Meine Tätigkeit in 5, 10 oder 15 Jahren?

Impulse zu Arbeit4.0 und Bildung 4.0 werden von den Teilnehmenden des MOOC’s (mooin-Plattform) #feuer40 (Twitter) gerade zahlreich abgefeuert. Auch wenn mich nur ein paar der Impulse erreichen, reichen diese aus, um meine Gedanken der Zukunft entgegen schweifen zu lassen.

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Quelle: Pinterest Andrea sketcht

So kreisten sie um eine Teiltätigkeit meines aktuellen Berufs: Erwachsene im Hochschulsystem weiterzubilden. Wie könnte diese Tätigkeit in den nächsten Jahren aussehen? Unter welchen Bedingungen könnte sie stehen? Wenn ich die aktuellen Veränderungen, die vielleicht mit den folgenden Schlagworten einhergehen, weiterdenke und viel konsequenter dynamischer miteinander verzahnen lassen und diese dann auf meine Tätigkeit übertrage: der Digitalisierung, der Vernetzung, der Disruption, der Individualisierung, der Selbstorganisation, etc.

Und auf einmal befand ich mich in meiner erdachten Welt der Zukunft wieder und ich begleitete eine diffus erschienene Person, die das Bedürfnis hat, sich einer Fragestellung zu nähern. Irgendwo im Alltag der Person war ein Hindernis oder Wunsch entstanden, ein Ziel zu erreichen oder Antworten auf eine Frage zu finden.

Ich stellte mir vor, dass dieses Individuum von jedem Ort und zu jeder Zeit auf eine digitale Bibliothek zugreifen kann. Kostenlos gelangte es an alle Informationen/Wissen, welches jemals von Menschen gespeichert wurden. Eine Suchfunktion ermöglichte der Person einen schnellen Überblick über die Inhalte zu erlangen. Inhalte, die vielleicht, wie in dem nachfolgenden YouTube-Video aufbereitet sein könnten:

In der weiteren Verfolgung der individuellen Fragestellung oder des individuellen Zieles nimmt der Lernwillige Kontakt zu einem Lernbegleiter auf. In einem persönlichen Gespräch wird eine Zielsetzung mit entsprechenden Zwischenzielen festgehalten. Dieses könnte beispielsweise so aussehen, wie Facebook gerade social virtual reality vorgestellt hat „Facebook Spaces makes virtzual reality a social experience„:

Gemeinsam werden die Bedürfnisse und Möglichkeiten des Lernwilligen erkundet. Das könnten Fragen zur Lebenssituation sein, zum Lebensumfeld, Lerntyp, Priorisierung der Zielerreichung, vorhandene Kompetenzen etc. An die Zielerreichung/Fragestellung kann auch implizites gesellschaftliches Wissen (Kulturkompetenzen) gebunden sein, die der Lernbegleiter in der Erstellung des individuellen Lernplans berücksichtigt.

Das erste Zwischenziel des Lernenden wird mit einer möglichen Zeitangabe, an der das Zwischenziel von dem Lernenden erreicht werden könnte, festgehalten. Nach dem Erreichen des Zwischenzieles passt der Lernbegleiter weitere Zwischenziele immer wieder an die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten des Lernenden an. Darüber hinaus unterbreitet der Lernbegleiter dem Lernenden Angebote das theoretische Wissen, das sich der Lernende aus der digitalen Bibliothek selbst erarbeitet, mit praktischem (Erfahrungs-)Wissen anzureichern.

