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Der letzte Monat war sehr ereignisreich. Ein neuer Job hat meine vollste Aufmerksamkeit erfordert. Das Bloggen versuche ich daher langsam wieder aufzunehmen.

Mit der neuen Arbeit der Förderinitiative „Ein Netz für Kinder“ wird sich wohl auch der Inhalt des Blogs ändern. Meine Dissertation verfolge ich natürlich weiter, dennoch wage ich zu vermuten, dass auf dem Blog zukünftig einige Artikel bezüglich meiner Arbeit zu finden sind.

Ziel der Förderinitiative ist es einen attraktiven und sicheren Surfraum für Kinder im Web mit zu gestalten.

Die Notwendigkeit wurde heute bspw. in der Leipziger Volkszeitung aufgegriffen (115. Jahrgang, Nr.156). Der Artikel „Internet-Nutzer werden immer jünger“ wird berichtet, dass bereits 71 % der Grundschüler bereits im Web surfen. Die Kernzielgruppe der Initiative sind Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren. Der Präsident des Branchenverbandes Bitkom, August Wilhelm Scheer, wird in der Zeitung mit folgendem Satz zitiert: „Ab elf Jahren benutzt es [Internet] praktisch jedes Kind“. Das Internet scheint im Alltag unserer Kinder angekommen zu sein.

Zusammen mit Guido Brombach und hoffentlich vielen anderen Helfern versuche ich an dem Projekt: „Geocaching: Vergessene Orte der Demokratie“ mitzuwirken. Die Idee finde ich klasse, da mit diesem Projekt auf spielerische Weise mehrere Elemente verbunden werden. „Vergessene Orte der Demokratie“ richtet sich speziell an Erwachsene. Auch Erwachsene sind immer wieder mal für spielerische Ansätze offen! Es geht um Wandern! Es geht um „Schnitzeljagd“! Es geht um versteckte Rätsel! Bei der Virtualität und Realität handelt es sich jetzt schon um zwei Wirklichkeitsbereiche, die kaum noch voneinander zu trennen sind. Mit dem Geocaching verschwimmen beide Wirklichkeiten mehr denn je. Das Web, präsentiert durch ein Portal, auf dem man sich interessante Routen heraussuchen und anderen von den erlebten Suchen berichten kann, bedingt die Suche in unserer gesellschaftlichen Realität. Die Geokoordinaten (geocaching.com) werden auf ein GPS fähiges Endgerät übertragen und führen den Wanderer durch zahlreiche und vielfältige Orte. Mitunter werden vergessene Orte neu entdeckt. Genau das ist das Ziel dieses Projektes. Vergessene Orte der Demokratie bzw. außergewöhnliche und perspektivische Erinnerungen sollen aufgespürt werden. Vielleicht führen diese Pfade zu Personen mit besonderen Erfahrungen oder Denkmälern? Ideen von Euch sind gerne Willkommen!

Link der Präsentation des Projektes: http://prezi.com/69780/

An einem Ort, wo Medien gemacht und gedacht werden, fand  in der letzten Woche (04.05.09 -06.05.09) der Medientreffpunkt Mitteldeutschland statt. Diese Worte formulierte Jochen Fasco als Abschlussworte dreier sehr ereignisreicher Tage. Kurz, knapp und treffend fängt er die Stimmung des Medientreffpunktes Mitteldeutschland in wenigen Sekunden ein, der sich für mich von Tag zu Tag gesteigert hatte.

Prägend für den ersten Tag war für mich die Veranstaltung: Jugendliche in neuen Medienwelten  – wohin geht die Jugend? Hierbei handelte es sich um eine Präsentation der Universität Leipzig über Medienwelten von Jugendlichen mit Maren Würfel, Jan Keilhauer und Matthias Kießling unter der Leitung von Prof. Dr. Bernd Schorb. Leitfragen für diese Präsentation waren: Wie hat sich der Umgang von Jugendlichen mit Medien in den letzten Jahren entwickelt? Wie gestaltet sich das Leben der Jugendlichen im Netz? Macht das Internet die traditionellen Medien für Jugendliche überflüssig? Die Medienwelten von Jugendlichen wandeln sich rasant. Das „Medienkonvergenz Monitoring“ der Universität Leipzig (Förderung SLM) begleitet seit 2003 als Langzeitforschungsprojekt den Weg der Jugendlichen in den neuen Medienwelten.

