Rezension: Empfehlenswerte Einführung in das Empfehlungsmarketing

20140222_132111“Empfehlungsmarketing im Social Web – Kunden gewinnen und Kunden binden”von Galileo Press und den Autoren Anne Grabs und Jan Sudhoff gibt einen guten Überblick über die Veränderungen im Handel der letzten Jahre. Menschen informieren sich online, um dann online und/oder offline einzukaufen. Der Kunde ist stärker in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt und hat die Fokussierung auf den Verkaufsprozess abgelöst.

In den einzelnen Kapiteln:

1. Der Handel im Wandel

2. Social Commerce

3. Nutzen Sie digitales Marketing

4. Mobile Commerce

5. Die Prinzipien des Handels

6. Strategien für erfolgreichen Handel

7. wichtige Tools für Onlinehändler und stationäre Händler

werden die Inhalte mit Grafiken und Screenshots, sowie anhand vieler einzelner Beispiele aus der Praxis unterstützt. Die Erfassung des Inhalts gestaltet sich somit für den Leser einfach und eröffnete mir die Möglichkeit nach möglichen Übertragungen bzw. Anwendungsmöglichkeiten für meine Hintergründe. Der Inhalt des Buches eignet sich als Einstiegsmöglichkeit in das Thema auch für Nichterfahrene. Die Autoren stellen nur eine einzige und notwendige Vorbedingung: “Sie sollten […] bereit sein, das Internet als Freund zu nutzen und nicht als Konkurrent zu verteufeln.” Das Buch hilft einzelnen Händlern bei der Einführung und der Ausbildung des Verständnis von der Notwendigkeit des Themas, sowie ermöglicht es eine schnelle Übersicht zu den verschiedensten Social Media Aktivitäten zu erhalten.

In “Empfehlungsmarketing im Social Web” werden zudem viele Vorteile für Händler aufgezeigt, die sich zwangsläufig bei der Nutzung von Social Media Kanälen für ihn ergeben. Der Händler kann mit deren Nutzung Informationen über seine Kunden gewinnen und mit diesen Informationen den Bedürfnissen seiner Zielgruppe viel leichter entgegenkommen.

Was mir fehlte waren Tipps und Hinweise für den Social Media Einsatz, wenn man als Händler noch keine eigene Community / Kundenstamm aufbauen konnte, quasi, wenn man mit einem Produkt neu in den Markt eintritt. Zwar werden ab Seite 276 einige Kundengewinnungsstrategien vorgestellt, allerdings fand ich in diese nicht umfassend – wenn auch sehr interessant. Für einen Großteil der Händler werden die vorgestellten Ansätze jedoch ausreichend sein.

Mir hat das Buch eine sehr gute Vorlage, wie auch Unterstützung zu einem Zeitpunkt gegeben, in der ich für mein Unternehmen eine Broschüre mit unseren Angeboten in leicht verständlichen Worten umsetzen wollte. Worte zu finden, die Personen verstehen, die nicht im täglichen Umgang mit Social Media sind, ist ein langwieriger und mit vielen praktischen Tests durchlaufender Prozess. Dank des Buches konnte die Fokussierung auf bestimmte Inhalte deutlicher herausgearbeitet werden.

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Werbung in der Schule, nur jetzt in geordneter Form

Jeden Tag erreichen Schulen unterschiedliche und manchmal auch massenhaft Flyer!
Städtische Kultureinrichtungen entwickeln die ganze Zeit über spezielle und angepasste Angebote für Kinder und Jugendliche.

Einzelne Angebote gehen da oftmals unter oder landen dann gleich im Papierkorb bzw. auf einem Stapel des „Vergessens“. Aus diesem Grund hat sich das Kulturamt der Stadt Leipzig einen Ordner überlegt, der mit der Hoffnung geboren wurde, die doch teilweise interessanten Angebote vor dem Papierkorb zu retten.

An Schulen, Horten und Kindergärten wurde / wird in den kommenden Tagen ein Gesamtkatalog „kulturelle Bildung“ verteilt.
In diesem Katalog finden sich städtische Kultureinrichtungen in einer eigenen Kategorie wieder. Den Schulen, Horten und Kitas soll damit eine Möglichkeit geschaffen werden, die zugesandten Flyer in die entsprechende Einrichtung mit Anmerkungen zu heften. An einem prominenten und zugänglichen Ort in der Einrichtung könnte daraufhin ein Blick in diesen Ordner immer wieder angeregt werden.

