Meine Tätigkeit in 5, 10 oder 15 Jahren?

Impulse zu Arbeit4.0 und Bildung 4.0 werden von den Teilnehmenden des MOOC’s (mooin-Plattform) #feuer40 (Twitter) gerade zahlreich abgefeuert. Auch wenn mich nur ein paar der Impulse erreichen, reichen diese aus, um meine Gedanken der Zukunft entgegen schweifen zu lassen.

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Quelle: Pinterest Andrea sketcht

So kreisten sie um eine Teiltätigkeit meines aktuellen Berufs: Erwachsene im Hochschulsystem weiterzubilden. Wie könnte diese Tätigkeit in den nächsten Jahren aussehen? Unter welchen Bedingungen könnte sie stehen? Wenn ich die aktuellen Veränderungen, die vielleicht mit den folgenden Schlagworten einhergehen, weiterdenke und viel konsequenter dynamischer miteinander verzahnen lassen und diese dann auf meine Tätigkeit übertrage: der Digitalisierung, der Vernetzung, der Disruption, der Individualisierung, der Selbstorganisation, etc.

Und auf einmal befand ich mich in meiner erdachten Welt der Zukunft wieder und ich begleitete eine diffus erschienene Person, die das Bedürfnis hat, sich einer Fragestellung zu nähern. Irgendwo im Alltag der Person war ein Hindernis oder Wunsch entstanden, ein Ziel zu erreichen oder Antworten auf eine Frage zu finden.

Ich stellte mir vor, dass dieses Individuum von jedem Ort und zu jeder Zeit auf eine digitale Bibliothek zugreifen kann. Kostenlos gelangte es an alle Informationen/Wissen, welches jemals von Menschen gespeichert wurden. Eine Suchfunktion ermöglichte der Person einen schnellen Überblick über die Inhalte zu erlangen. Inhalte, die vielleicht, wie in dem nachfolgenden YouTube-Video aufbereitet sein könnten:

In der weiteren Verfolgung der individuellen Fragestellung oder des individuellen Zieles nimmt der Lernwillige Kontakt zu einem Lernbegleiter auf. In einem persönlichen Gespräch wird eine Zielsetzung mit entsprechenden Zwischenzielen festgehalten. Dieses könnte beispielsweise so aussehen, wie Facebook gerade social virtual reality vorgestellt hat „Facebook Spaces makes virtzual reality a social experience„:

Gemeinsam werden die Bedürfnisse und Möglichkeiten des Lernwilligen erkundet. Das könnten Fragen zur Lebenssituation sein, zum Lebensumfeld, Lerntyp, Priorisierung der Zielerreichung, vorhandene Kompetenzen etc. An die Zielerreichung/Fragestellung kann auch implizites gesellschaftliches Wissen (Kulturkompetenzen) gebunden sein, die der Lernbegleiter in der Erstellung des individuellen Lernplans berücksichtigt.

Das erste Zwischenziel des Lernenden wird mit einer möglichen Zeitangabe, an der das Zwischenziel von dem Lernenden erreicht werden könnte, festgehalten. Nach dem Erreichen des Zwischenzieles passt der Lernbegleiter weitere Zwischenziele immer wieder an die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten des Lernenden an. Darüber hinaus unterbreitet der Lernbegleiter dem Lernenden Angebote das theoretische Wissen, das sich der Lernende aus der digitalen Bibliothek selbst erarbeitet, mit praktischem (Erfahrungs-)Wissen anzureichern.

Entsprechend der Fragestellung des Lernenden vernetzt und eröffnet der Lernbegleiter dem Lernenden Angebote aus Firmen bzw. Unternehmen. Der Lernbegleiter weist zum einen auf öffentliche Veranstaltungen der Unternehmen, die zum gegenseitigen Netzwerken und Kennenlernen des Lernenden und des Unternehmens genutzt werden können. Des Weiteren ist es dem Lernbegleiter aus einer digitalen Datenbank möglich unterschiedliche Szenarien auszuwählen, die den Lernenden im Lernprozess unterstützen. Bei einem Teil dieser Lernszenarien arbeiten der Lernbegleiter und das Unternehmen zusammen. So könnten in Lernszenarien holometrische Ansätze eingesetzt werden:

Das Unternehmen speist kleine Teilaufgaben in die Datenbank, die vom Lernbegleiter mit dem entsprechenden Lernszenario verbunden werden. Diese Lernszenarien verfügen über unterschiedlich ausgeprägte Hilfestellungen und Schwierigkeitsgrade. Verfügt die Datenbank nicht über das entsprechende Lernszenario, um einer Teilaufgabe nachgehen zu können, entwickelt der Lernbegleiter in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen dieses. Auf diesem Wege wird der praktische Lernanteil stets aktuell gehalten und entwickelt sich ständig weiter.