Entsprechend der Fragestellung des Lernenden vernetzt und eröffnet der Lernbegleiter dem Lernenden Angebote aus Firmen bzw. Unternehmen. Der Lernbegleiter weist zum einen auf öffentliche Veranstaltungen der Unternehmen, die zum gegenseitigen Netzwerken und Kennenlernen des Lernenden und des Unternehmens genutzt werden können. Des Weiteren ist es dem Lernbegleiter aus einer digitalen Datenbank möglich unterschiedliche Szenarien auszuwählen, die den Lernenden im Lernprozess unterstützen. Bei einem Teil dieser Lernszenarien arbeiten der Lernbegleiter und das Unternehmen zusammen. So könnten in Lernszenarien holometrische Ansätze eingesetzt werden:

Das Unternehmen speist kleine Teilaufgaben in die Datenbank, die vom Lernbegleiter mit dem entsprechenden Lernszenario verbunden werden. Diese Lernszenarien verfügen über unterschiedlich ausgeprägte Hilfestellungen und Schwierigkeitsgrade. Verfügt die Datenbank nicht über das entsprechende Lernszenario, um einer Teilaufgabe nachgehen zu können, entwickelt der Lernbegleiter in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen dieses. Auf diesem Wege wird der praktische Lernanteil stets aktuell gehalten und entwickelt sich ständig weiter.

Der Lernbegleiter zertifiziert das Erreichen des Lernziels in einem digitalen Portfolio mit entsprechenden Kontaktierungsmöglichkeiten zum Lernbegleiter.

Und auf einmal ist mir klar, dass diese Zukunft sich gar nicht so weit entfernt von mir befinden kann. Es existiert ja schon alles!

 

 

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Neudefinition – Was bleibt? Die Neugier auf diese Welt, aber die Standorte ändern sich!

persönliches Lernnetzwerk

persönliches Lernnetzwerk

Der letzte Blogeintrag ist nun schon eine Weile (mehrere Monate) her.Nicht ohne Grund, denn in dieser Zeit hat sich bei mir einiges getan!

Diese Veränderungen haben aufgrund ihrer Größe zwingendermaßen große und schnelle Auswirkungen auf die Gestaltung meines Selbst. Aus diesem Grunde fiel es mir schwer Artikel zu schreiben, da ich nicht mehr wusste, von welchem Standpunkt ich ausgehen sollte. Auch jetzt nutze ich diesen Blogeintrag dazu mit der neuen Standortbestimmung endlich anzufangen.

Was hat sich getan?

1. Entscheidung: Ich habe mich dazu entschieden, meine Dissertationsvorhaben vorerst „auf Eis zu legen“. Der Entschluss fiel mir schwer, aber ich musste einsehen, dass der Aufbau eines Unternehmens, sich nicht mit diesem Vorhaben vereinbaren ließ. Ich hoffe auf später, wenn das Unternehmen von selbst läuft (;)), mein Dissertationsvorhaben neu aufnehmen zu können.

2. Entscheidung: Den Schwerpunkt meiner Selbständigkeit habe ich verlagert. War ich vorher noch viel als Medienpädagogin an Schulen, Vereinen, zu Kindergeburtstagen und anderen Jugend- und Kindereinrichtungen unterwegs, so stecke ich jetzt meine Kraft in den Aufbau eines Startups. Durch die Streuung meiner Tätigkeiten (educaching, Elternabende zu sozialen Netzwerken, Workshops zu Cybermobbing, Weiterbildungen in der Anwendung von Suchmaschinen etc. , also fast klassische medienpädagogische Arbeit) hatte ich gehofft, schlechte Tage mit anderen Aufträgen ausgleichen zu können. Von daher hoffe ich, dass es die richtige Entscheidung ist, sich auf ein Projekt zu konzentrieren. Wichtig ist diese Konzentration daher, um gezielter und effektiver das Startup umsetzen zu können. Denn aufgrund anderer Aufträge kleckerte das Startup in den letzten Wochen eher vor sich hin.

