Schwerer Koffer, übervolle Kleiderschränke, muss das sein? Gibt es Lösungsansätze im Start-up Bereich?

(gepostet auf: Emotions & Tech)

Zusammenfassung: In diesem Beitrag berichte ich über meine Gedanken, ob ein Mode Start-up aus New York das Verreisen erleichtern kann, indem ich nur mit Handgepäck in die USA einreise und dort meine Kleidung miete. Unterstütze ich damit vielleicht sogar den Nachhaltigkeitsgedanken?

Ausgangssituation: unhandliche und volle Koffer auf einer Reise und die Frage „Habe ich die richtige Kleidung dabei?

Unterwegs mit einem „riesigen“ Koffer verstopfe ich zum Einem die Gänge der Regionalbahn (weil die Gepäckablagen einfach viel zu klein sind) und des Busses in Deutschland. Zum Anderen empfinde ich den Koffer als so schwer, so dass ich ihn oftmals mit aller Anstrengung in die Bahn bzw. den Bus hineinziehe.

Und dennoch frage ich mich mal wieder, ob die notwendige Kleidung inkl. der Schuhe, die ich auf meiner Reise nach San Francisco mitführe, alle meine vorgenommenen Aktivitäten abdecken kann?

So wusste ich bei meiner letzten Reise nach San Francisco, die etwa über 3 Wochen verlief, dass ich Kleidung für sehr verschiedene Situationen benötigen würde:

  • Abendkleidung, als Gast auf einer Hochzeit
  • Businesskleidung für das Büro und verschiedener Meetings
  • Wanderkleidung, da ein Besuch im Nationalpark eingeplant war
  • Freizeitkleidung, um den Fitnessbereich mit zu nutzen
  • Lagenlook für das sich ständig wechselnde Wetter in San Francisco
  • windfeste Kleidung, da die durch die Stadt wehenden Winde den Körper schnell auskühlen können
  • Sommerkleidung, da Freunde und Verwandte außerhalb von San Francisco besucht werden sollten

Ist es möglich auch ohne viel Gepäck zu verreisen?

Schon allein das Kleid für die Hochzeitseinladung mit den Schuhen, der entsprechenden Tasche, sowie die Wanderschuhe für den National Park, würden den Koffer unverhältnismäßig viel auslasten und das lediglich für eine einmalige Situation. Wie viel der anderen Kleidung könnte ich rekombinieren, so dass mehrere Outfits daraus entstehen?

Nicht nur, dass das Gepäck unhandlich und schwer ist, so würde mich die Aufgabe des Koffers bei der Lufthansa etwa 100 € (Hin- und Rückflug) kosten. Weiterhin fragte ich mich, wie sehr die nicht gerade preiswerte Kleidung (insbesondere der des Hochzeitsoutfits) bei dem Transport leiden würde.

Letztendlich trat ich die Reise ohne das Hochzeitsoutfit und mit relativ leichtem Gepäck an! Ich entschloss mich für ein Abenteuer und eine neue Erfahrung!

Was ist meine Motivation, um in die USA ausschliesslich mit Handgepäck für 3 Wochen einzureisen?

Ich wollte mich auf ein Experiment einlassen! Wie ist es, wenn ich mir einen Großteil der Kleidung vor Ort ausleihe? Das Ausleihen von Kleidung könnte in meinem Fall, meinen ohnehin schon zu großen CO2 Fußabdruck verringern und vielleicht ließe sich das Ausleihen von Kleidung auch als zukünftige Alternative in meinem Leben integrieren?

Verleihsysteme sind eine komfortable und umweltfreundliche Alternative zum Kleiderkauf. Oft ziehe ich einen Bruchteil meiner Kleidung regelmäßig an, während der Rest oft zu wenig, da auch ausreichende Kontexte fehlen, getragen werden kann.

Hintergrund der Entwicklung unserer Umgangsweise mit Mode:

Mit dem Begriff „Fast Fashion“ wird diese Umgangsweise mit Mode in modernen Wegwerfgesellschaft versehen. Mit „Fast Fashion“ können sich allerdings auch Menschen mit geringen Einkommen aktuelle Modetrends leisten. Aber neben den Preisen sinkt auch die Qualität der Kleidung. Des Weiteren leiden darunter auch die Arbeitsbedingungen unter denen die Kleidung produziert wird, als auch die Umwelt unter den Produktionsprozessen.

