeinwohl unterstützende Stiftung die Diskussion zur digitalen Transformation in der Bildung positiv mitzugestalten. EdX agiert unabhängig, ist aber einem Aufsichtsrat (bestehend aus MIT und Harvard) rechenschaftspflichtig. EdX Ziel ist es, verschiedene Reaktionsmöglichkeiten auf Digitalisierungsprozesse und den damit einhergehenden Veränderungen zu sammeln und mit seinen Partnern (Hochschule, Industrie, Politik), zusammen zu evaluieren und dann strategische Lösungen aufzuzeigen.

 

 

Johannes Heinlein ist als Vicepresident für strategische Partnerschaften seit Beginn dieses Projekts bei edX tätig. Davor war er in Harvard tätig, wo er für strategische Transformationsprojekte zuständig war. EdX ist eines dieser Projekte. Er ist dementsprechend seit der Gründung, 2012, in dieses Projekt involviert.

Aus dem Interview hat mich am Stärksten beeindruckt:

 

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HarvardX – Büro

Bemerkenswert finde ich, dass sich zwei sehr gute Universitäten zu einer Kooperation zusammengeschlossen haben, um der Digitalisierung und ihre Einflüsse auf Hochschulen als der zukünftig stärksten Veränderungsbewegung nachzugehen. EdX weiß/wusste nicht, inwieweit sich Hochschulen im Zuge der Digitalisierung verändern werden, edX wusste nur, dass sie verändert werden. Um diesen Gestaltungsprozess von Vornherein aktiv mit zu gestalten, haben sich diese beiden Eliteuniversitäten zu der Kooperation zusammengeschlossen und bereits mehr als 80 Millionen Dollar in das Projekt investiert. Bemerkenswert finde ich an dieser Stelle, dass gerade diese beiden Universitäten, von einem Wandel am Spätesten betroffen wären. Jährlich nehmen diese nur etwa 5% der Bewerber an und das bei Gesamtstudiengebühren von etwa 80.000 $. Harvard und MIT sind in einer exzellenten Situation, sie könnten abwarten, beobachten und dann erst auf Digitalisierung reagieren. Genau das, so Johannes Heinlein, sei aber die deutsche Herangehensweise. EdX will hingegen nicht aus dem Nachgang reagieren, sondern maßgeblich den Diskussionsprozess zur Digitalisierung mitgestalten und alle Interessierten in diesen Diskussionsprozess einladen.

  • Das MIT (Massachusetts Institut of Technology) , gilt als eine der weltweit führenden forschungsintensiven Eliteuniversitäten.
  • Die Harvard University ist die älteste Universität der Vereinigten Staaten. Harvard erreicht ebenfalls in internationalen Vergleichen einen Spitzenplatz unter den besten Eliteuniversitäten.

Im weiteren Gesprächsverlauf wurde diese Haltung immer deutlicher. EdX (und damit

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HarvardX

Harvard und MIT) macht Ernst! Die Studienkosten in den USA sind immens und verhindern vielen einen Besuch an der Uni. Aus diesem Grund versucht edX nicht nur die Linearität des Lernens über modalisierte und personalisierte Angebote aufzubrechen, sondern schafft es mit Hilfe von MicroMaster Programmen die Kosten der Studierenden fast zu halbieren. So bietet MIT einzelne Kurse bis hin zu ganzen Programmen jeden auf der Welt Interessierten an, diese online zu absolvieren. Wird das Programm erfolgreich abgeschlossen, so kann der Teilnehmende gegen eine kleine Gebühr ein Zertifikat erwerben. Diese Vorgehensweise von diversen MOOC-Plattformen ist mittlerweile weitgehend bekannt. Der Schritt weiter ist, dass die an dem MicroMaster zertifizierten Teilnehmenden, dieses Zertifikat als einen Teil des Studiums bei ihrer Bewerbung am MIT anrechnen lassen können und ihre Campuskosten um die Hälfte reduziert werden können, da diese Studierenden nicht mehr mit den Einführungskursen anfangen brauchen, da sie diese online abgeschlossen haben, sondern schon weiter fortgeschritten in ihrem MIT Studium sind. Ihre Anwesenheitspflicht auf dem Campus wird auf das aktuell Notwendigste reduziert.

Aktuell können auf der edX-Plattform bis zu 50 MicroMaster Programme gefunden werden.