3. Entscheidung: Der geografische Standort hat sich um mehrere hundert Kilometer verlagert.

4. Entscheidung: Meine Haarfarbe hat sich geändert, aber das war eher Zufall 😉

bildungstheoretischer Hintergrund

Mit diesen Veränderungen, schweifen meine Gedanken um die Auswirkungen dieser Änderungen auf mich selbst. Lothar Krappmann  (Philosoph und Soziologe) stellt fest, dass sich die eigene Identität durch Interaktionen mit seiner Umwelt, in jeder Situation verändert.
Bei meinem Besuch auf der diesjährigen re:publica  (#rp13) werde ich durch die Session von @lisarosa  „Lernen lernen lernen mit dem persönlichen Lernnetzwerk. Wie im digitalen Zeitalter eigensinnig und gemeinsam gelernt wird.“ (Eine Zusammenfassung der Session findet man auf ihrem Blog: shiftingschool) ermutigt, mich nach meinem neuen Lernnetzwerk zu fragen. Lisa Rosas Vortrag setzt sich allgemein mit den Veränderungen des Lernens auseinander. Unser Lernen heute orientiert sich an Netzprinzipien (offen, überall, immer, verknüpft, multiperspektivisch-intersubjektiv, selbstgesteuert, personalisiert).

Lisa Rosa greift auf den Kulturanthroplogen Michael Wesch zurück, der zu verstehen gab, dass in einer Welt mit unendlichen Informationen, der Mensch im Lernprozess immer erst nach dem „Warum“ fragen sollte. „Warum soll ich das lernen? “ Nachdem er sich darüber klar geworden ist und das Warum als Lernziel (Sinn) definiert hat, kann der Lernende nach dem „Wie“ fragen. „Wie kann ich das Lernziel erreichen?“, bevor er sich mit den konkreten Inhalten, dem „Was“ auseinandersetzt.
Drei Komponenten des Lernens sind nach Lisa Rosa heute notwendig. Ich habe diese Komponenten in der Abbildung meines eigenen persönlichen Lernnetzwerkes mitaufgegriffen:

1. Interiorisieren = sammeln und verarbeiten = verstehen

Um mein Wissen ständig in Frage und in neuen Kontexten zustellen, muss ich mein Wissen interiorisieren. Wissen bzw. Informationen verinnerliche ich mir, wenn ich mich in einem sich ständig wiederholendem Prozess mich mit ihnen in neuen Kontexten auseinandersetze. Hierbei helfen mir technische Tools, in denen ich Informationen und Wissen, wie in Feed-Reader, Videokanäle, Social Bookmarking, Dropbox, Evernote etc. sammeln und verarbeiten kann.

2. Exteriorisieren = produzieren und publizieren = konstruieren

Wissen immer wieder in neuen Kontexten zu stellen und daraus zu lernen ist von prozesshaften Charakter. Dabei kann die Wissensaneignung nie abgeschlossen sein. Neue Kontexte stellen erworbenes Wissen wieder neu in Frage und vor neuen Herausforderungen. Hierbei helfen mir Tools, ‚Momentaufnahmen‘ des eigenen Wissens in diesem prozesshaften Vorgehen für spätere weiterführende Reflektionen festzuhalten, wie bspw. in einem Blog, Wiki, YouTube, Flickr, Slidshare, Prezi, etc.

3. Dialog = teilen und zusammenfassen = vernetzen

In einem permanenten Austausch erfährt Wissen eine Öffnung nach außen. Wissen wird von anderen in neue Kontexte gestellt und geprüft. In einem Austausch wird Wissen erweitert. Mit der Auseinandersetzung der Erweiterung werden neue Kompetenzen in dem Prozess des Exteriorierens und Interiorisierens erlernt.

(P.S. Ich glaube während des Schreibens festzustellen, dass Lernen und Informationen / Wissen noch viel deutlicher voneinander getrennt werden müssten.)

Zusammenfassende Aussagen:

  • Lernplattformen werden sozial.
  • Lernen wird als sozialer Prozess betrachtet.
  • Im Lernprozess setzt man sich mit seiner Umwelt auseinander.
  • Ein Lernprozess besteht aus Interaktionen mit anderen Personen.
  • Die Lernumgebung ist nach außen geöffnet und selbstbestimmbar.