Um die Nutzungsdauer von qualitativer Kleidung zu verlängern und die sozialen, als auch ökologischen Probleme zu mindern, kann unter anderem der Ansatz der Mehrfachnutzung durch Vermietung von Kleidung verstanden werden.

Ist ein Ansatz Rent the Runway?

Ich wollte „Rent the Runway“ (RTR) ein Start-up aus New York, das qualitative Kleidung und Accessoires vermietet, in den 3 Wochen in San Francisco ausprobieren. Wie praktisch war es doch, dass das Modeunternehmen einen Store in San Francisco, quasi die Straße runter von meiner Unterkunft, betrieb. Die Zielgruppe von RTR sind Frauen, die aufgrund ihrer Arbeit keine Zeit mit Shopping verlieren und dennoch jeden Tag modisch gekleidet sein wollen.

Wie fühlt es sich an, wenn ich meine tägliche Kleidung, über dieses Start-up organisieren würde? Um täglich Kleidung über 3 Wochen ausleihen zu können, musste ich einen Beitrag von 99,02 € bezahlen. Dafür durfte ich 4 verschiedene Artikel täglich blockieren, also entweder zu Hause haben oder diese befanden sich auf dem Rück- oder Hinweg zwischen mir und dem Store. Das sich der Store in der Nähe befand, erwies sich dabei als Vorteil, da ich auf diese Weise die Zeit der An- und Rücklieferung der Kleidung optimieren konnte. Würde ich auf dem Postweg vier Kleidungsstücke händeln müssen, wüsste ich nicht, ob ich jeden Tag etwas Neues zum Anziehen erhalten hätte (aber für solche Situationen hat man dann auch Basics). Der Vorteil des Stores bestand auch darin, dass ich in dem Store selbst die Kleidung anprobieren konnte und von den Mitarbeitenden beraten wurde.

Store in San Francisco

Resümee nach drei Wochen Nutzung:

Meine Meinung zum Tragen von täglich neuer Kleidung ist nach den 3 Wochen immer noch gespalten:

Vorteile sind ohne Zweifel für mich:

  • Das Tragen qualitativer hochwertiger Kleidung lässt mich selbstbewusster im Alltag auftreten.
  • Die Pflege und das Säubern der Kleidung entfällt, da dieses von RTR übernommen wird.
  • Dadurch, dass ich die Kleidung nicht besitze, bin ich mutiger im Ausprobieren unterschiedlicher Stilrichtungen.
  • Eine Versicherung für die Kleidung ist enthalten, falls sie wegkommen sollte oder beschädigt wird.
  • Ich darf die Kleidung so lange behalten und so oft tragen, wie ich möchte (solange ich den Mitgliedsanteil bezahle).
  • Teure Kleidung, die ich mir für einmalige Anlässe nicht leisten würde, kann ich auf einmal tragen.

Nachteile waren für mich:

  • Die amerikanische Mode entspricht nicht unbedingt meinem Geschmack. Ich brauche viel mehr Zeit, um im Store ansprechende und passende Kleidung zu finden. Vielleicht minimiert sich mit der Zeit der Prozess der Auswahl, allerdings verbrachte ich in den 3 Wochen insgesamt 7,5 h in dem Store (Anmeldung, Erklärung der Benutzungsweise der APP, Kleiderwahl, Anprobieren, Rückgabe). Hätte ich in diesem Zeitraum so viel Zeit mit Shopping verbracht?