Projektbeschreibung der Stadt Leipzig: http://www.leipzig.de/de/buerger/kultur/kinder/

Erschienen: „Web-Monitoring“

Mit dem Sammelband „Web-Monitoring“ erscheint ein erster Überblick zur Analyse und Auswertung von Social Media.

Während das Buch nach und nach seine heutige Form annahm, hat ein Blog die Entstehung des Buches begleitet.

Die Buchbeschreibung:

Die Beobachtung des Internets, insbesondere des »Social Webs«, wird für Unternehmen, Verbände und Institutionen immer wichtiger, ist aber gleichzeitig schwierig und erfordert spezifisches Know-how. Kaum jemand weiß, wie sich Erfolge im Internet manifestieren und messen lassen. Zu intransparent ist oft das neue Medium, zu verworren die Meinungsbildung in der unübersehbaren Zahl von Mikro-Öffentlichkeiten. Die Unkontrollierbarkeit der Ausbreitung von Meinungen ist von den »Marktteilnehmern« gefürchtet, doch bislang kaum systematisch untersucht worden. Selten wird eine professionelle Software verwendet und selbst dann stellt sich noch die Frage nach der Auswertung der unüberschaubaren Datenmenge. Hier setzt das Web-Monitoring an, das sämtliche Kommunikationsprozesse im Internet wissenschaftlich analysiert und den Beteiligten ein Instrument für die Planung, Realisierung und Bewertung ihrer Internetaktivitäten zur Verfügung stellt. Im vorliegenden Sammelband beleuchten Wissenschaftler, IT-Spezialisten und Manager dieses spannende Feld und geben ihre Erkenntnisse und Erfahrungen weiter. Sie gehen auf die Zielsetzung des Meb-Monitorings ein, stellen verschiedene Methoden vor und liefern Tools und Kennzahlen, mit denen sich die Ergebnisse analysieren und bewerten lassen. Einige Best-Practice-Beispiele für gelungenes Web-Monitoring runden den Band ab.

Auch ich durfte dem Sammelband einen Artikel über manuelles Web-Monitoring beifügen,  🙂 der sich mit folgender Fragestellung auseinandersetzt:

Als theoretische Grundlage, des methodischen und experimentellen Zugangs der Frage von Wissens- und Handlungsgenerierung im partizipativ gestalteten Web, kann der Ansatz der strukturalen Medienbildung hinzugezogen werden. Mediale Räume avancieren zunehmend zu Orten sozialer Begegnung. Dabei determinieren strukturale Aspekte die kommunizierten Inhalte. Signifikant für diese Untersuchung ist demzufolge die Fragestellung von plattformübergreifender Wissensgenerierung im Web. Nur marginal ist das Forschungsfeld in vergangenen Studien plattformübergreifend erhoben worden. Zu einzelnen webspezifischen Forschungsgebieten wurden schon zahlreiche Arbeiten verfasst. Diesen Forschungen gemeinsam ist, die vom Beobachter vorgenommene Begrenzung des sozialen Phänomens auf die jeweilige Webapplikation. Eine korrelative Wirkung verschiedener Kommunikationsplattformen ist bisher wenig berücksichtigt worden. Die im Web entstandenen Handlungsräume erweisen sich jedoch als plattformübergreifend. Der Zugang zur Erhebung notwendiger Daten erfolgt somit explorativ-experimentell mittels eines manuellen Webmonitorings.

Ein Ansatz, um sich dem Forschungsfeld anzunähern, kann aus der ego-zentrierten Netzwerkanalyse abgeleitet werden. Mittels dieser Netzwerkanalyse werden Schnittstellen, die auf andere Plattformen verweisen, festgehalten. In Form von Verknüpfungen treten diese in Erscheinung. Ausgangspunkt der Netzwerkanalyse bildet dabei nicht das Ego, sondern das einzelne Thema. Deshalb wird die ego-zentrierte Netzwerkanalyse in objectum-zentriertes Netzwerk umbenannt, da das Ego nicht den Mittelpunkt der Beobachtung bildet. Die indirekte Zusammenarbeit der Individuen rückt dabei in den Hintergrund der Untersuchung.