PLN / PLE

Vor 1 ½ Jahren entwarf ich schon einmal eine PLE. In der erneuten Auseinandersetzung mit ihr und in dem Zusammenhang der Reflexion, welche Auswirkungen die aufgeführten Veränderungen auf mein Blog haben, muss ich der Kritik von Jochen Robes (aufgeführt in seinem Weiterbildungsblog im Artikel vom 19.12.2012 „ Some Observations on PLE Diagrams„) zustimmen. Sein Artikel beruht auf den gleichnamigen Artikel des Blogs edtechpost.ca . Meine bisherige PLE war Toolorientiert. Es fehlten die Methoden bzw. Instrumente, sich dem gewünschtem Ziel zu nähern oder Lernpfade zu identifizieren.
Das Ziel definiere ich neu. Der Schwerpunkt meines Lernens sollen zukünftig Themen rund um die mobile Rundreise sein. Dazu zählen nicht nur Themen aus dem mobilen Entwicklungsbereich, sondern auch das eigene „Unterwegssein“. Ich kann mir vorstellen über diese Themen in Form von Fotos, Berichten, Anekdoten, Videos, Interviews und Netzwerken, mich mitzuteilen.

Ich bin gespannt 🙂

Empfehlung: Veränderung der Gesellschaft (Lernansätze) nach Günther Dücks Vortrag auf der re:publica

Dritte Generation Ostdeutschland

Heute ist mir auf Facebook die Fan-Seite „3te Generation Ostdeutschland“ „wieder“ aufgefallen, die einige meiner Gedanken und Beobachtungen sehr treffend zusammenfasst.

Geboren wurde ich in der DDR, aufgewachsen bin ich in der Bundesrepublik Deutschland. Meine Identität beschrieb ich in den letzten Jahren immer als Gesamtdeutschen. Ich wollte nicht mehr unterscheiden, zwischen Ost und West. Dennoch wurde ich in fast jeder Stadt, die ich besuchte, in der ich lebte, etc. mit diesem Thema konfrontiert. Auch ich selbst beobachte, dass ich meinen älteren Verwandten immer wieder bohrende Fragen zu ihren Erlebnissen stelle. Ich bin hungrig nach Wissen und bin noch lange nicht zu befriedigenden Antworten gelangt …

(Hierbei handelt es sich um wunderbares Material für Schüler

diese Thematikaus unterschiedlichen Perspektiven aufzugreifen und sich dieser zu nähern)

Mit der „Dritten Generation Ostdeutschland“ sind die zwischen 1975 und 1985 in der DDR Geborenen, die mittlerweile die längste Zeit ihres Lebens in einem vereinigten Deutschland zugebracht haben. Insgesamt sind es etwa 2,4 Millionen.

Als junge Menschen konnte diese Generation die Umstrukturierung des Ostens nach der Wende vorwiegend nur erleben, diese aber nicht umfangreich oder ansatzweise reflektieren. Sie waren noch zu jung für eine umfassende Reflektion der Transformationserfahrungen. Fragen, wie „Was passiert hier eigentlich?“ oder „Was passiert mit unseren Eltern?“ fanden zu diesen Zeiten keine Antworten.

Der Wandel, der für mich als Kind über Nacht hereinbrach, löste einen biographischen Umbruch aus.

Ist für diese Generation eine bestimmte Weltsicht daraus entstanden? Hat diese Generation durch historische Erfahrung gelernt, sich mit Unsicherheiten kreativ auseinanderzusetzen und sie als Teil dieser Welt zu akzeptieren? Zeichnet Wendekinder eine gewisse „Erschütterungs-Sicherheit“ aus? Wissen sie, dass sich die Gegebenheiten immer wieder ändern könnten? Sind sie deshalb offener als andere, über Alternativen nachzudenken?