Neutrale Gedanken:

  • Ist der Aufwand der beständigen Lieferungen wirklich so umweltschonend?
  • Der Alltag müsste umstrukturiert werden, da alle zwei bis drei Tage die Kleidung ausgetauscht werden sollte. Der Gang zum Store oder zur Webseite/App müsste zu meinen täglichen Routinen werden.
  • Dadurch, dass RTR einen Store in San Francisco hat, erfolgt der Umtausch schnell und unkompliziert. Würde der Austausch über den Postweg erfolgen, zieht sich der Prozess des stetigen Umtausches in die Länge.
  • Viele Kleidungsstücke sind in meiner Größe bereits für den angefragten Zeitraum vermietet. Komischerweise stört mich das gar nicht so sehr, wie viele andere Nutzerinnen. Ich freue mich sogar darüber, dass das Konzept anscheinend aufgeht. Würde sich mit einer dauerhaften Nutzung von RTR mein Verhalten und mein Denken über Kleidung verändern?
  • Was ist mit dem Gedanken unter Frauen, dass man eigentlich nicht in dem Kleidungsstück, das eine andere Frau getragen hat, ebenfalls gesehen werden will (so wie Jordyn Rebecca dies bspw. auf ihrem You-Tube Channel berichtet)? Auch dieser Gedanke stört mich nicht, als eine Frau mir im Store bei einem Kleidungsstück zu vor kam. Ich dachte in diesem Moment doch tatsächlich, dann warte ich halt, bis es zurückkommt.
  • Ich habe kein Gefühl für das Preis / Leistungsverhältnis. Da ich San Francisco schon als sehr teuer empfinde, kann ich das Preis Leistungsverhältnis für diese Umgebung absolut nicht einschätzen.

Wäre RTR eine gute Alternative, um einen vollen Kleidungsschrank zu verhindern? Ich bräuchte nur ein paar Basics. Gerade in San Francisco ist jeder gewonnene Quadratmeter in der eigenen Wohnung „Gold wert“.

In der nachfolgenden Slideshow zeige ich einen Ausschnitt der getragenen und gemieteten Kleidung:

weiterführende Links:

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Silicon Valley-China-Germany

Im Rahmen des #china40mooc „China Infusion – Was wir von China lernen können“ der vom 22.02.19 – 24.02.19 stattfindet, durfte ich Han Jin (Lucid) interviewen. Ihn zeichnet aus, dass er sich in der Startup-Szene von drei Kulturen (China / Silicon Valley / Deutschland) bewegt und diesbezüglich tolle Impulse für den MOOC im Februar mitgeben konnte.

Nachfolgend ist das Interview verlinkt und im Anschluss daran habe ich das Interview in einer Tabelle zusammengefasst.

Mitnehmen möchte ich vor allem seinen Aufruf, die Welt als ein globales System zu verstehen und sich in ihr zu bewegen lernen (mit den Vor-und Nachteilen eines jeden Landes).

Vielen lieben Dank für deine Zeit, Han Jin 🙂

Han Jin (/han ʤɪn/; geboren am 15. Oktober 1988) ist Mitbegründer, CEO und Produktarchitekt von Lucid VR Inc. (Lucid), ein Startup-Unternehmen mit Sitz in Santa Clara, Kalifornien.

Die Ergebnisse aus dem Interview werden in einer Tabelle dargestellt. Die einzelnen Inhalte haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn etwas nicht genannt ist, heißt es beispielsweise nicht, dass es das nicht gibt, sondern es war lediglich kein Thema in diesem Interview. Unter anderem liegt das auch daran, dass „Lucid“ (Startup) kein Büro in Deutschland eröffnet hat, sondern nur in China und dem Silicon Valley.

Fazit: Jedes Land hat seine Vor- und Nachteile, daher stellt sich Han Jin gar nicht die Frage, was Deutschland von China und dem Silicon Valley lernen kann. Es ist vielmehr unsere zukünftige Aufgabe, sich zu fragen, wie können die jeweiligen Vor- und Nachteile verschiedenster Länder genutzt werden, wenn man sich heute global bewegt (Welt als ein globales System verstehen und sich in ihr zu bewegen lernen).

Andy: Warum bist du nach Santa Cruz ausgewandert?

Während meines Urlaubs in San Francisco interessierte ich mich für die verschiedenen biografischen Hintergründe, warum in Deutschland Geborene nach San Francisco bzw. Umgebung zeitweise oder sogar für immer auswandern. Dazu traf ich mich mit fünf verschiedenen Personen und fragte sie nach ihren Motivationen, Wünschen und Vorbereitungen bezüglich ihrer Auswanderungsvorhaben, nach den Erfahrungen im Umgang mit der Auswanderung über die Zeit, aber auch nach den aktuellen Vorhaben.

