Ivy: Warum bist du nach San Francisco ausgewandert?

Während meines Urlaubs in San Francisco interessierte ich mich für die verschiedenen biografischen Hintergründe, warum in Deutschland Geborene nach San Francisco bzw. Umgebung zeitweise oder sogar für immer auswandern. Dazu traf ich mich mit fünf verschiedenen Personen und fragte sie nach ihren Motivationen, Wünschen und Vorbereitungen bezüglich ihrer Auswanderungsvorhaben, nach den Erfahrungen im Umgang mit der Auswanderung über die Zeit, aber auch nach den aktuellen Vorhaben.

Ich bin über jede Begegnung sehr dankbar. Ich finde es großartig, dass ich in einige Leben ein bisschen „reinsehen“ durfte. Ebenso fand ich es beeindruckend, wie spontan im doch hektischen Leben San Franciscos, sich von jeder Begegnung die Zeit für ein Treffen genommen wurde. Vielen lieben Dank.

Der nachfolgende Bericht entspricht einer subjektiven Zusammenfassung der Begegnung. Die Namen wurden abgeändert, einige Details verallgemeinert und einige Stellen etwas verzerrt, um eine Wiedererkennung mit einer realen Person zu verhindern. Ziel des Berichts besteht lediglich darin, die vielfältigen Hintergründe einer Auswanderung für mich festzuhalten und meine Leser, die an dieser Gegend „Bay Area und Silicon Valley“ interessiert sind, ein wenig daran teilhaben zu lassen. Vielleicht entstehen auf diese Weise weiterführende Impulse.


Über den UCSF-Camus wandernd, hielt ich nach einer jungen Frau Ausschau. Im Nachhinein hatte ich mir gewünscht, dass ich etwas eher losgegangen wäre, um den eindrucksvollen neu gebauten Campus länger zu bestaunen. Die Gebäude erschienen mir modern und offen gestaltet und nur wenige Meter neben dem Campus entdeckte ich einen „Urban Garden“ und einen Platz mit Foodtrucks, den ich ich mit einem kalifornischen sonnigen Lebensgefühl assoziere.

 

Dann entdeckte ich Ivy. Über den Campus schlendernd erzählte sie mir, dass sie vor etwa zwei Jahren nach San Francisco gekommen war. Nach dem Abschluss ihres PHD’s wollte sie die Chance ergreifen in einem Team unter einem Nobelpreisträger zu arbeiten und zu lernen. Auf einer Konferenz hatte sie ihn kennengelernt und sich mit ihm über eine mögliche Zusammenarbeit ausgetauscht.

Von der Zusammenarbeit in diesem Team berichtete sie voller Begeisterung. In Deutschland hatte sie eine solche Zusammenarbeit und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten noch nicht kennen gelernt. Die Begegnungen und der Gedankenaustausch seien auf „Augenhöhe“ und sind von einem wertschätzenden und kooperativen Umgang geprägt. In den letzten Monaten hatte sie konzentriert an ihren Projekten gearbeitet und sich mit einigen ihrer Kollegen angefreundet. Fragte sie sich noch mit dem Antritt ihrer Stelle  am UCSF, wann die Menschen in San Francisco arbeiteten, da sie diese ständig im Fitness Studio, auf Meetups, auf Networking Veranstaltungen, im Café, etc. sah, erkannte sie recht schnell, dass diese eigentlich rund um die Uhr arbeiteten. Sie bezeichnete ihre Beobachtung als „work life blending“, also der Bemühung so entspannt, wie möglich zu erscheinen, während sie eigentlich die ganze Zeit arbeiteten. In der Pause wird schnell ins Fitness Studio gegangen, im Café selbst wird gearbeitet, etc…

Doch als wissenschaftlicher Mitarbeiter verdient sie nicht genug, um sich ein Leben in San Francisco dauerhaft finanzieren zu können, auch wenn ihr Institut an dem sie arbeitet, zu den weltweit führenden gehört. Dennoch werden die Mitarbeiter nach staatlichen Vorgaben bezahlt und da wird es schon im nächsten Jahr schwierig für sie, wenn sie zum Einen aus dem vergünstigten Wohnheim ausziehen muss und zum anderen eine Steuererleichterung seitens des Staates Kalifornien für sie wegfallen wird.

Sie wird ihre Zeit in San Francisco vermissen. Doch von Beginn an war ihr klar, dass sie nur temporär, für wenige Jahre nach San Francisco auswandern wird. Mit ihrer Rückkehr wird sie sich neue Herausforderungen suchen, wobei sie sich sehr gerne in der Wissenschaftskommunikation sehen würde.  Auch, dass die Bay Area als Erdbeben gefährdet gilt und das nächste große Erdbeben mit 100%iger Wahrscheinlichkeit kommen wird, beunruhigt sie.

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