Der Lernbegleiter zertifiziert das Erreichen des Lernziels in einem digitalen Portfolio mit entsprechenden Kontaktierungsmöglichkeiten zum Lernbegleiter.

Und auf einmal ist mir klar, dass diese Zukunft sich gar nicht so weit entfernt von mir befinden kann. Es existiert ja schon alles!

 

 

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Etherpads für Gruppenarbeitsphasen

Christian Spannagel bloggt über seine Erfahrungen im Umgang mit Etherpads als Strukturierungswerkzeug in der Lehre und welche weiteren Vorteile damit einhergehen können.

Lesenswert!! (deswegen teile ich ihn ja auch ;))

cspannagel, dunkelmunkel & friends

Fazit: Etherpads sind ein unglaublich nützliches Werkzeug für die Strukturierung von Gruppenarbeiten in einem Seminar. Man spart damit Zeit für bei den Phasenwechseln – und gewonnene Zeit kann wiederum für inhaltliche Aktivitäten verwendet werden.

Nach Gruppenarbeitsphasen in Lehrveranstaltungen entsteht immer wieder die Schwierigkeit, die Gruppenergebnisse im Plenum effizient zu besprechen. Dabei kann viel Zeit verloren gehen, etwa wenn eine Gruppe ihre Ergebnisse an die Tafel schreibt oder wenn USB-Sticks zum Dozentenrechner getragen werden, um ein digitales Ergebnis zu präsentieren. Außerdem bekommen die Teilnehmer*innen oftmals nicht alle Gruppenergebnisse zu sehen, sondern nur einige wenige – für die Präsentation aller Ergebnisse ist kaum Zeit.

Neben der Möglichkeit, Digitalfotos zu erstellen, sind Etherpads ein tolles Werkzeug, um Gruppenarbeitsphasen effektiver zu gestalten, insbesondere dann, wenn die Gruppenergebnisse Texte oder Textfragmente sind, und wenn die Gruppen unterschiedliche Inhalte bearbeiten und am Ende der Arbeitsphase alles zusammengetragen werden soll.

Beispiel: In meinem Informatikdidaktikseminar sollen sich…

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Peter Kruse zur Zukunft von Führung

Für mich waren folgende Aussagen in Bezug auf Führung interessant:

  • Folge von Vernetzung sind Nicht-Linearitäten (Unvorhersagbarkeiten, durch Erhöhung der Komplexität)!
  • Worin besteht in dieser neuen Welt (Zunahme der Komplexität) der Mehrwert von Führung (Entscheidungsträger)?
  • Worin begründet ein Entscheidungsträger seine Entscheidung, wenn  sich der Wirkungsgrad immer weiter von den Grundlagen, den Informationen entfernt?
  • „alte“ Definition von Führung:
    • Ziele und Strategie werden vorgeben und dadurch Sicherheit erzeugt
    • Handlungs- bzw. Verfügungswissen
    • Identifikation mit dem System
  • „neue“ Definition von Führung:
    • Identitätskern eines Systems verliert an Bedeutung
    • Orientierungswissen
    • durch Vernetzung verlässt man das System (Kooperationen/Vernetzung)
    • Einzelne sucht nach Sinn und Resonanz / Verwirklichung individueller Lernwege
    • überblicken die Komplexitätsdichte nicht mehr, auf deren Grundlage Handlungen abgeleitet werden, sondern erfordert Vernetzung (damit Machtverschiebung)
    • gemeinschaftliches Erarbeiten (Diskurs) von Einsichten und dem Verstehen von Zusammenhängen, um Komplexität zu verringern
  • individuelle Intuition, die mir hilft Muster zu bilden, um Komplexität zu reduzieren ist in diesem Zusammenhang überfordert, weswegen wir auf Kollektive (Vernetzung) zurückgreifen
  • Auswirkung: Verschiebung von Macht, durch den Einbezug anderer hin zum Netzwerk

Der Anker im Kopf – Sketchnotes

Das EduCamp wird von einer intrinsisch motivierten und eigenständigen Community getragen, welche sich mit Bildungsthemen im jeweils aktuellen gesellschaftlichen Kontext auseinandersetzt.