Ich bin über jede Begegnung sehr dankbar. Ich finde es großartig, dass ich in einige Leben ein bisschen „reinsehen“ durfte. Ebenso fand ich es beeindruckend, wie spontan im doch hektischen Leben San Franciscos, sich von jeder Begegnung die Zeit für ein Treffen genommen wurde. Vielen lieben Dank.

Der nachfolgende Bericht entspricht einer subjektiven Zusammenfassung der Begegnung. Die Namen wurden abgeändert, einige Details verallgemeinert und einige Stellen etwas verzerrt, um eine Wiedererkennung mit einer realen Person zu verhindern. Ziel des Berichts besteht lediglich darin, die vielfältigen Hintergründe einer Auswanderung für mich festzuhalten und meine Leser, die an dieser Gegend „Bay Area und Silicon Valley“ interessiert sind, ein wenig daran teilhaben zu lassen. Vielleicht entstehen auf diese Weise weiterführende Impulse.


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Santa Cruz Wharf

In Santa Cruz traf ich auf Andy, der mich zu einem Spaziergang im Wilder Ranch State Park einlud. Nach einem kurzen Besuch auf einem Famersmarket mit mexikanischen Essen, spazierten wir durch ein Naturschutzgebiet. Die Warnschilder im Park informierten mich darüber, dass Berglöwen in dieser Gegend beheimatet sind. Nach einem kurzen Schock, fragte ich Andy, was denn zu tun sei, wenn ich einen antreffen würde. Er entgegnete mir, dass er in seinen rund 20 Jahren, die er jetzt schon in Kalifornien lebte, noch nie einem Berglöwen begegnet sei. Diese wittern einen oft schon lange im Voraus und da es sich um sehr scheue Tiere handelt, gehen diese einem lieber aus dem Weg. Allerdings sollten keine Hunde in dieser Gegend ausgeführt werden, das ist auch der Grund, warum er seinen heute zu Hause gelassen hatte.

Ich bin beeindruckt, dass er schon seit 20 Jahren in Kalifornien lebt. In Deutschland war es ihm vor etwa 20 Jahren als einer der Ersten gelungen sein Startup zu verkaufen. Danach zog es ihn nach Kalifornien, wo er seit dem Unternehmen berät und Startups betreut.

Erstaunt hörte ich ihm zu, dass er seinen Doktor in Mathematik gemacht hatte. In dem Gespräch nahm ich anders war. Er suchte nach Denkwegen außerhalb der vorgeschriebenen Denkwege und Methoden und stellte dazu auch schon mal provozierende Thesen in den Raum mit denen er mich zum Mitdenken aufforderte. Diesen Ansatz empfand ich als sehr inspirierend und herausfordernd, da er mich zum schnellen Mitdenken aufforderte.

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Santa Cruz Beach Boardwalk

Mittlerweile besitzt er ein Haus in Santa Cruz. Mehrmals die Woche fährt er nach San Francisco, Palo Alto und andere Städte in der Bay Area. Obwohl er alleine lebt, wohnen bei ihm immer Leute mit im Haus. Ich habe den Eindruck, dass er insbesondere Bekannte bei sich wohnen lässt, die für einen kurzen Zeitraum auf Unterstützung angewiesen sind, entweder in Form einer Freundin mit ihrer Tochter, die kurzfristig eine Unterkunft suchten oder in Form eines Freundes, der von seiner Frau aus dem Haus geworfen wurde, etc.

Ob es ihn irgendwann zurück nach Deutschland ziehen wird, dass kann und will er zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen. Ein- bis zweimal im Jahr fliegt er zurück, um dort Familie und Freunde zu treffen. Als ich ihn nach seinen Zukunftsplänen bzgl. seines Wohnsitzes frage, antwortete er nur, dass er noch nie so lange sesshaft gewesen war, wie jetzt und er schon sehr gerne noch ein weiteres Abenteuer angehen möchte.

Ivy: Warum bist du nach San Francisco ausgewandert?

