9. Wissensmanagment-Symposium in Karlsruhe: Faszination Social Media?

Das Poken auf dem Schreibtisch meines Hotelzimmers lacht mir entgegen. Es wartet auf seinen Einsatz bei dem 9. Wissensmanagement-Symposium unter dem Motto „Faszination Social Media?“ in Karlsruhe. Ich bezweifele, dass dieses sehr nützliche und zugleich lustige  Gadget seinen Einsatz finden wird. Wie einfach und umfangreicher, wenn auch verspielter ist der Austausch der Kontaktdaten, wenn zwei Poken aneinander gehalten werden? Daneben liegen meine Visitenkarten, ein klassisches Werkzeug, um den Erstkontakt zwischen zwei Personen herzustellen. Beiden Möglichkeiten des Kontaktaustauschs liegen jeweils unterschiedliche Ansätze zu Grunde. Das Poken und die Visitenkarten im silbernen Etui,  gleiten in meine Tasche. Mein Handy, so vermute ich, wird wohl das wichtigste Werkzeug in den nächsten Stunden sein. Über Twitter, so habe ich mir vorgenommen, werde ich meine eigenen Aufzeichnungen, Gedanken und Schwerpunkte festhalten und zugleich an Interessierte weitergeben. Ich bin gespannt.

Vor Ort ist die Stimmung herzlich und offen. Schnell werden Gesprächspartner gefunden. Der Gastgeber begrüßt mit ansteckend guter Laune seine Gäste mal persönlich, mal in Gruppen und auf jeden Fall in der Eröffnung des Symposiums übergreifend.

Im Eröffnungsvortrag wird bereits die Notwendigkeit, Social Media thematisch für Organisationen im Zusammenhang mit Wissensmanagement zu formulieren, deutlich. Hans Wüthrich referiert über soziale Netze als Inspiration für die Organisation der Zukunft. Er gibt von Anfang an preis, dass sich sein Vortrag inhaltlich in den letzten Jahren kaum gewandelt hat und wird dafür auf der Stelle kritisiert. Ich selbst verstehe erst im Laufe des Symposiums, dass sich diese Kritik zum Bumerang entwickeln muss.

Das Publikum selbst verwendet Social Media nur in Ansätzen. Eine Wiederholung erscheint mir daher angebracht. Darüber hinaus zu gehen, empfinde ich als vermessen. Ausschließlich ein überschaubarer Personenkreis kann mich davon überzeugen, Social Media mit seinen Dynamiken verstehen zu wollen. Nur ein Referent hat Twitter zur Vorbereitung seines Workshops genutzt. Simon Dückert (@cogneon) ist mit den Teilnehmern des Symposiums vorab in Kontakt getreten, um den Workshop an diesem Tag in der begrenzten Zeit optimal gestalten zu können. Weiterhin beobachte ich, dass @JoachimNiemeier über eine Social Media Plattform, zeitnah seine Folien des Vortrages „Wissensaustausch in Unternehmen“ zur Verfügung stellt.

Der Eröffnungsvortrag ist sehr gut gewählt, deutet er doch bereits die inhaltlichen Hürden, die während weiterer Vorträge und Workshops herausgearbeitet werden, an. Diese Hürden, die sich vor den Organisationen auftürmen, erreichen ihren Höhepunkt im abschließenden Vortrag von Gunter Dueck. Dabei ist die Frage nach der Freiwilligkeit, Social Media zum Wissensaustausch in Organisationen einzusetzen, der Notwendigkeit gewichen.

Jeder einzelner Vortrag hinterlässt bei mir eine Ahnung von der Komplexität heutiger Zwänge denen Organisationen unterliegen, wenn sie Social Media einsetzen wollen. So müssen beispielsweise Versicherungen berücksichtigt werden, wenn Mitarbeiter Grenzen der bekannten Arbeitsabläufe überschreiten. Die Mitarbeiter verlangen hingegen, dass sich Organisationen verantwortungsvoll mit den Herausforderungen von Social Media auseinandersetzen. Es ist viel leichter als Privatperson Regeln außer Acht zu lassen.

Dennoch vermute ich, sind es nicht nur die außenstehenden Umstände, die den Organisationen den Umgang mit Social Media  erschweren. Vielleicht liegt die Herausforderung darin, dass nach meinem Verständnis, jeder seine eigene Social Media Umgebung finden muss? Vielleicht braucht es Geduld, bis die Einstellung von Social Media in den Köpfen der Anwesenden angekommen ist? Vielleicht bedarf es den pointierten Reden eines Gunter Duecks, um das Publikum zu lenken? Im Grunde genommen fordert er seine Zuhörer dazu auf, mutig und kreativ zum Social Media Experiment voranzuschreiten. Alle Referenten machen deutlich, dass der Einsatz von Social Media eine neue Kultur der Kooperation hervorruft, welche unser aktuelles Verständnis von Regeln, Methoden und messbaren Ergebnissen in Frage stellt. Wir werden von den Vortragenden aufgefordert, uns mit dieser neuen Kultur auseinanderzusetzen und nach einem eigenen Zugang zu Social Media zu suchen.  Joachim Niemeier fordert Organisationen zu Experimenten des Wissensmanagments auf. Klaus North berichtet von erfolgreichen Konzepten, wo Organisationen Vertrauen in ihre Mitarbeiter setzen, Freiräume kreativ zu nutzen. Um Freiräume zu ermöglichen, mussten diese Organisationen ihre starren Strukturen an bestimmten Stellen aufbrechen und somit Regeln und Definitionen neu überdenken. In einer offenen Atmosphäre ist der Mitarbeiter bereit sein Wissen, nach seinen Vorstellungen mit anderen Mitarbeitern zu teilen.

Social Media verändert somit Definitionen. Organisationen werden meiner Ansicht nach, beispielsweise den Begriff des Konkurrenten neu definieren müssen. Was bedeutet es ein Konkurrent zu sein, wenn die Grenzen zwischen Innen und Außen hinterfragt werden? Welche Auswirkung hat das Teilen von Informationen mit anderen Personen, vielleicht sogar der des Konkurrenten? In diesem Zusammenhang sehe ich die Möglichkeit an den aktuellen, übertriebenen und zerstörerischen Modellen von Organisationen, in denen Personen innerhalb einer Organisation gegeneinander in Konkurrenz, ausschließlich wegen einer Profitmaximierung des Unternehmens, stehen, aufzulösen.

Am Ende des Tages habe ich ein paar Visitenkarten vor Ort verteilt. Mein Poken schlummerte dabei die ganze Zeit über in meiner Tasche. Ein bisschen schade, finde ich diese ungleiche Nutzung und ich übe mich in der Fähigkeit der Akzepttanz, dass jeder seine eigenen Werkzeuge wählen kann.

Großen Dank spreche ich an Thomas Sohler und Boris Jäger aus. Beide haben wesentlich dazu beigetragen, dass ich zum Wissenssymposium nach Karlsruhe kommen konnte. Ebenso danke ich den Helfern, die das Symposium erst ermöglicht haben.

weitere Berichte:

Karten P. Ehms auf „Dazwischen“ mit dem Artikel „Organisationale Infantilisierung oder professionelle X-men?

2 thoughts on “9. Wissensmanagment-Symposium in Karlsruhe: Faszination Social Media?

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