Alterskennzeichnung der USK und der FSM

Zum Jahreswechsel 2011 war die Änderung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV) im NRW-Landtag und somit deutschlandweit gescheitert. Jeder Anbieter von Onlinespielen, wäre verpflichtet gewesen seine Websites altersgerecht zu kennzeichnen. Als „Freiwillige Selbstklassifizierung“ wären allerdings alle Betreiber von Websites betroffen gewesen.

Daraufhin versucht die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle mit der USK online den Jugendschutz im Internet zu verbessern. Hierbei wird ein Jugendschutzprogramm für Eltern und Onlineabieter zur Verfügung gestellt, welche von der staatlichen Aufsichtsbehörde, der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) positiv bewertet wurde.

Auch die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia (FSM) stellt ein Selbstklassifiezierungstool zur Verfügung.

medienbewusst.de hat mit Erscheinung des Jugendschutzprogramms, das Programm genauer „unter die Lupe genommen“. Das Jugendschutzprogramm besteht aus zwei Teilen, erstens der Kennzeichnung der Website(s) und dem entsprechenden Programm, welches Eltern auf ihren PC installieren können.

Über einen Label-Generator wird die Website mit einer Alterskennzeichnung versehen. Dazu muss nur der Domainname und die gewünschte Alterskennzeichnung angegeben werden. Ein entsprechend zur Verfügung gestellter „age-de.xml“-Code muss daraufhin auf der eigenen Website(s) hinterlegt werden. Geben Eltern nun in dem Jugendschutzprogramm auf dem PC eine entsprechende Alterskennzeichnung frei, werden nur Webseiten mit entsprechendem eingebettetem Code angezeigt.

Ähnlich ist auch das Selbstklassifizierungstool, wenn auch wesentlich ausführlicher, der FSM aufgebaut. Alle Angaben sind freiwillig und können im Grunde willkürlich erfolgen. Schnell geht diese Altersklassifizierung auch nicht, dazu müssen einfach zu viele Fragen beantwortet werden.

Beide Klassifizierungsmöglichkeiten bringen Probleme mit sich.

–        Werte sind von Personen abhängig. Demnach werden je nach Benutzer unterschiedliche Ergebnisse herauskommen.

–        Das Ausgangsmaterial ist manchmal zu komplex für eine Klassifizierung. Mrtopf findet hierfür ein gutes Beispiel: „Ist das bei der Demonstration genutzte Bild des Stiers, das den Kopf des Matadors durchbohrt, nun eine Nachricht? Oder Sport? Oder Medizin? Ist das Gewalt? Aber von wem nun ausgehend? Vom Stier? Oder doch (initial) vom Menschen? Wird hier die Ausübung von Gewalt verherrlicht? Ist es gar Notwehr (vom Stier aus gesehen)“

–        Die Angaben können willkürlich getätigt werden und müssen nicht dem Inhalt der zu klassifizierenden Website In diesem Zusammenhang kommt die Frage nach der Rechtssicherheit des Ergebnisses einher. Was passiert, wenn jemand absichtlich falsche Angaben macht? Was passiert, wenn ich aber nur in meiner Einschätzung falsch liege? Wer mag das unterscheiden?

–        Sind die Altersangaben der USK und der FSM vergleichbar?

–        Bildet die FSM, bei denen Gremien (wenn auch pluralistisch) Wertvorstellungen festschreiben, die Gesamtheit der Gesellschaft ab? Werden einzelne Interessen, wie es nun mal in der Politik immer wieder vorkommt, stärker gewichtet?

–        Das Selbstklassifizierungstool der FSM soll ab nächstem Jahr kostenpflichtig werden. Man führt etwas ein, ggf. verpflichtend und verlangt dafür auch noch Geld, was de facto eine Zugangshürde zu einem Markt darstellt und somit letztlich den Wettbewerb zugunsten bestimmter Anbieter verzerrt.

–        Das ausländische Web wäre für Kinder und Jugendliche nicht zu erfahren, da diese ja über keine Selbstklassifizierung verfügen.

medienbewusst.de bezeichnet die neue USK.online selbst eher als einen ersten Versuch. Der Label-Generator erleichtert den Webseiten-Betreibern das Anbringen eines Codes. Doch nach welchen Kriterien entscheidet der Anbieter?

Die FSM hingegen wird kaum von ihrem Tool Abstand nehmen. Dennoch ist das Tool wenig hilfreich.

Vielleicht sollte von Anfang eines solchen Prozesses die Öffentlichkeit daran beteiligt werden.

Nach diesen „Versuchen“ frage ich mich, ob ein labeln überhaupt sinnvoll ist.

2 thoughts on “Alterskennzeichnung der USK und der FSM

  1. Pingback: USK + SMF als Alternativen zum JMStV « UniBlog

  2. Ich stelle mir die Frage wie es um Unternehmensseiten steht. Dabei gehe ich nicht von den großen Konzernen aus, sondern von kleineren Handwerksbetrieben und kleinen Unternehmen.

    Für angehende Auszubildene ist dieser Auftritt wichtig für die Stellensuche. Aber aus Erfahrung weiß ich, dass bei den meisten Firmen dieser Kategorie die Pflege der Internetpräsenz nur untergeordnet eine Rolle spielt. Keywords setzen oder ein korrektes Impressum ist für viele schon zu viel. Eine Selbstzertifizierung wird da glaube ich nicht anders laufen…

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