Bericht von einer Weiterbildung: Das Smartephone als Generationenkonflikt

Fast jeder Jugendliche trägt heute ein Smartphone mit sich herum. Ältere Generationen schütteln darüber oft nur unverständlich den Kopf. “Was gibt es denn da zu lesen?” oder “Du verpasst ja das reale Leben!” oder Ähnliches werfen die Älteren den Jüngeren vor.

Und dann wundern sie sich, wenn sich der Jüngere weiter einigelt.

Worin besteht der Generationenkonflikt?

Denn viele Ältere verstehen nicht, dass das Smartphone / Handy für die Jugendlichen als Kommunikations-, Informations- und Unterhaltungsmedium dient. Diese kleinen Computer spielen somit eine wesentliche Rolle in der jugendlichen Lebenswelt. Die JIM Studie (2012) beobachtet den Alltagsbegleiter als wichtigen Zugang zu Sozialen Netzwerken, welche gern von unterwegs aufgesucht werden.

Dieser Generationendialog gestaltet sich gegenüber den Jüngeren aber oft als sehr unfair. Eine Welle der Abneigung stürmt auf den Jugendlichen zu. Um so wenig Reibungsfläche, wie möglich anzubieten, bleibt oft nur der Weg, sich den Älteren nicht mehr mitzuteilen.

Dieser Generationenkonflikt könnte mit gemeinsamen Projekten aufgebrochen werden. Vorher müssen jedoch beide Parteien den Mut aufbringen, sich ein wenig für den Gegenüber zu öffnen und sich auf ihn einzulassen. Getragen werden solche Generationenprojekte von Geduld und jeder Menge Beherztheit, Berührungsängste abzubauen.

Ältere sollten sich bei Generationenprojekten auf eine gewisse experimentelle Art und Weise des Ablaufs einlassen. Im Gegenzug zu ihren Erfahrungen, in der dozierend eine Methode erläutert und anschließend angewendet wurde, müssen sie sich in die Ungewissheit des “Trail & Errors” einlassen. Jugendliche sind mit dieser Herangehensweise aufgewachsen.

Jung und Alt – keiner von beiden ist dümmer. Der Unterschied besteht in den verschiedenen Medienbiographien. Ältere Generationen sind in einer viel stärker ausgeprägten strukturellen Medienumgebung aufgewachsen. Diese Strukturen existieren in dieser Form nicht mehr, sie sind aufgebrochen und so ist bspw. die einstige Linearität einem Netzwerk gewichen.
“Trail & Error” bringen die Teilnehmer im Umgang mit neuen Medien weiter. Jugendliche stürmen gleich auf das neue Medium zu und experimentieren ihren möglichen Einsatz. Das Lesen der Bedienungsanleitung entfällt, im schnellsten Fall wird sogar das Einführungsvideo übersprungen. Das Motto lautet: Ausprobieren und selbst entdecken, wofür das Gerät eingesetzt werden kann. Danach wird dann sehr schnell, manchmal reflektierend, manchmal intuitiv entschieden, ob das Neue eingesetzt werden kann.

Jugendliche haben längst akzeptiert, dass man nicht alles wissen kann.
Während Ältere gelernt haben, sich zuvor umfangreich über die technischen Möglichkeiten des Neuen zu informieren. Der Ansatz kommt einer wissenschaftlichen Arbeit gleich.

Herausforderungen, an die sich meiner Meinung nach Jugendliche und Ältere gewöhnen müssen, wobei Jugendliche selbstverständlicher mit dieser Problematik umgehen, sind die ständig eintrudelnden Updates verschiedener Geräte, wie auch verschiedenster Anwendungen.

Workshop-Bericht zum Generationendialog

Über einen Generationendialog kann dieser Austausch unterstützt und verschiedene Ängste genommen werden. In mehreren Workshops werden verschiedene Ansätze erörtert und experimentell ausprobiert. Einer dieser Workshops “Kreatives mit Handy und Smartphone” fand Anfang Februar 2013 in Köln an der KUBIA – Kompetenzzentrum für Kultur und Bildung im Alter statt.

Leider nahmen an diesem Workshop ältere Generationen teil. Ein Austausch mit Jüngeren war somit nicht möglich und ich glaube im Grunde auch gar nicht für diesen Workshop gewünscht. Vielleicht sollten älteren Nutzern in ihrer Altersgruppe die ersten Berührungsängste genommen werden? Allerdings war dann die Alterstruktur der Teilnehmenden viel zu groß!
Die jüngste Person war ich (um die 30 Jahre) und wurde aufgrund meines gewohnten Umgangs mit dem Smartphone gleich als Experte eingesetzt. Die älteste Person war um die 60 Jahre alt. Beeindruckend war, so fand ich, dass sie mit einem Handy, einen Tablet und einem Smartephone den Workshop bereicherte und neugierig und offen diesen Geräten gegenüber stand.

Das Kennenlernen der Teilnehmer erfolgte über die mitgebrachten technischen Devices – vorwiegend dem Smartphone und dem Handy. Die Teilnehmer sollten mit ihren Fragen Seminarteilnehmer finden, die Antworten auf ihre Fragen hatten. Nach einer anfänglichen Berührungsangst kam es zu regem Austausch (auch über technische Fragen hinaus).

Im Praxisteil wurden verschiedene Apps vorgestellt, welche ausprobiert werden sollten.

– App: Slow Motion (Stop Motion) Filme selber machen
– Video / Handy – one Shot – Handyperspektiven ausnutzen (Bspw. Circle of Life)
– Musik: verschiedene Apps (Musikinstrumente), Musikstück spielen – Music Grid
– Kreative Nutzung: Puppet Pals

Kaffeeklatsch zum Workshop😉

Nebenbei wurden während des Workshops sehr interessante Projekte angesprochen, wie das:

Die Theatergruppe gilt als „Protagonist und Begründer eines neuen Reality Trends auf den Bühnen“ (Theater der Zeit), der die junge Theaterszene geprägt hat.

  • Jaime Chumbiray: Projekt: Jugendeinrichtung in Köln – Ehrenfeld (Chancen der Vielfalt nutzen – Cartoon App – Comicblasen App im Zusammenhang mit Menschenrechten – Jugendliche mit türkischen Hintergrund sollen auf diese Weise in der Integration ihres Umfeldes unterstützt werden)

Aufgefallen ist den Teilnehmern während des Workshops der Bedarf an einer Empfehlung für medienpädagogischer Apps. Mittlerweile ist der Mark mit Apps so sehr überschwemmt, dass es schwierig und zeitintensiv ist, sich nach geeigneten Apps umzuschauen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s