Auf dem vor wenigen Tagen stattgefundenem EduCamp in Ilmenau habe ich unter anderem die Session über Sketchnotes besucht. Hierbei kann es sich um Notizen oder Mitschriften, einer Veranstaltung oder eigener Ideen handeln. Die Besonderheit von Sketchnotes liegt in der Visualisierung. Ralf Appelt, der Sketchnotes vorstellt, redet gar von einem Anker. Über einfache Symbole lassen sich oftmals komplexe Strukturen und Prozesse erklären. Eine Hierarchisierung der Inhalte wird durch die Art der Visualisierung bestimmt. Mit Sketchnotes können Inhalte verständlicher werden und prägen sich beim Gestalter viel leichter ein, als herkömmliche Mitschriften.
Das folgende Video soll ein wenig in diese Technik einführen:

Bei Sketchnotes handelt es sich um eine mnemotechnische Technik, also eine Technik mit derer Hilfe wir uns leichter an etwas erinnern können. Eine Kombination aus Strukturen, Texten und Bildern ergibt die optimale Sketchnote und trägt dazu bei, sich zu einem späteren Zeitpunkt, viel besser an den Inhalt erinnern zu können.

Sketchnote zum Thema Podcasting auf dem #ecil12 (cc by Ralfa)

 

 

 

 

 

 

Die Vorteile der Visualisierung in Form von Sketchnotes liegen für mich in:

  • im Gegensatz zu Texten sind Sketchnotes nur selten linear strukturiert
  • unterstützen die Entwicklung neuer Ideen und Inhalte
  • eigenes Wissen kann in der Visualisierung mit dem Gehörten leichter verknüpft werden
  • wenn eine Veranstaltung doch mal wieder langweilig werden sollte, dann kann ich mich über Sketchnotes dennoch aktiv mit dem Thema auseinandersetzen und somit Interesse signalisieren. Meine Aufmerksamkeit schweift nicht offensichtlich vom Vortragenden ab, sondern ich vertiefe mich durch verstärkte Visualisierungsbemühungen (wegen Langeweile) dennoch in dem Thema.
  • Sketchnotes können mittels moderner Medien, wie Tablets leicht umgesetzt werden, so dass die Verwendung von Tablets währen einer Besprechung / Workshop / Seminar nicht so ganz befremdlich beim Gegenüber ankommt und sogar deren Interesse geweckt werden kann.
  • Sketchnotes können über Papier oder Tablets umgesetzt werden.

Herausforderungen von Sketchnotes liegen für mich in:

  • Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.“: Wer mit zu perfektionistischen Ansprüchen an seine Sketchnotes geht, wird wohl gerade in der Anfangszeit sehr entmutigt. Wie bei einer Schrift müssen auch bei Sketchnotes erst gewisse Symbole und Zeichnungen erlernt werden. Eine eigene Handschrift muss ebenso eingeübt werden. Dafür bedarf es Geduld und die Gelassenheit, dass eigene Mit- und Aufzeichnungen nicht den Ansprüchen eines Meisterwerkes genügen müssen.
      • Wer sich über eigene Zeichnungen gar nicht an Sketchnotes herantraut, diese aber gern ausprobieren möchte, findet unter dem Verlag Neuland Aufkleber und Ähnliches, die einen bei der Erstellung unterstützen.
      • Eine Einleitung und Tutorials lassen sich zudem auf folgender Seite finden: http://www.sketchofrenzy.com/ In einfachen Schritten werden die wichtigsten Elemente zusammenfasst und geübt.
  • Um Sketchnotes anschaulich zu gestalten, sollte man sich vielleicht wieder das Mittragen einer Federtasche angewöhnen, die mit verschiedenen Dicken und Farben von Stiften gefüllt ist. Ein einfacher Kuli reicht für eine Sketchnote zwar auch aus, ist aber gerade für mich als Anfänger weniger attraktiv und die Sketchnote am Ende auch nicht immer verständlich. Ein linienfreies Zeichenbuch ist ebenfalls unterstützend.
  • Anstatt dem Vortragenden weiter zuzuhören, schweifen meine Gedanken ab. Still und leise frage ich mich, wie kann ich wohl genau diesen gerade besprochenen Prozess visualisieren? … und schwupps ist meine Aufmerksamkeit dahin

Weitere Sketchnote-Beispiele können im Flickr-Stream gefunden werden.