Erinnerung: Verabschiedung

Ich erinnere mich noch, wie wir nach dem Interview innerhalb von 30 Minuten bei HarvardX sein sollten, um von den Mitarbeitern vor Ort einen kleinen Einblick in ihre täglichen Aufgaben und Arbeitsumgebung zu erhalten. An und für sich war die Entfernung zwischen dem MIT Campus und dem Harvard Campus mit dem Auto leicht innerhalb weniger Minuten zu bewerkstelligen. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln jedoch sollte sich die Zeit bis ins Unendliche dienen. (Das verriet uns Google-Map, ein Dienst, der in den USA um ein Vielfaches detaillierter und serviceorientierter arbeitet.) Johannes Heinlein war, wie auch schon vorherige Begegnungen in Bosten, überrascht, dass wir nicht Uber oder Lyft benutzten. Diese Dienste hätten mittlerweile den Stellenwert von öffentlichen Verkehrsmitteln. Wir bezweifelten allerdings die Anrechenbarkeit dieser Dienste im deutschen Bürokratiewahnsinn.

Noch während wir diskutierten, bestellte uns Johannes Heinlein über seinen Account einen Uberfahrer, der uns Minuten später zum gewünschten Ort brachte. Danke.

Im Nachhinein muss ich über diese Verabschiedung schmunzeln, da in dieser Verabschiedung der im Interview diskutierte kulturelle Unterschied zwischen den USA und Deutschland anhand eines Beispiels praktisch vor Augen führt. Wir als Deutsche möchten erst wissen, was passiert und wie etwas im Zusammenhang steht.

Charles Fadel: Interviewreihe (Hochschulen der Zukunft)

In den letzten Wochen und den nächsten Wochen, habe ich und werde ich sehr interessante Persönlichkeiten zum Thema, wie könnten Hochschulen zukünftig aufgestellt sein, interviewen. Erste Eindrücke der Interviews gehen in ihrer Vielfalt mit dem Verlauf der Zeit gerne verloren. Um diesem entgegen zu wirken, versuche ich diese über meinen persönlichen Blog zu bewahren.

Schnee lag auf den Straßen in Boston, als wir uns an diesem Morgen nach Harvard aufmachten. Ich war neugierig auf diese altehrwürdige Universität und wollte wissen, wie es sich anfühlt meine Füße auf dieses sagenumwobende berühmte Gelände zu setzen.

Der Regen setzte mit unserer Ankunft auf den Campus ein und ich musste mir eingestehen, dass mich der „Spirit“ zwischen und in den Häusern viel mehr interessierte, als der Campus selbst. Dieser war aber aufgrund des Regens und meines Beobachterstatus nicht mal in ein bis drei Stunden zu erfahren.

Aufmerksam war ich durch Jöran auf Charles Fadel geworden, als er im September 2017 das Buch „Vier Dimensionen der Bildung“ in Hamburg vorstellte (Blogartikel). Anfangs war ich etwas skeptisch. Mein erster Verdacht war, dass Charles Fadel vielleicht zu nah an der Schule und zu weit weg von den Universitäten war. Ein wenig Recherche zeigte, dass er für unsere Fragestellung nach den Hochschulen der Zukunft, die ich mit meinem Kollegen an der FernUniversität in Hagen verfolge, sehr interessant war. Er bietet für Studierende selbst Kurse an und leitet das Center for Curriculum Redesign. Die Kontaktaufnahme gestaltete sich zu meiner Überraschung sehr unkompliziert und innerhalb eines Tages hatten wir einen Termin und einen Ort für ein gemeinsames Treffen ausgemacht.

Interview mit Charles Fadel

Interview mit Charles Fadel, 12.12.2017 in der Gutman Library Harvard Graduate School of Education

Der Treffpunkt war ein wenig abseits des Hauptcampus von Harvard und die Gutman Library sah von Außen gar nicht so beeindruckend und einladend aus. Allerdings offenbarte sie von Innen einen einladenden und kreativen Coworking Space.

Unkompliziert suchten wir einen Raum, der unseren Ansprüchen nach einer Video- und Tonaufnahme halbwegs gerecht werden konnte. Zukünftig sollten wir uns aber vielleicht lieber informieren, ob man einen Raum mieten kann. Offene und kreative Räume stellten sich auf unserer Interviewreise nicht selten als schwierige Räume für Video- und Tonaufnahmen heraus. Auffällig war für mich, dass wir viele Interviews trotz interessanter Kulisse oft vor einer weißen Wand führen mussten. Eine transportabler Greenscreen wäre vielleicht in Zukunft eine Alternative?

