Die Krise als Motor der Weiterentwicklung nutzen: Flächenweite Umsetzung von Distance Learning in Kalifornien in allen Schulklassen

Ich bin beeindruckt mit wieviel positiver Energie, Kreativität und auch gegenseitiger Unterstützung die Lehrenden ihre Schüler*innen in Kalifornien in den letzten Wochen begleiteten und nicht allein lassen wollen. Natürlich lese ich auch immer wieder Stimmen, die Überforderung, Desorientierung und Hilflosigkeit ausdrücken und zwar auf Seiten der Eltern, der Lernenden und der Lehrenden.

Ida B. Wells High School ist eine öffentliche High School in San Francisco, Kalifornien, in der Nähe des Stadtviertels Hayes Valley. Die Schule gehört zum San Francisco Unified School District (SFUSD).

Die Situation, der flächenweiten Schulschließungen durch COVID-19, war und ist weiterhin eine Herausforderung für alle.

Der Antriebsmotor aller Beteiligten scheint mir überwiegend aus einer Kombination mehrerer Ansätze zu bestehen: eigenem Willen, Kreativität, Realitätsanerkennung und Pragmatismus. Zugleich wird zugelassen und verstanden, dass in dieser Situation kein perfektes Lehr-Lern-Szenario umgesetzt werden und wahrscheinlich auch nicht jede*r Schüler*in erreicht werden kann, auch wenn es versucht und dafür sehr energisch gekämpft wird.

Bis zum Ende des Schuljahres 2019/2020 bleiben die Schulen in Kalifornien geschlossen (Link: EdSource). Aus dieser klaren Ankündigung entwickelten die öffentlichen Schulen aus der Not heraus ihr Konzept im Format von Distance Learning weiter. In dem nachfolgendem Beitrag gehe ich lediglich auf meine Wahrnehmung der Entwicklung an öffentlichen Schulen im San Francisco County (SFUSD), mit etwa 124 Schulen, ein.

Die privaten Schulen (116) haben einen ganz unterschiedlichen Umgang mit der Situation. Viele private Schulen, die bisher noch über keine Distance Learning Konzepte verfügten, entwickeln ähnliche Ansätze. Nicht wenige Privatschulen besitzen schon sehr weit entwickelte Distance Learning Formate, die in ihrer Philosophie mit verankert sind. Wenige Ausnahmen haben sich dazu entschlossen keinen Unterricht anzubieten.

Die besonderen Herausforderungen in der Umsetzung von Distance Learning in Schulen scheinen mir folgende zu sein:

  • Die Gestaltung des Online Unterrichts ist insbesondere für jüngere Schüler*innen herausfordernd.
  • Der Zugang zu Mahlzeiten, der insbesondere für Schüler*innen aus einkommensschwachen Familien essentiell ist, soll weiterhin gewährleistet sein.

Wie wurden die ersten Wochen genutzt?

Mit der Ankündigung der Schulschließungen bis zum Schuljahresende, verliefen die ersten Wochen oftmals etwas chaotisch, aber kreativ und letztendlich wurden diese Wochen auch zur Vorbereitung genutzt.

Zum Einem wurden Materialien manchmal willkürlich auf die Schnelle zusammengestellt, die den Schüler*innen in den ersten beiden Wochen helfen sollten, sich mit dem Unterrichtsstoff auseinander zusetzen (bspw. in Form von Linksammlungen).

Fehlende Geräte wurden bereitgestellt und Hotspots für einen Internetzugang, insbesondere für die Familien, die sich bisher keinen Zugang leisten konnten, installiert. (Was nicht bedeutet, dass alle Schüler*innen aktuell über ein Gerät bzw. Internetzugang verfügen.)