Während meines Urlaubs in San Francisco interessierte ich mich für die verschiedenen biografischen Hintergründe, warum in Deutschland Geborene nach San Francisco bzw. Umgebung zeitweise oder sogar für immer auswandern. Dazu traf ich mich mit fünf verschiedenen Personen und fragte sie nach ihren Motivationen, Wünschen und Vorbereitungen bezüglich ihrer Auswanderungsvorhaben, nach den Erfahrungen im Umgang mit der Auswanderung über die Zeit, aber auch nach den aktuellen Vorhaben.

Ich bin über jede Begegnung sehr dankbar. Ich finde es großartig, dass ich in einige Leben ein bisschen „reinsehen“ durfte. Ebenso fand ich es beeindruckend, wie spontan im doch hektischen Leben San Franciscos, sich von jeder Begegnung die Zeit für ein Treffen genommen wurde. Vielen lieben Dank.

Der nachfolgende Bericht entspricht einer subjektiven Zusammenfassung der Begegnung. Die Namen wurden abgeändert, einige Details verallgemeinert und einige Stellen etwas verzerrt, um eine Wiedererkennung mit einer realen Person zu verhindern. Ziel des Berichts besteht lediglich darin, die vielfältigen Hintergründe einer Auswanderung für mich festzuhalten und meine Leser, die an dieser Gegend „Bay Area und Silicon Valley“ interessiert sind, ein wenig daran teilhaben zu lassen. Vielleicht entstehen auf diese Weise weiterführende Impulse.


Über den UCSF-Camus wandernd, hielt ich nach einer jungen Frau Ausschau. Im Nachhinein hatte ich mir gewünscht, dass ich etwas eher losgegangen wäre, um den eindrucksvollen neu gebauten Campus länger zu bestaunen. Die Gebäude erschienen mir modern und offen gestaltet und nur wenige Meter neben dem Campus entdeckte ich einen „Urban Garden“ und einen Platz mit Foodtrucks, den ich ich mit einem kalifornischen sonnigen Lebensgefühl assoziere.

 

Dann entdeckte ich Ivy. Über den Campus schlendernd erzählte sie mir, dass sie vor etwa zwei Jahren nach San Francisco gekommen war. Nach dem Abschluss ihres PHD’s wollte sie die Chance ergreifen in einem Team unter einem Nobelpreisträger zu arbeiten und zu lernen. Auf einer Konferenz hatte sie ihn kennengelernt und sich mit ihm über eine mögliche Zusammenarbeit ausgetauscht.

Von der Zusammenarbeit in diesem Team berichtete sie voller Begeisterung. In Deutschland hatte sie eine solche Zusammenarbeit und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten noch nicht kennen gelernt. Die Begegnungen und der Gedankenaustausch seien auf „Augenhöhe“ und sind von einem wertschätzenden und kooperativen Umgang geprägt. In den letzten Monaten hatte sie konzentriert an ihren Projekten gearbeitet und sich mit einigen ihrer Kollegen angefreundet. Fragte sie sich noch mit dem Antritt ihrer Stelle  am UCSF, wann die Menschen in San Francisco arbeiteten, da sie diese ständig im Fitness Studio, auf Meetups, auf Networking Veranstaltungen, im Café, etc. sah, erkannte sie recht schnell, dass diese eigentlich rund um die Uhr arbeiteten. Sie bezeichnete ihre Beobachtung als „work life blending“, also der Bemühung so entspannt, wie möglich zu erscheinen, während sie eigentlich die ganze Zeit arbeiteten. In der Pause wird schnell ins Fitness Studio gegangen, im Café selbst wird gearbeitet, etc…

Doch als wissenschaftlicher Mitarbeiter verdient sie nicht genug, um sich ein Leben in San Francisco dauerhaft finanzieren zu können, auch wenn ihr Institut an dem sie arbeitet, zu den weltweit führenden gehört. Dennoch werden die Mitarbeiter nach staatlichen Vorgaben bezahlt und da wird es schon im nächsten Jahr schwierig für sie, wenn sie zum Einen aus dem vergünstigten Wohnheim ausziehen muss und zum anderen eine Steuererleichterung seitens des Staates Kalifornien für sie wegfallen wird.

