Dana: Warum bist du nach San Francisco ausgewandert?

,Während meines Urlaubs in San Francisco interessierte ich mich für die verschiedenen biografischen Hintergründe, warum in Deutschland Geborene nach San Francisco zeitweise oder sogar für immer auswandern. Dazu traf ich mich mit fünf verschiedenen Personen und fragte sie nach ihren Motivationen, Wünschen und Vorbereitungen bezüglich ihrer Auswanderungsvorhaben, nach den Erfahrungen im Umgang mit der Auswanderung über die Zeit, aber auch nach den aktuellen Vorhaben.

Ich bin über jede Begegnung sehr dankbar. Ich finde es großartig, dass ich in einige Leben ein bisschen „reinsehen“ durfte. Ebenso fand ich es beeindruckend, wie spontan im doch hektischen Leben San Franciscos, sich von jeder Begegnung die Zeit für ein Treffen genommen wurde. Vielen lieben Dank.

Der nachfolgende Bericht entspricht einer subjektiven Zusammenfassung der Begegnung. Die Namen wurden abgeändert, einige Details verallgemeinert und einige Stellen etwas verzerrt, um eine Wiedererkennung mit einer realen Person zu verhindern. Ziel des Berichts besteht lediglich darin, die vielfältigen Hintergründe einer Auswanderung für mich festzuhalten und meine Leser, die an dieser Gegend „Bay Area und Silicon Valley“ interessiert sind, ein wenig daran teilhaben zu lassen. Vielleicht entstehen auf diese Weise weiterführende Impulse.

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Heute habe ich mich mit Dana zu einem späten Frühstück getroffen. Ihre Freizeit ist von ihrer Nanny abhängig, die dreimal in der Woche früh von 9:00 bis 12:00 Uhr auf ihren dreijährigen Sohn aufpasst. Sie und Ihr Mann sind vor rund 4 Jahren nach San Francisco ausgewandert.

Die Wahl auf San Francisco erschien mir eher spontan. Ihr hat San Francisco schon immer sehr gefallen und ihr Mann hat zufälligerweise eine Bewerbungsaufforderung von Facebook erhalten, und dann ging alles plötzlich ganz schnell. Facebook hatte ihn zu einem Bewerbungsgespräch nach Menlo Park eingeladen und einen Tag später war der Arbeitsvertrag schon unterschieben. Der Arbeitsbeginn zögerte sich dann aber doch noch ein paar Monate hinaus, da ein Visum für beide erst gestellt werden musste. Facebook half bei diesem Prozess.

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Civic Center – San Francisco

Zwei Monate später als ihr Mann, kam Dana nach San Francisco und mittlerweile war sie im ersten Stadium schwanger. Ihr Kind wurde amerikanisch geboren. Über den Arbeitgeber wurde Dana und das gemeinsame Kind in der Krankenversicherung des Mannes mitgeführt. Irgendwann hatten sie sich entschieden aus dem Stadtzentrum heraus an den Rand von San Francisco zu ziehen, da sich mit diesem Umzug der Arbeitsweg um eine halbe Stunde verkürzte. Die letzte Station des Busses, der die ganzen Mitarbeiter*innen von Facebook aus San Francisco einsammelt und zum Menlo Park fährt, ist quasi bei ihnen vor dem Haus.

Aus ihren Schilderungen heraus entnehme ich, dass Facebook ein attraktiver Arbeitgeber ist. Im Gegensatz zu vielen anderen ansässigen Techfirmen, so erzählt sie, achtet Facebook auf ein ansprechendes Arbeitspensum. Am Beispiel der Schwangerschaft zeigt sie mir die Unterschiede auf. Müssen viele Frauen, die in San Francisco arbeiten, innerhalb kürzester Zeit (9 Tage?) nach der Entbindung, ihre Arbeit bereits wieder aufnehmen, so konnte ihr Mann sogar Elternzeit von vier Monaten nehmen. Es ergreift mich, wenn sie mir erzählt, dass viele Mütter, die sie kennen gelernt hat, geweint haben oder verzweifelt waren, weil sie ihre Kinder so früh verlassen mussten, um zu ihrer Arbeit zurück zu kehren. Sie kann auch nicht nachvollziehen, wie diese das schaffen, da der weibliche Körper ihrer Meinung nach noch viel mehr Erholung bedürfe.

Auch ihre Schilderungen zum eingeforderten Arbeitspensum finde ich spannend. Sie kann nicht nachvollziehen, warum die Amerikaner mit Unverständnis auf Teilzeitarbeit reagieren. Genügend Studien zeigen auf, dass zu wenig Erholungspausen die Kreativität und Qualität der Arbeit negativ beeinflussen. Gerade in der Blase des Silicon Valley, wo die Kreativität ursprünglich hoch gehalten wurde, ist es verwunderlich, dass ein straffes Arbeitspensum eingefordert wird. Vielleicht ist das auch der Grund, warum einige Stimmen von den Einwohnern San Franciscos immer lauter auf das vorherrschende monotheitische Denken der neuen Bewohner von San Francisco hinweisen und die einstige Vielfalt, mit der San Francisco berühmt geworden ist, verloren geht. Auch hier schneidet Facebook in den Schilderungen wieder gut ab. So existieren verschiedene Arbeitszeitmodelle und auch die Anfahrt mit dem Bus wird bereits zur Arbeitszeit gezählt.

Die kleine Familie zieht es jedoch in ein paar Monaten, dann wenn die Bedingungen der Anteile ihres Mannes an Facebook umgesetzt wurden (im Arbeitsvertrag enthalten), wieder zurück nach Deutschland. Verschiedene Gedanken liegen dieser Entscheidung zugrunde.

Sie berichtet mir, dass es ihnen in den vier Jahren nicht gelungen ist, Freundschaften aufzubauen. Zudem werden die Eltern in Deutschland immer älter und der Sohn soll noch die Großeltern intensiver kennenlernen.

Aber auch das gesellschaftliche Klima außerhalb der Blase des Silicon Valleys/Bay Area machen ihr große Sorgen. Insbesondere die gesellschaftliche Diskriminierung und der Umgang mit spanisch aussehenden Einwanderern, macht ihr Angst, weil diese im Alltag der Amerikaner immer weiter ankommt.

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