Folgende drei Aspekte sind für Charles Fadel in der zukünftigen Bildung (unser Fokus lag auf den Universitäten) wichtig:

  1. Aspekt: motivation factor
    • Die Motivation muss aus den Mitarbeitenden (Forschenden/Lehrenden/etc.) selbst herauskommen. Insbesondere Forschende sollten über ein starkes Eigeninteresse verfügen, sich über Projekte weltweit mit anderen Forschenden/peer groups zu vernetzen und mit- und voneinander zu lernen.
    • Universitäten sind nicht dazu angehalten zwanghaft alle ihre eigenen Mitarbeitenden mitzunehmen. Die Weiterentwicklung der eigenen Mitarbeitenden erfolgt im jeweils unterschiedlichen individuellen Tempo.  Hierbei handelt es sich um eine Frage der persönlichen Initiative. Selbst in Harvard ist man unterschiedlich weit in der Umsetzung der Digitalisierung.  Charles Fadel rät mit den Early Adopter (20%) anzufangen zusammen zu arbeiten, der Rest kommt von selbst nach.
  2. Aspekt: connecting factor
    • Es ist vorteilhaft, wenn Universitäten Ressourcen miteinander teilen. Charles Fadel versteht dies jedoch nicht unbedingt als notwendig, dennoch sieht er klare Vorteile darin, gemeinsam Ressourcen zu nutzen. Des Weiteren berücksichtige ich bei dieser Aussage, dass er an einer der Universitäten lehrt, die wahrscheinlich über weitrechende Mittel verfügt und sich daher in einer sehr exklusiven Lage befindet. Dennoch fördert die Harvard University zusammen mit dem MIT (beide sitzen in Boston) Studierende in gemeinsam finanzierten/organisierten Programmen.
    • Charles Fadel bedauert, dass viele Fakultäten in ihren „eigenen Silos verbleiben“. Studierende und die Universitätsadministration sind aufgefordert diese Silos aufzubrechen. Studierende sollten diesen Aufbruch viel mehr einfordern und die Administration diesen Aufbruch viel mehr unterstützen.
  3. Aspekt: „holy gray aspect“ of technology for education
    • In einer Dekade der Algorithmen erwartet man in der Bildung eine unendliche hohe Anzahl an Möglichkeiten, wie unsere Lernweisen durch intelligente Algorithmen verbessert werden können. So existieren bspw. Ansätze eines intelligenten Tutors. Aktuell wird die Frage wie wir zukünftig lernen, begleitet von der Frage, was wir zukünftig lernen sollten. Studierende benötigen “What we need to test for is Transfer – the ability to use something we have learned in a completely different context. This has always been the goal of an Education, but now algorithms will allow us to focus on that goal even more, by ‘flipping the curriculum’.” (The Global Search for Education: Knowledge in the Age of AI, 3.12.2017) In der Konsequenz, was wie gelernt werden muss, sollten sich die Fakultäten danach orientieren, was die Studierenden benötigen!
    • Bildung sollte von jedem Interessierten eingefordert werden können. Die Digitalisierung hilft dabei, diesen Prozess und den Zugang so einfach, wie möglich zu gestalten. Aus der Perspektive der USA wird der Zugang zu preiswerter Bildung noch einmal notwendiger, als in Deutschland. Allein die Studiengebühren sind im Vergleich zu Deutschland recht hoch (Quelle: Education in USA) Anhand eines Beispiels veranschaulicht Charles Fadel einen einfachen Zugang mit der Unterstützung digitaler Elemente: Die Installation einer Kamera und eines Mikrofons im Klassenraum unterstützt den preiswerten Zugang, da diese Anschaffungen nicht mit hohen Kosten verbunden sind. Ist beispielsweise der Weg zum Klassenraum durch Schnee und Eis zu gefährlich, könnte man sich von zu Hause dazu schalten. Aber auch insbesondere Studierende, die entweder nicht vor Ort wohnen oder über die finanziellen Mittel für ein Studium vor Ort verfügen, können somit auf Bildungsinhalte zugreifen. Fadel verweist damit indirekt auf das von edX entwickelte Kurskonzept des MIT’s des MicroMasters, über das ein Teil der Lehre zu einem geringeren Preis von der Ferne aus absolviert werden kann. Insgesamt können über das blended learning Konzept des MicroMasters die Studiengebühren gesenkt werden und man verwendet die Wartezeit bis man einen Platz für das Studium am MIT erhält sinnvoll, da der MicroMaster über edX als reguläre Studienleistung anerkannt wird.

