Vom Web 2.0 zum Web 3.0; von Bildung 2.0 zu …

Zusammenfassung der Diskussion:

Vom Web 2.0 zum Web 3.0; von Bildung 2.0 zu …

Was macht den entscheidenden innovativen Moment aus, damit durch Web 2.0 Implementierungen das Verständnis von Lehren und Lernen im Bildungsbereich sich weiterentwickelt?

These 1: Der Lernende steht im Mittelpunkt der Überlegungen (in der Organisation und Gestaltung von Lernumwelten).

Dieser Aspekt ist in seiner Formulierung an sich nicht neu. In unterschiedlichen Dimensionen und Perspektiven wird er bereits über Jahrzehnte diskutiert. (Stichworte: Selbstorganisiertes Lernen, Lernumgebungen, LdL, Projektorientiertes Lernen …)

Dennoch haben die Web 2.0 Techniken und der dahinter stehenden Philosophie den Lernenden weiter in das Zentrum gerückt. Die Web 2.0 Erscheinungen machen diesen Gedanken auf ganz neue Weise bei einer breiten Masse populär. Jeder User kann seine persönliche Lernumgebung selbst zusammensetzen, wobei er soziale reale, wie auch virtuelle Beziehungen aufbaut.
In diesem Prozess des Lernens verschwimmen die Grenzen von Virtualität und Realität immer mehr. Medial vermittelte Kommunikation wird als real erlebt, Kommunikation in realen Situationen werden medial fortgeführt. Soziale Verbindungen werden unabhängig von Ort und Zeit gebildet und gepflegt und soziale Hierarchien durchbrochen.

Warum lernt der Mensch? Eine mögliche Antwort wäre, dass er mit den erworbenen Kompetenzen seine Umwelt nach seinen Vorsellungen mitgestalten kann.
Das übergeordnete Ziel besteht somit in der „Weltverbesserung“. Dem Ziel ist man schon dann näher gerückt, wenn man Usern erklärt, wie eine positiv besetze Kommunikation mit Motivationsgrundlagen für das Fortbestehen dieser Kommunikation, gestaltet werden kann.

These 2: Bildung, die der Lernende selbst Organisiert ist nicht notwendiger Weise an bestimmte Werkzeuge gebunden.

Das Web 2.0 verdrängt daher auch keine anderen Werkzeuge, mit deren Hilfe selbst organisiertes Lernen umgesetzt werden kann. Jeder Einzelne kann die für sich optimalen Werkzeuge heraussuchen und anwenden.

Das Web 2.0 ist dabei in diesem Augenblick als Kulturwerkzeug zu begreifen, das wir sinnvoll, innovativ, zielgerichtet usw. einsetzen bzw. mit dem Lernen verknüpfen können. Auseinandersetzungen über den Sinn und Zweck von bestimmten Medien sind dementsprechend sinnvoll, solange sie dem Nutzer aufzeigen, wie sie Inhalte verändern können. Verbote auszusprechen gegenüber bestimmten Medien sind hingegen nicht sinnvoll, da jedes Werkzeug im richtigen und vernünftigen Gebrauch einen bestimmten Zweck erfüllt, der auf spezielle Lernsituationen durchaus anerkannt werden kann.
Um Web 2.0 Werkzeuge zielgerecht einsetzen zu können, muss das neue Kulturwerkzeug entsprechend in der Gesellschaft seinen Platz finden, der einen Sinn ergibt.

These 2.1 zu Blogs: Blogs (ein Teil der Web 2.0 – Anwendungen) dienen der Ausdifferenzierung. Integration vernachlässigen sie. Blogs sind mit Privathäusern zu vergleichen, die einen Aufenthalt in Gemeinschaftsräumen, der der Funktion der Integration nachgehen, Konkurrenz machen. Das Forum kann bspw. mit einem Gemeinschaftsraum assoziiert werden. Wird mehr Kraft und Aufwand in das eigene Blog gesteckt, veröden gemeinsame Projekte.
In einem dialektischen Prozess von Integration, Differenzierung und daran anschließender Integration liegt auch die Chance, dass die nächste Stufe der Integration auf einer höheren Ebene erfolgt.

