Geschichten (medienpraktische Betrachtungen) eines Museumsbesuchers (Töpfereimuseum in Raeren)

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen prosaischen Versuch einer kritischen Betrachtung eines museumsdidaktischen Konzepts des Töpferei Museums in Raeren:

Lesenswerte Beiträge zu diesem Museum findet ihr weiterhin bei:

  • Wibke Ladwig (Herbergsmuetter) berichtet von ihrer Bloggerreise (Einladung) zu diesem Museum
  • Bei diesem Bloggertreffen war Anke von Heyl (Kulturtussi) mit dabei. Die in ihrem Blogbeitrag sich die App zum Museum genauer angesehen hat. Interessant sind auch die Kommentare unter dem Artikel.

 

Mein Ansatz:

Leise Musik einer Hochzeitsgesellschaft dringt an mein Ohr. Dunkle Augen, versteckt hinter einem riesigen Bart, scheinen mein Interesse für diese bunte Menschenansammlung, aufmerksam zu verfolgen.

Ich beobachte neugierig die Szenarie einer Bauernhochzeit. Schematisch kann ich das IMG_20160709_151407Paar, viele geladene Gäste und Musiker erkennen. Die dunklen Augen ruhen weiterhin auf mir. Die Musik in meinem Ohr kommt nicht von dieser beobachtenden Hochzeitsszene, denn diese ist eingebrannt, auf einem der vielen Tonkrüge in diesem Raum.

Die Musik wird von einer App zur Museums Ausstellung des Töpferei Museums in Raeren abgespielt, beispielhaft Hochzeitsmusik zu dieser schematischen Darstellung auf dem Tonkrug.

Ich bin erstaunt,  wie viele Menschen auf so einem Tonkrug abgebildet werden können und lasse mich durch die Musik und die mitreißende Erzählung möglicher Ereignisse gefangen nehmen. So sehr finde ich diesen Moment einzigart, dass ich das Bedürfnis spüre, diesen einen Tonkrug fotografisch festzuhalten.

In dem Moment,  indem ich die Fotoapp starte, falle ich jedoch aus der Szenarie heraus. Die Musik ist schlagartig beendet und die Erzählung hat aufgehört. Was war passiert?  Die Museumsapp scheint keine Nebenbuhler zu dulden! Die dunklen Augen über diesem großen Bart kichern,  sie lachen mich aus! Herausfordernd sehe ich sie an, doch jetzt bleiben sie stumm. Dann versuche ich eine Wiederholung, ich will wieder in dieser Erzählung sein und daraus heraus diesen Raum mit lauter Tonkrügen entdecken. Wie sonst kann ich mich diesen viel zu vielen Tonkrügen, die aber alle eine spannende Geschichte zu erzählen haben, nähern?

Ein riesiges Buch vor einer einladenden Holzbank liegt vor einem Fenster. Grünschimmernde Reflexe spiegeln sich auf seinem Umschlag.  Die Blätter der alten Linde vor dem Fenster spielen mit den warmen Sommersonnenstrahlen und versuchen den Besucher dieser Ausstellung sirenenhaft in das Freie zu locken. Heute scheint die Linde zudem einen Pakt mit dem strahlendblauen Himmel geschlossen zu haben, an dem hier und da eine weiße Wolke hängt. Ein kurzer sehnsuchtsvoller Blick meinerseits gleitet nach draußen. Dort unten am plätschernden Fluß lädt eine alte Steinmauer zum Sitzen ein. Wieder vernehme ich ein Kichern, schlagartig wandern meine Gedanken zu dem bärtigen Gesicht und zu der Hochzeitsgesellschaft.  

IMG_20160709_163337

Das Buch vor dem Fenster könnte mir auch was von den Geschichten der Tonkrüge erzählen, dann kann ich auch zeitgleich fotografieren. Ich setze mich vor das Fenster,  genieße kurz mit geschlossenen Augen das grüne Lichterspiel auf meinem Gesicht und schlage das Buch auf.  Nein, ich wollte mich mitreißen lassen,  der viel zu viele und kleingeschriebene Text zerstört meine Stimmung vollends.

Dem Ruf der Linde mag ich jetzt nicht mehr wiederstehen.

Beim Hinauslaufen verabschiede ich mich von dem bärtigen Gesicht, das sich auf einem Tonkrug befindet. Wie habe ich gerade noch gelesen? Es wurden Gesichter auf den Tonkrügen von verhassten Menschen angebracht, um deren Seele auszutrinken?

Zumindest ist meine Fantasie nicht an die Grenzen der medialen Darstellung gebunden. Dem Gesicht zuzwinkernd laufe ich weiter. Ich wollte meine Seele jetzt erstmal mit Sonnenstrahlen auftanken.

inaltlich interessante Links: 

  • Projektbericht zum mGuide (App), die Museumsapp zum Raerener Töpfereimuseum

 

2 thoughts on “Geschichten (medienpraktische Betrachtungen) eines Museumsbesuchers (Töpfereimuseum in Raeren)

  1. Vielen Dank für’s Verlinken und den schönen, stimmungsvollen Bericht.
    Liebe Grüße von der Kulturtussi

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