PiratePad im Seminareinsatz

In meinen letzten beiden Kursen „Medienqualifizierung für Erzieherinnen und Erzieher“ organisiert über Bits 21 habe ich den Versuch gestartet, PiratePads zur Seminardokumentation einzusetzen. Die TeilnehmerInnen des Seminares waren Mitte 20 und sind selbst im Web unterwegs.
Allerdings beruhen ihre Internetaktivitäten vorwiegend auf facebook (social network) und Google als Suchmaschinendienst. E-Mails werden nur auf der Arbeit eingesetzt, da sich ihre Kommunikation ansonsten über verschiedene Chat-Kanäle bewegt. (Lisa Rosa hat ihre Umfrage zur Mediennutzung bei ihren SeminarteilnehmerInnen auf ihrem Blog festgehalten.)
Daher war ich sehr gespannt, ob und wie die SeminarteilnehmerInnen auf den Einsatz des PiratePads reagieren würden. Zu meiner Freude waren sie neugierig.
Der Vorteil des PiratePads gegenüber anderen Diensten, wie bspw. Google Documents, ist, dass es keines Anmeldeprozederes bedarf. (Lernwolke: Neue Medien im Schulunterricht „Google Docs ist das bessere Etherpad – Schreibkonferenz die Vierte„)  Am PiratePad kann jeder gleichzeitig arbeiten, der die genaue Webadresse in den Browser eingibt. Daraufhin kann sich jede/r TeilnehmerIn selbst benennen und sich eine Farbe, an der er im Dokument erkannt wird, zuordnen.
In einem Editor (simpel) kann jede/r TeilnehmerIn seine Mitschriften / Gedanken / etc. gleichzeitig nieder schreiben.
Ein paralleler Chat ergänzt die kollaborative Arbeit.
Im Blog von endspurtmaster berichtet Florentina Sauerbach in dem Artikel „Unterrichtsversuch mit etherpad oder die Lernumgebung, die ich meinen Schülern gestalte“ von ihren Erfahrungen. Sie schreibt, dass die SchüerInnen auf diese Unterrichtsgestaltung mit Überforderung reagierten:
[Die SchülerInnen hatten die Gruppenarbeit], ohne dass die Gruppenmitglieder nebeneinandersitzen müssen, […] so überfordert, das ich immer noch das ‚Häh, das geht doch nicht!‘ in meinen Ohren nachklingen höre. So unruhig und aufgeregt war meine Schüler selten, sie waren zwar beim Thema, aber nicht mehr in der Lage zuzuhören.
Ich selbst finde den Schritt, den sie gegangen ist, das Etherpad im Unterricht einzusetzen, sehr mutig. Genau dahin sollten wir uns aber entwickeln, dazu den Mut zu haben, ab und zu aus dem klassischen Unterricht auszubrechen.
Vielleicht lag es am fortgeschrittenem Alter, dass meine Seminargruppen nur kurzzeitig überfordert waren. Nach ein paar Minuten hatten sie die Logik dahinter verstanden. Nach ein paar weiteren Minuten erfuhren sie auch an sich selbst, den Vorteil des kollaborativen Arbeitens, als sie mit Verwunderungsrufen sich über die Rechtschreibfehler anderer lustig machten, die sie selbst ausbessern konnten oder im Editor nach unten geschoben wurden, weil jemand anderes noch einen Kommentar weiter oben einfügen wollte.
Die Dokumentation und Kollaboration in Arbeitsgruppen und Diskussionen können mit dem Einsatz des PiratePads qualitativ hochwertig, schnell und vorteilig für jeden sein. Jede/r TeilnehmerIn profitiert von den Gedanken des/der anderen. Gemeinsam wird ein umfangreiches und qualitätsvolles Dokument erarbeitet.
Auf dem Blog von Medienpädagogik-Praxis wird in dem Artikel „Social Media im Unterricht“ genauer auf die kollaborative Zusammenarbeit, als besondere Eigenschaft von Social Media eingegangen.

