"Frauen in den Geisteswissenschaften"

03.12.2007

Früh bin ich schon wieder unterwegs. Dankenswerterweise werde ich zur Straßenbahn gefahren, die mich wieder nach Bonn bringen soll. Seit dem bin ich sechs Stunden unterwegs. Es geht nach Berlin! Gegen 15:30 Uhr fängt der Workshop an, zu dem ich mich in allerletzter Sekunde angemeldet habe. Diesmal ist jedoch die HU in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium für Bildung und Forschung der Ausrichter.

Empfangen werde ich in imposanter Kulisse – einem historischen Vorlesungssaal (Medizinhistorisches Museum), der meine Augen aufleuchten lässt.

Seitlich ist ein kleines Buffet mit Kaffee, Tee und Kuchen und Obst aufgebaut. Wie gut für mich, mein Magen „schreit“ schon den ganzen Tag nach Arbeit.
Etwa hundert Zuhörer werden erwartet und meine Spannung steigt mit den Broschüren in meinen Händen, immer mehr. Dennoch bin ich für einen Moment unsicher, geht es hier um Gender Forschung oder darum, wie angekündigt, dass exemplarisch aufgezeigt werden soll, wie Nachwuchswissenschaftlerinnen eine Karriere in der Wissenschaft anstreben können. Vielleicht hat man die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und beide Themen miteinander verbunden?

Es fängt an … erinnert werde ich von Dr. Susanna Schmidt daran, dass wir uns noch immer im Jahr der Geisteswissenschaften befinden. Geisteswissenschaftler werden im Sinne der Thematik von den Geisteswissenschaftlerinnen getrennt. Beiden gemeinsam ist jedoch der historische Blick und ihren Nutzen (als Geisteswissenschaftler und Geisteswissenschaftlerinnen). Der Nutzen darf dabei nach dem philosophischen Wörterbuch nicht ökonomisch verstanden werden. Die Geisteswissenschaften müssen sich daher immer wieder zu Wort melden, um immer wieder aktuelle und andere Entwicklungen und Fragen zu reflektieren. Dennoch sind Geisteswissenschaften auch ein Wirtschaftsfaktor, was vor allem bei Kulturgütern und in der Psychologie besonders offensichtlich wird.

Das Fazit lautet: Geisteswissenschaften sind wichtig!

Übergeleitet wird zu der Erscheinung, dass Frauen, noch immer kaum an der Wissenschaftsspitze vertreten sind. Gleichzeitig wird die Chance genutzt, um auf verbesserte politische Unterstützungsprogramme aufmerksam zu machen.
Nachdem die rechtzeitig erschienene Broschüre „Frauen in den Geisteswissenschaften: nüchterne Zahlen und inspirierende Vorbilder“ sehr emotional vorgestellt wurde, beginnt der Vortrag „Rot tragen“ von Prof. Susan Neiman.
Anfangs bin ich skeptisch. Ihre Rede ist gut. Immer wieder wird gelacht. Der saloppe Sprachstil erzählt etwas von ihrer Beigeisterung für das Leben an sich. Die Stimmung ist aufgelockert und interessiert. Jeder spürt, dass eine spannende Frau vor ihnen steht. Humorvoll erzählt und kleinste Details verzieren ihren Vortrag. Jedoch finde ich ihre Rede erst nach und nach gut. Ab dem Zeitpunkt, wo sie deutlich daraufhin weist, dass sich Frauen von Männern unterscheiden, indem sie anders sind, diese aber nicht ersetzen wollen. Auch in dem anschließendem Workshop wird auf diesen Aspekt noch mal deutlich hingewiesen. Mit klaren und durchdringenden Worten zeigt sie auf die Verhältnisse anderer Länder hin. Mit dem Schlagwort: „Europa, Du hast es besser!“, fasst sie diese Verhältnisse zusammen. So sind wir in Deutschland in bestimmten Bereichen (öffentl. Verkehrssystem) beispielsweise Amerika überlegen. Dennoch ist das Klima für schwangere Frauen und Kinder in den USA besser. Dort kommt man nicht auf die Idee auf Kinder zu verzichten, nur weil die Strukturen schlecht sind. „Kinder haben“ kann man in Deutschland, wenn diese unsichtbar bleiben. Sie schmückte diese Situation mit der Metapher von braun und beige Tönen. Jedoch weist sie auch daraufhin, dass Männer ihrer Generation völlig verwirrt sind und es ihnen an Vorbildern fehlt. Daher lautet ihr Abschlussplädoyer im kantischen Sinne: Wir brauchen Klarheit über das, was ist und was werden soll.

Dennoch habe ich den Eindruck, dass die Workshops – Gespräche darauf abzielen, wie sich `Frau` in der Wissenschaft von dem `Mann` abgrenzen kann. Ich verlasse mit der ungestellten Frage den Ort, war das alles, was man dazu sagen konnte? …

nachträgl. Anmerkung: Alice Schwarzer hat an diesem Tag ihren Geburtstag gefeiert.

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