Ziel ist die Herausbildung unterschiedlicher Cluster von Kollaborationsmöglichkeiten in denen einzelne Attribute auf spezielle Eigenschaften des jeweiligen Clusters verweisen sollen. Die erhobenen Daten akzentuieren zum einen den „Wissensweg“ des Themas, also welche Einwirkungen das Thema modulieren und zum anderen zeigt es die Personen auf, die an dem Thema aktiv partizipieren.

Die Auswertung der Daten geben jedoch keine Daten über den Inhalt und den Grund der Struktur wieder. Um diese in Erfahrung zu bringen, muss die Netzwerkanalyse mit weiteren Methoden kombiniert werden. Um die Frage nach der virtuellen Wissensgenerierung annähernd beantworten zu können ist es zweckmäßig die Frage mit einer Triangulation zu verbinden, auf die nur kurz eingegangen werden soll.

Verweise:

  • Artilel von Sandra Schaffert und Mark Markus „Web-Monitoring mit freien Quellen und Werkzeugen für Unternehmen“

Buch „DNAdigital – Wenn Kapuzenpullis auf Anzugträger treffen“ geht in den Druck

Das Buch „DNAdigital – Wenn Kapuzenpullis auf Anzugträger treffen“ geht in den Druck (nach einigen Überarbeitungen) 🙂 und erscheint damit, wie geplant rechtzeitig zur CEBIT . (online-Version)

Es ist erstaunlich, dass in kurzer Zeit ein solches Buch erscheinen konnte. Der Prozess der Entstehung ist geprägt von Open Innovation, Crowd Sourcing, Digitale Produktion, … von den Möglichkeiten die uns heute Dank des Webs zur Verfügung stehen.

Description

Wie aus Kopfschütteln positive Energie wurde. Oder Kapuzenpulli trifft Anzugträger – wie das CIO-Magazin über unsere Initiative DNAdigital titelte.
Das Ziel ist anspruchsvoll. Wie schafft man einen konstruktiven Dialog zwischen der Generation Internet und Top-Managern der deutschen Wirtschaft?
Und was kommt dabei heraus?
In diesem Buch wurden die meisten Artikel im Dialog zwischen diesen beiden Gruppen geschrieben. Beteiligt sind die Avantgarde der Internetgeneration sowie Vorstände und Top-Manager von Unternehmen wie Alcatel-
Lucent, Best Buy, Cisco, Deutsche Telekom, IDS Scheer und Vordenker wie John Seely Brown, John Hagel III, Dirigent Itay Talgam, dieHarvardprofessoren Urs Gasser und David Weinberger, Don Tapscott, Gartner-Analystenchef
Peter Sondergaard und Netzwerk-Guru Peter Kruse.
Dabei trifft inhaltliche Erfahrung auf das technisches Know-how der vernetzten Generation und beschäftigt sich mit Themen des Enterprise 2.0: der Arbeitswelt der Zukunft, kundengetriebene Produktentwicklung, Führung
basierend auf Kompetenzen sowie Fragen der Unternehmenskultur.
Eines verbindet alle Beiträge: Es geht um unsere Zukunft!

Es war mir eine große Freude, meinen Artikel „20 h Begegnung – Aus dem Tagebuch eines Digital Natives“ zu schreiben. Da ich mich viel mit wissenschaftlichen Texten auseinandersetze, bin ich es gewohnt, dass diese Texte bestimmten, eben wissenschaftlichen Kritertien entsprechen. In diesem Artikel hatte ich die Gelegenheit meiner Kreativität nachzugehen und einen eher litarischen Artikel zu schreiben, der den Leser lediglich in die Atmosphäre des Buches hineingeleiten soll. Diese Aufgabe erfüllt andere Kriterien. Die Wortwahl darf mehrdeutig sein und die Stimmung unter anderem atmosphärisch beschrieben werden. In der Wissenschaft sollten Modalitäten, wie Klarheit, Eindeutigkeit und strukturiertes Schreiben den Artikel bestimmen.

Weiterführende Links:

Umair Haque, der ein Harvard-Blog als discussion leader schreibt und „new DNA“ zu seinem Schlüsselbegriff gemacht hat:

That’s the third, simplest, and most fundamental step in building next-generation businesses: understanding that next-generation businesses are built on new DNA, or new ways to organize and manage economic activities.