Darüber hinaus wurden die ersten Wochen genutzt, um ein Distance Learning Programm aufzustellen, welches auch nach Corona weiterhin eingesetzt werden kann. An dieser Entwicklung waren mehrere Instanzen beteiligt. Die nachfolgenden Screenshots zeigen ein Beispielmuster für einen möglichen Tagesplan für Middle und High School Schüler*innen

  1. Das Departement of Education hat Richtlinien (Handlungsvorschläge) entwickelt, die als Orientierung dienen. Bei den Handlungsvorschläge werden den Lehrenden Freiheiten in der Umsetzung gegeben und zudem mit Best Practice Beispielen veranschaulicht. Ein 45-seitiger Leitfaden  empfiehlt vier Stunden täglichen Unterricht, entweder zusammen oder getrennt, mit regelmäßiger Interaktion und Bürozeiten, die je nach Klassenstufe aufgeschlüsselt sind.
  2. Lehrende wurden/werden über Online Webinare (Link)  weitergebildet, um virtuelle Kurse zu erstellen, mit Kollegen zusammenzuarbeiten und sich aus der Ferne mit ihren Schüler*innen zu beschäftigen.
  3. Eine Video-Austauschplattform, auf der Mitarbeiter*innen über ihre Erfahrungen sprechen, nach Ratschlägen fragen können wurde umgesetzt.
  4. Ein Service für verschiedene Anliegen wurde etabliert, bei denen sich Lehrende technologische, didaktische und weitere Unterstützungen, telefonisch, per E-Mail, etc. bei Bedarf einholen können.
  5. Es wurden Online Umgebungen in Kooperation/Kollaboration mit Didaktiker*innen (Instructional Designern), Techniker*innen, Lehrenden, Administrator*innen umgesetzt.

Die öffentlichen Schulen versuchen mit dem Distance Learning Programm die individuellen Zugänge zu den Online Umgebungen der Lernenden mit ihrem Familien abzubilden, indem sie verschiedene Optionen des Lernens berücksichtigen. Diese sind in der nachfolgenden Grafik zusammengefasst:


Quelle: https://www.cde.ca.gov/ls/he/hn/distancelearning.asp

Das Distance Learning Programm für Schüler*innen berücksichtigt:

  • Einen Vorschlag in Form einer Tageseinteilung: Die Schüler*innen nehmen jeden Tag an mindestens einer strukturierten akademischen Unterrichtsstunde und einer sozial-emotionalen, gemeinschaftsbildenden Unterrichtsstunde teil, die von ihrem eigenen Klassenlehrer digital vorgetragen wird.
  • Den Beginn des gemeinsamen Schultag mit einem online Meeting, um virtuell in Kontakt mit Mitschüler*innen und Lehrende zu treten.
  • Ein Angebot individuelle Sprechstunden mit den Lehrenden.
  • online gegebene Impulse, mit denen Lehrende ihre Schüler*innen zum selbständigen Lernen motivieren, um dann abschließend sich über das Ergebnis zu reden (Kombination aus Fernunterricht und/oder Selbststudium).
  • Individuelle virtuelle Unterstützung bei Verständnisproblemen.
  • Die Zeit, die Schüler*innen online (oder auch Screentime) vor dem Rechner verbringen, soll so gering, wie möglich gehalten werden.
https://abc7news.com/video/embed/?pid=6094036

Wie sind eure Erfahrungen in der Zeit, in der die Schulen geschlossen waren?

Quellen:

Amazon Go – ein zukünftiges Einkaufsszenario?

Ein Amazon Go Store gilt als moderne und zukunftsgewandte Einkaufserfahrung, die gänzlich ohne Kassen gestaltet ist und mit bargeldlosen Einkaufen verbunden wird. Über die Erfassung aller Bewegungen mittels einer großen Anzahl von Sensoren, werden die Waren, die eingekauft werden, abgerechnet. Amazon zählt drei technologische Ansätze auf, die im Store zu diesem Kauferlebnis führen: Computer Vision, Sensor Fusion und Deep Learning.

Die Identifizierung des*der Kunden*in erfolgt über eine QR-Code, der mit dem Eintritt in den Store gescannt wird. Beim Verlassen des Stores wird eine Check-Out Schranke durchquert, mit der die Rechnung erstellt wird. Die Abrechnung erfolgt daraufhin über den eigenen Amazon-Account.

weiter Infos auf: Emotions & Tech „Amazon Go – Steht der Mensch trotz aller Technik im Mittelpunkt?“ (18.10.2019)

Virtuelle Fitness: Besuch bei Black Box in SF

Was versteht Black Box unter virtueller Fitness? Black Box soll das erste virtual reality (VR) Fitness Studio sein, darauf verwiesen jedenfalls die Titel zweier US Magazine, Forbes und sfgate, Anfang diesen Jahres. Ich war neugierig darauf geworden, als ich das Fitnessstudio in San Francisco (Market Street) entdeckte und wollte es dann auch zugleich mal ausprobieren. Wie würde es sich wohl anfühlen? Würde ich die Instruktionen verstehen?