Kritisch fand ich Aussagen, wie „Das Internet bleibt vorwiegend ein Rezeptionsmedium und kein Mitmachweb.“. Weiterhin wiesen die Referenten ausdrücklich daraufhin, dass die Jugendlichen keine scharfe Trennung mehr zwischen der „Online-Welt“ und der „Offline-Welt“ wahrnehmen, dennoch hat sich das Team der Studie dafür entschieden eine Trennung in der Beobachtung vorzunehmen. Es wurde das Verhalten am „Offline-Computer“ und „Online-Computer“ erfragt. Woher jedoch nehmen Jugendliche beispielsweise bei der Bildbearbeitung am Computer ihre Bilder her? Oder wem zeigen sie diese Bilder? Fragen dieser Art hinterließen eine offene Lücke bei mir! Eine Trennung zwischen on- und offline könnte für mich dann sinnvoll erscheinen, wenn man sich die Entstehung von Wissen in diesem Zusammenhang betrachtet. Einmal könnte Wissen selbständig und allein erarbeitet werden (offline-Prozess), wenn ausschließlich der Prozess betrachtet wird, indem das Individuum Anregungen von außen mit sich selbst ausmacht. (Allerdings finde ich schon hier diese Trennung als sehr schwierig.) Zum anderen könnten einzelne Teile eines Wissensprozesses als Gruppenprozess wahrgenommen werden (online-Prozess). Ein Beispiel für die Aufhebung dieser Trennung findet man bei Christian Spannagel und Mostafa Akbiri.
Ebenso fand ich die Definition des Internets als Massenmedium nicht ausreichend begründet. Vielleicht ließ die Zeit eine nähere Definition nicht zu, das in diesem Zusammenhang angebrachte Beispiel das Internet als Massenmedium anhand der Benutzung von YouTube zu erklären, finde ich zumindest zweifelhaft.
Die Zeit war kurz und der Rahmen einer Diskussion über meine Einwände leider nicht gegeben (jedenfalls habe ich dies so interpretiert), so dass ich meine Chance, mich einzubringen, verpasst habe. Die Abschlussworte, dass man jedes Jahr über dieses Projekt berichtet, so auch nächstes Jahr, haben mich zudem erschreckt, da mir keine Gesprächsbereitschaft signalisiert wurde. Mit einem Verweis auf die Homepage wurde ich entlassen. Das man auch über das Podium hinaus mit Interessierten in Kontakt bleiben kann, hat schon Christian Spannagel von der PH Ludwigsburg bewiesen.

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Am nächsten Tag war ich bei der Podiumsdiskussion: Verändertes Verhalten – Wer kommuniziert was wo? Leitfragen waren: Wie können klassische Medien neue Kommunikationsräume erschließen? Welche Ansprache wird als authentisch empfunden? Zieht Journalismus in den neuen Räumen? Eingeladen waren Vertreter verschiedenster Medienformate: Johnny Haeusler als Vertreter des Webs, Lars Reckmann als Vertreter des Films. Michael Schiewack als Vertreter des Radios und Andreas Arntzen als Vertreter der Zeitung.
Diese Session sollte der Zuschauer als Experiment begreifen, in dem er sich selbst aktiv einbringen konnte. Via Twitter- und SMS“Wall“ (Twitter: @PublicFutureLab) wurde der „virtuelle anwesende Gast“ jedoch manchmal vom Moderator viel mehr wahrgenommen als das vor ihm sitzende Publikum. Aufgefallen ist mir besonders Johnny Haeuslers Verständnis von Kommunikation, die den Anwesenden teilweise befremdlich erschienen. Statt in der Diskussion ein Gegeneinander verschiedensten Medienformate zu unterstützen, verwies er meiner Meinung nach zurecht, auf die jeweils einzelnen Vor- und Nachteile der unterschiedlichsten Medien hin, weswegen ein nebeneinander bzw. Unterstützung der Medien anzustreben wäre. Jeder, egal in welchem Medienformat er arbeitet, muss sich dementsprechend mit anderen ergänzenden Medienformaten auseinandersetzen. Kritik wird in Form einer möglichen Zerfaserung der Aufmerksamkeit geübt, wie am Moderator der Diskussion bereits zur Geltung gekommen ist.
Das Experiment stößt Anfangs aufgrund der offenen Gestaltung auf Interesse. Doch das fehlen des thematischen roten Fadens, lässt das Interesse langsam wieder verstummen. Johnny Haeusler versucht mehrmals Impulse zu geben, doch erst die direkte und provokante Äußerung „Mir ist langweilig!“, gibt der Diskussion einen Wendepunkt, die er mit den Worten: „Wer meckert, muss auch besser machen“ einleitet und auf das aktuell im Web kreisende Thema der Internetsperren mit der Frage an die Anwesenden verweist, warum klassische Medienformate Inhalte des Webs nicht aufnehmen.