– Plattform “DNA-Digital”

„Computersklaven“ von Bill Lessard und Steve Baldwin

Das Buch „Computersklaven“ ist eine Empfehlung von Itari.

Die Ideen, die diesem Buch zugrunde liegen sind die Vorstellungen, dass mit dem Internet das große Geld verdient werden kann. Das Internet wird von diesen Menschen mit einer segensreiche Geldmaschine verwechselt. Bill Lessard und Steve Baldwin haben sich zur Aufgabe genommen, diesem Mythos die Realität entgegen zustellen und mit ein paar empirischen Erzählungen zu untermauern.

Der ernüchternde Alltag wird bestimmt von den Computersklaven. Eine Internet – Karriere ist in der Realität kurz, aufreibend und vor allem erbärmlich. Das große Geld, von dem beim Einstieg geschwärmt wird, verdienen wie in anderen Branchen andere. Der durchschnittliche Arbeitnehmer ist schlechten Arbeitsbedingungen und missgelaunten Auftraggeber ausgesetzt. Der zynische Unterton, mit dem die Autoren Erzählungen widergeben, lenkt den Leser von realen Unternehmen und Personen ab.

An Reportagen zeigen beide Autoren den großen Teil der Verlierer und die wenigen Gewinner der Internet-Business-Branche auf. Eingeteilt werden die Computersklaven in zehn Ebenen, vom Müllmann über Strichmädchen, Abzocker bis hin zum Raubritter. In der Art und Weise einer kurzen Charakterisierung werden die wesentlichen Merkmale der Tätigkeitsklasse humorvoll und zynisch zusammengefasst. Jede Ebene umfasst bestimmte auszuübende Tätigkeiten, aus denen Lessard und Baldwin ihre eigenwilligen Einteilungen in der Klassifizierung der Jobs vornehmen. Die vorgenommene Einteilung gleicht einem Kastensystem, in welchem die Computersklaven auf- oder aussteigen können. Einhergehend zu jeder Kaste ist der Verlust der Realität außerhalb des Cyberspace, indem sie sich mindestens 80 h die Woche mit dem Wochenende aufhalten.

weiterführende Links:

Computerwoche (2000)Computersklaven: Die Verlierer des Internet-Hype


Überarbeitete Fassung von „20 h Begegnung“

Der Unterschied zur ersten Version besteht darin, das ich in der überarbeiteten Fassung versucht habe, die verschwimmende Grenze zwischen den Feldern: Privat – Beruf, zu integrieren.

20 h Begegnung

Schüchtern drangen warme Sonnenstrahlen bis zu Patrick vor und wärmten ihm seit vielen winterlichen Tagen zum ersten Mal wieder das Gesicht. Patrick stand an der Kai im Hafen von Kiel und schloss die Augen, um den zaghaften Tanz der Wärme auf seinem Gesicht intensiver wahrzunehmen.

Nur wenige Meter von ihm entfernt, stand ein Mann im gleichen Alter, der ebenfalls auf die ankommende Fähre wartete, die ihn nach Oslo bringen sollte. Er war soeben aus dem Bus ausgestiegen. Wäre er aus dem nachfolgenden Bus ausgestiegen, hätte er die Fähre verpasst. Abgekämpft sah er aus, dennoch spiegelte sich ein tiefes rätselhaftes Lächeln in seinen Augen wieder. Ob er, der seit seiner Ankunft unentwegt auf seinem Handy herumtippte, auch nach Norwegen wollte? Patrick hatte wenig Lust diesen Fremden danach zu fragen. 20 Stunden Fahrzeit würde die Fähre nach dem Prospekt für diese Reise benötigen, die Patrick als Sonderangebot an dem schwarzen Brett seiner Uni entdeckt hatte. Er sollte in den nächsten Tagen sein Praktikum in Oslo beginnen. Alle Flüge waren ausgebucht, so dass ihm nur noch die Fähre als Transport zur Verfügung gestanden hatte. Um Geld zu sparen, ließ er sich auf einen Kompromiss ein, mit einem Fremden eine Kabine zu teilen. Er hoffte, dass wenige Passagiere an Bord sein werden, um seine Kabine nicht teilen zu müssen. Vom Fernseher hatte er gelernt, dass Unbekannte, sich schnell als gefährlich oder nervend entpuppten. Einen vorsichtigen Blick warf er dem neben ihm stehenden Mann entgegen, der gerade lachte und daraufhin sein Handy wegsteckte.