Kurzfazit ist:

  • Spaß: ★★★★★
  • Anstrengung: ★★★★★
  • Anleitung: ★★★★☆
  • Hygiene: ★★★★★
  • Kosten: $$$$$

Gesamtfazit: Ich würde diese Art des VR Fitness in Anspruch nehmen, wenn es nicht so teuer wäre.

Den ausführlichen Artikel habe ich für „EMOTIONS & TECH“ geschrieben und ist unter dem Link zu lesen.

Schwerer Koffer, übervolle Kleiderschränke, muss das sein? Gibt es Lösungsansätze im Start-up Bereich?

(gepostet auf: Emotions & Tech)

Zusammenfassung: In diesem Beitrag berichte ich über meine Gedanken, ob ein Mode Start-up aus New York das Verreisen erleichtern kann, indem ich nur mit Handgepäck in die USA einreise und dort meine Kleidung miete. Unterstütze ich damit vielleicht sogar den Nachhaltigkeitsgedanken?

Ausgangssituation: unhandliche und volle Koffer auf einer Reise und die Frage „Habe ich die richtige Kleidung dabei?

Unterwegs mit einem „riesigen“ Koffer verstopfe ich zum Einem die Gänge der Regionalbahn (weil die Gepäckablagen einfach viel zu klein sind) und des Busses in Deutschland. Zum Anderen empfinde ich den Koffer als so schwer, so dass ich ihn oftmals mit aller Anstrengung in die Bahn bzw. den Bus hineinziehe.

Und dennoch frage ich mich mal wieder, ob die notwendige Kleidung inkl. der Schuhe, die ich auf meiner Reise nach San Francisco mitführe, alle meine vorgenommenen Aktivitäten abdecken kann?

So wusste ich bei meiner letzten Reise nach San Francisco, die etwa über 3 Wochen verlief, dass ich Kleidung für sehr verschiedene Situationen benötigen würde:

  • Abendkleidung, als Gast auf einer Hochzeit
  • Businesskleidung für das Büro und verschiedener Meetings
  • Wanderkleidung, da ein Besuch im Nationalpark eingeplant war
  • Freizeitkleidung, um den Fitnessbereich mit zu nutzen
  • Lagenlook für das sich ständig wechselnde Wetter in San Francisco
  • windfeste Kleidung, da die durch die Stadt wehenden Winde den Körper schnell auskühlen können
  • Sommerkleidung, da Freunde und Verwandte außerhalb von San Francisco besucht werden sollten

Ist es möglich auch ohne viel Gepäck zu verreisen?

Schon allein das Kleid für die Hochzeitseinladung mit den Schuhen, der entsprechenden Tasche, sowie die Wanderschuhe für den National Park, würden den Koffer unverhältnismäßig viel auslasten und das lediglich für eine einmalige Situation. Wie viel der anderen Kleidung könnte ich rekombinieren, so dass mehrere Outfits daraus entstehen?

Nicht nur, dass das Gepäck unhandlich und schwer ist, so würde mich die Aufgabe des Koffers bei der Lufthansa etwa 100 € (Hin- und Rückflug) kosten. Weiterhin fragte ich mich, wie sehr die nicht gerade preiswerte Kleidung (insbesondere der des Hochzeitsoutfits) bei dem Transport leiden würde.

Letztendlich trat ich die Reise ohne das Hochzeitsoutfit und mit relativ leichtem Gepäck an! Ich entschloss mich für ein Abenteuer und eine neue Erfahrung!

Was ist meine Motivation, um in die USA ausschliesslich mit Handgepäck für 3 Wochen einzureisen?

Ich wollte mich auf ein Experiment einlassen! Wie ist es, wenn ich mir einen Großteil der Kleidung vor Ort ausleihe? Das Ausleihen von Kleidung könnte in meinem Fall, meinen ohnehin schon zu großen CO2 Fußabdruck verringern und vielleicht ließe sich das Ausleihen von Kleidung auch als zukünftige Alternative in meinem Leben integrieren?