Die Politikwissenschaftlerin Adriana Lettrari hat mit Gleichgesinnten eine Konferenz am 8. bis 10. Juli in Berlin ins Leben gerufen (Bericht im Berliner Tagesspiegel), auf der Wendekinder in einer Gruppe von Menschen mit gleichen Erfahrungen über ihre Erlebnisse und Gedanken diskutieren konnten. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von der Bundesstiftung Aufarbeitung. Ein junger Verleger weist auf dieser Konferenz darauf hin, dass viele Wendekinder gelernt hätten, kreativ mit Hindernissen umzugehen und bei Problemen einen speziellen Humor zu behalten.

Ich selbst kenne diese Methode aus meinem Studium zu interkulturellen Pädagogik (an der Uni Magdeburg: internationale und interkulturelle Bildungsforschung). Als Gruppe diskutiert man über seine eigenen Wurzeln und Fähigkeiten und geht dann mit den in dieser Gruppe gewonnenen Erkenntnissen in die Welt.

Ein paar weiterführende Diskurse:

Neuland denken

Kinder auf der Suche nach Zeitzeugen des Mauerfalls

Risiken und Chancen in der Wissensgesellschaft (Hartmut Rosa)

Hartmut Rosa: Die kommenden Tage (IV)
von Stifterverband

 

 

für mich wichtige Aussagen:

  • These: Der Mensch glaubt, dass er technologische Entwicklungen souverän nutzen kann.
  • Die Auseinandersetzung des Menschen mit Technik erfolgt im selben Muster: 1. Phase: Abstreiten der Notwendigkeit der jeweiligen Technologie, 2. Phase: „Der Sündenfall“, Erweiterung des Möglichkeitshorizontes mit der Absicht der bewussten Kontrolle, 3. Phase Entfesselung der Möglichkeiten und der damit einhergehenden Dynamik, 4. Phase: Sklave der Technik
  • Zirkulierende Ströme fließen durch uns hindurch und verändern soziale, intellektuelle und emotionale Dynamiken.
  • Der Mensch nimmt die Welt nicht mehr als Resonanzsphäre wahr, sondern als ein instrumentelles Feld, in dem der Mensch selektieren muss.
  • systemische Dynamiken: Der Struktur moderner Gesellschaft ist eine Beschleunigungs- (Steigerungslogik) immanent.
  • Die moderne Gesellschaft hat es darauf angelegt Verhältnisse zu verflüssigen (materielle, kulturelle, soziale).
  • Der Mensch hat sich angewöhnt Qualität an Steigerungsraten zu messen.
  • In ganz kurzer Zeit laufen starke Erregungswellen durch das Netz, welche dramatische Veränderungen mit sich bringen.
  • Der Mensch positioniert sich über einen festen Standpunkt in der vorbürgerlichen Zeit (Stände etc.) und im Bürgertum (Identität über die Charakterbildung, indem der Mensch sich in seiner Welt selber definiert (Haltung, politisches Interesse)).
  • Mit der Moderne erfolgte ein Wechsel von der Positionalität hin zur Performativität. Strukturen, Berufe, Orientierungen, Wohnorte etc.. verändern sich ständig, sind somit flüchtig (Volatilität). Die Art des Menschen in die Welt gestellt zu sein verändert sich damit. Der Mensch kann in dieser Situation zum Surfer oder Drifter werden. Der Surfer ändert sich mit den Projekten ständig und definiert sich neu. Sein Ziel ist es „oben zu bleiben“. Seinem Leben fehlt aber die Gerichtetheit. Der Drifter hingegen reagiert nur auf Veränderungen und wird von den Ereignissen überrascht und getrieben.

 

Die Entwicklung moralischen Bewusstseins und die Überwindung des Egozentrismus

(„Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.“)

An der Front des Paradigmenwechsels:

Ein Paradigmenwechsel steht an, höre ich viele sagen, die ich kenne.

Mit voller Überzeugung diesem Paradigmenwechsel entgegenzuarbeiten, bewegen sich die Erlediger durch die gemeinsame soziale Welt, in der Hoffnung dem überkommenen und aggressiven Denkmuster der Kapitalismusauswirkungen seit dem 19. Jahrhundert etwas entgegensetzen zu können. Das Geschäftsmodell der Agentur für Erledigungen schreibt sich Kommunikation, Transparenz und Vertrauen auf die eigenen Segel, bezogen auf die internen, wie auch auf die externen Vorgänge.