Gegenthese 2.1 zu Blogs: Der scheinbare Widerspruch von Blogs (Individuum) und Forum (Gemeinschaft) muss kein wirklicher Widerspruch sein. Bei gleichwertigem Stellenwert, kann der Blogger beispielsweise gemeinsam konstruiertes Wissen veröffentlichen und somit weiter verbreiten, aber auch wiederum durch selbst erhaltenen Input, diesen an die Gruppe weiter geben.
Ein weiterer Aspekt stellt die Vernetzung von Blogs untereinander dar. Mit dieser Vernetzung kann ebenfalls der Interessentenkreis vergrößert werden. Bei Interesse greifen andere diesen Blog auf, andere eben so etc…
Egoismus bildet den Antrieb für gemeinschaftliches Arbeiten.


These 2.2 zu Aufmerksamkeit:
Aufmerksamkeit könnte die Währung der Zukunft sein. Deshalb versucht ein „Aufmerksamkeits-Kapitalist“ über Aufmerksamkeitsströme (Bspw. Mailinglisten) zu verfügen. Aufmerksamkeitsressourcen gewinnt man dadurch, dass man nachhaltig in diversen Feldern wirkt und auf diese Weise Vertrauen aufbaut. Daher ist Nachhaltigkeit (nicht zu oft das Feld wechseln) im positiven, sichtbaren Wirken, eine Vorraussetzung für die Kapitalisierung von Aufmerksamkeit (Währung)(Dieses Thema hat Michael Kratky in seinem Blog aufgegriffen; 27.042008)

(Anmerkung: 23.05.2008: Nach einer längeren Diskussion mit Mo müsste neu über den Begriff von Währung und Wert nachgedacht werden. Ist Aufmerksamkeit eher einer Währung oder ein Wert? Mittlerweile bin ich zu dem Entschluß gelangt, Aufmerksamkeit eine Einheit bildet, die von Person zu Person unterschiedlich in ihrem Wert ausgeprägt sein kann. Aufmerksamkeit entspricht damit einer Funktion der Währung (Einheit), die in ihrem Wert (niedrig/hoch) ausgeprägt sein kann.)

Offene Fragen:
1 . Wie gehen wir mit Personen um, die nicht in der Lage sind, sich solche Lernumgebungen selbst zu organisieren?

2. Was passiert, wenn Bildung immer weiter weg von Bildungsinstitutionen verlagert wird?

3. Wird der Mensch noch zusätzlich überfordert, wenn er nun auch noch seinen Bildungsprozess selbst mitgestalten kann? Nach Ulrich Beck ist der Mensch schon in die Orientierungslosigkeit mit den vielfältigsten Angeboten an Lebensweisen gefallen.

„Die Möglichkeit auf so viel Wissen, wie noch nie in der Geschichte zugreifen zu können, ermöglicht einigen, die die Fähigkeit besitzen, mit der Masse umzugehen, Wissenspotenzierung. (Ich glaube in Form kollektiver Zusammenarbeit)

Andere, die sich nicht dieser Herausforderung stellen, fallen wohl noch weiter in die Orientierungslosigkeit ab.“ (April 08 / Educamp-Plattform)

Quellen:

Diskussion im Forum
Ulrich Beck; Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. (1986)


vertiefende Interessen:

Cory Doctorow „Backup“

2 thoughts on “Vom Web 2.0 zum Web 3.0; von Bildung 2.0 zu …

  1. Ich würde Gegenthese 2.1 unterschreiben.🙂

    Übrigens: Die Möglichkeit, sich seine Werkzeuge zusammenzusuchen und zu seiner eigenen Werkzeugumgebung zusammenbauen zu können, ist auch unter dem Begriff „Personal Learning Environment“ (PLE) momentan stark in der Diskussion.

  2. Ich finde diese Erkenntnis, die mir gestern kam, dass es sich im Grunde wiederum „nur“ um den „alten“ Widerspruch von Individuum und Gemeinschaft handelt, sehr interessant.

    Einen Widerspruch gibt es meiner Meinung nach auch nicht wirklich.😉

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