Sie wird ihre Zeit in San Francisco vermissen. Doch von Beginn an war ihr klar, dass sie nur temporär, für wenige Jahre nach San Francisco auswandern wird. Mit ihrer Rückkehr wird sie sich neue Herausforderungen suchen, wobei sie sich sehr gerne in der Wissenschaftskommunikation sehen würde.  Auch, dass die Bay Area als Erdbeben gefährdet gilt und das nächste große Erdbeben mit 100%iger Wahrscheinlichkeit kommen wird, beunruhigt sie.

Anna: Warum bist du nach Berkeley ausgewandert?

Während meines Urlaubs in San Francisco interessierte ich mich für die verschiedenen biografischen Hintergründe, warum in Deutschland Geborene nach San Francisco bzw. Umgebung zeitweise oder sogar für immer auswandern. Dazu traf ich mich mit fünf verschiedenen Personen und fragte sie nach ihren Motivationen, Wünschen und Vorbereitungen bezüglich ihrer Auswanderungsvorhaben, nach den Erfahrungen im Umgang mit der Auswanderung über die Zeit, aber auch nach den aktuellen Vorhaben.

Ich bin über jede Begegnung sehr dankbar. Ich finde es großartig, dass ich in einige Leben ein bisschen „reinsehen“ durfte. Ebenso fand ich es beeindruckend, wie spontan im doch hektischen Leben San Franciscos, sich von jeder Begegnung die Zeit für ein Treffen genommen wurde. Vielen lieben Dank.

Der nachfolgende Bericht entspricht einer subjektiven Zusammenfassung der Begegnung. Die Namen wurden abgeändert, einige Details verallgemeinert und einige Stellen etwas verzerrt, um eine Wiedererkennung mit einer realen Person zu verhindern. Ziel des Berichts besteht lediglich darin, die vielfältigen Hintergründe einer Auswanderung für mich festzuhalten und meine Leser, die an dieser Gegend „Bay Area und Silicon Valley“ interessiert sind, ein wenig daran teilhaben zu lassen. Vielleicht entstehen auf diese Weise weiterführende Impulse.


An einem späten Nachmittag traf ich Anna in einem zur Berkeley University nah gelegenem Café. Ich war sehr neugierig auf sie, da sie schon seit mehr als 20 Jahren in dieser Region lebt. Wie sich ihre Erzählungen wohl von den der anderen unterscheiden werden?

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Ursprünglich bestand ihr Plan darin für 2 Jahre an der Stanford University Erfahrungen zu sammeln. Mit einem Doktor in den Naturwissenschaften hatte sie eine interessante Stelle erhalten. Nach den zwei Jahren sollte es jedoch wieder zurück nach Deutschland gehen. Es kam anders, ihr Mann, ebenfalls Naturwissenschaftler, nahm eine Stelle in Berkeley an und so wechselte auch sie hinüber von Stanford nach Berkeley. Zusammen bekamen sie ein Kind und kauften ein Haus. Sie verbringen ihre Urlaube in den National Parks und engagieren sich deutlich sichtbar in der Nachbarschaft.

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Aus ihren Erzählungen konnte ich sehr viele regionale und amerikanische Sichtweisen heraushören und mit jedem weiteren Wort wurde deutlicher, dass sie in mir das Gefühl auslöste, dass sie in der amerikanischen Gesellschaft angekommen war. Sie berichtete mir von einem Teil ihrer Arbeit, bei dem sie für unterschiedliche Gruppen naturwissenschaftliche Inhalte aufbereitet, bei dem kurze und allgemein verständlich formulierte Sätze im Vordergrund stehen, ganz im Gegenteil zur deutschen Ausdrucksweise, die sich sehr gerne langer und verschachtelter Sätze bedient.

Probleme hier in der Gegend, Freunde oder Bekannte zu finden, hatte sie nicht. Spätestens jedoch, als ihr Kind in die Preschool kam, intensivierten sich Kontakte und Neue entstanden. Um keine unnötigen Kosten in der Kinderbetreuung zu verursachen, weil man vielleicht mal länger auf Arbeit bleiben musste, man im Stau stand, etc. organisierte sie sich mit den Familien der anderen zu betreuenden Kinder und so entstanden schnell Kontakte, die teilweise noch heute anhalten. Mit dem Besuch des Kindes der Schule engagierte sie sich zunehmend mehr im Vorstand der Schule, organisierte für das eigene Kind und die Freunde des Kindes Fahrten zu Spielwettbewerben etc.