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Am letzten Tag waren die Gespräche konstruktiv und  harmonisch gestaltet. Deutlich kam herüber, dass die einzelnen Interessensgruppen zusammen arbeiten und somit Deutschland mitgestalten wollen. Die Podiumsdiskussion Medien, Kinder? Thüringen? mit Jochen Fasco (TLM), Steffen Kottkamp (KI.KA), Udo Reiter (MDR), Markus Schächter (ZDF), Manfred Schmidt (MDM), Gerold Wucherpfennig und Susanne Führer (Deutschland Radio) waren zukunftsorientiert. Woran wird in der Ideenschmiede gearbeitet? Welche Rahmenbedingungen müssen verbessert werden? Wo hat der Standort Wachstumspotenziale?,  waren nur einige Leitfragen in dieser Diskussion. Erfurt wird mit seiner Bezeichnung eines Kindermedienstandortes als Vorreiter wahrgenommen. Der Blick nach Veränderung in der Kindermedienlandschaft richtet sich dementprechend nach Erfurt, das mit kurzen Wegen zwischen den verschiedensten Medienformaten und Unterstützer, sowie guten Bedingungen  in Deutschland heraus sticht. Baden-Württemberg eifert bereits Erfurt nach, indem es scho’ einmal den Begriff des Kindermedienlandes auf sein Bundesland überträgt. Hiermit wird ein Wettbewerb offiziell eröffnet, der inspirierend und wichtig ist. Einen möglichen zukünftigen Weg sieht Manfred Schmidt in seiner Forderung nach internationalen Projekten.
In einer weiteren Veranstaltung des Tages „Wie weiter mit der Filmförderung?“  informieren Uli Aselmann, Claus Grewenig, Hans Ernst Hanten, Andreas Kramer, Detlef Roßmann, Frank Völkert und Helmut Goerlich, dass gemeinsam ein Weg aus der Krise der Filmförderung gefunden werden kann. Eingeleitet wurde diese Krise nach einer Klage mehrer Kinobetreiber zur eine Abgabegerechtigkeit. Die Kläger hatten an der bestehenden Regelung bemängelt, dass Fernsehsender ihre Abgaben über Verträge aushandeln können, wohingegen Kinobetreiber feste Abgaben zahlen müssen. Fragen, wie: Müssen die Abgabepflichtigen weiter ihre Zahlungen an die FFA leisten? Wie kann Abgabengerechtigeit erreicht werden? Inwieweit setzt die Rundfunkfreiheiteine Abgabepflichtigkeit für Fernsehveranstalter Genzen? und: Wie weit reicht die Kompetenz des Bundes für Kulturförderung?, gilt es gemeinsamin den nächsten Wochen zu beantworten.

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Pressemitteilungen vom 06.05.09: Streit um Filmabgabe / Bundesregierung möchte, dass deutsche Kinolandschaft erhalten bleibt

In dieser Session dient die Neuronenmetapher als Grundlage. Die Kernaussage der Neuronenmetapher geht davon aus, dass wir gemeinsam Probleme lösen können. Das Grundgerüst gemeinsamer Problemlösung beschreibt Jean-Pol Martin in seinem Blog als eine Architektur der anwesenden Gehirne. “Insofern können wir, wenn ein Problem gelöst werden soll, eine Gruppe als Gehirn strukturieren und zur fruchtbaren Interaktion müssen die einzelnen Menschen sich dann wie Neuronen verhalten.“
In dem „Erich Hammer Bericht“ auf Christan Spannagels Blog wird sehr deutlich, dass die Gesamtheit einer Klasse durchaus in der Lage ist von selbst bestimmte Fehler zu erkennen und gemeinsam zu korrigieren, bzw. der anwesende Lehrer die Klasse auf den entsprechenden Weg lenken kann.
Peter Nieschmidt (siehe mein Blogeintrag vom 17.03.2009: Unterschiedliche Formen der Sozialisationserfahrungen während der Kindheit: Ausschaltungskonkurrenz – Entfaltungskonkurrenz) weist als einer von vielen Lehrenden darauf hin, dass Fehler in einem Lehrprozess sogar erwünscht sein können. Falsches darf gesagt werden! Die bisherige Fehlerkultur, also der Umgang mit Fehlern, löst bei Kindern und Jugendlichen Versagensängste und somit Blockaden aus. Um sich dieser Blöße nicht freizugeben, lernen Kinder sehr früh lieber nichts zu tun, als sich dem Risiko einer Niederlage auszusetzen. Dabei wiesen schon Albert Schweizer mit Aussagen, wie „Unsere Fehler sind lehrreicher als unsere Erfolge“ und James Joyce mit „Fehler sind das Tor zu neuen Entdeckungen.“ auf den Mehrwert von Fehlern hin. Interessant finde ich dazu den Einsatz eines Klassenblogs „Elefantenklasse.de“, da in diesem Blog sogar der Schritt an die Öffentlichkeit außerhalb der eigenen geschützten Gruppe gewagt wird.