Die drei Askepkte sind nicht immer eindeutig zu trennen und bedingen sich in einigen Erscheinungen. Zudem versteht Charles Fadel, dass die Digitalisierung keine Fragen der Kosten ist. Sondern versteht darunter eher eine Frage der Öffnung bzw. Skalierung! Auf unseren Weg, auf dem sich die Hochschulen in Deutschland in ihrem Digitalisierungsprozess befinden, gibt er uns mit: Ignoriert Barrieren! Macht einfach und reagiert erst auf Probleme , wenn sie eingetreten sind.

 

Was ist dein wichtigstes Anliegen im Transformationsprozess von Hochschulen?

Ziel dieses Blogartikels ist es den explorativen Prozess in unserem Forschungsprojekt zu unterstützen: „Hochschulen der Zukunft – Anforderungen der Digitalisierung an Hochschulen, hochschulstrategische Prozesse und Hochschulpolitik  (HdZ)“ über die von uns definierten Expertinnen und Expertenmeinungen hinaus zu öffnen. Dazu verfolgen wir zwei Ansätze, den der analogen und der digitalen Mitgestaltung, die ich euch im Folgenden vorstellen will.

analoge Mitgestaltung

Zum einem wurden zum mobile learning day an der FernUni in Hagen die Anwesenden gebeten (Bericht einer Teilnehmerin: Silke Westpfahl), die an drei  Pinnwänden aufgeführten verschiedene Aspekte, des Digitalisierungsprozesses an Hochschulen „Widerstände“ , „Transformation“, „Lernformen und Lernorte“ mit ihren Themen zu verbinden. Die Bandbreite an Aspekten des Digitalisierungsprozesses sehr mannigfaltig sind und der Raum in dem die Pinnwänden nur begrenzt war, wurden drei differenzierte Aspekte ausgesucht, mit denen eine große Teilnehmerzahl am mobile learning day erreicht werden sollte. Zudem versuchten wir die Aspekte der Digitalisierung so allgemein, wie möglich zu halten, um die verschiedenen möglichen Impulse der Teilnehmenden aufnehmen zu können, ohne diese vorher in eine bestimmte Richtung zu lenken. Dennoch war uns bewusst, dass ein leeres Blatt mit einem Schlagwort eine Hürde zur Beteiligung sein kann, weswegen einzelne kontroverse Statements aus den bereits geführten Interviews zu einer Beteiligung motivieren könnten. Das Brainstorming wurde als Methode der kreativen Ideenfindung und des Abrufen von Vorwissen gewählt. Mit dieser Art des Brainstormings wird oberflächig eine Tendenz der Interessen der Teilnehmenden wahrgenommen, da auf diese Weise keine Erklärungen oder Hintergründe mitaufgenommen werden können (Wolcott, 1994). Eine Vertiefung der unterschiedlichen aufgeführten Themen versuchen wir nach dem Brainstorming einerseits in den Interviews zu realisieren, dennoch versuchen wir auch den Prozess wieder zu öffnen.

Die Ergebnisse werden am Ende des Blogartikels aufgeführt.

digitale Mitgestaltung

Zum anderen haben wir für Interessierte, die sich über den mobile learning day hinaus an diesem explorativen Prozess beteiligen wollen, ein Padlet umgesetzt. Ein Padlet ist eine digitale Pinnwand, die mit Notizen, Bildern, Videos, Posts, Links, Fotos, etc. individuell oder gemeinschaftlich mittels Drag-and-Drop oder Doppelklick gestaltet werden kann. An diesem Padlet kann jeder auch ohne Anmeldung zu diesem Tool teilnehmen. Die Padlets sind unter folgenden Links zu finden:

  1. Padlet: „Lernformen/Lernorte
  2. Padlet: „Transformation
  3. Padlet: „Widerstände

Ich lade euch gerne zu diesem Brainstorming ein.

In der von Jane Hart (2017) geführten Liste der Top 100 Tools for Education, die auf dem Voting von „learning professionals“ aus 64 Ländern basiert, rangiert Padlet 2017 auf Platz 36. Dies unterstreicht die Beliebtheit des kostenfreien, unkomplizierten Tools und seiner kreativen Einsatzmöglichkeiten.

Ergebnis der analogen Mitgestaltung

Auffällig ist die Beteiligung an den Aspekten. Der Aspekt „Widerstand“ hat mit 23 Beteiligungen das Interesse der Teilnehmenden weitaus mehr getroffen als die Aspekte „Transfer“ mit 18 Beiträgen und den Aspekt „Lernformen/Lernorte“ mit 13 Beiträgen. Wiederholungen von thematischen Beiträgen wurden von den Teilnehmenden versucht zu umgehen, indem sie sich vorher einen Teil der bereits erstellten Beiträge duchlassen und offen artikulierten, dass der Beitrag ja schon an der Pinnwand stehe.