Beide Blicke trafen sich. Während Patrick hastig zu den sich wellenwiegenden Möwen herübersah, lächelte ihn der Unbekannte an und kam bedrohlich nahe auf ihn zu. Mit den Worten: „Ich bin Chris“ stellte er sich unverblümt und mit warmer Stimme vor. Patrick lächelte ihm qualvoll entgegen. Doch bevor er sich eine Antwort überlegen konnte, kam ihm der Fremde zuvor. „Ein wunderbarer Tag ist heute. Die Sonne beginnt langsam wieder unser Land zu wärmen. Und wir beide fahren nach Norwegen, um der Sonne zu entkommen.“ Chris lachte schelmisch. Patrick lächelte zaghaft mit. Er wunderte sich darüber, wie vertraut Chris mit Fremden sprach. Berührungsängste schien er nicht zu haben und gleichzeitig strahlte er eine kindlich Naivität und Neugier aus. „Meine Freunde haben gerade ein Foto erhalten, sie wissen jetzt um die Schönheit dieses Ortes zu dieser Tageszeit und freuen sich für mich mit.“ Unverständlich schaute Patrick Chris an. Wie konnte er in dieser kurzen Zeit mehrere Freunde informieren?

Chris hatte die unausgesprochene Frage in Patricks Gesicht erkannt. Mit unverhoffter Schnelligkeit öffnete er sein Handy. Patrick war überrascht, dass Chris keine Gedanken daran hegte, dass er vielleicht etwas „Geheimes“ lesen konnte. Er würde seinen Handyinhalt vielleicht seiner Freundin zeigen, sonst aber niemanden. Chris schienen diese Gedanken fremd zu sein. Noch mehr staunte er, dass Chris mittels seines Handys auf das Internet zugriff. Davon hatte Patrick schon etwas im Fernsehen gehört, selber hatte er es sich noch nicht daran gewagt. Eine Webseite kam zum Vorschein, in der sich viele Menschen über alles zu unterhalten schienen. Heilloses durcheinander sah Patrick, dem er nicht folgen konnte. Erst mit der Hilfe von Chris kam Struktur in das Chaos und jetzt sah er das Bild des Hafens und die Reaktionen darauf. Chris nannte die Kommentare zum Foto von anderen Menschen, die nicht vor Ort anwesend waren, liebevoll seine Follower.

Für einen Moment beneidete er Chris. Er schien niemals allein zu sein. Patrick hingegen war allein. Mit niemandem hatte er seine Gedanken ausgetauscht. Patrick bekam eine Ahnung davon, dass Teilen Mehrwert und Freude bedeuten konnte.

Nachdenklich ging er auf die ankommende Fähre, wo ihm mitgeteilt wurde, seine Kabine teilen zu müssen. Gerne hätte sich Patrick seinen Mitbewohner auf Zeit selber ausgesucht.

Im zugewiesenen Quartier begegnete er Chris wieder. Chris lachte laut auf und zückte sein Handy, während er Patrick überschwänglich begrüßte: „Wer immer kommt, er ist genau der Richtige!“ Wieder sah ihn Patrick irritiert an. Chris zeigte ihm seinen Eintrag. Nun wurde Patrick selbst von den Followern überschwänglich empfangen. Patrick fühlte sich dazugehörig und war stolz darauf. Im Anflug des Zutrauens fragte er Chris, ob er sich ebenfalls das Geld für ein einzelnes Quartier sparen wollte? Diesmal war Chris derjenige, der ihn verwundert ansah und in Patricks Magen schlich ein unwohles Gefühl. Er ärgerte sich über seine leichtsinnige Frage im Anflug einer Woge des Vertrauens. Chris schüttelte mit dem Kopf und berichtete ihm, dass es seiner Lebenshaltung entspricht, anderen zu begegnen und dass er bewusst nach Andockmöglichkeiten suche. Daraufhin verließ Chris mit einem Laptop die Kabine. Er murmelte noch etwas davon, dass er in der Kantine auf der Suche nach Kaffee und Strom etwas für einen seiner besten Kunden, der im Krankenhaus lag, erledigen wollte.