Soziale Netzwerke helfen zu lernen. Dabei spielt die soziale Motivation eine herausragende Rolle. Durch soziale Eingebundenheit in Form von Rückmeldungen und Austausch fühlt sich der Einzelne aufgehoben und fängt an sich ‚Dinge’ zu wagen, die er sich sonst nicht selbst zugetraut hätte. Durch die Erfahrung eines sozialen Rückhaltes wird er aufgefangen.

Hierbei handelt es sich um einen Prozess gemeinsamer Wissensgenerierung. Das einzelne NEURON (Individuum) bringt seine individuellen Erfahrungen und sein Wissen in die Gruppe durch Kommunikationskompetenz und Partizipationskompetenz ein. Individuelles Wissen wird somit für andere verfügbar und diese werden wiederum angeregt, ihr Wissen ebenso dem Gehirn (Gruppe) beizusteuern. Die Gruppe einigt sich daraufhin in einem gemeinsamen Diskurs auf grundlegende Begrifflichkeiten, Vorgehensweisen und Ziele (kollaborative Wissensgenerierung). Kollektives Wissen entsteht in einem kollaborativen Prozess und Vernetzung. Der Anteil kollaborativer und kollektiver Merkmale setzt sich in jeder Wissenskonstruktion unterschiedlich zusammen. Ein Phänomen, das während dieses kollaborativen Prozesses der Erzeugung von Wissen auftritt kann, ist die Emergenz. Kollektives Wissen zeichnet sich dadurch aus, dass es sich durch erfolgreiche Anwendung bewährt hat. Dann kann es von anderen Gruppen, die sich in ähnlichen Situationen befinden, aufgegriffen und an deren spezifische Situation angepasst werden. Kollektives Wissen wird hierbei als Zustand verstanden, während kollaboratives Wissen stets einen Prozess des Wissenserwerbes beschreibt. (Quelle Neuron Wiki, )

Weiterführende Links:

Interne Verlinkung:

KinderKult

Wenig Kinder sind an diesem Morgen unterwegs. Der Parkplatz vor dem Medienevent ist fast leergefegt. Ich wundere mich darüber, während ich die Hallen betrete. Erst später bemerke ich, wie sich die Hallen langsam mit fröhlichen Kindergeschrei und lautstarken Experimenten füllen. Wahrscheinlich sind Familien mit Kindern noch nicht so früh am Morgen unterwegs!

Innen erstreckt sich weiter Raum zwischen den aufgebauten Ständen. Verwunderlich, kenne ich doch nur Messen, in dem sich die Zuschauer zwischen den Ständen durchzwängen müssen, um dann doch an jenem oder diesen Produkt anzustoßen bzw. umzureißen. Hier ist Platz! Der freie Raum kann aktiv oder nur zum herumschlendern genutzt werden. Ab und zu schießen die unterschiedlichsten Fahrradgestelle an mir vorbei. Den Kindern gefällt es, entweder alleine oder zusammen mit den Eltern die verschiedensten Gestelle zu benutzen. Dazwischen erproben Kinder das Stelzen laufen, spielen Tischtennis, basteln etc… selbst auf Erwachsene überträgt sich diese experimentelle Neugier.

Hier greift die Neugier um sich. Handwerklich, sportlich und künstlerisch darf sich hier jeder betätigen. Die neuen Medienformate sind ebenso hier vertreten und fügen sich in das Gesamtbild harmonisch mit ein. LAN-Spiele und ein Führerschein für das Internet könnten die Kinder an die Stände locken. Doch, wer aufmerksam beobachtet sieht ein gleichmäßig verteiltes Interesse der Kinder.