Die Ergebnisse werden in der nachfolgenden Übersicht lediglich dargestellt.

erste Pinnwand:

Lernformen / Lernorte

zweite Pinnwand:

Transfer

dritte Pinnwand:

Widerstände

–       Hochschulen als Anlaufstationen

–       integrierte Lernergebnisse

–       fließende Übergänge in den Alltag

–       keine On/Offline Differenzierung

–       intuitiver technischer Support durch KI

–       Öffnung für Kooperationen (vgl. Weiterbildungssektor)

–       Von Tim O’Reilly Verlag lernen

–       Lernform: kooperativ und gemeinsam

–       Lernort: Mix von Ort/ Zeit (flexibel)

–       Studenten ernst nehmen (Menschenbild)

–       Flexible Anwendung von Zertifikaten

–       Flexible Lernorte / Lernzeiten

–       inhaltliche Aufarbeitung (visuelle Darstellung (UX)

–       Bildung vs. Berufsbezogenheit

–       neue strategische Partnerschaften

–       Studierendenbildung Aufrecht erhalten

–       Was kommt nach dem Abschluss?

–       Lebenslanges Mentoring – Unis haben einen Startvorteil

–       Vermehr Kooperationen mit der Wirtschaft

–       Das Curriculum wird sich grundsätzlich ändern

–       Durchlässige Prozesse

–       Baukastensystem auch fachübergreifend

–       Inhaltliche intuitive visuelle Darstellung der Aufgabe / Angebote

–       Sehr gut gemachter Dauer-MOOC und barcamps

–       Öffnung für Kooperationen

–       Wer macht Weiterbildungsqualifikationen?

–       Die Kooperationsfähigkeit wird sich ändern müssen: mit anderen Hochschulen, mit anderen Unternehmen

–       Kombination / Stärkung von bottom up und top down Struktur

–       Strategie häufig unklar

–       Sie (die Uni) wird ein Unternehmen oder die Kurve bekommen

–       Sie (die Uni)wird konventionelle Strukturen aufgeben müssen; Privatisierung zulassen

 

–       Festhalten am Bewährten

–       Überlastung (cognitive overload)

–       Vorhandene Bürokratie

–       Kompetenzen in digitalen didaktischen-math. Bereich sind selten

–       Change-Prozess

–       Unterschiedliche Kompetenzen der Teilnehmenden

–       Keine Unterstützung bei übergreifenden Themen (nicht mein Thema)

–       Schlechte technische Qualität bei Ausstattung

–       Zeitliche Überlastung des Lehrpersonals

–       Technische Infrastruktur / finanzielle Mittel

–       Noch hoher Klärungsbedarf bzgl. rechtlicher Rahmen (u.a. Datenschutz)

–       Haltung & Menschenbild

–       (In)kompetenzen auf Seiten der Lehrenden

–       Unwilligkeit, mangelnde Affinität zu Medien

–       In den Köpfen der Menschen in Bezug auf „richtiges“ Lernen

–       Dozenten müssen liebgewonnene Methodenkonzepte verlassen

–       Rechtl. Rahmen: Anerkennung von E-Learning Zeiten

–       Lehre wie in der Schule

–       Effektivität ist nicht gleich Qualität (Lehre / Struktur)

–       Nicht alles erheben, was möglich ist (Wirtschaft), sondern sinnvoll

–       Medieneinsatz eher oberflächig

–       Wertschätzung von nicht standartkonformen Lernwegen

–       Umgang mit hoher Selbstverantwortung (ist nicht selbstverständlich)

 

Heraus aus der eigenen Blase?

Aktuell arbeite ich an dem Projekt: „Hochschulen der Zukunft – Anforderungen der Digitalisierung an Hochschulen, hochschulstrategische Prozesse und Hochschulpolitik  (HdZ)„.

In dem Projekt wollen wir, mein Kollege Rüdiger Wild und ich, verschiedene mit der Digitalisierung verbundene Entwicklungen aufgreifen und weiter diskutieren. Wir setzen unsere Fragestellungen bei den Hochschulen an, um entsprechende Folgen von Digitalisierungsprozessen für die Hochschule der Zukunft zu erkunden. Um herauszufinden was von Hochschulen zukünftig erwartet wird und wie der Transformationsprozess von statten gehen kann, suchen wir den kommunikativen Austausch mit Experten und Expertinnen.