Bisher kannte ich solche Vorsätze nur aus Gruppen, die sich in nichtwirtschaftlicher Absicht zu einem Ziel zusammenfinden und vor allem sehr affin mit dem Web umgehen können. Schon lange frage ich mich, ob diese offene und in erster Hinsicht vertrauensvolle Dynamik an den Grenzen der Arbeitsplätze scheitert.

Geschäftskonzepte im Vergleich (Agentur für Erledigungen / „Zahl was Du willst“):

Ein typisches Kennzeichen der Erlediger ist, dass es sich hierbei um Selbständige handelt. Diesen werden keine Aufgaben delegiert, sondern Aufgaben angeboten. Woraufhin der Geschäftsführer, der Erlediger und der Kunde über einen Wohlfühlpreis verhandeln. Die Leistung des Erledigers soll für beide Seiten zufriedenstellend honoriert und nicht zum Dumpingpreis eingekauft werden. Authentisch wird der Wohlfühlpreis von den Erledigern dargestellt, denn sie hebeln ganz bewusst das kategoriale Denken auf. Ein Mensch ist mehr als die Ansammlung seines Expertenwissens zu einem Thema.Neben der Beratung als Gründercoach kann er der Nachbarin beim Umzug helfen oder bei dem Spross eines anderen Geschäftsmannes ein individuelles Bewerbungs- und Selbsterkennungstraining durchführen. Der Nutzen liegt auf der Hand, für den Kunden eröffnen sich Erledigungsmöglichkeiten für die er nur schwer einen vertrauensvollen und menschlichen (weil nicht überprofessionalisiert) Ansprechpartner finden würde. Der Erlediger erweitert sein Tätigkeitsfeld und ist nicht in der Einöde seines Expertentums gefangen.

Ein ähnlich ungewöhnliches Geschäftskonzept ist die Aktion „Zahl was Du willst“ . Der signifikante Unterschied zwischen den beiden Geschäftskonzepten besteht darin, dass bei den „Erledigern“ beide Seiten den Preis kontrollieren können, im Gegensatz zu der „Zahl was Du willst“-Aktion, wo der Anbieter den gezahlten Preis des Kunden hinnehmen muss.

Offene und ehrliche Kommunikation schafft eine Atmosphäre des Vertrauens. Jeder weiß sich über den anderen und dessen Arbeitsstand informiert. Wenn in diesem vertrauensvollen Klima eine Aufgabe doch mal nicht im vorgegebenen Maße realisiert werden kann und im gleichen Augenblick dies offen kommuniziert wird, ist das Vertrauen nicht dahin, da jeder von uns fehlbar ist. Persönliche Kommunikation in einem sich stetig erweiternden Netzwerk ist das tragende Element dieser Geschäftsidee. Aus diesem Grunde ist die transparente Kommunikation notwendig, da viele Schultern diese Geschäftsidee tragen müssen.

Die Agentur für Erledigungen eröffnet für mich eine neue Perspektive des Arbeitsalltags, die auf den notwendigen Gewinn zur Lebenserhaltung aus ist, aber alle „Geizhälse, Gierhälse und Blendern“ die Zusammenarbeit verweigert. Ihr Ziel ist die Unterstützung des Bruttosozialglücks.

Es ist dementsprechend nicht ungewöhnlich, dass sich die Agentur für Erledigungen der Dynamik des Social Webs bedient und auf den verschiedensten Medien zu finden ist:

Subjekt vs. Sozialisation ?