Weiterführende Links:

KinderKult

Micro – Learning

Auffällig auf BarCamps ist die immer wieder anzutreffende Twitterwall. Der Einsatz von Twitter befindet sich noch im experimentellen Status. Oftmals schimmert diese Twitterwand hinter dem Referenten, der mit krampfhaften Bewegungen ab und zu einen Blick auf diese Wand zu werfen versucht, um ein paar Rückkoppelungen zu seinem aktuellen Auftritt vor Ort zu erhaschen. Der Umgang mit einer Twitterwall an öffentlichen Orten erscheint noch krampfhaft und ungeübt. Nur wenige haben bereits erfolgreiche Konzepte entworfen, Twitter in größeren Gruppen einzubinden.
Ein Vorteil, der sich aus dem Einsatz von Twitter ergeben kann, ist dass Andere nicht vor Ort Anwesende, die aber den Mitschnitt verfolgen können, sich mit ihren eigenen Gedanken in die aktuelle Auseinandersetzung einbringen. Die Twitterwall, eingesetzt auf Podiumsdiskussionen oder anderen Vorträgen, bzw. Konferenzformaten, versucht die Trennungslinie zwischen den Zuhörern und den Rednern, den Anwesenden und den nicht vor Ort Anwesenden zu durchbrechen. Der Content ist zugegebenermaßen gering und auf wenige Zeichen begrenzt. Daher können nur Impulse versendet werden und haben die Chance hier und da anzudocken. Vielleicht wäre eine Idee, einen speziellen Moderator für die Twitterwand einzusetzen, der in der Lage ist, Impulse aufzugreifen und vor Ort einzubringen. Der Sprecher muss sich dann nicht einer zusätzlichen Anforderung von Verrenkungen stellen, sondern kann den Austausch vor Ort fokussieren. Diese Idee haben wir zusammen auf dem educamp 2009 in Ilmenau besprochen.

Andere mögliche Einsatzgebiete von Twitter in größeren Gruppen kann im Bildungsbereich sein. Ralf Appelt greift hier und da in dem Blog „Love it or Change it“ verschiedene Ansätze von einem eventuellen sinnvollen Einsatz im Bildungsbereich auf. Allerdings verweist er auch auf die noch vorherrschende Ratlosigkeit im Einsatz von Twitter. Besonders stellt er die Aspekte, Vernetzung: „Den Aspekt der Vernetzung halte ich ebenfalls für interessant.“ und der Präsenz: „Interessant finde ich auf jeden Fall das Phänomen, dass sie und andere Wissenschaftler, Lehrer, Studenten über diese Kanäle auch über die Inhalte ihrer Arbeit berichten.“, hervor.

Weiterführende Links:

  • Blog: Love it or Change it: Microblogging im Bildungsbereich, Ralf Appelt, 09.02.2009
  • Slideshare: Using microblogging in education. Case study: Cirip.ro von Carmen Holotescu Politehnica University of Timisoara Director Timsoft Gabriela Grosseck West University of Timisoara Romania 6th Conference on eLearning Applications, Cairo January, 10-12, 2009

Information Overload

Tag für Tag, Stunde für Stunde und Sekunde für Sekunde erreichen uns unzählige Informationen. Twitter ist nur eine Applikation, die die zahlreichen Informationen zum Teil sichtbar gestaltet. Weswegen gerade Twitter immer wieder auch als Rauschen bezeichnet wird (Beispiel: „Wie reduziere ich das Twitter rauschen?“ von Viralbuzz vom 11.12.2009 ). Als Nutzer gestaltet es sich schwierig diese Tools kompetent zu nutzen. Die Herausfordrung des Nutzers besteht darin Informationen zu filtern, die für ihn relevant sein können und dennoch so viel Spielraum zuzulassen, um auf neue für ihn bedeutsame Hinweise durch andere aufmerksam zu werden.