Die ersten Gespräche mit den Expertinnen und Experten, sowie Interessierten haben in mir einen Reflektionsprozess, bezüglich unserer Ausgangsbedingungen, ausgelöst, der noch nicht abgeschlossen ist.

Von diesen ersten Gedanken möchte ich in diesem Blogartikel berichten. Gerne seid ihr eingeladen, weitere Gedanken und Impulse mit in diesen Gedankenprozess einzubringen. 

So ist mir durchaus bewusst, dass allein in dieser Ausgangsdefinition „Hochschulen der Zukunft – Anforderungen der Digitalisierung an Hochschulen, hochschulstrategische Prozesse und Hochschulpolitik  (HdZ)“ mehrere diskussionswürdige Ansätze enthalten sind. Gerne greife ich für meinen Blogbeitrag vier Ansätze auf, die ich aktuell als die für mich wichtigsten identifiziere:

  1. Ich frage aus der Perspektive der Selbsterhaltung der Hochschule!

Das heißt, ich bin daran interessiert, dass es Hochschulen auch zukünftig, in welcher Form auch immer, geben wird. Ob das der zukünftige Fall ist, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. In der Orientierung an Castells Netzwerkgesellschaft, könnte geschlussfolgert werden, dass die Hochschule, wenn sie für die Gesellschaft nicht mehr von Bedeutung ist, umgangen wird (Castells 2002).

Stellen wir uns vor, dass in der Zukunft Hochschulen nicht mehr von Bedeutung wären, müsste ich unter dieser Annahme in dem Projekt nicht von einem anderen Ansatz ausgehen?

  1. Ich wähle die Institution der Hochschule mit ihren kulturellen Codes als Akteur aus.

Nach Castells (2003) könnte eine Hochschule als Netzwerk definiert werden, welches verschiedene Knoten, die ein gemeinsames, partikuläres und funktionales Interesse haben, verbindet. In einem gegenseitigen Austausch legt das Netzwerk fest, wer dazugehört und wie sich die Strukturen des Netzwerkes ausgestalten (Bommes und Tacke 2006). Voraussetzung, dass eine Hochschule in die Definition eines Netzwerks nach Castells fällt, ist, dass mehrere Knoten miteinander verbunden werden. Dabei versteht Castells Netzwerke als ein Gegenmodell zu hierarchisch organisierten Organisationen. Aktuell sind Hochschulen hierarchisch strukturiert. In Netzwerken gewinnt die individuelle Wahl Vorrang vor traditionellen Pfaden (Castells 2001a). „Unsere Gesellschaften sind immer mehr um den bipolaren Gegensatz zwischen dem Netz und dem Ich herum strukturiert“ (Castells 2003).

Müsste ich, wenn Netzwerke im Zentrum des zukünftigen Interesses stehen, meine Betrachtungen bei einzelnen Projekten, die sich innerhalb und außerhalb der Institution Hochschule befinden, starten?

  1. In der Fragestellung wird nachgegangen, wie Hochschulen einzelne Digitalisierungsaspekte aufgreifen und umsetzen können! Die Digitalisierung wirkt dementsprechend in die Richtung der Hochschulen!

Mit der Wirkrichtung einher geht, dass Hochschulen auf Digitalisierung reagieren und weniger agieren. Im extremen Fall folgt der technologische Instrumentalismus in der Bildung. So könnten Bildungsbereiche bspw. lediglich digital aufrüsten und das Möglichste mit Learning Analytics erfassen. Ein Netzwerk, dessen Netzwerkknoten sich im ständigen gegenseitigen Austausch der kulturellen Codes befinden, müsste mit seinen Beiträgen zur weiteren Ausprägung/Entwicklung des Netzwerks beitragen.

Wäre die Umdrehung der Wirkrichtung von Digitalisierung daher nicht folgerichtiger? Wie kann sich Hochschule am Diskurs über Digitalisierungsprozesse in der Gesellschaft beteiligen?

  1. Um der Frage, welchen Einfluss die Digitalisierung auf die Hochschulen hat (Ausgangsfrage) wurden Experten und Expertinnen für ein Interview angefragt.

Dabei stellt sich zugleich die Frage, wer als Experte und Expertin definiert werden kann? Wir identifizierten mehrere Bereiche, mit denen sich ein Experte und eine Expertin unserer Meinung nach auseinandergesetzt, bzw. diese erfahren haben muss. Dazu zählen Erfahrungen in:

  • hierarchischen Organisationen, wie auch Netzwerkorganisationen,
  • in der Zusammenarbeit mit Hochschulen oder aus der Hochschule selbst kommend,
  • öffentliche und über einen längeren Zeitraum andauernde Kommunikationsbeiträge im Digitalisierungsprozessen und
  • internationalen Kontexten.

