Kinder auf der Suche nach Zeitzeugen des Mauerfalls

Am 31. August 1990 wird in Berlin der Einigungsvertrag zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten (DDR / BRD) unterzeichnet.

Diesen Anlass möchte ich dazu nutzen auf eine qualitativ wertvolle Internetseite, die mit Inhalten von Kindern gestaltet wird, hinzuweisen. Die Kinderreporter des Bösen Wolfs haben sich zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am 09.11.1989 sich diesem Thema zugewendet. In kleinen Gruppen erarbeiten sie sich einen Zugang zu dieser Thematik, die über die historischen Ereignisse weit hinaus gehen. Neben einer Reportage, die die wesentlichsten Fakten der Wendezeit wiedergibt, wird ein sehr starker emotionaler Zugang erarbeitet.

Inhaltlicher Zugang:
Die jungen Reporter berichten in beeindruckender Weise von Zeitzeugen, die zum Zeitpunkt in denen sie sich ernsthaft mit dem DDR-Regime auseinandersetzen mussten, noch Kinder waren. Der Zugang zu dieser Thematik ist somit ein kindlicher und findet auf einer gemeinsamen Basis statt. Die Schüler der Grand méchant loup Schule können durch den gewählten kindlichen Zugang sehr gut nachvollziehen, wie sich ihre Interviewer in der damaligen Zeit gefühlt haben mussten.
Gesellschaftliche Einschnitte haben die Interviewten, unter denen auch Ministerpräsident Matthias Platzeck ist, in ihrer Kindheit wahrgenommen, wenn sie von der Trennung der Familien und von Fluchtversuchen berichten. Zusammen rekonstruieren die Kinder mit dem Interviewten das Lebensgefühl einer vergangenen Zeit, wenn davon berichtet wird, wie die eigene Mutter für eine Flucht ihr Kind verlassen hat.

Drei Tage vor der Jugendweihe [… ] Jede Familie hatte einen Tisch und an meinem Tisch saßen alle Verwandten stumm und guckten vor sich hin, und die Mutter war weg.


Struktureller Zugang:
Auf der Startseite wird das Thema „Mauerfall“ als News verlinkt. In den nächsten Monaten ist davon auszugehen, dass sich die Jungen Wölfe weiteren Themen zuwenden werden und dieses Thema im Archiv verschwinden wird.
Den strukturellen Zugang finde ich selbst nicht zeitgemäß und den heutigen Standards entsprechend gewählt. In regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen muss der an weiteren Entwicklungen des Internetauftritts Interessierte die Seite der „jungen Wölfe“ im Web aufrufen. Findet er bei diesem Besuch etwas Neues wird er gerne wieder diese Seite aufrufen und ein treuer Besucher der „jungen Wölfe“ werden. Die Ausprägung dieser Treue wird jedoch mit einem negativen Erlebnis abgeschwächt. Die Einführung eines RSS-Feeds kann die Enttäuschung verhindern. Ebenso kann eine thematische Indexierung beispielsweise mittels Tags dem Besucher helfen, sich auf der Webseite zurecht zu finden. Die aktuelle Praxis einer chronologischen Aneinanderreihung bisher umgesetzter Projekte ist wenig übersichtlich und lädt den Besucher nicht zum Verweilen auf der Internetseite ein.
Kinder (Besucher), die mit dieser Webseite vertraut sind und diese zur Dokumentation eigener Projekte benutzen, werden sich auf dieser Seite aufgrund von Vertrautheit leicht zurecht finden.


Interaktionsmöglichkeiten:
Besonders interessant finde ich den Ansatz, Kinder in verschieden großen Gruppen zusammenarbeiten zu lassen. Jede Gruppe trägt einen Teil zum Gesamtwerk „20 Jahre Mauerfall“ bei. Auf diese Art und Weise können die Nutzer der Internetplattform ein Gefühl für Vernetzung und Emergenz erhalten, die charakteristisch für das Web sind. Durch Erhöhung der Vernetzungsdichte steigt die Anzahl möglicher Lösungswege an. Zudem wird die Struktur in Netzwerken dynamisch und jederzeit an neue Situationen anpassbar. Der Emergenzeffekt tritt in Verbindung mit Kommunikation auf, demzufolge Eigenschaften auftreten, die nicht durch die Eigenschaften der Beteiligten erklärt werden können. Das heißt die „jungen Wölfe“ können eine gemeinsames Gefühl erschaffen haben, die als Motivation der Gruppe angehören und mitwirken zu wollen, zu Grunde liegt.
Mit dieser Stärkung zusammen an etwas „Größerem“ zu arbeiten, können sich die jungen Wölfe trauen, Fremde, aber auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens anzusprechen und zu interviewen. Die Kreativität der Kinder findet ihren Ausdruck durch die vielfältigsten Ansätze, sich der Thematik des Mauerfalls zu widmen.


Optische Gestaltung:
Die Bilder vermitteln einen altergerechten Eindruck. Es werden Bilder eingesetzt, die von den Kindern in diesem Alter selbst gemalt sein könnten.


Mediale Einbindung:
Mit Hilfe von Reportagen werden historische Ereignisse aufgearbeitet. Der Einsatz von Interviews, Filmen und Fotos vermitteln hingegen einen emotionalen Zugang zu dieser Thematik.

Umgesetzte Wettbewerbe in denen die Kinder einerseits ihr Wissen zu dieser Thematik prüfen und andererseits selbst kreativ werden können, vermitteln einen ausgewogenen Ansatz.

13.10.2009 - Mauer


Zielgruppe:
Die Thematik „20 Jahre Mauerbau“ ist von Kindern für Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren, aus dem deutsch- und französischsprachigen Raum aufbereitet.


Mindestens ebenso interessant wäre die Aufnahme der legendären Montagsdemonstration in Leipzig gewesen, an die am 09.10.2009 mit einem besonderen Fest (Lichterfest) in Leipzig erinnert wurde. Vor 20 Jahren sind die einstigen DDR Bürger zu einer friedlichen Revolution in nie dagewesenem Ausmaßes auf die Strasse gegangen und haben auf friedliche Art und Weise die Politik Deutschlands maßgeblich beeinflusst.

Sicher sind an mehreren Orten Zeichen der Wende zu entdecken, welche von den Kindern der Berliner Schule nicht vollständig zu erfassen sind. Sie haben sich aufgrund der örtlichen Lage der Schule ausschließlich mit Berlin auseinandergesetzt und daraus ein sehr spannendes Projekt umgesetzt.

Weiterführende Links: http://www.boeser-wolf.schule.de

Weitere Informationen zu dem Projekt „vergessene Orte der Demokratie“, das sich mit weiteren Orten der Wendezeit auseinandersetzt, sind unter http://www.dotcomblog.de (Guido Brombach) zu finden. Dieses Projekt entsteht in Kooperation mit dem DGB BILDUNGSWERK E.V.

3 thoughts on “Kinder auf der Suche nach Zeitzeugen des Mauerfalls

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