Verleihsysteme sind eine komfortable und umweltfreundliche Alternative zum Kleiderkauf. Oft ziehe ich einen Bruchteil meiner Kleidung regelmäßig an, während der Rest oft zu wenig, da auch ausreichende Kontexte fehlen, getragen werden kann.

Hintergrund der Entwicklung unserer Umgangsweise mit Mode:

Mit dem Begriff „Fast Fashion“ wird diese Umgangsweise mit Mode in modernen Wegwerfgesellschaft versehen. Mit „Fast Fashion“ können sich allerdings auch Menschen mit geringen Einkommen aktuelle Modetrends leisten. Aber neben den Preisen sinkt auch die Qualität der Kleidung. Des Weiteren leiden darunter auch die Arbeitsbedingungen unter denen die Kleidung produziert wird, als auch die Umwelt unter den Produktionsprozessen.

Um die Nutzungsdauer von qualitativer Kleidung zu verlängern und die sozialen, als auch ökologischen Probleme zu mindern, kann unter anderem der Ansatz der Mehrfachnutzung durch Vermietung von Kleidung verstanden werden.

Ist ein Ansatz Rent the Runway?

Ich wollte „Rent the Runway“ (RTR) ein Start-up aus New York, das qualitative Kleidung und Accessoires vermietet, in den 3 Wochen in San Francisco ausprobieren. Wie praktisch war es doch, dass das Modeunternehmen einen Store in San Francisco, quasi die Straße runter von meiner Unterkunft, betrieb. Die Zielgruppe von RTR sind Frauen, die aufgrund ihrer Arbeit keine Zeit mit Shopping verlieren und dennoch jeden Tag modisch gekleidet sein wollen.

Wie fühlt es sich an, wenn ich meine tägliche Kleidung, über dieses Start-up organisieren würde? Um täglich Kleidung über 3 Wochen ausleihen zu können, musste ich einen Beitrag von 99,02 € bezahlen. Dafür durfte ich 4 verschiedene Artikel täglich blockieren, also entweder zu Hause haben oder diese befanden sich auf dem Rück- oder Hinweg zwischen mir und dem Store. Das sich der Store in der Nähe befand, erwies sich dabei als Vorteil, da ich auf diese Weise die Zeit der An- und Rücklieferung der Kleidung optimieren konnte. Würde ich auf dem Postweg vier Kleidungsstücke händeln müssen, wüsste ich nicht, ob ich jeden Tag etwas Neues zum Anziehen erhalten hätte (aber für solche Situationen hat man dann auch Basics). Der Vorteil des Stores bestand auch darin, dass ich in dem Store selbst die Kleidung anprobieren konnte und von den Mitarbeitenden beraten wurde.

Store in San Francisco

Resümee nach drei Wochen Nutzung:

Meine Meinung zum Tragen von täglich neuer Kleidung ist nach den 3 Wochen immer noch gespalten:

Vorteile sind ohne Zweifel für mich:

  • Das Tragen qualitativer hochwertiger Kleidung lässt mich selbstbewusster im Alltag auftreten.
  • Die Pflege und das Säubern der Kleidung entfällt, da dieses von RTR übernommen wird.
  • Dadurch, dass ich die Kleidung nicht besitze, bin ich mutiger im Ausprobieren unterschiedlicher Stilrichtungen.
  • Eine Versicherung für die Kleidung ist enthalten, falls sie wegkommen sollte oder beschädigt wird.
  • Ich darf die Kleidung so lange behalten und so oft tragen, wie ich möchte (solange ich den Mitgliedsanteil bezahle).
  • Teure Kleidung, die ich mir für einmalige Anlässe nicht leisten würde, kann ich auf einmal tragen.

Nachteile waren für mich:

  • Die amerikanische Mode entspricht nicht unbedingt meinem Geschmack. Ich brauche viel mehr Zeit, um im Store ansprechende und passende Kleidung zu finden. Vielleicht minimiert sich mit der Zeit der Prozess der Auswahl, allerdings verbrachte ich in den 3 Wochen insgesamt 7,5 h in dem Store (Anmeldung, Erklärung der Benutzungsweise der APP, Kleiderwahl, Anprobieren, Rückgabe). Hätte ich in diesem Zeitraum so viel Zeit mit Shopping verbracht?