Patrick legte sich auf sein Bett und starrte an die Decke. Was konnte man auf einer Fähre Geschäftliches aufarbeiten? Die Kabine war ohne Fernseher, weswegen er ein Buch aus der Tasche zog, das er aber noch kurzer Zeit weglegte. Seine Gedanken kreisten um Chris und liebend gern hätte er sich mittels eines Fernsehers davon abgelenkt. Stattdessen zog er sein Handy hervor und beschäftigte sich die nächsten Minuten mit einem Spiel. Dann, auf einmal war das Signal weg. Sie mussten sich außerhalb des Funknetzes befinden und Patrick beschlich die neugierige Frage, ob sich sein Mitbewohner nun genauso allein und verlassen vorkam?

Er huschte aus der Kabine und fand Chris, wie er sich angeregt mit einem Fremden unterhielt. Chris Handy lag neben dem ausgeklappten Laptop und suchte ebenfalls nach einem Signal. Neugierig legte sich Patricks Blick auf den Bildschirm des Laptops. Sein Gesicht offenbarte den Anwesenden, dass Patrick mit dieser Entdeckung nicht gerechnet hatte. Auf dem Bildschirm war ein Versandservice abgebildet, der dem Besitzer des Laptops freundlich auf die Lieferzeiten hinwies. Das bestellte Buch konnte erst in drei Tagen an die gewünschte Adresse geliefert werden. Daneben war ein abgebrochener Chat zu erkennen. Einer der vielen Kontakte von Chris hatte sich bereit erklärt, das gewünschte Buch noch heute an die Adresse zu liefern. Als Dank würde Patrick an der Universität in Berlin in dessen Vorlesungsreihe einen Vortrag über mögliche soziale Interaktionen halten, die mit den neuen Anforderungen mobilen Internetzugangs einhergehen können. Patrick staunte und Chris ergriff das Wort. „Ich bin selbständig. Ich bin Autor, Werber, Berater, Gesellschaftsführer und führe ein paar andere ausgedachte Berufe aus. Einer meiner größten Auftraggeber hatte gestern Nachmittag einen Unfall, ganz in der Nähe von Kiel. Heute Morgen habe ich ihn besucht und ihm versprochen, zur Aufheiterung etwas vorbei zu senden. Das Buch fand ich passend.“ Patricks Zeigefinger wies auf den Bildschirm seines Laptops. „Es gibt einen humorvollen Blick auf aktuelle Entwicklungen wieder. Kann ich Dir empfehlen, Patrick, wenn Du Lust und Zeit hast Dich mit neuen technischen Möglichkeiten auseinanderzusetzen.“ Patricks Gesprächspartner hatte bis eben geschwiegen. Nachdem die letzte Silbe verklungen war, kicherte der Unbekannte vor sich hin, während er in seine Tasche griff und das eben beschriebene Buch auf den Tisch legte. Patrick kam gar nicht weiter dazu über die Frage nachzudenken, ob er dasselbe für seinen Chef getan hätte. Wahrscheinlich würde sein Chef dieses Geschenk als Eingriff in seinen persönlichen und privaten Raum empfinden. Der Unbekannte begann schon einige Passagen aus dem Buch vorzulesen. Nach nur wenigen Momenten war auch Patrick von der heiteren Stimmung seiner beiden neuen Wegbegleiter angesteckt. Zusammen lachten sie die nächsten Stunden über absurde Übertreibungen medialer Interaktionen. Dennoch begriff Patrick mit jeder Zeile mehr, welcher Welt des Artenreichtums und der Möglichkeiten er sich bisher aus Passivität und Uninformiertheit selbst entsagt hatte.


Als sie Chris und Patrick in Oslo ankamen, standen sie im Hafen und wussten nicht wohin. Die Umgebung wirkte fremdartig. Mitten in dieser Stille der Orientierung schallte Lachen zweier Personen an Patricks Ohr. Patrick drehte sich zu Chris um, der eine weitere Person herzlich grüßte. „Ich spiele für Euch Taxi und helfe Euch in dieser Stadt.“ Patrick war über diese Geste der Freundlichkeit überrascht. „Ich bin Follower von Chris und lese seinen Blog mit Begeisterung. Er würde mir ebenso in einer Situation der Hilfe beistehen.“ Leise fragte Patrick die Beiden, ob sie sich früher schon mal gegenüberstanden. „Nein, wir sehen uns heute zum ersten Mal.“

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