In der Praxis Umsetzung haben sich aber auch bei mir ein paar Probleme herausgestellt. Beispielsweise waren die Computer nicht immer fähig einen beständigen Kontakt zum Internet zu halten. Warum weiß ich nicht! So lernten meine SeminarteilnehmerInnen gleich, dass ein Computer als Werkzeug 1. nicht immer schneller im Einsatz ist und 2. werden kollaborative Arbeiten mit zunehmenden Anforderungsvoraussetzungen komplexer, was für die Teilnehmer wiederum bedeutet, dass sie sich immer wieder mal in der Fähigkeit der Gelassenheit „üben“ konnten. Wurde die Internetverbindung wieder einmal unterbrochen, konnte es vorkommen, dass der so eben geschriebene Text nicht gespeichert werden konnte. Ab und zu gingen einzelne Flüche durch den Raum 😉 und die TeilnehmerInnen lernten schnell sich mit dem Computer eigenen Editor zu behelfen und den Text dann nur in das PiratePad rüber zu kopieren, bzw. lernten sie den Wert von Zwischenspeicherungen schätzen.

Ein wenig unsicher bin ich mir noch über die Abschlusshandhabung. Gerne würden sich die TeilnehmerInnen den geschriebenen Text zum Seminarende ausdrucken lassen. Das an sich ist kein Problem, da sich der geschriebene Text in verschiedenen Formaten abspeichern und später leicht weiter bearbeiten lässt. Aber ist das Sinn und Zweck der Sache so mit einem digitalen Dokument umzugehen?


9. Wissensmanagment-Symposium in Karlsruhe: Faszination Social Media?

Das Poken auf dem Schreibtisch meines Hotelzimmers lacht mir entgegen. Es wartet auf seinen Einsatz bei dem 9. Wissensmanagement-Symposium unter dem Motto „Faszination Social Media?“ in Karlsruhe. Ich bezweifele, dass dieses sehr nützliche und zugleich lustige  Gadget seinen Einsatz finden wird. Wie einfach und umfangreicher, wenn auch verspielter ist der Austausch der Kontaktdaten, wenn zwei Poken aneinander gehalten werden? Daneben liegen meine Visitenkarten, ein klassisches Werkzeug, um den Erstkontakt zwischen zwei Personen herzustellen. Beiden Möglichkeiten des Kontaktaustauschs liegen jeweils unterschiedliche Ansätze zu Grunde. Das Poken und die Visitenkarten im silbernen Etui,  gleiten in meine Tasche. Mein Handy, so vermute ich, wird wohl das wichtigste Werkzeug in den nächsten Stunden sein. Über Twitter, so habe ich mir vorgenommen, werde ich meine eigenen Aufzeichnungen, Gedanken und Schwerpunkte festhalten und zugleich an Interessierte weitergeben. Ich bin gespannt.

Vor Ort ist die Stimmung herzlich und offen. Schnell werden Gesprächspartner gefunden. Der Gastgeber begrüßt mit ansteckend guter Laune seine Gäste mal persönlich, mal in Gruppen und auf jeden Fall in der Eröffnung des Symposiums übergreifend.

Im Eröffnungsvortrag wird bereits die Notwendigkeit, Social Media thematisch für Organisationen im Zusammenhang mit Wissensmanagement zu formulieren, deutlich. Hans Wüthrich referiert über soziale Netze als Inspiration für die Organisation der Zukunft. Er gibt von Anfang an preis, dass sich sein Vortrag inhaltlich in den letzten Jahren kaum gewandelt hat und wird dafür auf der Stelle kritisiert. Ich selbst verstehe erst im Laufe des Symposiums, dass sich diese Kritik zum Bumerang entwickeln muss.

Das Publikum selbst verwendet Social Media nur in Ansätzen. Eine Wiederholung erscheint mir daher angebracht. Darüber hinaus zu gehen, empfinde ich als vermessen. Ausschließlich ein überschaubarer Personenkreis kann mich davon überzeugen, Social Media mit seinen Dynamiken verstehen zu wollen. Nur ein Referent hat Twitter zur Vorbereitung seines Workshops genutzt. Simon Dückert (@cogneon) ist mit den Teilnehmern des Symposiums vorab in Kontakt getreten, um den Workshop an diesem Tag in der begrenzten Zeit optimal gestalten zu können. Weiterhin beobachte ich, dass @JoachimNiemeier über eine Social Media Plattform, zeitnah seine Folien des Vortrages „Wissensaustausch in Unternehmen“ zur Verfügung stellt.