Da Digitalisierungsprozesse nicht an den Ländergrenzen enden und in einigen Projekten hochschulübergreifend und international zusammengearbeitet wird. Haben wir uns dazu entschlossen, dass etwa die Hälfte der Experten und Expertinnen aus dem internationalen Kontext stammen muss. Ein wichtiger Aspekt lag dabei auf den USA, da von dort aus wesentliche und beeinflussende Entwicklungen ausgingen (etwa 30% der internationalen Experten und Expertinnen).

Wir haben auch darauf geachtet, dass die Zugehörigkeit der Expertinnen und Experten zur Hochschule stark variiert. Konkret ausgedrückt, öffnet sich eine Spanne zwischen zwei Extremen, den Hochschulmitarbeitenden auf der einen Seite und der Expertin bzw. den Experten in der Wirtschaft/Ehrenamt auf der anderen Seite, die über einzelne Projekte in Kontakt mit der Hochschule gelangen.

Meistens ergaben sich aus den von uns vorab formulierten Kriterien Expertinnen und Experten, die im traditionellen Hierarchiesystem von Organisationen weit aufgestiegen sind oder die sich bewusst gegen traditionelle Karrieren entschieden haben. Dadurch eröffnete sich mir ein Konflikt. Die interviewten Experten und Expertinnen verwiesen immer wieder darauf, dass mit der Digitalisierung die Möglichkeit entstanden ist, dass sich jeder an Kommunikationsprozessen beteiligen kann. Durch die Definition des Experten bzw. Expertinnenbegriffs wird der Kreis der Beteiligung von Vornherein eingeschränkt.

Ist die Einschränkung der Interviews auf die von uns definierten Expertinnen und Experten in Bezug zu dem Thema Digitalisierungsprozesse nicht entgegengesetzt? Wie kann die Organisation und Struktur des Forschungsprojektes, welche Digitalisierungsprozesse in ihrer Struktur nicht aufgreift, inhaltliche Digitalisierungscharakteristiken erfassen?

An diesen Punkten möchte ich gerne weiter denken und diese versuchen an der einen oder anderen Stelle durch praktische Umsetzung auszuprobieren. So kann ich mir vorstellen den Prozess des Austausches über Digitalisierungsprozesse im Kontext der Hochschule zu öffnen. In einem ersten Ansatz versuche ich die nächsten Tagen den explorativen Prozess zu öffnen, mit dem die wichtigsten Aspekte und Kategorien gefunden werden können.

Auf dem Weg zur Arbeit (Homeoffice in San Francisco)

Leicht nebelig ist es heute wieder vor dem Fenster. Die obersten Etagen der Hochhäuser der Umgebung liegen noch im Frühnebel. Unter mir pulsiert die Stadt mit ihren morgendlichen Geräuschen. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob die Stadt unter mir überhaupt jemals zum Schlafen kommt. Die Geräusche auf den Straßen und Wegen verändern sich lediglich mit der Tageszeit, so erscheint es mir.

Market Street

Market Street

In wenigen Tagen werde ich meinen Arbeitsplatz wieder verlagern und mich überkommt jetzt schon eine stille Sehnsucht zurück zu dieser Aussicht, in eine Welt, die so viele Extreme und vielfältige Ausprägungen dazwischen zulässt. Eine Welt, die einen dauernd mit neuen Impulsen anregt und aus der man sich, um diese Impulse zu verarbeiten, auch einmal bewusst zurück ziehen muss.

Nach etwa zwei Wochen sucht mein Blick noch immer fragend die einzelnen Häuserblöcke ab. Die Frage hinter diesem Blick ist mir nicht völlig bewusst, vielleicht ist es die nach der Entstehung oder nach dem Sinn (für wen?) oder was ich davon lernen kann, von dem was da vor mir liegt.

Mein Blick geht die Market Street bis zum Financial District hinunter. Auf der Straße ist erstaunlich wenig Verkehr. Das Verhältnis zwischen den Straßenbahnen, den Bussen, den Autos und den Fahrrädern nehme ich als ausgewogen war. Ich bin erstaunt, wie viele Fahrradfahrer sich auf ihr bewegen. Viel befahrende Seitenstraßen kreuzen jedoch die Market Street. Im Hintergrund erhebt sich zwischen den einzelnen Hochhäusern die Oakland Bay Bridge, deren Straßen ebenfalls zu fast jeder Tageszeit mit Autos verstopft scheinen. Rechts von mir wird der Blick vom Industriehafen fast meditativ aufgefangen. Die Containerschiffe bewegen sich langsam, kaum erkennbar in Millimetern. Der Hafen besänftigt die Augen vom ruhelosen Hin- und Herhuschen der Beobachtungen auf den Straßen und Wegen. Oasen der Entspannung entdecke ich auch hier und da auf den einzelnen Dächern vor mir.

