Pendelgeschichten: vom Kampf um die Sitzplätze?

Ein müdes Lächeln huscht am frühen Morgen über den Bahnsteig hinüber zu den unfreiwilligen Leidensgenossen der Pendlergemeinschaft. Eine kurzer freundlicher Moment, bevor der tägliche Kampf um die Plätze für diesen Tag erneut beginnen sollte.

Wollten wir den Gegenüber in freundlicher Sicherheit wägen? Wollten wir uns mit dieser freundlichen Geste schon einmal im Vorhinein für den nachfolgenden Ellenbogenkampf entschuldigen?

Meine tägliche Pendelstrecke ist in NRW sehr beliebt, wie auch nicht, da sie einige wichtige Orte zwischen Aachen und Dortmund miteinander verbindet. Der RE 1 gilt daher als eine der Linien mit der höchsten Auslastung in Deutschland (ca. 110.000 Personen pro Tag) hauptsächlich Berufspendler und Studierende der Rhein-Ruhr-Schiene.

Oft ist das Zugabteil, in dem ich sitze, bis auf den letzten Platz belegt. Ich bin nur froh, dass ich zu Fahrtbeginn des RE 1, in den Zug einsteige und noch über das Privileg der Platzwahl verfügen kann.

Wie oft erlebte ich schon im Zug, dass sich Platzsuchende über Mitreisende ärgerten, die mit ihrem Koffer Sitze blockierten oder auf ihrem Schoß mit dem Laptop hantierten, während dessen der Rucksack den Platz daneben besetzte.

Allerdings beobachte ich in letzter Zeit ein mir merkwürdig erscheinendes Verhalten. Ein Teil der Menschen, zu denen ich leider nicht gehöre, scheinen so eine Art telepathische Kommunikation erlernt zu haben. In letzter Zeit bleiben einige Menschen, von denen ich vermute, dass sie sich auf den Platz auf dem meine Jacke liegt, setzen wollen, einfach stumm neben ihn stehen bleiben. An und für sich habe ich kein Problem über einen Sitznachbarn, oft habe ich ihm gegenüber aufgrund des täglichen Sitzplatzkampfes sogar Mitleid mit ihm! Ein Griff zur Jacke und sie liegt auf meinem Schoß und der Platz ist frei! Ich habe für diesen schnellen Handgriff ja auch extra meinen Laptop in der Tasche gelassen, obwohl ich die anderthalbstündige Zugfahrt mit Arbeiten verbringen könnte. Vielleicht fragt mich dieser Mensch auch höflich mit seinen neu erworbenen Fähigkeit der Telepathie, ob er sich neben mich setzen kann? Und ich, der über diese Fähigkeit nicht verfügt, reagiere patzig darauf. Wie fies von mir! Nur warum schaut der Platzsuchende dann lieber in der Gegend herum, als mich an? Ich muss mir das merken: unauffällig neben dem Platz, wie zufällig und weitersuchend stehen zu bleiben ist gleichbedeutend mit „ich will mich dahin setzen“!

Allerdings ging neulich die Dame den Gang einfach weiter entlang …

(Sehr viel Spaß macht und um sich ein wenig abzureagieren die APP "Jodel", mit der man anonym (auf Nutzerebene) Bilder und Nachrichten posten kann. Sie eignet sich wunderbar zum Lästern ;).)

(Sehr viel Spaß macht und um sich ein wenig abzureagieren die APP „Jodel“, mit der man anonym (auf Nutzerebene) Bilder und Nachrichten posten kann. Sie eignet sich wunderbar zum Lästern😉.)

Als ich heute in den Zug einsteige, frage ich mich, ob sich das Verhalten der vielen weiteren Pendler, die wir mit jedem Zughalt aufnehmen, mir gegenüber verändern wird.

Denn man sieht mir an, dass ich mich seit dem Wochenende mit Schnupfen herumgeplagt habe. Die Nase ist noch immer etwas gerötet.

Eine Eigenschaft, die vielen Pendlern zu eigen ist, ist es um kränklich aussehende Personen einen großen Bogen zu machen (soweit es möglich ist in den vorgegeben Rahmen). Die Gefahr sich in diesem engen Raum anzustecken ist einfach verdammt hoch. Das ich nicht mehr ansteckend bin, wissen sie ja nicht, denn dazu müssten sie mit mir reden.

Pendelstrecke der letzten Woche:

– Aachen – Hagen (3x , 840 km)

– Aachen – Berlin (1x, 1240 km)

P.S. in anderthalb Wochen ist hier wieder Karneval. Dann wird das Pendeln wohl lustig😉

One thought on “Pendelgeschichten: vom Kampf um die Sitzplätze?

  1. Pingback: Pendelgeschichten: Wie beschäftige ich mich im Zug? | gophis mobile Rund-Reise

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