In der heutigen Welt sind wir aufgefordert eine dementsprechende Kompetenz zu entwickeln, die allerdings nicht neu ist! Zygmunt Bauman beschreibt 1993 auf S.17 eine bereits weit verbreitete Grunderfahrung der Menschen in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. „Heutzutage scheint sich alles gegen … lebenslange Entwürfe, dauerhafte Bindungen, ewige Bündnisse, unwandelbare Identitäten zu verschwören. … die Bindung gilt von vornherein nur ‚bis auf weiteres’, die intensive Bindung von heute macht Frustrationen morgen nur umso heftiger:“ Bauman vergleicht den Menschen der Spätmoderne mit einem Vagabunden, der ruhe- und orientierungslos seine Aufenthaltsorte wechselt, fortgetrieben von der nie versagenden Hoffnung, der nächste Ort wird frei sein von den bisher erlebten Mängeln. Mit dieser chronischen Rastlosigkeit und fieberhaften Suche haben wir uns bis heute noch nicht ausreichend auseinandergesetzt. Noch immer fehlt es uns an der notwendigen Kompetenz eine Auswahl zu treffen und uns zu entscheiden, wer wir sein wollen. Ulrich Beck beschreibt diese Einstellung in „Riskante Freiheiten: Individualisierung in modernen Gesellschaften“  als Individualisierung, mit der neue Freiheiten und Handlungsspielräume entstanden sind.

Es wird helfen, wenn wir die Kompetenz erlernen, eine auf uns abgestimmte Auswahl treffen zu können. Dazu bedarf es jedoch an Orientierung in Form eines reflektierten Selbst- und Weltverhältnisses. Mit Hilfe selbstreflexiver Lern- und Orientierungsprozesse, setzen wir uns immer wieder neu  mit der Frage nachdem, was und wie wir sein wollen, auseinander. Mit einem herbeigeführten Entscheidungsprozess entfliehen wir der Entscheidungsunfähigkeit und damit im „Sumpf“ der Möglichkeiten starr zu versinken.
Unsere gesellschaftliche, politisches und technologische Umwelt wird immer komplexer. Web 2.0 baut auf dem Web auf, dass noch nicht mal bei allen in der Bevölkerung angekommen ist. Setzen wir uns nicht aktiv mit unserer Umwelt auseinander, verlieren wir die Zusammenhänge einzelner Ereignisse aus dem Blick. Mit den Fortschritten in der Informationstechnologie und dem Informationsüberfluss, den die vielen Medien verursachen, verschärft sich die Problematik des Verstehens zusätzlich. Immer weniger Menschen sind in der Lage mit dem Fortschritt die gesellschaftlichen, politischen und technologischen Problemen in ihrer Ganzheit zu verstehen. Vielen ist es unmöglich geworden die Vielzahl an Informationen in einen richtigen Zusammenhang zubringen.
Dabei haben wir einen digitalen Vorteil! Jörg Wittkewitz schreibt: „Wir leben in den Zeiten des Überflußes, nicht Überfluß an Geld oder Wasser aber eben an digitalisiertem Wissen. […]Jetzt gibt es viele sehr gute Texte und Ideen überall im Web kostenfrei.“ Damit haben Probleme nicht mehr eine richtige oder eine falsche Lösung, sondern denkbar sind mehrere Lösungen, die alle ihre Vorteile und Nachteile haben. Deshalb bedeutet Entscheidungsfindung immer mehr ein Abwägen von Vor- und Nachteilen und nicht mehr ein Suchen nach dem absolut Richtigen.

Diese Form der Entscheidungsfindung erfordert ein breites Orientierungswissen, um Auseinandersetzungen mit sich und der Umwelt einzuleiten (deklaratives Wissen). Des Weiteren müssen wir in der Lage sein, Hypothesen anderer zu beurteilen, um die Vor- und Nachteile auf das eigene Selbst abschätzen zu können (prozedurales Wissen). Peter Kruse weist in diesem Zusammenhang daraufhin, dass wir berücksichtigen müssen, in welchem Kontext dieses Wissen entstanden ist und welche Wertemuster dem Entstehungsprozess zugrunde lagen. Die Intuition nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein, die auf einem langen Lernprozess beruht (Peter Kruse ab Minute: 2:15 und  3:46).

In diesem Zusammenhang möchte ich auf den Neuerscheinung von Silbermond hinweisen. Ich war beeindruckt, als ich das erste Mal dieses Lied gehört und es unter der Perspektive „Riskanter Freiheiten und dem Wunsch nach Sicherheit“ in Form von Ulrich Beck betrachtet habe. Es fasst auf emotionaler Weise diesen Artikel zusammen.