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Auffällig war in ihrer Erzählung der hohe Stellenwert der Naturwissenschaften und ich bin mir nicht sicher, ob dieser verallgemeinernd auf die Bildung in Kalifornien übertragen werden kann. So scheinen von der Wahl und Quantität der besuchten naturwissenschaftlichen Fächer während der Schulzeit, zukünftige Entscheidungen abhängig zu sein. Zumindest ist es das für das eigene Kind von Anna, da es in Deutschland studieren will und der Schulabschluss in Deutschland nur mit einer gewissen Anzahl naturwissenschaftlicher Fächer anerkannt werden wird. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Aspekt in seiner Tiefe verstanden habe. Wir sprachen im Laufe des Nachmittags viel über Bildung und ich war erstaunt, dass sie die deutsche Bildung als qualitativ höher interpretierte. Allerdings differenzierten wir in diesem Gespräch das universitäre Bildungssystem vom schulischen Bildungssystem. Die schulische Ausbildung schätzte sie in Deutschland definitiv als höherwertig ein.

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Des Weiteren überraschte sie mich, mit ihrer freiwilligen Ausbildung als Notfallhelferin (vielleicht mit Rettungssanitäterin vergleichbar?). Mit dieser zusätzlichen Ausbildung bringt sie sich noch einmal zusätzlich in ihre Gemeinschaft ein. Sie lenkte meine Aufmerksamkeit darauf, dass sich jeder Bewohner der Bay Area bewusst sein sollte, dass es sich um ein stark gefährdetes Erdbebengebiet handelt. Für sie ist es keine Frage, dass ein großes Erdbeben bevorsteht. Sie fragt sich, wann es passieren wird. Um in diesem Falle den Menschen auf ihrer Arbeit und in ihrer Gemeinschaft zu helfen war sie Notfallhelferin geworden. Die Gemeinschaft finanzierte die Sanitätsrucksäcke mit allen Equipment, die für sie jederzeit griffbereit auf ihrem Arbeitsplatz, in ihrem Haus und in ihrem Auto für einen Einsatz bereit stehen. Zudem hatte sie einen Schlüssel von der Gemeinschaft erhalten, mit dem sie im Falle eines Notfalles, Zugriff auf einen Container hat, der lebensnotwendige Grundversorgungen für eine Vielzahl an Personen bereithält. Auch notwendige private Vorkehrungen traf sie, wie beispielsweise ein paar Schuhe mit fester Sohle am Fußende des Bettes zu platzieren, falls ein Erdbeben sie in der Nacht überraschen sollte.

Ina: Warum bist du nach Oakland ausgewandert?

Während meines Urlaubs in San Francisco interessierte ich mich für die verschiedenen biografischen Hintergründe, warum in Deutschland Geborene nach San Francisco bzw. Umgebung zeitweise oder sogar für immer auswandern. Dazu traf ich mich mit fünf verschiedenen Personen und fragte sie nach ihren Motivationen, Wünschen und Vorbereitungen bezüglich ihrer Auswanderungsvorhaben, nach den Erfahrungen im Umgang mit der Auswanderung über die Zeit, aber auch nach den aktuellen Vorhaben.

Ich bin über jede Begegnung sehr dankbar. Ich finde es großartig, dass ich in einige Leben ein bisschen „reinsehen“ durfte. Ebenso fand ich es beeindruckend, wie spontan im doch hektischen Leben San Franciscos, sich von jeder Begegnung die Zeit für ein Treffen genommen wurde. Vielen lieben Dank.

Der nachfolgende Bericht entspricht einer subjektiven Zusammenfassung der Begegnung. Die Namen wurden abgeändert, einige Details verallgemeinert und einige Stellen etwas verzerrt, um eine Wiedererkennung mit einer realen Person zu verhindern. Ziel des Berichts besteht lediglich darin, die vielfältigen Hintergründe einer Auswanderung für mich festzuhalten und meine Leser, die an dieser Gegend „Bayarea und Silicon Valley“ interessiert sind, ein wenig daran teilhaben zu lassen. Vielleicht entstehen auf diese Weise weiterführende Impulse.