Der Begriff „Paradigmenwechsel“ ist in den letzten Jahren sehr beliebt geworden. Ursprünglich nur für den Übergang zu einem neuen Denkmodell in den Naturwissenschaften bekannt, findet es nun überall Verwendung, wo ein Wechsel oder Wandel in Mitteln, Moden und Methoden Platz greift. Unsere Welt verändert sich täglich und wir verfolgen diese Veränderung durch die Medien, wie es vormals kaum möglich war. Wir nehmen Veränderungen an jeder „Front“ wahr und hoffen, dass sich diese Wandlungen mehr in die Richtung lenken, die unseren Hoffnungen entspricht.

Die Hoffnungen der Erlediger, mit denen ich in letzter Zeit öfter Kontakt hatte, besteht in der Geisteshaltung der Kultivierung der Humanität als private „Eigentlichkeit“ zu entsagen. Individualisten, den sogenannten „Geizhälsen, Gierhälsen und Blendern“, die sich von der Gesellschaft losgesagt haben und nur noch ihren eigenen Interessen dienen, sollen hinter sich gelassen werden.

  • Beispiele für solches Handeln bietet der Kapitalismus in ungeahnten Größenordnungen und jedem Bereich an. Sei es der „kleine Angestellte“, der maximal 10% seines wirtschaftlichen Handelns als Lohn bekommt und damit gerade die notwendigsten Kosten zur Erhaltung seiner Familie aufbringen kann, während sein Chef von den restlichen 90% seinen BMW finanziert (Status-Symptome.de)
  • Oder auch Ölförderkonzerne, wie BP, wo auf Kosten alles umgebenden Lebens Öl gefördert wird (Gothfair) , damit sich einige wenige Menschen den Gewinn durch Ölförderung in die eigene private Tasche stecken. Durch mehrere Katastrophen scheint ein Umdenken in Gang gekommen zu sein, sei es durch das Auflegen von Fonds, wie im Blog Gothfair berichtet. Was bei jedem ankommt ist, dass Gewinne von Konzernen privatisiert werden und bei Verlusten letztendlich der Steuerzahler aufkommt, bestes Beispiel ist die Finanzkrise.

Der Subjektbegriff betont Momente wie Autonomie, Handeln und Individualität. Der scheinbare Gegensatz ist der Begriff der Sozialisation, der auf Fremdbestimmtheit, Prägung und Kollektivität verweist. Die Erlediger greifen beide Begrifflichkeiten auf und vereinen sie intuitiv in der Praxis.

Der Subjektbegriff geht über die Tendenz des Individualismus hinaus. Kant definiert den Menschen als ein emphatisch und mit Vernunft begabtes, denkendes Wesen. Der Subjekt-Begriff, umfasst somit sowohl das erkennende wie das moralisch und politisch handelnde Subjekt. Der Mensch verfügt über die Fähigkeit der sozialen Perspektivenübernahme, d.h. sich in die Positionen anderer zu versetzen.

Unterschiedliche Formen der Sozialisationserfahrungen während der Kindheit (Ausschaltungskonkurrenz – Entfaltungskonkurrenz)

Ein Kind hat bis zum 6./7. Lebensjahr in einem atemberaubenden Tempo eine emotionale Intelligenz erarbeitet. Das Kind ist von nun an in der Lage Zurückhaltung zu üben, sich einzufühlen, eine lebhafte Fantasie und Toleranz zu entwickeln. In den davor durchlaufenden Entwicklungsstufen war es noch nicht fähig sich in andere Personen (vorwiegend Kinder und Tiere) hineinzuversetzen. Bis zu diesem Entwicklungsgrad hatten die 2-5jährigen ein ganz unmittelbares Verhältnis zur Wirklichkeit. Was sie in diesem Zeitraum sahen, existierte, was sie nicht sahen, existierte nicht. Ein lustiges Beispiel dafür ist das „Kinderspiel“, wenn sich ein Kind die eigenen Augen zuhält und der Meinung ist, dass, wenn es sich selbst nicht sieht, andere es auch nicht sehen können.

