„Im Fokus: Kinder – Aufwachsen in einer Mediengesellschaft“ (Teil 4)

02. Dezember, 14 Uhr

Das Interesse unter den Seminarteilnehmern ist groß. Viele nutzen die Gelegenheit nach dem Mittag in einige der virtuellen Welten kurz „hineinzuschnuppern“, StudiVZ, Xing, Youtube, Chatcity …

Nahtlos geht es über in den Vortrag von Astrid Zipfel „Wirkung von gewalthaltigen Medien auf Kinder und Jugendliche“. Der erste wissenschaftliche Beitrag ! Eine gewisse Professionalität zeichnet diesen aus, indem die Themen des Referates in einer Gliederung vorgestellt werden. Aristoteles leitet mit der Annahme der Kartharsisthese ein, die bis heute noch nicht bestätigt ist. Die Suggestionsthese stellt hingegen den wissenschaftlichen Gegenpol dar. Die Habitualisierungsthese wird ergänzend der Vollständigkeit hinzugefügt, ebenso, wie die Angstauslösung, die Erregungstransfer-These, die Stimulationsthese, die Skript-Theorie und das General Aggression Model.
Frau Dr. Zipfel bezeichnet die Lerntheorie als die beste Theorie zur Erklärung der bisherigen Befunde.
Die Aufzählung und das Tempo der vorgelegten Erklärungen wirken nach dem Mittag ermüdend. Es fällt mir schwer, ihr zu folgen.
Mit den Simpsons wird der Vortrag glücklicherweise wieder etwas aufgelockert. Mit Inhaltsanalysen will man der Gewalt in den Medien näher kommen. Frau Zipfel weist jedoch zu Recht daraufhin, dass das Aufzählen von Gewalt in einem bestimmten Medium nicht als aufschlussreich hinzugenommen werden kann. Sie favorisiert Experimente, da Experimente den Nachweis von Kausalzusammenhängen ermöglicht. Wie jeder methodischer Ansatz, so hat auch dieser Vor- und Nachteile. Ein Anhaltspunkt, der auf Gewalttätigkeit hinweist, ist die Messung kognitiver Effekte, sowie affektiver Effekte. Ein interessanter kann ebenso in der Messung von Verhaltenseffekten gefunden werden. Jedoch, wie kann man Gewalt indirekt messen?
Mit wissenschaftlicher Wortgewalt und Trockenheit wurde meine Sitznachbarin aus dem Raum vertrieben. Es sind zwei unterschiedliche Welten, die in diesem Vortrag aufeinander stoßen. Eine weitere Teilnehmerin signalisiert die vom Redner größtenteils hervorgerufene Atmosphäre, mit deutlicher Abkehr vom Vortragenden. Sie steht am Fenster und schaut hinaus.
Die Wissenschaft muss lernen, sich außerhalb der eigenen Welt verständlich zu artikulieren und zu präsentieren. Viel zu sehr wird genau dies innerhalb eines Studiums vernachlässigt. Die Signale der Zuhörer kommen jedoch bei der Rednerin an. Die Folge ist, sie spricht noch schneller und wirkt zusammengekauert. Sie hält sich fest an ihren eigenen Händen.
Ich wage zu behaupten, dass der Zuhörer bisher inhaltlich kaum etwas von dem Vortrag mitbekommen hat. Ihm bleibt in Erinnerung, dass er sich gewünscht hat, dass der Vortrag schnell endet.
Das Fazit dieses Referats war nicht neu. Und deswegen hat sich der Zuhörer quälend auf seinem Stuhl hin – und hergewälzt? Medien lösen nicht als einzige Komponente Gewalt aus. Sie können diese aber auch nicht verhindern. Alles hängt kausal zusammen.

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