Der Eröffnungsvortrag ist sehr gut gewählt, deutet er doch bereits die inhaltlichen Hürden, die während weiterer Vorträge und Workshops herausgearbeitet werden, an. Diese Hürden, die sich vor den Organisationen auftürmen, erreichen ihren Höhepunkt im abschließenden Vortrag von Gunter Dueck. Dabei ist die Frage nach der Freiwilligkeit, Social Media zum Wissensaustausch in Organisationen einzusetzen, der Notwendigkeit gewichen.

Jeder einzelner Vortrag hinterlässt bei mir eine Ahnung von der Komplexität heutiger Zwänge denen Organisationen unterliegen, wenn sie Social Media einsetzen wollen. So müssen beispielsweise Versicherungen berücksichtigt werden, wenn Mitarbeiter Grenzen der bekannten Arbeitsabläufe überschreiten. Die Mitarbeiter verlangen hingegen, dass sich Organisationen verantwortungsvoll mit den Herausforderungen von Social Media auseinandersetzen. Es ist viel leichter als Privatperson Regeln außer Acht zu lassen.

Dennoch vermute ich, sind es nicht nur die außenstehenden Umstände, die den Organisationen den Umgang mit Social Media  erschweren. Vielleicht liegt die Herausforderung darin, dass nach meinem Verständnis, jeder seine eigene Social Media Umgebung finden muss? Vielleicht braucht es Geduld, bis die Einstellung von Social Media in den Köpfen der Anwesenden angekommen ist? Vielleicht bedarf es den pointierten Reden eines Gunter Duecks, um das Publikum zu lenken? Im Grunde genommen fordert er seine Zuhörer dazu auf, mutig und kreativ zum Social Media Experiment voranzuschreiten. Alle Referenten machen deutlich, dass der Einsatz von Social Media eine neue Kultur der Kooperation hervorruft, welche unser aktuelles Verständnis von Regeln, Methoden und messbaren Ergebnissen in Frage stellt. Wir werden von den Vortragenden aufgefordert, uns mit dieser neuen Kultur auseinanderzusetzen und nach einem eigenen Zugang zu Social Media zu suchen.  Joachim Niemeier fordert Organisationen zu Experimenten des Wissensmanagments auf. Klaus North berichtet von erfolgreichen Konzepten, wo Organisationen Vertrauen in ihre Mitarbeiter setzen, Freiräume kreativ zu nutzen. Um Freiräume zu ermöglichen, mussten diese Organisationen ihre starren Strukturen an bestimmten Stellen aufbrechen und somit Regeln und Definitionen neu überdenken. In einer offenen Atmosphäre ist der Mitarbeiter bereit sein Wissen, nach seinen Vorstellungen mit anderen Mitarbeitern zu teilen.

Social Media verändert somit Definitionen. Organisationen werden meiner Ansicht nach, beispielsweise den Begriff des Konkurrenten neu definieren müssen. Was bedeutet es ein Konkurrent zu sein, wenn die Grenzen zwischen Innen und Außen hinterfragt werden? Welche Auswirkung hat das Teilen von Informationen mit anderen Personen, vielleicht sogar der des Konkurrenten? In diesem Zusammenhang sehe ich die Möglichkeit an den aktuellen, übertriebenen und zerstörerischen Modellen von Organisationen, in denen Personen innerhalb einer Organisation gegeneinander in Konkurrenz, ausschließlich wegen einer Profitmaximierung des Unternehmens, stehen, aufzulösen.

Am Ende des Tages habe ich ein paar Visitenkarten vor Ort verteilt. Mein Poken schlummerte dabei die ganze Zeit über in meiner Tasche. Ein bisschen schade, finde ich diese ungleiche Nutzung und ich übe mich in der Fähigkeit der Akzepttanz, dass jeder seine eigenen Werkzeuge wählen kann.

Großen Dank spreche ich an Thomas Sohler und Boris Jäger aus. Beide haben wesentlich dazu beigetragen, dass ich zum Wissenssymposium nach Karlsruhe kommen konnte. Ebenso danke ich den Helfern, die das Symposium erst ermöglicht haben.

weitere Berichte:

Karten P. Ehms auf „Dazwischen“ mit dem Artikel „Organisationale Infantilisierung oder professionelle X-men?