Die Ausprägung einer emotionalen Intelligenz ist die Vorraussetzung für einen sich nahtlos anschließenden Beginn der Ausbildung sozialer Intelligenz. Mittels Empathie könnte das Kind lernen, sich in andere Personen hineinzuversetzen (vgl. George Herbert Mead: symbolischer Interaktionismus). Eine bessere Ausprägung von emotionaler Intelligenz vollzieht sich bei vielen Kindern ab diesem Alter leider jedoch nicht mehr.

Warum? Antwort: Weil das Kind dann in die (öffentliche) Schule geht! (Arbeitsthese)

Lernen als sozialer Interaktionsvorgang wird in der Schule nicht angewandt (außer Montessori und in der Waldorfpädagogik). An öffentlichen Schulen wird die Förderung von sozialer Intelligenz vernachlässigt, zugunsten rationaler Inhalte. Nur wenige Lehrer an öffentlichen Schulen fördern die reichhaltige Begabung, die schöpferischen Energien und die Möglichkeiten ihrer Schüler. Diese Lehrer haben jedoch nur selten die Chance, sich mehreren Kinder anzunehmen.

Die Kinder in einer Klasse könnten sich dabei einander helfen, denn sie wissen ja voneinander. Anstelle dessen muss jeder Einzelne für sich lernen. Würde Fritz, der in Mathe sehr gut ist, Karl die Aufgabe erklären, wird Fritz als Unterrichtsstörung bezeichnet. Fritz darf es vor allem dann nicht Karl erklären, wenn Karl es dringend benötigt, wie bspw. in einer Klassenarbeit. Wenn Fritz jetzt Karl die Aufgabe erklärt, gilt das nicht mehr nur als Unterrichtsstörung, sondern dann ist das ganze auch noch ein Betrugsversuch.

Mit dem Prozess der Ausschaltungskonkurrenz, umschreibt Peter Nieschmidt das Erlernen des Individualismus. Das Kind lernt nicht zu kooperieren, indem es sich von den anderen durch eigene Leistungen abhebt. Die Ausbildung einer persönlichen Identität wird dem Individuum als Eigenleistung abverlangt. Beck umschrieb diesen Anspruch an derzeitige Sozialisationsprozesse 1994 folgendermaßen: „Du darfst und du kannst, ja du sollst und du musst eine eigenständige Existenz führen, […].“ (Beck 1994, S.25)

Einen anderen Ansatz kann man in intakten Familien beobachten. Eine Mutter würde jedem ihre Kinder ihre Liebe gleichermaßen schenken und nicht das eine dem anderen gegenüber bevorzugen. Hier wird eine Entfaltungskonkurrenz gefördert. Mit Empathie und Beobachtung erkennt sie die Vorzüge jedes ihrer Kinder und fördert diese dementsprechend.

Vielleicht könnte man mit diesem Ansatz, die erschreckenden Auswüchse, wie in Winnenden, an der Virginia Tech Universität in den USA, von Vereinsamung und Ausgrenzung, die mit dem Individualismus einhergehen, begegnen.

P.S. Liebe Eltern, wenn einmal wieder ein grauer Brief von der Schulleitung wegen Betrugsversuch zu Ihnen nach Hause kommt, dann könnten sie diesen Brief auch als Dokumentation eines gescheiterten Kooperationsversuches interpretieren.

Weiterführende Verlinkungen:

Mixtape: Schnellschuss

Homepage: Prof. Dr. Peter Nieschmidt

Interne Verlinkungen:

Reisebeobachtungen: vom jugendlichen Tausch der Glasmurmeln, über Pokemon zu Video und Audioclips und Annäherungsversuchen … soziale Interaktionen über den Vermittler „Handy“

Social Learning Summit 08: Keynote: “Spielend lernen – zukunftsweisende Wissensvermittlung”

LdL (Lernen durch Lehren) als Anregung zur gemeinsamen Wissenskonstruktion in virtuellen Gemeinschaften?

erster Entwurf gegen eine Verschärfung von Gesetzen, die sich gegen Computerspiele richten