Neutrale Gedanken:

  • Ist der Aufwand der beständigen Lieferungen wirklich so umweltschonend?
  • Der Alltag müsste umstrukturiert werden, da alle zwei bis drei Tage die Kleidung ausgetauscht werden sollte. Der Gang zum Store oder zur Webseite/App müsste zu meinen täglichen Routinen werden.
  • Dadurch, dass RTR einen Store in San Francisco hat, erfolgt der Umtausch schnell und unkompliziert. Würde der Austausch über den Postweg erfolgen, zieht sich der Prozess des stetigen Umtausches in die Länge.
  • Viele Kleidungsstücke sind in meiner Größe bereits für den angefragten Zeitraum vermietet. Komischerweise stört mich das gar nicht so sehr, wie viele andere Nutzerinnen. Ich freue mich sogar darüber, dass das Konzept anscheinend aufgeht. Würde sich mit einer dauerhaften Nutzung von RTR mein Verhalten und mein Denken über Kleidung verändern?
  • Was ist mit dem Gedanken unter Frauen, dass man eigentlich nicht in dem Kleidungsstück, das eine andere Frau getragen hat, ebenfalls gesehen werden will (so wie Jordyn Rebecca dies bspw. auf ihrem You-Tube Channel berichtet)? Auch dieser Gedanke stört mich nicht, als eine Frau mir im Store bei einem Kleidungsstück zu vor kam. Ich dachte in diesem Moment doch tatsächlich, dann warte ich halt, bis es zurückkommt.
  • Ich habe kein Gefühl für das Preis / Leistungsverhältnis. Da ich San Francisco schon als sehr teuer empfinde, kann ich das Preis Leistungsverhältnis für diese Umgebung absolut nicht einschätzen.

Wäre RTR eine gute Alternative, um einen vollen Kleidungsschrank zu verhindern? Ich bräuchte nur ein paar Basics. Gerade in San Francisco ist jeder gewonnene Quadratmeter in der eigenen Wohnung „Gold wert“.

In der nachfolgenden Slideshow zeige ich einen Ausschnitt der getragenen und gemieteten Kleidung:

weiterführende Links:

Silicon Valley-China-Germany

Im Rahmen des #china40mooc „China Infusion – Was wir von China lernen können“ der vom 22.02.19 – 24.02.19 stattfindet, durfte ich Han Jin (Lucid) interviewen. Ihn zeichnet aus, dass er sich in der Startup-Szene von drei Kulturen (China / Silicon Valley / Deutschland) bewegt und diesbezüglich tolle Impulse für den MOOC im Februar mitgeben konnte.

Nachfolgend ist das Interview verlinkt und im Anschluss daran habe ich das Interview in einer Tabelle zusammengefasst.

Mitnehmen möchte ich vor allem seinen Aufruf, die Welt als ein globales System zu verstehen und sich in ihr zu bewegen lernen (mit den Vor-und Nachteilen eines jeden Landes).

Vielen lieben Dank für deine Zeit, Han Jin 🙂

Han Jin (/han ʤɪn/; geboren am 15. Oktober 1988) ist Mitbegründer, CEO und Produktarchitekt von Lucid VR Inc. (Lucid), ein Startup-Unternehmen mit Sitz in Santa Clara, Kalifornien.

Die Ergebnisse aus dem Interview werden in einer Tabelle dargestellt. Die einzelnen Inhalte haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn etwas nicht genannt ist, heißt es beispielsweise nicht, dass es das nicht gibt, sondern es war lediglich kein Thema in diesem Interview. Unter anderem liegt das auch daran, dass „Lucid“ (Startup) kein Büro in Deutschland eröffnet hat, sondern nur in China und dem Silicon Valley.

Fazit: Jedes Land hat seine Vor- und Nachteile, daher stellt sich Han Jin gar nicht die Frage, was Deutschland von China und dem Silicon Valley lernen kann. Es ist vielmehr unsere zukünftige Aufgabe, sich zu fragen, wie können die jeweiligen Vor- und Nachteile verschiedenster Länder genutzt werden, wenn man sich heute global bewegt (Welt als ein globales System verstehen und sich in ihr zu bewegen lernen).

Andy: Warum bist du nach Santa Cruz ausgewandert?