Gegen Abend fuhr ich raus, nach Oakland. Dort traf ich mich mit einer 28jährigen Frau, die erst vor sechs Wochen nach San Francisco eingewandert war. Ich war sehr neugierig, auf das, was sie mir erzählen würde. Im Gespräch erfuhr ich, dass sie bereits viele ihrer Urlaube in den USA und speziell in Kalifornien verbracht hatte. Sie hatte bereits mehrere Bundestaaten kennengelernt und findet, dass Kalifornien zu den relaxesten Gegenden in den USA gehört. Die Leute sind sehr offen und kommunikationsbereit in dieser Gegend und es fällt ihr leicht Anschluss zu finden. Dazu benutzt sie überwiegend Facebook, hier findet sie Meetups und andere Unternehmungen, denen sie sich anschließen kann.

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Weiterhin berichtete sie, dass ihre Familie von ihren Auswanderungsplänen nicht sonderlich begeistert waren. Allerdings reagierte ihre Familie schon nicht glücklich darüber, als sie in nur 45 km Entfernung zum Wohnort der Familie ein Studium aufnahm. Später, nach ihrem Abschluss des Studiums, zog es sie erst nach Stuttgart und dann weiter nach

Frankfurt/Main. Mit dem Argument, dass ihre Großeltern bald sterben könnten und sie diese dann nicht mehr ausreichend sehen könnte, versuchte die Familie sie in Deutschland zurück zuhalten. Sie selbst ließ sich von diesem Argument nicht abhalten, da sie befürchtet mit dieser Basis nie auswandern zu können, zudem bestehe auch kein entsprechender Anlass. Der Kontakt zur Familie wird über wöchentliche Telefonate (Facetime)  aufrecht erhalten und zudem hat sie in Oakland eine Unterkunft bei einem Paar gefunden, welches entfernt ein Teil der Familie ist.

Über ihren Arbeitgeber in Frankfurt war sie auf eine interne Stelle in der Nähe von San Francisco aufmerksam geworden. Sie arbeitet in einem amerikanischen Unternehmen, welches einen Ableger in Frankfurt und die Hauptbasis in Kalifornien hat. Mit der Versetzung nach Kalifornien veränderte sich somit nur ihr Team und ein kleiner Teil ihrer Aufgaben. Ihr Arbeitgeber ermöglichte ihr sogar letztes Jahr einen zweimonatigen Test-Aufenthalt in der Hauptbasis. Danach half ihr der Arbeitgeber bei der Beschaffung des Visums und er hätte ihr, wenn es notwendig gewesen wäre, vier Wochen bei der Suche nach einer Unterkunft in der Gegend unterstützt.

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Überhaupt bin ich bei ihren Schilderungen ihres Arbeitsgebers sehr neugierig geworden. Ich bin beeindruckt, welche Unterstützungen seinerseits für die eigenen Mitarbeiter*innen angeboten werden. Er beteiligt sich mit einem Viertel an der Monatskarte für ein Fitnesscenter, mit drei Viertel an der Monatskarte für den öffentlichen Verkehr, er zahlt einen Beitrag in eine Art betriebliche Rentenversicherung ein und er finanziert eine Krankenversicherung. Nur die Art der Krankenversicherung mit den unterschiedlichen Beteiligungsarten des Versicherten, bleibt ihr zur Auswahl.

In den nächsten Tagen wird sie ihren amerikanischen Führerschein nachholen, der in Kalifornien (USA?) besonders preiswert sei. Da in den USA vieles über den Führerschein abgewickelt wird, sei dies zudem sehr praktisch.

Aktuell weiß sie noch nicht, wie lange ihre Zeit in Kalifornien sein wird. Sie kann sich vorstellen für immer in die Bay Area auszuwandern, doch dazu will sie noch keine genauen Aussagen machen. Sie will die nächsten Monate abwarten und schauen, welche Erfahrungen sie hier sammelt. Dennoch weiß sie bereits jetzt, wenn in zwei Jahren ihr Arbeitsvisum verlängert werden muss wird sie zugleich eine Greencard beantragen und sei es auch nur, um den Prozess ständig neuer Visaanträge damit zukünftig abzukürzen.