Weiterführende Links:

  • Educamp-Wiki: Podiumsdiskussion mit Graham Attwell und Steffen Büffel als Moderatoren und Cristina Costa, Thomas Sporer, Philipp Königs, Karsten Wolf, Helen Kagan und Andrea Back als Experten
  • Jörg Wittkewitz auf digitalpublic.de über „David Weinberger: Wissen im Überfluss“ (19.02.2009)
  • Vgl. strukturale Medienbildung (Marotzki/Jörissen)

Interne Links:

Immer wieder hallen die Begriffe “altes Paradigma” und “neues Paradigma” durch die Flure. Getragen werden diese Gespräche von zutraulichem Gelächter, Neugierde auf unbekannte Gesichter und allgemeiner Aufgeschloßenheit. Suchend und wissbegierig versucht man gegenseitig die Perspektive des anderen zu verstehen. Hier und da finden Berührungen in den Gesprächen statt und urplötzlich öffnet sich ein gemeinsamer Austragungsort in bisher als einsam angenommenen Arenen.

Die Räume wirken wenig offen. Das Mauerwerk der Universität Ilmenau schützt die sich austauschende Menge vor dem Wetter. Grau, nieselig und mit vereinzelten Nebelbänken versetzt, hat Ilmenau seine EduCamper in diesem Jahr empfangen. Fleißige Helfer haben jedoch die Eingrenzung der Räume mit der Infrastruktur des Webs durchbrochen. Eine Twitterwall und zahlreiche andere Kommunikations- und Vernetzungsdienste holen die virtuell anwesenden Personen hinein ins EduCamp und lässt sie teilhaben. Ein reger Interaktionsaustausch muss für die nächsten EduCamps allerdings noch eingeübt werden. Auch die EduCamper vor Ort lernen jederzeit in der Vielzahl der Möglichkeiten die qualitativ besten für sich herauszufiltern.

Aus den Flurdialogen, dem Begegnunszentrum des EduCamps zweigen kleine Verästellungen in angrenzende Räume hinaus. Aus einem der Räume lockt der Klang eines Didgeridoos. Ein australisches Instrument führt in das präsentierte Benin-Projekt ein. Selbst hier werden Grenzen durchbrochen. Alexander Rausch berichtet von seinen Erfahrungen auf dem afrikanischen Kontinent, obwohl er erst am Tag zuvor wieder in Deutschland gelandet war. Motivation und Begeisterung sind aus seinen Worten zu vernehmen. Dieser Enthusiasmus hat ihn die zusätzlichen Anstregungen auf sich nehmen lassen, mit dem er auch die Zuhörer zu eigenen Projekten anregen möchte. ‚Webenin’ hat das Ziel eine Internetleitung in die besuchte Stadt zu legen und den Zugang für ein Jahr zu bezahlen, damit die Bewohnern vor Ort ein Werkzeug verwenden können, mit dem sie sich innerhalb und außerhalb des Landes vernetzen und somit gegenseitig unterstützen können. Vertrauen in die eigene Person, egal ob in Benin oder vor Ort muss aufgebaut werden, damit die nächsten eigenen Schritte gestaltet werden können.

Das nächste EduCamp findet am 6. und 7. November in Graz statt. Wir sind wieder dabei und hoffentlich auch ihr!

In den nächsten Tagen versuch ich Inhalte und nicht nur Atmosphäre zu veröffentlichen.

Weiterführende Links:

interne Links:

  1. Einführung in das EduCamp 2009 mit der Podiumsdiskussion “Information Overload
  2. Session: Micro-Learning
  3. Learning networks – online und offline

In Gesprächen werde ich immer wieder mit der Idee, eine eigene Community aufzubauen, konfrontiert. Die Idee ist reizvoll. Doch die Frage nach der Motivation ist nicht immer dieselbe. Einige versuchen echte Alternativen zu StudieVZ und anderen Plattformen zu bieten, in denen die Daten eigener Schülern und Kindern sensibler behandelt werden, andere glauben, dass das Anbieten einer entsprechenden Infrastruktur ausreiche, um eine lebendige Community zu initiieren, deren Aktivitäten sich positiv auf die eigene Person / Firma auswirkt.

