Aschermittwoch in Leipzig

Politischer Aschermittwoch sollte gepaart werden mit einem Schuss vom schwarzen Humor, ein Stückchen Sarkasmus und natürlich immer im Blick des Bühnenredners das Wohl der eigenen Partei, Mitgliedermotivation.

Da leider Figuren, wie Edmund Stoiber, rar werden, die Gesundheitsreform nicht wirklich zum Lachen anregt und zudem die Schwesterpartei sich nicht getraut über sich selbst und Freunde zu lachen, ist der Witz wohl auf der Fahrt von Berlin nach Leipzig irgendwo im ICE stecken geblieben. Vielleicht hat er auch nur den Ausstieg verschlafen und ist nach Bayern weitergefahren.

In Leipzig hingegen motivierte man die eigenen Mitglieder und blies noch einmal die Fanfare des eigenen Parteiprogramms.
Auch nicht schlecht, weiss ich jetzt zumindestens die Ziele der Partei, in der ich seit einigen Wochen dabei bin und spaare mir nun Stunden damit, das Parteiprogramm durchzulesen. Für die nächsten Monate wird der Crashkurs wohl erstmal reichen und dann, dann kommt ja auch schon der nächste Aschermittwoch für eine Auffrischung.
Das Ritual der Selbstreinigung wurde abgespielt. Die Enttäuschung über den Koalitionspartner, dass man doch in den letzten Monaten, sich immer nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigte, war nicht zu überhören … und klang auch schon ein wenig nach Langweile. Nach dem Motto: „Konnte wir uns nicht mal auf etwas einigen, was wir nicht schon seit Monaten wussten?“
Aber waren die Herren auf der Bühne nicht mal auf den Gedanken gekommen, dass die Koalition kein Produkt des Zufalls aus der letzten Wahl war? Vielleicht waren dem Bürger die ständigen Auseinandersetzungen und teilweise sinnlosen Streitereien der beiden größten Parteien zu viel geworden? Vielleicht wollte er, dass sie endlich einmal zusammenarbeiteten? Erreicht man bekanntlich durch Zusammenarbeit nicht mehr, als sich in den vielen kleinen Streitereien zu verlieren? Vielleicht dachte so der „Bürger“ … allerdings hatte er dann falsch gedacht …
Denn mittlerweile steht er noch dümmer da, als vor der Koalition. Davor konnte er wenigstens bei den Streithähnen und deren Kämpfe zuhören. Jetzt hat er diese Kämpfe in einen Bereich verlegt, wo er kaum noch vorgelassen wird. Nur Kindereien erreichen den Lauscher, wirkliche Auseinandersetzungen werden vertraulich zurückgehalten. Von nun an wird sich hinter verschlossenen Türen gestritten. … Pech für einen vielleicht guten Versuch und das nur, weil der Politiker die Aussage des Wahlergebnisses mal wieder fehl interpretiert haben.
Wer hört denn schon auf den Wähler oder auf die Wünsche des einfachen Bürgers?
Diese werden doch nur so gebogen, dedreht, gedehnt und verformt, dass sie in den Aussagen der eigenen Partei hineinpassen.

Lieber Wähler, die Politiker sind momentan noch nicht lernfähig. Warum, das weiß ich auch nicht, vielleicht weil es daran liegt, dass er die Position des Lehrers (Volk) und des Schülers (Politiker) immer wieder gerne dann vertauscht, wenn es ganz anders sein sollte. Flexibles Denken, wie es von Euch gefordert wird, dazu ist der Politiker nicht bereit, weil er immer noch Flexibilität mit Ortsveränderung gleichsetzt. (Er hat ja auch ein Erste-Klasse Ticket, das ihm der Steuerzahler finanziert.(Achtung: unzulässige Verallgemeinerung))
Deswegen lasst uns wenigstens wissen, was hinter den verschlossenen Türen diskutiert wird. Auch wenn der Sieg der einen oder anderen Partei dann wiederum fehl gedeutet wird und die eine oder andere Partei meint, sie seien an der „Macht“, weil sie eben überzeugen.

Nun muss ich bei aller Kritik jedoch auch zugeben, im politischen Witz und Satire sind die Berliner Meister. Vielleicht fällt es uns Provinzlern deswegen so schwer, mit angebrachtem Sarkasmus an so einem Abend die Menschen zu unterhalten.

Bei aller Kritik, wer bin ich denn, dass ich diese äußern darf? Jeder kann meckern, handeln tun wenige. So sitze ich zufrieden und mit voll gefülltem Bauch in meinem Kämmerlein und ziehe mit Hochgenuss über den Mut des öffentlichen Auftritts anderer her, der in meinen Augen zumindest an dem einem oder anderen Ort gescheitert ist.

P.S. Laut Christentum beginnt ab dem Aschermittwoch, für den Gläubigen die Pflicht einer Fastenzeit von 40 Tagen. D.h. zum Verzicht auf Fleisch, Milchprodukte (= Laktizinien), Wein und Eier, Süßigkeiten und andere Genussmittel.
Die bewusste Einschränkung soll vor allem eine Schulung des Geistes bewirken. Fastenzeit ist eine Zeit der Buße und der Umkehr.

Ich versuche in dieser Zeit ein wenig über mich selber und meinen Versuch der Politik beizuwohnen, nachzudenken.

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