Während meines Urlaubs in San Francisco interessierte ich mich für die verschiedenen biografischen Hintergründe, warum in Deutschland Geborene nach San Francisco bzw. Umgebung zeitweise oder sogar für immer auswandern. Dazu traf ich mich mit fünf verschiedenen Personen und fragte sie nach ihren Motivationen, Wünschen und Vorbereitungen bezüglich ihrer Auswanderungsvorhaben, nach den Erfahrungen im Umgang mit der Auswanderung über die Zeit, aber auch nach den aktuellen Vorhaben.

Ich bin über jede Begegnung sehr dankbar. Ich finde es großartig, dass ich in einige Leben ein bisschen „reinsehen“ durfte. Ebenso fand ich es beeindruckend, wie spontan im doch hektischen Leben San Franciscos, sich von jeder Begegnung die Zeit für ein Treffen genommen wurde. Vielen lieben Dank.

Der nachfolgende Bericht entspricht einer subjektiven Zusammenfassung der Begegnung. Die Namen wurden abgeändert, einige Details verallgemeinert und einige Stellen etwas verzerrt, um eine Wiedererkennung mit einer realen Person zu verhindern. Ziel des Berichts besteht lediglich darin, die vielfältigen Hintergründe einer Auswanderung für mich festzuhalten und meine Leser, die an dieser Gegend „Bay Area und Silicon Valley“ interessiert sind, ein wenig daran teilhaben zu lassen. Vielleicht entstehen auf diese Weise weiterführende Impulse.


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Santa Cruz Wharf

In Santa Cruz traf ich auf Andy, der mich zu einem Spaziergang im Wilder Ranch State Park einlud. Nach einem kurzen Besuch auf einem Famersmarket mit mexikanischen Essen, spazierten wir durch ein Naturschutzgebiet. Die Warnschilder im Park informierten mich darüber, dass Berglöwen in dieser Gegend beheimatet sind. Nach einem kurzen Schock, fragte ich Andy, was denn zu tun sei, wenn ich einen antreffen würde. Er entgegnete mir, dass er in seinen rund 20 Jahren, die er jetzt schon in Kalifornien lebte, noch nie einem Berglöwen begegnet sei. Diese wittern einen oft schon lange im Voraus und da es sich um sehr scheue Tiere handelt, gehen diese einem lieber aus dem Weg. Allerdings sollten keine Hunde in dieser Gegend ausgeführt werden, das ist auch der Grund, warum er seinen heute zu Hause gelassen hatte.

Ich bin beeindruckt, dass er schon seit 20 Jahren in Kalifornien lebt. In Deutschland war es ihm vor etwa 20 Jahren als einer der Ersten gelungen sein Startup zu verkaufen. Danach zog es ihn nach Kalifornien, wo er seit dem Unternehmen berät und Startups betreut.

Erstaunt hörte ich ihm zu, dass er seinen Doktor in Mathematik gemacht hatte. In dem Gespräch nahm ich anders war. Er suchte nach Denkwegen außerhalb der vorgeschriebenen Denkwege und Methoden und stellte dazu auch schon mal provozierende Thesen in den Raum mit denen er mich zum Mitdenken aufforderte. Diesen Ansatz empfand ich als sehr inspirierend und herausfordernd, da er mich zum schnellen Mitdenken aufforderte.

11.05.15 - 1

Santa Cruz Beach Boardwalk

Mittlerweile besitzt er ein Haus in Santa Cruz. Mehrmals die Woche fährt er nach San Francisco, Palo Alto und andere Städte in der Bay Area. Obwohl er alleine lebt, wohnen bei ihm immer Leute mit im Haus. Ich habe den Eindruck, dass er insbesondere Bekannte bei sich wohnen lässt, die für einen kurzen Zeitraum auf Unterstützung angewiesen sind, entweder in Form einer Freundin mit ihrer Tochter, die kurzfristig eine Unterkunft suchten oder in Form eines Freundes, der von seiner Frau aus dem Haus geworfen wurde, etc.

Ob es ihn irgendwann zurück nach Deutschland ziehen wird, dass kann und will er zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen. Ein- bis zweimal im Jahr fliegt er zurück, um dort Familie und Freunde zu treffen. Als ich ihn nach seinen Zukunftsplänen bzgl. seines Wohnsitzes frage, antwortete er nur, dass er noch nie so lange sesshaft gewesen war, wie jetzt und er schon sehr gerne noch ein weiteres Abenteuer angehen möchte.