Den Ansatz, den eigenen Schülern eine sichere Umgebung anzubieten, in der sie sich bewegen können, finde ich als Motiv herausragend, wie bspw. in einer der Xing-Gruppen „Kindermedien – Eine Investition in die Zukunft“ diskutiert wird. Mit Communitystrukturen wird jedoch ebenfalls versucht, den Kunden eines Produktes an die eigene Firma bzw. an ein Produkt zu binden. Einige Versuche find ich spannend und interessant, bei andere hingegen habe ich den Eindruck, dass die eigentliche soziale Funktion und der Sinn einer Comunity nur halbherzig verfolgt wird. Spannend sind beispielsweise Funktionen, die Google anbietet. Auf den Seiten der Computerwoche findet man folgende Erläuterungen zu der Funktion Friend Connect: „Friend Connect ist eine praxisorientierte Umsetzung der Programmierschnittstelle (API) OpenSocial. Betreiber einer Website, die per se kein trendiges Social Network ist, können damit ihre Web-Präsenz ohne Programmierkenntnisse um soziale Funktionen ergänzen. […] Google bietet über Friend Connect Dutzende sogenannter Gadgets (von Google und auch anderen OpenSocial-Entwicklern) an, die Site-Betreiber in ihr Angebot übernehmen können. Sie müssen dazu lediglich die von Google bereitgestellten Code-Schnipsel (”snippets”) in den Quellcode ihrer Seiten einfügen.“ (Quelle: Friend Connect: Data Portability à la Google, 13.05.2008, Thomas Cloer)

Communities können erstklassigen Service und Informationen bieten, aber auch die Möglichkeit, Kritik zu üben oder sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.
Ein eigenes aktives Netzwerk aufzusetzen ist eine große Herausforderung und wahrscheinlich nur auf einen längeren Zeitraum erfolgreich, wenn es über den eigenen Bekanntenkreis hinauswachsen soll. Für Schulen kommt eine weitere Herausforderung hinzu. In den großen und erfolgreichen, teilweise auch fragwürdigen Netzwerkplattformen, in denen sich zahlreiche Mitglieder tummeln, sind die Schüler über die Schule hinaus mit Freunden verbunden. Setzt eine Schule eine Community auf, müsste sie diese Vernetzung berücksichtigen. In einem möglichen Netzwerk einer Schule würden sie sich im Rahmen der Schule bewegen. Freunde müssten eingeladen werden und sich (zusätzlich) anmelden, bzw. ist im Hintergrund ständig die Vorstellung, dass die Lehrer zu viel über sie mitbekommen.

Die erste Instanz eines medienkompetenten Umganges der Kinder mit Communities und den darin freigegebenen Daten, sollten erst einmal Gespräche mit den Schülern geführt werden, in denen auf Vorteile aber Nachteile verwiesen wird.
Zudem ist meine Erfahrung, dass eine Community nicht um seiner selbst willen existiert (wenn dann nur ab einer bestimmten Größe). D.h. eine Community benötigt Pflege und einen Sinn. Schritt für Schritt könnten an Projekten die an die Community gebunden werden, Schüler nachhaltig mit der Community vertraut gemacht werden. Dynamiken, die eine gemeinschaftliches Gefühl aufkommen lassen, können jedoch nur bis zu einem bestimmten Grad von Außen durch Anregungen beeinflusst werden. Den Mitgliedern muss Raum zur eigenen Entfaltung geschaffen werden, sowie die Community nach eigenen Bedürfnissen mitzugestalten. Zudem ist es nach meinen Erfahrungen wichtig, dass der Input von außerhalb oder von bestimmten Mitgliedern der Community nicht aufdringlich wird. Ideal wäre die Entwicklung einer Community, inder den Mitglieder immer wieder eine Anregung geschaffen wird, sich selbst nach eigenen Interessen mit einzubringen, ohne dass die Aktivsten penetrant wirken. Allerdings scheint mir dies eine schwierige Balance zu sein.

Die Community um Maschendraht scheint hierin einen guten Umgang gefunden zu haben. In regelmäßigen Zusammenfassungen teilen sie aktuell interessante Diskussionen und deren vorläufigen Ergebnisse mit oder lenken die Aufmerksamkeit auf laufende Aktionen.

Eine Community verstehe ich als einen Teil von einem Netzwerk. Während ein Netzwerk ausufernd ist und versucht nach allen Seiten zu greifen, in dem es nach neuen Andockstellen fahndet, verstehe ich eine Community als eine Gruppierung, die ihre Kräfte auf den Kern fokussiert. Durch Selbstreferenz und Abgrenzung heben sie sich aus dem Netzwerk hervor. Somit bezeichnet sich Maschendraht zwar als Community auf der Willkommensseite, es ist jedoch ein Trugschluß alle Mitglieder von Maschendraht (Maschen) in Form einer Community zu begreifen. Die Plattform ähnelt viel eher einem Netzwerk, dessen Teilnehmer / Interessierte etc… aus nur einer Perspektive beleuchtet werden, während andere Netzwerker von Maschendraht nicht auffallen.

Link: DMMK Vortrag Sascha Lobo

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