Bevor ich heute mit der Arbeit beginne, starte ich mit einem kleinen Arbeitsweg(Spaziergang), inspiriert von Wibke Ladwigs rituellen frühmorgendlichen Arbeitsweg zum Homeoffice. Nur wird mein Weg, wohl kein Ritual werden.

Es ist 7:45 Uhr morgens und es geht mit dem Fahrstuhl 28 Stockwerke nach unten. Der Service (Empfang und Sicherheitsservice) begrüßt uns freundlich. Wieder wird der Eindruck bestätigt, dass die Bewohner San Franciscos früh aufstehen. Das Fitnesscenter ist voll und die ersten verlassen es schon wieder, um sich auf dem Weg zur Arbeit zu machen. Fitnesscenter scheint es hier in jedem Apartment Townhouse zu geben. Da diese nicht auszureichen scheinen, werden noch einzelne externe angeboten. Alle sind früh morgens sehr gut besucht (In den Instagramstories, die mit dem Ort San Francisco vertagt sind, kann man gefühlt 60 % der Stories aus Fitnesscentern entdecken).

Noch sind wenige Touristen auf der Straße zu sehen, lediglich eine große Reisegruppe wartet mit riesigen Koffern auf der Straße. Ich begegne Unmengen von Menschen mit einem Kaffeebecher in der Hand, die wohl auf ihrem Weg zur Arbeit sind. In den Cafés an denen ich vorbei gehe, bilden sich lange Schlangen. Während ich sie beobachte fällt mir ein, dass sich zwei Kaffeeketten hier in den Straßen von San Francisco versuchen nicht nur sich gegenseitig auszubooten, sondern auch den kleinen lokalen Kaffeegeschäften ihre Kundschaft wegzunehmen. Philz Coffee, San Francisco’s Startup Antwort auf Starbucks soll überall dort zu finden sein, wo sich Startup Unternehmen niederlassen. Peet’s Coffee versucht diesen Status anzugreifen und stellt sich gerne mit mobilen Kaffeestationen gegenüber von Philz Coffee auf.

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Ein paar Schritte weiter, entdecke ich eine Absperrung von fünf Quadratmetern, die von drei Leuten betreut wird. Wieder staune ich über den Einsatz von Servicepersonal in dieser Gegend. Mein Blick nach oben verrät, dass der Teil des Weges gesperrt ist, weil zwei weitere Personen auf einem Gerüst die Fenster des Hochhauses säubern. Meine Gedanken wandern weiter zur Digitalisierung und ich höre mich leise fragen, ob das die Jobs sind, die von Robotern zukünftig ausgeübt werden sollen?

Die Gedanken werden vom ausgelösten Feueralarm im Hotel nebenan erstickt. Zuerst

Fahrrad

verstehe ich nicht, dass es sich bei dem Lärm um einen Feueralarm handelt, ich bemerke lediglich die Menschen, die um das Haus beobachtend herumstehen. Daraufhin erscheint die Feuerwehr mit mehreren Autos. Bemerkenswert in welcher Geschwindigkeit die Feuerwehr vor Ort anwesend ist und wiederum bemerkenswert ist, mit wie viel Personal sie anrückt. Sekunden später ist der Feueralarm verstummt.

Mein Blick verfängt sich noch an einer Säule bevor es zu meinem Arbeitsplatz geht. Digital wird die Anzahl der Fahrradfahrer gezählt, die täglich vor dem Headquarter von Twitter vorbeifahren. Daneben ist eine der vielen Fahrradstationen in San Francisco aufgebaut. Ich frage mich, ob die bei meinem letzten Besuch in SF vor zwei Jahren schon da war oder ob San Francisco auch hier anfängt, sich zu ändern.

Weiterhin entdecke ich auf meinem Weg zur Arbeit wundervolle Graffiti an vielen Wänden. Ich bemerke eine Tai Chi Gruppe unter den Bäumen des Platzes vor der City Hall, vorbei hastende Jugendliche mit Radiokoffern auf den Schultern, aber auch vielen Obdachlosen.

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